Die Deutschtürken – eine Umfrage

Von Jörg Lau 12. März 2008 um 18:47 Uhr

Morgen in der ZEIT: Eine repräsentative Umfrage unter Deutschtürken nach dem Erdogan-Besuch und der Koch-Kampagne, die wir durch das Meinungsforschungsinstitut Emnid haben durchführen lassen. Es geht um das Deutschlandgefühl der trükischen Einwanderer.
Ich habe dazu einen deutenden Text geschrieben. Sechs prominente Deutschtürken geben in kurzen Statements zu Protokoll, wie sie zu Deutschland und zum Deutschsein stehen.
Hier der Einstieg, morgen mehr:

Ein paar Momentaufnahmen aus einer umkämpften Zone: Jeder zweite Deutsch­türke hat das Gefühl, in Deutschland unerwünscht zu sein. Doch zwei Drittel sagen auch: Es war alles in allem gut, dass meine Familie hierhergekommen ist. Die überwältigende Mehrheit der Türken in Deutschland wünscht sich, dass auf ihre Eigenheiten mehr Rücksicht genommen wird. Doch fast die Hälfte hat Schwierigkeiten mit der Vorstellung, einen deutschen Schwiegersohn oder eine Schwiegertochter zu akzeptieren. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der ZEIT durchgeführt hat. Wir haben versucht, die Gefühlswelt der Bürger zu vermessen, die einen »türkischen Migrationshintergrund« haben. Und weil das so ein hässliches Wort ist, das den Krampf der deutschen Debatte schon in sich trägt, sprechen wir lieber von den Deutsch­türken.
Nach den Ereignissen der letzten Wochen konnte man ahnen, dass ein Aufruhr in den Köpfen und Herzen der Deutschtürken tobt. Gleich zweimal in kurzer Zeit war die Trennlinie zwischen »den Deutschen« und »den Türken« neu gezogen worden. Auf Roland Kochs Kampagne gegen »kriminelle Ausländer« folgte Recep Erdoğans Vereinnahmungsfeldzug nach dem Brand von Ludwigshafen.
Wie verorten die Deutschtürken sich selbst? Wie sehen sie Deutschland? Wo liegen ihre Lo­yalitäten? Wie deutsch sind sie selbst geworden, wie viel Türkisches haben sie bewahren können? Fühlen sie sich durch deutsche Politiker vertreten und ernst genommen? Unsere Umfrage ergibt das Bild einer Gruppe, die zwischen Zu-
gehörigkeitswünschen und Selbstverlustängsten zerrissen ist.
Man will anerkannt werden, fürchtet aber, dass dies nur um den Preis der Selbstaufgabe möglich sei. Die Deutschtürken haben ein mehrheitlich positives Bild von Deutschland und nehmen – vielleicht ebendarum – erschrocken und teils trotzig zur Kenntnis, dass dies nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Nicht nur die erste, auch die zweite Generation sieht sich in erschreckendem Maß als unerwünscht. Irritierend sind jedoch auch die selbstabschottenden Gegenreaktionen darauf – womöglich Kompensation empfundener Missachtung…

Kategorien: Debatte, Integration
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich bin schon gespannt auf den ganzen Artikel!
    Die Ergebnisse der Umfrage gilt es natürlich auch reflektierend zu lesen und sich gleichzeitig zu überlegen, was man selbst in der einen oder anderen Situation geantwortet hätte. Ich bin mir sicher, mehr als die Hälfte der Deutschen hätte auch Schwierigkeiten, einen Deutschtürken als Schwiegersohn anzuerkennen.
    Das ist nicht besser, aber es zeigt doch auch, dass man sich in den Vorbehalten gegenüber dem anderen oftmals näher ist, als man denkt und dass man sich, wenn man schon ähnliche Vorbehalte hat, vielleicht auch sonst näher ist, als man wahrhaben will.

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  2. 2.

    Und immer die ewig selbe Frage:

    Warum nur werden offensichtlich nicht andere Einwanderergruppen regelmäßig (Vietnamesen, Russen, Italiener, Spanier, Chinesen, Japaner undundund) von diesem konvulsivischem Gefühl durchzuckt, sie “müssten ihre Identität aufgeben” wenn sie sich in diesem Lande integrieren…???

    In Frankreich werden ebenfalls die Araber, in Großbritannien seltsamerweiser ebenfalls immer nur die Pakistanis von vergleichbaren Gefühlschauern durchweht….. warum nur? warum nur? warum nur?

    Könnte es nicht doch mit dem einzigen Merkmal zu tun haben, daß diese Gruppen teilen? Natürlich wissen wir es alle längst, nur die ZEIT und einige Meinungsforscher wollen und wollen es nicht verstehen, es ist das I-Wort……

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    • 12. März 2008 um 19:07 Uhr
    • —Molinocampo
  3. 3.

    “Ich bin mir sicher, mehr als die Hälfte der Deutschen hätte auch Schwierigkeiten, einen Deutschtürken als Schwiegersohn anzuerkennen.”

    Kommentar von Jan-Philip K

    Ja seltsam, seltsam, seltsam – da habe ich seit meiner Geburt diesen ägyptischen Nenn-Onkel, der völlig unbeschwert und sorgenfrei seit über 40 Jahren in Deutschland lebt….er hat hier eine Deutsche geheiratet, und obwohl er die erste und mit exotischste Erscheinung seiner Art in einem süddeutsch-katholischen Kleinstädtchen war, hat es nie Ärger oder Abgrenzungsversuche dauerhafter Art gegeben – die Familie hat ihn als ihren Schwiegersohn akzeptiert…

    Warum nur, warum nur, warum nur hört man nie von DEUTSCHEN Schwiegereltern, die über ihren muslimischen Schwiegersohn (in spe) so außer sich sind, daß sie mit Knüppeln und Waffen auf diesen losgehen, so wie es umgekehrt mit unschöner Regelmäßigkeit geschieht….???

    Und dieses geschieht keineswegs nur, wenn ein deutscher Schwiegersohn (in spe) auftaucht, nein, selbst untereinander gehen sie sich regelmäßig an die Kehle:

    http://nrwz-online.de/v4/region/00020026/

    Tja, wer möchte es da deutschen und anderen europäischen Menschen verdenken, wenn sie sich sagen:
    “ach nööö, muß ich mir nicht geben. Ich will mit meiner eingeheirateten Familie in ähnlichem Frieden leben, wie dies (bei allem üblichem Familiengezänk) auch in meiner Herkunftsfamilie der Fall ist….”

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    • 12. März 2008 um 19:15 Uhr
    • —Molinocampo
  4. 4.

    Warum nur, warum nur, warum nur

    gehen mir deshalb diese ganzen gefakten “Umfragen” nur noch auf den Sack???

    Antworten

    • 12. März 2008 um 19:17 Uhr
    • —Molinocampo
  5. 5.

    “warum nur
    gehen mir deshalb diese ganzen gefakten “Umfragen” nur noch auf den Sack???”

    Aus Realitätsverweigerung?

    Antworten

    • 12. März 2008 um 19:21 Uhr
    • —Joachim S.
  6. 6.

    @Monolino

    ## Warum nur, warum nur, warum nur gehen mir deshalb diese ganzen gefakten “Umfragen” nur noch auf den Sack??? ##

    Weil die einfach nur entlarven, welche Unterstellungen Sie zur Diffamierung einsetzen, und die Substanzlosigkeit Ihrer Ergüsse mit zusätzlicher Transparenz versehen.

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    • 12. März 2008 um 19:59 Uhr
    • —Erol Bulut
  7. 7.

    “Eine neue Umfrage heizt die Debatte über die Integration von türkischstämmigen Migranten in Deutschland an. Demnach hat jeder zweite Deutschtürke das Gefühl, in der Bundesrepublik unerwünscht zu sein.”

    Könnte es damit zu tun haben?

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,541084,00.html

    Was unterscheidet aber dessen Verhalten von “normalem” kriminellem Verhalten?
    Dieses Verbrechen hatte kein materielles Ziel – es ging nicht um einen Überfall, um etwas zu stehlen.

    Es ging nur ums terrorisieren im öffentlichen Raum – wir erleben es im öffentlichen Nahverkehr täglich.
    Und dieses Verhalten ist eben für eine bestimmte Klientel, und für sonst keine, typisch.

    Anpöbeln von Frauen insbesondere, eine Spezialität, die sich in dieser Verbreitung und Intensität ausschließlich bei Angehörigen des islamischen Kulturkreises wiederfindet – ist ja auch klar: was laufen die Schlampen auch die ganze Zeit frei und unkontrolliert durch die Gegend. Da muß es einem ja hochkommen….. hat aber natürlich nix mit dem Islam zu tun.

    “89 Prozent forderten, die deutsche Gesellschaft sollte stärker auf die Gewohnheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen.”

    Was meinen die damit? Den Verzehr von Falaffel und Börek? Nein, ganz sicher nicht, den macht ihnen ja auch keiner streitig. Nein, es geht natürlich mal wieder um die liebe Familie: Cousinenheiraten, arrangierte Ehen, gar Zwangsehen sehen wir hier einfach nicht so gern. Sorry. Das läßt sich nicht ändern. Und wird sich nicht ändern.

    “Zudem äußerten 92 Prozent die Überzeugung, es sei wichtig, “dass die Türken in Deutschland ihre eigene Kultur bewahren”.

    Also die Stammesfamilienverhältnisse (siehe oben) sollen um jeden Preis erhalten werden. Darauf: ein klares “Nööö”.

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    • 12. März 2008 um 20:44 Uhr
    • —Molinocampo
  8. 8.

    Nicht neues unter der Sonne. 89% der Befragten fordern, die Deutschen sollten mehr Rücksicht auf die Gewohnheiten der Türken nehmen. Das bedeutet, man will in Deutschland leben, gleichzeitig Türke bleiben und außerdem als Gleichberechtigter akzeptiert werden.Dass man die Unmöglichkeit dieses Zustandes in der türkischen Community nicht erkennt, spricht für sich. Außerdem sollte man daran erinnern, dass die Akzeptanz der Türken in diesem Land schon einmal höher war. Eine adäquate Befragung der Deutschen zu diesem Thema wäre also angemessen.

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    • 12. März 2008 um 20:51 Uhr
    • —riccardo
  9. Leserbrief zum Thema

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