Auf dem Weg zur zweiten deutschen Einheit – die dritte Deutsche Islam Konferenz

Von 13. März 2008 um 18:55 Uhr

Der Innenminister sagte gleich im ersten Satz der Pressekonferenz, es sei “streckenweise sehr strittig” zugegangen. Aber daß man sich mittlerweile so unbefangen und offen die Meiunung sagen könne, sei eben auch ein bedeutender Fortschritt, so Schäuble. Recht hat er.

Die Deutsche Islam Konferenz hat sich heute zum dritten Mal im Plenum getroffen. Bei der anschließenden Pressebegegnung im Berliner Logenhaus zeigten sich alle Beteiligten bemüht, die Tatsache, daß es in manchen Fragen noch zu keiner Einigung gekommen sei, nur ja nicht als Mißerfolg darzustellen.

Was ist beschlossen worden? Erstens ist jetzt klar, daß islamischer Religionsunterricht überall eingeführt werden soll, wo Bedarf besteht. Die Länder werden – wegen ihrer Kulturhoheit – diesen Ball weiterspielen.

In Deutschland wird bekenntnisorientierter Religionsunterricht aber bekanntlich nicht vom Staat in Alleinregie organisiert, sondern in Verantwortung der Religionsgemeinschaften und unter Aufsicht des Staates. Dies erfordert, dass die islamischen Organisationen sich den Status von Religionsgemeinschaften erarbeiten.

Sie müssen sich jetzt auf der Ebene der Länder als verläßliche Partner des Staates organisieren. Ein Dachverband wie der Koordinierungsrat der Muslime kann nicht als Religionsgemeinschaft gelten, darüber herrsche Konsens, sagte der Minister. Und Bekir Alboga, der derzeitige Sprecher, nickte einvernehmlich dazu. Die Verbände müssen sich also in den Ländern von unten her neu aufbauen, und dabei auch Transparenz über ihre wahre Mitgliederzahl schaffen. Dann wird man auch endlich sehen, für wieviele Muslime sie wirklich stehen. Nach manchen Schätzungen sind bloß 10-20 Prozent in den Organisationen vertreten.
Das ist der richtige Weg: Die Muslime sind bescheiden geworden, sie wollen jetzt nicht mehr sofort den gleichen rechtlichen Status wie die Kirchen und die jüdischen Religionsgemeinschaften (Körperschaft öffentlichen Rechts). Sie wissen, dass sie dies überfordern würde. Die Bildung regionaler Zusammenschlüsse ist besser, weil transparenter und näher an den jeweiligen Bedürfnissen der Gläubigen vor Ort.

Des weiteren wird ab sofort eine “Clearingstelle” beim BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) geschaffen, die die Zusammenarbeit der Muslime mit den Sicherheitsbehörden organisiert. Offenbar ist man sich über den militanten Islamismus als gemeinsamen Feind also einig geworden. Auch das ist sehr gut. Man denke bloss zum Vergleich an England, wo tiefes Mißtrauen die Kooperation zwischen Moscheen und Polizei verhindert.

Die Vereinbarung, mit der die Deutsche Islam Konferenz Zwischenbilanz zieht, erwähnt außerdem den Moscheebau als “wichtigen Schritt zu Integration des Islam in Deutschland”. Das ist sehr weitgehend, wenn man an die vielen lokalen Konflikte denkt. Ich finde es richtig und mutig. Auch islamische Bestattungen sollen erleichtert werden. Auch dies ist wichtig: Wenn Muslime ihre Toten in deutschem Boden begraben, ist das ein Riesenschritt dazu, dieses Land als ihres anzunehmen und sich ihm verbunden zu fühlen.

Im Gegenzug enthält das Bulletin ein Bekenntnis der Muslime zur “vollständigen Beachtung der deutschen Rechtsordnung und der Werteordnung des Grundgesetzes”. An die Mehrheitsgesellschaft ergeht die Forderung, “in Deutschland lebende Muslime als gleichberechtigten Teil der deutschen Gesellschaft anzuerkennen und zu respektieren”.

islamkonferenz.jpg
Die Islamkonferenz tagt. Foto: BMI/photothek

Es wurde allerdings schnell deutlich, dass trotz der gefundenen Kompromissformeln noch eine Menge zu tun bleibt: Bekir Alboga betonte, man habe sich gerne noch einmal zum Grundgesetz und seinen Werten bekannt, und dies sei keine leere Fomel: “Für uns sind Mann und Frau nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch vor Gott gleich, der sie beide erschaffen hat.”

Man konnte sehen, wie Necla Kelek litt, als Alboga dieses Bekenntnis ablegte. Sie meldete sich denn auch und stellte heraus, es habe eben keinen Konsens in der Wertefrage gegeben, und was Herr Alboga eben gesagt habe, sei ein blosses Lippenbekenntnis. In den Gemeinden und den Familien sehe es bekanntlich anders aus, da könne von der Gleichheit von Mann und Frau keine Rede sein. Womit sie allerdings auch Recht hat.

In diesem Moment hatte ich wieder das Gefühl, die DIK sei eine sehr gute Sache, weil sie diese unterschiedlichen Kräfte an einen Tisch zwingt, die das muslimische Leben in Deutschland ausmachen. Nirgendwo sonst in Europa (in der Welt?) gibt es ein solches gewagtes, aber nötiges Experiment.

Kelek sagte, es seien Forderungen gestellt worden nach Kopftüchern im Kindergarten und nach Schariagerichten. Alboga sagte, dies seien keineswegs die Forderungen der Muslime im KRM: “Ja, es gibt Buchstabengläubige. Aber wir wollen so etwas nicht. Wir sind zufrieden mit den deutschen Gerichten.”

Als freier Kopf zeigte sich wieder einmal der Sprecher der Aleviten, Ali Ertan Toprak. Er sagte, dies ist unser Land, kein fremder Boden, kein Feindesland, und wir sind stolz, endlich auf Augenhöhe mit unserem Staat zu sprechen. Schäuble sei als der Architekt der deutschen Einheit bekannt. Wir wünschen uns eine zweite deutsche Vereinigung als Ergebnis dieser Konferenz.

Eine Sache aber hat mich ziemlich aufgeregt: Die allgemeine Medienschelte, besonders auf die deutschen Medien bezogen. Wir sollen nicht so viel von der Gewalt sprechen. Wir sollen “alltagsnahe Themen” suchen. Wir sollen “die kulturelle Vielfalt muslimischer Mitbürger … in dem Sinne darstellen, dass sie zu unserer Kultur in Deutschland als Ganzes beiträgt”.( An die türkischen Medien mit ihrer derzeit unfasslich tendenziösen Meinungsmache hat niemand appelliert!)

Ich bin bekanntlich nicht der Meinung, dass es den “bereichernden” Beitrag der Muslime nicht gibt. Und es gibt auch manchmal überzogene Dramatisierung in der Berichterstattung über Integration und Islam.
Aber wenn die Politik anfängt, von uns das Positive zu fordern, werde ich hellhörig. Wir sind für die Kritik und nicht fürs Predigen und Gesundbeten zuständig – im nie erreichten Idelafall für die Dinge, so wie sie halt sind.

Positive Diskriminierung in der Berichterstattung ist das letzte, was eine Gruppe brauchen kann, die sich mal zu Recht, aber oft auch zu Unrecht, diskriminiert fühlt. Wir müssen heraus aus dieser paternalistischen Behandlung. Wir müssen die Debatte als (angst)freies Gespräch unter Erwachsenen führen, die sich die Meinung sagen und auch einmal eine Polemik der anderen Seite aushalten. Die Deutsche Islam Konferenz bringt uns dabei voran, Schritt um Schritt.

Leser-Kommentare
  1. 17.

    Sei gar nicht so langer Zeit promeniert hier der frühere Taz-Feuilletonist Lau als selbsternannter Islamexperte durch die Zeilen, selbstverständlich als Germanist und gereifter Postmoderner zu jeder Differenzakzeptanz in der Lage. Laus Artikel zeichnen sich nicht durch Recherche aus, sondern durch seinen Scheinliberalismus den er als Zeichen seiner Ausgewähltheit vor sich her trägt.

    Als Journalist habe ich mich in den letzten zehn Jahren jeweils in intensiven Recherchen mit eben jenem Thema auseinandergesetzt. Ich habe mit einer positiven Einstellung gegenüber Migranten, auch ihrem islamischen Glauben angefangen. Das hat sich geändert! Eine Erkenntniss zieht sich durch die meisten Recherchen mit Islamgläubigen: Sie lügen, zumeist auch noch dreist! Interviewaussagen stehen fast durchgehend im Gegensatz zu Organisationen, Websites etc. Sie hassen in ihrer Mehrheit alles was mit den Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft, sagen wir mal Moderne, zu tun hat!

    Antworten

    • 14. März 2008 um 08:51 Uhr
    • RedPerry
  2. 18.

    Stellt nicht der Islam den Koran über alle anderen Werte, Gebote und Körperschaften – ausser Allah?
    Sagt nicht der Koran, die Offenbarungen Mohammeds seien abschliessend – die letzten?
    Im Christentum – dessen Barbarei Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind – ist der Fundamentalismus Interpretationssache. Auch unterschied bereits Jesus realistisch weltliche und geistige Macht.
    Verweigert sich nicht der Islam, aufgrund der für Muslime zwingenden Gebote des Koran, der Unterscheidung von Gesetz und Glauben?
    Ist der Islam, aufgrund der für die Muslime zwingenden Gebote des Koran, nicht ebensosehr als totalitäre, absolutistische, für Andersdenkende äusserst bedrohliche und beleidigende Doktrin anzusehen, wie als Religion?
    War Mohammed, für die Muslime der ideale Mensch, der – laut islamischer Überlieferung – eigenhändig wehrlose Kriegsgefangene getötet hat, zu hunderten hat töten lassen, der Vergewaltigung gebilligt, Folter und Mord befohlen hat, beispielsweise gemessen an Buddha und Jesus, nach unserem Verständnis nicht alles andere als ein religiöser Mensch?
    Können wir “Ungläubigen” mit Menschen zusammenleben für die Mohammed, Mörder und Verfolger der “Ungläubigen”, grösstes Vorbild ist?
    Predigt nicht der Koran die Spaltung der Welt in das “Haus des Islam”, d. h. jener die sich “Gott” unterwerfen, und das “Haus der Ungläubigen”?
    Sagt nicht der Koran, dass die tarnende Lüge gegenüber “Ungläubigen” zum Schutz des Islam erlaubt ist?
    Kann man, darf man einem islamischen “Bekenntnis zu deutschen Grundwerten” also jemals Glauben schenken?
    Jörg Lau empfiehlt uns das Studium der Geschichte. Hat er den Koran und die Geschichte des Islams studiert?
    Blockiert nicht der Islam durch das Kritikverbot des Korans seit Jahrhunderten die Innovationskraft einst blühender Kulturen in islamischen Ländern?
    Sind nicht gemäss dem Koran alle nicht-islamischen Gesellschaften zwingend dem Islam unterstellt?
    Gibt es nicht, aufgrund des Koran, wahre Gleichberechtigung ausschliesslich für Muslime?
    Ist nicht aufgrund des Koran jeder Islam- oder Mohammed-Kritiker, mit Eigentum, Familie und Leben, den “wahren Gläubigen” auf Gnade und Ungnade anheim gegeben?
    Kann denn der islamische Glaube – gemäss den als unabänderlich geltenden Definitionen seiner höchsten Instanz, dem Koran – jemals etwas anderes als ein Buchstabenglaube werden?
    Macht sich nicht der Islam durch die als unabänderlich geltenden Gebote des Korans für die Gemeinschaft mit anderen Gesellscchaften und durch die Legitimation von Gewalt und Diskriminierung gegenüber Andersdenkenden und Frauen tragischerweise selbst unmöglich?

    Antworten

    • 14. März 2008 um 08:55 Uhr
    • Michael Alltherr
  3. 19.

    @Jörg Lau
    “Das ist der richtige Weg: Die Muslime sind bescheiden geworden, sie wollen jetzt nicht mehr sofort den gleichen rechtlichen Status wie die Kirchen und die jüdischen Religionsgemeinschaften (Körperschaft öffentlichen Rechts).”

    Das ist Quatsch! Es ist eben nicht Bescheidenheit, die die Muslime dazu bewegt, auf den Kirchenstatus zu verzichten, sondern taktisches Kalkül. Wer sieht, wie dreist die Islamverbände hier Forderungen stellen, kann sowieso nicht an eine irgendwie geartete Bescheidenheit glauben.
    Das taktische Kalkül auf den Kirchenstatus zu verzichten, besteht eben darin, dass man dann weitgehende Forderungen erfüllen müsste.
    So fährt man viel besser.
    Nicolaus Fest hat das letztens in der Bildzeitung (jaja ich weiß, normalerweise nicht die Zeitung der Wahl) gut zusammengefasst:

    “Mazyek spricht immer von „den Muslimen“ und „wir“. Dass sein Verband lediglich einen winzigen Bruchteil der deutschen Muslime vertritt, ist diesen Worten nicht anzumerken. Nur wenn das Gespräch auf verfassungswidrige, kriminelle oder frauenfeindliche Ansichten einzelner muslimischer Organisationen kommt, wechselt er die Tonart wie ein Chamäleon seine Farbe. Dann ist er nicht zuständig, dann herrscht plötzlich die „Pluralität des Islam“. Eben noch die Gleichbehandlung mit deutschen Kirchen gefordert, jetzt die mit einem Kleingartenverein. ”

    So geht das Spiel. Bei Bedarf kann man wie eine “Kirche” auftreten und Rechte und Privilegien fordern, aber wenn es eng wird und unschöne Sache vorkommen (Terror, Ehrenmorde u.ä.), kann man so tun, als sei man ein muslimischer Kleingärtnerverein, der nur über die kleine Schar der eigenen Hobbyfloristen gebietet und die lassen sich solch schlimme Dinge nicht zuschulden kommen.
    Das Beste aus beiden Welten:
    keine Verantwortung aber maximale Rechte.

    Antworten

  4. 20.

    “Auch islamische Bestattungen sollen erleichtert werden. Auch dies ist wichtig: Wenn Muslime ihre Toten in deutschem Boden begraben, ist das ein Riesenschritt dazu, dieses Land als ihres anzunehmen und sich ihm verbunden zu fühlen.”

    http://www.suedwest-aktiv.de/region/reutlingernachrichten/stadt_und_kreis_reutlingen/3447141/artikel.php?SWAID=bcd7fc984f8241205611bdf35038ad67

    “Probleme gab es vor allem, wenn eine christliche und eine muslimische Bestattung zur selben Zeit stattfanden”, so Jürgen Senft, der Abteilungsleiter des Friedhofs. Bei der Totenfeier müssen nach muslimischem Glauben alle Anwesenden “rein” sein. Die Trauergäste waschen sich Ohren, Nase und Mund aus, reinigen Hinterkopf und Füße. Bei 200 bis 300 Gästen kann das dauern. Die Gäste standen Schlange in den Toiletten.”

    Tja, dann müssen eben die dreckigen Kuffar mal für eine Stunde vom Friedhof verschwinden. Kotz!

    Antworten

  5. 21.

    wie klein ist unser s.g. Selbstbewußtsein?

    ganz klar vorweg: nichts, aber gar nichts habe ich ich gegen Menschen anderer Herkunftsländer, welche bei uns in Deutschland leben.

    Aber dass ausgerechnet wir alles über Bord werfen, um nur laut genug schreienden Minderheiten alles, auch unsere Werte hinterhertragen müssen, das kann ich nun nicht einsehen.
    Würde die Türkei den dort lebenden fiktiven 3,5 Mil. Deutschen das gleiche einräumen? Oder ein anderes Land der Erde?
    Ist eigentlich den hier Politikern usw. klar, wie der Islam strukturiert ist, was für eine Religion er ist, mir schein da sehr viel “Blauäugigkeit” vorzuherrschen. Wer soll da unterrichten und was, bitte?
    Was ist eigentlich mit den “restlichen Religionen”?, wird da genau so verfahren, wo wird die Grenze gezogen, wer darf, wer nicht?
    Wenn ich mich entschließe, meinen dauerhaften Wohnsitz in ein anderes Land zu verlegen, dann ist es ganz klar meine Sache, dem “Land meiner Wahl”, mich anzupassen, und zwar auf allen Ebenen!!
    Was unsere Aufgabe ist, endlich “glasklare” Einwanderungsbedingungen schaffen und anwenden. Was Kanada usw. fertigbringt, müssen doch wir auch hinbekommen-oder?
    “Schäuble und Co” wissen scheinbar nicht, was sie da “sähen”
    Deutschland sollte sich auf seine “Werte, Kultur, Bürger” usw. besinnen, und das auch selbstbewußt pflegen.
    Wir leben in Deutschland, mit allen Schatten und Sonnenseiten,
    und das sollte bitteschön so bleiben!
    Gruß Klaus

    Antworten

    • 14. März 2008 um 09:26 Uhr
    • Klaus Drescher
  6. 22.

    Welches Land und welche Regierung, ausser Deutschland und die Deutsche Regierung, kriecht den Moslems eigentlich noch so in den Hintern?
    Die Türken haben Recht, indem sie sagen; die Deutschen sind ja so dumm……

    Antworten

    • 14. März 2008 um 10:16 Uhr
    • Laura
  7. 23.

    Deutschland ist dabei seine Identität zu verlieren. Deutschland ist dabei seine Identität zu verkaufen.
    Die deutschen Politiker verscherbeln dieses Land und verraten all diejenigen, die dieses Land zu etwas gemacht haben. Angefangen von den Trümmerfrauen…
    In welchem moslemischen Land gibt es eine Christenkonferenz? In welchem moslemischen Land sitzen deutsche Vertreter in der Regierung? Christen werden zurzeit lebendig verbrannt, getötet, gefoltert und gejagt. Diejenigen die das tun werden in diesem Land wie Könige behandelt.

    Antworten

    • 14. März 2008 um 10:28 Uhr
    • Dirk
  8. 24.

    Der Einschätzung von Jörg Lau stimme ich im Großen und Ganzen zu.

    Nur die Überschrift ist mir wirklich sauer aufgestoßen. Eine Nummer kleiner hätt es auch getan. Gut, Toprak wird zitiert, das ändert aber nichts daran, dass die erste deutsche Einheit 962 mit der Krönung Ottos stattfand. Oder meinetwegen auch in Versailles 1871. Die zweite Deutsche Einheit “feiert” gerade 70-stes Jubiläum. Da ist auch angegliedert worden, was zusammen gehörte.

    Die Integration der muslimischen Bürger in Deutschland ist eine enorm wichtige Aufgabe. Das ist sie aber nur deshalb, weil die Muslime hier die meisten Probleme bei der Integration bereiten und am lautesten schreien. Jedes positive Ergebnis der Islamkonferenz (und die gibt es ja unbestreitbar) ist damit einerseits ein wichtiger Schritt zur Integration unserer muslimischen Mitbürger, andererseits aber auch ein deutliches Zeichen an andere Interessengruppen, dass Radikalität, Integrationsverweigerung und lautes Fordern letztendlich zu Aufmerksamkeit, Sonderzugeständnissen und gesellschaftlicher Relevanz führen. Und sie ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen Migrantengruppen, die wirklich hart daran arbeiten, sich möglichst unauffällig möglichst gut zu integrieren.

    Wer meint, die autochtonen Deutschen seien islamophob, der kann sich spaßeshalber ja mal in der Gemeinschaft der Spätaussiedler, Afrodeutschen oder Latinos in diesem Land umhören.

    Man könnte es vergleichen mit dem Verhältnis unserer Gesellschaft zu unangepassten Jugendlichen (denn auch der paternalistische Ton von Seiten der Gesellschaft fehlt ja nicht, wie J. L. richtig angemerkt hat). Wenn so ein unangepasstes Crashkid nur ordentlich Rabbaz macht, einiges an Sachbeschädigung und Körperverletzung betreibt und dabei auch idealerweise noch rechtsradikal ist, dann kann es gut sein, dass es einen staatlich bezahlten Abenteuerurlaub in Sibirien oder an der spanischen Mittelmeerküste bekommt. Zur Therapie.

    Wahrscheinlich ist das auch ein erfolgversprechender Ansatz. Aber tief in meinem neidischen engen Herzen spüre ich doch, dass es ungerecht ist. Dass meine Kinder solche Aufmerksamkeit seitens der Gesellschaft mehr verdient hätten.

    Es gibt so zwischen 0.8 und 4 Millionen Muslime in Deutschland. Ähnlich hoch dürfte die Zahl der evangelikalen Christen liegen, die auch nicht in Körperschaften öffentlichen Rechts organisiert sind. Die meisten von ihnen sind Immigranten aus Osteuropa, Lateinamerika oder Afrika.

    Warum gibt es keine evangelikale Konferenz mit Vertretern dieser Glaubensrichtung, warum keine Diskussion, diese Leute aus ihren Sonntagsschulen und Hinterhoftempeln herauszuholen, um sie aktiver an unserer Gesellschaft teilhaben zu lassen? Keine Diskussion um einen Religionsunterricht, in dem Kreationismus, die Verdammnis zur Hölle für Ungläubige und das Wirken eines strafenden Rachegottes in dieser Welt gelehrt wird? (also die evangelikale Variante, nicht die islamische) Ist eine “zweite” Deutsche Einheit eine Sache zwischen Muslimen und dem etablierten Rest, oder ist sie eine Sache, die Deutschland als Gesamtgesellschaft angeht?

    Antworten

    • 14. März 2008 um 10:41 Uhr
    • Rafael
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)