Gericht: Berliner Schulen müssen Gebetsräume für Muslime einrichten

Von 13. März 2008 um 01:21 Uhr

Ein Schüler des Diesterweg-Gymnasiums in Berlin-Wedding hat vor dem Verwaltungsgericht Berlin erwirkt, daß ihm ein Gebetsraum bereitsgestellt werden muss, weil er seiner Pflicht zum fünfmaligen Gebet nachkommen müsse.
Das Verwaltungsgericht entschied gestern zugunsten des Schülers. Die Begründung findet sich hier. Ich finde das stark, besonders angesichts der Politik des Berliner Senates, den Religionsunterricht aus den Berliner Schulen zu verdrängen und durch “Ethik” zu ersetzen. Eine Verfassungsbeschwerde gegen die Einführung von Ethikunterricht an Stelle des Religionsunterricht wurde abgewiesen. Während es also von höchsten Gerichten unterstützt wird, den christlichen Religionsunterricht aus den Berliner Schulen zu verdrängen, wird eine Schule im Wedding gegen den erklärten Willen der Leitung verpflichtet, einen islamischen Betraum einzurichten.
Spinne ich, oder gibt es da eine gewisse Asymmetrie?
Besonders (irr)witzig finde ich, daß das Berliner Gericht in seiner Begründung (S.3), warum das 5malige tägliche Beten für den jungen Mann unabdingbar sei, sich auf die Schrift von Christine Schirrmacher beruft – einer Islamexppertin, die dem evangelikalen Spektrum zugerechnet wird. (Schirrmacher ist etwa Mitautorin der letzten EKD-Schrift zum Dialog mit dem Islam, die von den islamischen Verbänden als Ausdruck einer islamkritischen Wendung der EKD gewertet wurde und fast zum Abbruch der Dialogbemühungen führte.) Nun also ist ausgerechnet Frau Schirrmacher zur Wegbereiterin der Islamisierung des Berliner Schulsystems geworden!
Der Irrsinn ist perfekt!

Das Verwaltungsgericht folgt der strengen Auslegung der “fünf Säulen” und sagt, die Schule müsse sich darauf einstellen, daß die Schüler danach leben können. Im übrigen gebe dies den anderen Schülern ja eine wunderbare Gelegenheit, sich in interkultureller Kompetenz und Toleranz zu üben.
Der Gedanke, daß es hier vielleicht auch darum geht, in den weltanschaulich neutralen Raum einer öffentlichen Schule eine kleine Bastion mit Sonderrechten einzubauen, ist den Richtern offenbar nicht gekommen. Sie sollten Ed Husains “The Islamist” lesen. Da wird genau beschrieben, daß dies die Strategie der Islamisten in England war, den säkulären, neutralen öffentlichen Raum zu durchwirken und zu besetzen.

Hier die kurze Begründung in der Pressemitteilung:

“Der Antragsteller hatte geltend gemacht, sich nach seinem Glaubensbekenntnis verpflichtet zu sehen, fünfmal täglich zu festgelegten Zeiten das islamische Gebet zu verrichten; er praktiziert dies nach seinem Vortrag auch so. Die Schulleitung hatte ihm das Beten in der Schule untersagt und sich hierfür auf das Neutralitätsgebot des Staates in dessen Einrichtungen berufen.

Die 3. Kammer des Gerichts folgte dieser Argumentation nicht. Der Antragsteller könne sich auf seine Religionsfreiheit nach Art. 4 des Grundgesetzes berufen. Dieses Grundrecht erstrecke sich nicht nur auf die innere Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben, sondern auch auf die äußere Freiheit, den Glauben zu bekunden. Hierzu gehöre – zumal die Gebetspflicht zu den fünf Säulen des Islam zähle – insbesondere auch das Beten. Demgegenüber habe die Schule konkrete und nicht hinnehmbare Beeinträchtigungen des Bildungs- und Erziehungsauftrags und des Schulbetriebes nicht dargelegt. Insbesondere würden Mitschüler oder Angehörige des Lehrpersonals der Verrichtung des Gebets durch den Antragsteller nicht unentziehbar ausgesetzt. Schließlich könne die Schule dem Schüler durch entsprechende organisatorische Vorkehrungen ein ungestörtes Beten in einem für andere nicht ohne weiteres zugänglichen Bereich des Schulgeländes ermöglichen und so der von ihr gesehenen Gefahr einer demonstrativen bzw. werbenden Präsentation des Gebets begegnen. Im Übrigen erfordere das friedliche Zusammenleben in einer bekenntnisfreien Schule, dass die Schüler lernten, die religiöse Überzeugung anderer zu tolerieren und zu respektieren.”

Diese Berliner Strategie ist meiner Meinung nach der sichere Weg in die Selbstaufgabe: Keinen ordentlichen (christlichen und islamischen) Religionsunterricht unter Aufsicht der Schulbehörde, dafür aber Preisgabe des öffentlichen Raums an die reaktionärsten Kräfte des Islams.
Umgekehrt wäre es richtig: Religionsunterricht nach Curriculum für alle Interessierten, bei entschiedener Verteidigung des neutralen öffentlichen Raumes der Schulen!

p.s. Die klügste Reaktion zu diesem skandalösen Urteil kommt von dem Grünen Özcan Mutlu:
“Es muss darum gehen, die Prinzipien des Grundgesetzes wie Gleichberechtigung der Geschlechter, Religionsfreiheit und weltanschauliche Neutralität des Staates mit der interkulturellen Realität in Übereinstimmung zu bringen. Daher war z.B. die
gesetzliche Reglementierung religiös-weltanschaulicher Symbole in Bildungseinrichtungen richtig und wichtig. Hier überwiegt eben die negative Religionsfreiheit aller am Schulleben Beteiligten, wie LehrerInnen, SchülerInnen etc. und diese ist uneingeschränkt einzuhalten.
Deshalb haben Kreuze, Kopftücher, Kutten und andere sichtbaren religiös-weltanschaulichen Symbole in den Schulen nichts zu suchen. Aus diesem Grund haben auch Beträume, Beichtstühle, Kruzifixe und ähnliche religiöse Anordnungen in der Schule nichts verloren.
Das Urteil des Verwaltungsgericht, dass Schulen muslimischen Kindern und Jugendlichen Gebetsräume zur Verfügung stellen sollen, ist Gift für die Integration und wird die Kluft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in dieser Stadt vertiefen, statt Gräben zuzuschütten! Der weltfremde Ratschlag der Richter im Urteilsspruch, die Schule könne dem Schüler durch entsprechende organisatorische Vorkehrungen ein ungestörtes Beten in einem für andere nicht ohne weiteres zugänglichen Bereich des Schulgeländes ermöglichen, zeugt von gravierenden Fehlinformationen bezüglich der räumlichen Situation vieler Berliner Schulen. Hinzu kommt, dass Gebetzeiten im islamischen Glauben stets variieren und es den Schulen unmöglich sein dürfte, auf derart
religiös-weltanschaulicher Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, falls die Schule ihren Bildungsauftrag erfüllen und eine Stundenplan aufstellen will.

Die Schulverwaltung muss im Interesse der negativen Religionsfreiheit aller im Schulleben Beteiligten sowie im Interesse des Schulfriedens das Urteil anfechten.”

Leser-Kommentare
  1. 65.

    Ein abolut christliches Land gibt es: den Vatikanstaat. Aber ob der deutsche Auswanderinnen aufnimmt? Der Frauenanteil an dessen Bürgern dürfte der geringste weltweit sein.

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    • 30. September 2009 um 17:51 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  2. 66.

    @ Maike Meier

    Oder fragen Sie mal Miriam ;-)

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  3. 67.

    @ Jörg Lau
    Hänge ich in der Warteschleife ??

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    • 30. September 2009 um 19:09 Uhr
    • Yasmin
  4. 68.

    Zunächst einmal finde ich es gut, dass Muslimen, die hier leben und nach Meinung der Politiker und der EU auch hier leben sollen, ihre Religion praktizieren dürfen – auch zu einer Zeit, in der sie auf der Arbeit oder in der Schule sind.
    In arab. Ländern sieht man in der Tat Menschen mitten in der Arbeit einen kleinen Teppich zum Gebet ausrollen – das geschieht hier also keineswegs, wie hier behauptet wurde, um zu provozieren oder den Christen eine Privileg/Recht streitig zu machen!
    Was mich zu meinem nächsten Punkt führt: Es ist hier vom “christlichen” Abendland oder “diesem christlichen Land” (gemeint war unten Deutschland) die Rede. Das ist ein Märchen, ein Mythos, fary-tale! Deutschland war nie christlich! Millionen von Menschen per Gesetz zu “Christen”, d.h. zu Mitgliedern einer Staatskirche zu machen, ist ja offensichtlicher Unsinn und entbehrt jeder biblisch-theologischen Grundlage – und übrigens auch der kirchlichen Tradition. Übrigens, falls es einige hier nicht mitbekommen haben sollten: Der Kaiser – als Oberhaupt aller Protestanten – hat schon lange abgedankt …
    Doch erschwerend kommt hinzu: In manchen Gegenden langweilen sich so 4-8 Leutchen sonntags in der Kirche oder in Zahlen: Wenn’s “gut” geht (wie im Süden Deutschlands, bei den “Pietischten”), sind ca. 20% der Bevölkerung Mitglieder der evangel. Landeskirche, dazu kommen 20% Katholiken – macht eine satte Minderheit von 40% gegenüber dem restlichen Gemisch von Atheisten, Buddhisten, Muslimen, Scientologen, Mormonen, Apostolen, Universelles Leben, Anthroposophen, Charisamtischen Fanatikern …und was es sonst noch an lustigen oder weniger lustigen Erscheinungen auf dem religösen Markt so gibt bzw. Menschen, die einfach nur ganz vernünftig Leben ohne irgendwelche spirituellen was-weiss-ich zu benötigen. Was darf man draus folgern? Jedem seinen Gebetsraum!?
    Mitnichten! Parteien, Religioen und andere Weltanschauungsmodelle – RAUS AUS DER SCHULE UND DER UNIVERSITÄT! Deshalb ist dieses Urteil ein herber Rückschlag für die Trennung von Staat und Kirche – es bereitet mir dieses Urteil Bauchschmerzen, ebenso, dass “ProReli”, unterstützt von den grossen Kirchen und der evangelikal-charismatischen Bewegung, das Urteil begrüsst und sich an die Seite der Muslime zu stellen scheint – interessant, was? Die Evangelikal-charisamtische Bewegung, also die “Hardliner des Herrn”, bald Seite an Seite mit Muslimen?
    Die Christen/”Christen”, die es ein, zwei Mal im Jahr in die Kirche zieht, haben nun wirklich nicht das Recht, jetzt zu motzen – auch wenn bald der Muezzin ihnen ins Ohr ruft … wer zu spät aufsteht (und in die Kirche geht) den bestraft irgendwann die Realität! Und die konservativen Randalierer, die unter Studenten missionieren (Studentenmission), die Gebetsfeldzüge und Kreuzüge für Jesus organisieren (“campus crusade for Christ”), wo eine Schülerzeitung von der Glaubensbewegung “Deutsche Evangelischen Allainz” niedergemacht wird – da stimmt irgendetwas nicht mehr.
    Das alles ist bekannt und keine Propaganda der Medien, sondern gescheiht tausendfach unter uns – teilweise nicht in einem “Hinthof”kirchengebäaude, sondern sontags, 10:00 in Deutschland.
    Wer überwacht eigentlich “unsere” Prediger in den Kirchn, ob die nicht munter schwarz-weiss malen oder gegen anders-Glaubende, anders-Lebende, anders-Denkende hetzen und dafür u.U. noch ein sattes Pfarrbeamtengehalt bekommen ?
    wer sich die Gefahr bewusst machen will, der konnte Beiträge über Beiträge dazu im Fernsehen mitbekommen!
    http://www.youtube.com/watch?v=Y7XrP9AhTZk&NR=1
    http://www.youtube.com/watch?v=oZcHeNMxdp4&feature=related
    DAS ist (auch) gefährlich für die Freiheit und Mündigkeit der Menschen in diesem Land, was da “getrieben” wird im “namen des Herrn”.
    http://www.youtube.com/watch?v=NpqFKqNKQhg&feature=related
    Und: Muslime leben hier vielleicht 3-4 Millionen! Und “überzeugte” Muslime mögen noch geringer sein an Zahl.
    Von den evangelikal-charismatischen Fanatikern gibt es viel mehr, als allgemein angegeben wird, ca. 6 Millionen und sie wollen Posten, Positionen, Geld, sitzen in beiden Grosskirchen und in nahezu allen Freikirchen und geben dort den Ton an. Ein mittlewereile unüberschaubare Zahl von evangelikalen Schulen und Bibelschulen überziehen Deutschland wie die Masern! Ein SChelm, wer Schlechtes dabei denkt.
    Ein Schüler darf jetzt beten – und alles schreit!
    Millionen Evangelikale haben schon lange unsere Schulen erstürmt und sind Lehrer, bilden dot Bibelkreise, die sich der Kontrolle entziehen, dasselbe gilt für unsere Universitäten.
    Endlich NEIN sagen zu religiösem Fanatismus – ganz gleich welcher Farbe.

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    • 30. September 2009 um 21:49 Uhr
    • J.Born
  5. 69.

    Es gibt genug Länder, wo Christen an der Mehrheit sind und sich ein 16 jähriger Moslem niemals trauen würde, wegen einen Gebetsraum in der Schule vor Gericht zu gehen. Aber hier in Deutschland wissen die genau, dass sie erreichen was sie wollen und in der Tat, sie haben es geschafft. Ein großer Teil der Deutschland sind auch schon konventierte Moslems, daher wundert es mich nicht. In anderen muslimischen Ländern, bringt man Christen um, die sich in der Öffentlichkeit als Christen bekennen. Hier wird der Islam verbreitet und das Christentum versteckt. Gleiches Recht für alle: Gebetsräume für Christen, Juden, etc.!!!!!!!!!!!! Jede Religion soll in der Schule einen eigenen Gebetsraum zur Verfügung gestellt bekommen. Aber wie gesagt, die Deutschen sind selber Schuld. Das mit dem Gebetsraum war nur der Anfang………….

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    • 1. Oktober 2009 um 12:17 Uhr
    • Maike Meier
  6. 70.

    @Martin Riexinger
    (an Maike Meier) “Fragen Sie Miriam.”

    Ist “Maike Meier” vielleicht O.D.D.?

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    • 1. Oktober 2009 um 13:21 Uhr
    • Miriam
  7. Kommentar zum Thema

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