Ja, wir sind assimiliert

Von 18. März 2008 um 14:12 Uhr

Zu meinem Text von letzter Woche und zur Zeit-Umfrage schreibt mir ein Leser :

“Es ist unsere ganz eigene Identität, die uns ausmacht. Eben diese, die durch keine andere ersetzbar ist. Vielleicht sind wir “überintegriert”, “deutlich deutsch”. Deutscher als ein Deutscher oder eine Deutsche. Wir tragen den Stolz in uns – fern von jeglicher Vergangenheit. Wir sind nicht belastet. Wir wissen, dass Deutschland in der Vergangenheit Belastungsgrundlagen geschaffen hat, sehen jedoch die Deutschen in der Gegenwart und erleben sie auf human und sozial sehr hohem Niveau. Alle, so wie sie sind. Mit ihren Unterschieden, ihren Dialekten und ihrem Ehrgeiz. Nehmen wir mal die Bayern, sie sind authentisch, sie sind die deutlichsten Deutschen könnte man meinen. Aber ehrlich und direkt muss man auch dazu sagen. Deshalb ist Roland Koch eigentlich ein Bayer, er weiß es nur nicht. Die “Hardliner, die Dinge ansprechen, welche in den Köpfen des Volkes für Unruhe sorgen, brauchen wir genauso, wie die Köpfe, die Deutschland vor allem in der Sozialdemokratie und bei den Grünen präsentiert. Die aktuelle sozialdemokratische Perspektive ist natürlich eine Ausnahme.
Deutschland ist eine perfekte Integrationsbasis. Sie bietet diese Plattform jedem, der Interesse zeigt. Wer das nicht versteht, hat ein Defizit im Erkennen von Möglichkeiten. Und es ist eindeutig: Die Sprache öffnet alle Türen. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg. Das kann man wohl weltweit übertragen. Wenn man die Haupttür geöffnet hat, stehen weitere Türen offen. Niemals habe ich in den 40 Jahren Deutschland eine große Benachteiligung erfahren. Die kleinen Dinge, die Schikanen in der beruflichen Ausbildung oder die in der Kindheit erlebten Probleme sind nicht der Rede wert.

Ja, wir sind assimiliert. Wir sind deutsch. Wir können nicht anders. Schon gar nicht in der Türkei. Wir müssten dort Integrationsseminare wahrnehmen, um unser Leben als Türken führen zu können. Nur würde uns das nicht unbedingt zufrieden stellen, denn unsere demokratische Sozialisation hat uns geprägt, und wird uns weiterhin im Denken und Empfinden leiten. Nicht zu unterschätzen sind die sozialen Kontakte. Die Freunde und die Familie. Denkstrukturen, die unisono sind, die die gleiche nonverbale Sprache sprechen. Eigentlich ist alles super. Hoffentlich bleibt es auch so!

Leser-Kommentare
  1. 9.

    @ molinocampo

    “Nicht nur für Ironie sind Sie unrettbar verloren……”

    Sie scheinen auf einem anderen Planeten zu leben als ich. Ganz unironisch gemeint.

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    • 18. März 2008 um 17:22 Uhr
    • Joachim S.
  2. 10.

    > Eigentlich ist alles super

    Für wen? Für den eckenstehenden Hauptschulversager in SO36, der diesen Text allein schon mangels Sprachkompetenz nicht versteht? Natürlich gibt es Deutschtürken, die sich hier wohlfühlen und die von der Emigration ihrer Eltern profitiert haben, give and take, das bestreitet doch niemand. Das Problem: es sind zu wenige. Und solange Grüne, SPD und die LINKE das mehrheitlich stockreaktionäre, ihnen aber z.Z. aus Gründen der Opportunität zugeneigte migrantische Wahlvolk halten wollen, in dem sie die Perpetuierung des Elends durch Heiratsmigration nicht aufhalten, ändert sich auch nichts. Herrn Sarigüls Text ist mal wieder so ein Osterei, das die Zeit gerne als Valiumersatz in die Debatte wirft, anstatt Tacheles zu reden: Im Rahmen des Familiennachzugs dauert die Armutsmigration aus dem islamischen Elendsgürtel an, und dies ist, um Klaus Bade zu zitieren, suizidal.

    > Nehmen wir mal die Bayern, sie sind authentisch,
    > sie sind die deutlichsten Deutschen könnte man
    > meinen. Aber ehrlich und direkt muss man auch
    > dazu sagen

    Da spricht Herr Sarigül etwas Wichtiges an: Die multikulturell bewegten Allesversteher haben gar keine Vorstellung davon, wie sehr gerade luschiges Gekrieche von ihren Schützlingen verachtet wird. Dem autoritätsfixierten osttürkischen Subproletarier und Agrarkommunisten ist klare Ansage ein dringendes Bedürfnis – mit dem wilhelminischen Untertan von ehedem verbindet ihn nicht nur der Schnurrbart. Und auch für sein orientalisches Pendant gilt Churchills Wort: entweder der Hunne leckt einem die Stiefel, oder man hat ihn an der Kehle. Erdogans Sonntagsreden, Axel Ayyub Köhlers infame Sperenzchen, Hürriyets türkchauvinistische Hetze und die brutale Dominanzkultur in den ethnisch befreiten Zonen machen deutlich, das Stiefellecken derzeit nicht angesagt ist.

    > Deutschland ist eine perfekte Integrationsbasis
    Halluzinant – das ist ein Knaller von Zaimoglus Kaliber. Wir haben, so wie fast alle Europäer, in den letzten 50 Jahren so gut wie alles falsch gemacht, was immigrationspolitisch falsch zu machen war. Dazu noch mal ein schönes Zitat Zitat von Klaus Bade aus der taz:
    “Die Bundesrepublik hat seinerzeit einen organisierten Unterschichtenimport betrieben und sich nicht um die Integration der sogenannten Gastarbeiter gekümmert. Heute beschwert man sich, dass aus diesen Leuten keine Nobelpreisträger geworden sind.”

    Herr Lau, ist es denn nicht nachvollziehbar, wenn man angesichts obiger Zuckerbäckerei aggressiv wird, und ihre Trouvaille nicht euphorisch begrüßt? Es sollte doch offensichtlich sein, dass nur eine realistische Bestandsaufnahme Lösungen verspricht.

    > Negativ die völlig unreflektierte, undifferenzierte
    > und unkritische Haltung
    Stimmt, dies ist bedenklich und bezeichnend, da hat Rafael Recht. Mit Jürgen Krönig leistet sich die Zeit zwar ein Feigenblatt, aber Herrn Sarigüls leicht wirre Wohlfühl-Schmonzes liegen auf Linie eines Blattes, das letztendlich immer noch Nullsummen wie Schiffauer und Terkessidis (“Gerechtigkeit für die Muslime” ein Forum bietet, weil es aus prinzipiellen Gründen keine bösen Menschen geben kann, diese mindestens aber auch -irgendwie, irgendwo!- Recht haben müssen. Ein Sinnbild für die Stasis der Republik.

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  3. 11.

    @ Rafael

    Dein Kommentar ist typisch für viele deiner Kommentare.
    Alles wunderbar analysiert, alles richtig durchdekliniert … aber dann, ganz am Schluss, kommt wieder diese überraschende Kehrtwende, und Du schreibst:

    „Negativ die völlig unreflektierte, undifferenzierte und unktitische Haltung. Es wirkt einschleimend oder allenfalls naiv, wie Bergpalme schon anmerkte. Vedat hätte besser genossen und geschwiegen.“

    Nein, Rafael, nicht “”Negativ”", sondern POSITIV!
    Warum kann man den Beitrag von Vedat nicht einfach mal so nehmen, wie er ist, als gutes Zeichen, ganz unabhängig davon, wie repräsentativ diese Einzelmeinung ist?
    Und wie soll man jemals auf einen grünen Zweig kommen bei der Integration, wenn man solche Leute vor den Kopf stösst?

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    • 18. März 2008 um 18:08 Uhr
    • iceman
  4. 12.

    Ich teile die Skepsis nicht, weil ich ähnliche Aussagen von vielen türkeistämmigen Migranten gehört habe, die wissen, was sie an diesem Land haben.

    Herr Sarigüls Aussage, dass man auch Hardliner wie Koch braucht, “die Sachen aussprechen, welche in den Köpfen des Volkes für Unruhe sorgen”, finde ich wichtig und mutig. Bei vielen Mitbloggern spürt man diese Unruhe, die aus soziologischer Sicht nichts Verwerfliches ist, sondern völlig nachvollziehbar. Der im letzten Jahr verstorbene Soziologe Karl-Otto Hondrich stellte mal fest: ” Das Zusammenleben mit Fremden kann nur funktionieren, wenn die Mehrheit weiß, daß sie Mehrheit bleibt und daß ihre kollektiven Gefühle, Interessen und Werte Vorrang genießen.” (http://www.welt.de/print-welt/article214904/Einwanderung_ist_Zumutung.html) Das ist eine soziologische Tatsache, die für alle Gesellschaften gilt. Sie erklärt die Angst vieler Mitblogger, dass organisierte Vertreter der türkeistämmigen bzw. muslimischen Minderheit, die für die fortgeschrittene Moderne konstitutive Rücksicht auf ethnische und religiöse Minderheiten ausnützen, um eine überlegene Position einzunehmen und den Vorrang der Mehrheit und ihrer Werte infrage zu stellen. Diese Angst gilt es ernst zu nehmen und zu thematisieren. Denn ganz unbegründet ist sie nicht.

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    • 18. März 2008 um 18:32 Uhr
    • Miriam
  5. 13.

    “Eigentlich ist alles super.

    Allein dieser Satz ist schon sowas von undeutsch”

    Undeutsch? Die meisten Deutschen, die ich kenne, reden so oder so ähnlich.

    @Joachim S.

    Reden, im engen Sinne, ja.

    Aber meistens heißt es: “Eigentlich ist alles scheiße.”*

    Dazu fällt mir eine lustige Geschichte ein. In den Jahren nach der Hauptstadtwerdung Berlins gab es dortselbst einen Verein von zwangsumgezogenen Bonnern (Journalisten, Ministerialbeamte) mit dem Namen “Berlin tut weh”, dessen Zweck es war, sich die Trübsal über den neuen, weniger beschaulichen Wohnort und Arbeitsplatz in der ebenfalls umgezogenen Kneipe “Ständige Vertretung” mit Kölsch wegzusaufen.

    Die Vorsitzende fuhr jeden Morgen früh um acht zur selben Zeit, mit demselben Bus und demselben Busfahrer zur Arbeit.

    Nach ein paar Wochen sagte sie beim Einsteigen zum Busfahrer “Mojenn, wie isset?” (was nicht etwa Ausdruck rheinischen Frohsinns ist, sondern eher eine Höflichkeitsfloskel auf niedrigem Niveau, die, zumeist unabhängig von der Verfassung des oder der so Angesprochen, meistens mit einem knapp gebrummelten “Jot” quittiert wird).

    Der Busfahrer, so berichtete sie nahezu empört, antwortete mit: “Va-ahschen kann ick mir selba!”

    * Insofern bliebe entsprechend zu erörtern, ob nicht auch Erol Bulut für einen kleinen virtuellen Integrationspreis in Frage kommt. Die meisten Türken und türkischstämmigen Deutschen, die mir in Schule, Uni, Gastronomie und Einzelhandel begegnet sind und begegnen, haben gemessen an ihm freundlichere Umgangsformen.

    Sein sprachlicher Habitus und seine ausgeprägte Sympathie für die Partei die Linke fügen sich sehr gut in die allgemeine Jammertittigkeit innerhalb der Milieus weit links der Mitte.

    - So gehört es z.B. für das Personal von mehr oder weniger linksalternativen Szenekneipen häufig zum guten Ton, seine schlechte Laune an Gästen auszulassen – eine Kontrolle derselben käme spießbürgerlicher Entfremdung gleich und würde die Zumutbarkeitsgrenzen der Arbeit übersteigen.

    - Viele meiner linksradikalen KommilitonInnen z.B. berichten immer wieder passioniert-leidvoll davon, wie schlecht die Gesellschaft im Allgemeinen und die Institutionen des Staates im Beonderen mit ihnen umspringen. Manche darunter würden sehr wahrscheilich viel dafür geben, wenn sie einen Migrationshintergrund hätten und somit auch ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung einstreuen könnten.

    - Nahezu überflüssig zu erwähnen, dass wiederum vielen “Kritik an Israel” sehr wichtig ist und sie, unabhängig vom Thema, häufig auch dann sehr garstig werden, wenn ihnen in sachlicher Form widersprochen wird.

    Kurzum: Erol Bulut hätte sich einen Integrations-Award in der Kategorie “linksalternativ” redlich verdient.

    Antworten

    • 18. März 2008 um 18:32 Uhr
    • N. Neumann
  6. 14.

    Neumann, an ihrem Beitrag ist “eigentlich alles super oder so.”
    Bitte weitermachen, das kommt einem sooo bekannt vor!

    Antworten

    • 18. März 2008 um 18:39 Uhr
    • Joachim S.
  7. 15.

    Herr Lau,

    natürlich ist es schön, diese für viele Türken repräsentative Meinung zu hören. Allerdings hat der Mann keine Ahnung, wovon er spricht. Bayern sind weit mehr Österreicher oder Schweizer als Deutsch und Koch spricht einiges an, aber selten die Wahrheit, wenn es um Migranten geht. Ob er tatsächlich wie behauptet assimiliert ist, wage ich zu bezweifeln. Der Mann scheint lange keine Wohnung mehr gesucht zu haben oder einen Arbeitsplatz, denn sonst würde er nicht ganz so blauäugig daherreden.

    Tatsache ist, dass die Migrantendiskriminierung von Staatlicher Ebene weitestgehend auf CDU-Politik zurückzuführen ist und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern messbar ist, beispielsweise in der Ausbildung derer. Dort schneidet Deutschland weniger gut ab, als in der Diskriminierung auf gesellschaftlicher Ebene. Es sind hier zwar Migranten immer noch unterrepräsentiert, was Führungspositionen betrifft, aber in diesem Punkt scheint man hier weiter, als im Ausland, wo meist die soziale Ausgrenzung deutlich größer ist.

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    • 18. März 2008 um 18:48 Uhr
    • Erol Bulut
  8. 16.

    @Neumann

    Ich sagte doch, meine Welt ist nicht Ihre. In meiner belächelt man es, wenn einer die üble Nachrede pflegt, weil er im Sachgespräch nichts Gescheites einzubringen hatte.

    Insofern lernen Sie sachlich zu widersprechen, damit ich nach Ihrer These einen Grund habe, garstig zu werden, um dann Ihre Theorie zu verifizieren. Solange ich auf ersteres verzichten muss, können und tun Sie sich einiges einreden.

    Antworten

    • 18. März 2008 um 18:56 Uhr
    • Erol Bulut
  9. Kommentar zum Thema

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