“Ich war es nicht!”- Warum Kinder lügen
Für alle, die es verpaßt haben sollten, hier meine Geschichte aus dem “Leben”- Magazin letzter Woche, jetzt komplett online:
Meist drängt sich mir die Tatsache, dass die lieben Kleinen nicht die Wahrheit sagen, im Ausschlussverfahren auf. Jemand hat versucht, den Computer hochzufahren und ist am Passwort gescheitert. Es fehlen fünf Euro im Portemonnaie der älteren Schwester, obwohl sie es seit Tagen nicht angerührt hat. Die englischen Butterkekse, die du ganz oben im Schrank versteckt hattest, sind bis auf einen einzigen verschwunden.
Ich weiß nicht, ob es auch anderen Eltern so geht, aber bei mir ergibt auch die eindringlichste Befragung, dass keines meiner Kinder irgendetwas mit den rätselhaften Geschehnissen in unserem Haus zu tun hat. “Ich war es nicht” – daran wird auch dann noch festgehalten, wenn es ganz offensichtlich nicht stimmen kann…
(Mehr: Klick oben.)
Interessante Ausrichtung der Politik, ja.
Aber 35 Prozent empfinden Mitgefühl? Das scheint mir etwas wenig zu sein (und den Christen gegenüber kommt es wohl eher nicht zur Geltung.)
http://www.opendoors-de.org/index.php?supp_page=bt&supp_lang=de
Trotzdem alles Gute auf dem Weg in die Moderne.
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Kinder sind reine “Konditionierungsmaschinen”. Die Fähigkeit zum Lügen ist ohne Frage angeboren und stellt wie Herr Lau richtig beschreibt Teil der kognitiven Entwicklung dar. Lügen wird aber erst von Kindern bewusst eingesetzt, wenn es sich auch wirklich lohnt, und wenn vorher eine positive Verstärkung stattgefunden hat.
Die Kunst der Erziehung besteht nun darin, als Eltern zwischen benignem Lügen und pathologischem Lügen unterscheiden zu können und die Konsequenten dementsprechend an zu passen.
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@ Docaffi
Ich stimme dir voll und ganz zu!
Um sich darüber klar zu werden, wie man mit lügenden Kindern umgeht, muss man wissen, WARUM sie lügen, und welche verschiedenen Formen von Lügen es gibt.
Ich stelle einfach mal meinen Kommentar ein, der auch auf dem thread zu finden ist:
LÜGEN IST IMMER EIN ZEICHEN VON SCHWÄCHE
1. Die Lüge wird als asymmetrische Strategie benutzt, um die Regeln einer politischen (oder häuslichen) Ordnung zu umgehen, um sich also einen persönlichen Vorteil zu verschaffen.
2. Die Lüge wird, wie unter Punkt 1, als asymmetrische Strategie benutzt, jedoch nicht zur direkten persönlichen Vorteilsgewinnung, sondern um einem vermeintlichen höheren Zweck zu dienen. Das kann ein falsches Kompliment sein, aber auch Guerillakrieg oder Terrorismus.
3. Lügen als Ausdruck von Kreativität in der Entwicklungsphase, wie von Jörg Lau sehr gut beschrieben. Dahinter steckt der Versuch herauszufinden, was man “drauf hat”, wo die eigenen Grenzen liegen.
4. Lügen als Mittel zur Selbstverteidigung in einer Notlage, die einem von aussen aufgezwungen wurde.
5. Lügen aus Rache, um jemand anderen zu schädigen.
Eltern sollten – gemeinsam mit ihren Kindern – herausfinden, welche Motivation einem Fehlverhalten zugrunde lag, also analytisch darüber nachdenken, warum gelogen oder geklaut wurde.
Durch die Neutralisation der Motivation wird die Wiederholungsgefahr verringert.
Auch wird die kreative Lüge (Punkt 3) überflüssig, weil das Kind etwas von der Macht des eigenen Geistes verspürt, also auf positive Weise mit dem Verstand arbeitet.
Wenn man diesen Prozess des Nachdenkens nicht mit Sanktionen verbindet (das Fehlverhalten wird geahndet, die Lüge bestraft, es werden Vorwürfe gemacht und dadurch Schuldkomplexe vermittelt), dann hat das den sehr grossen Vorteil, dass das Kind sich künftig nicht genötigt sieht, Lügen als ein Mittel zur Selbstverteidigung zu verstehen (Punkte 2 und 4), was zum Beispiel passiert, wenn durch das Lügen ein anderes, vorheriges Fehlverhalten vertuscht werden soll.
Davon abgesehen sollten Kinder natürlich lernen, sich vor Angreifern zu hüten und zu schützen, und sich auch zu wehren.
Der Prozess des gemeinsamen Nachdenkens (warum habe ich was getan?), frei von Schuldempfinden und Sühne, hat auch den positiven Effekt, dass das Kind dadurch lernt, dass es für sein Fehlverhalten “moralisch” nicht verantwortlich ist – weil es ja in der bestimmten Situation noch nicht wusste, was es jetzt weiss.
Und das Kind lernt auf ganz natürliche Weise, dass auch ANDERE eigentlich “nichts können” für ihr Fehlverhalten.
Dadurch entsteht die Einsicht, dass es sinnlos ist, sich an anderen zu rächen (Punkt 5).
Durch erfolgreiches gemeinsames Nachdenken lernt das Kind frühzeitig, spätere Probleme mit Kollegen oder Freunden (auch Gegnern) offen und ehrlich anzusprechen.
Wird die Empathiefähigkeit eines Kindes ganz allgemein gefördert durch die liebevolle, aber nicht verhätschelnde Zuneigung der Eltern, dann wird auch der Antrieb gedämpft, sich auf Kosten anderer unrechtmässig zu bereichern (Punkt 1).
Mit gutem Vorbild vorangehen:
Wenn man selber – als Elternteil – gelogen oder etwas “angestellt” hat, dann sollte man das gegenüber den Kindern auch zugeben.
Und ihnen auch zeigen, dass es beim Lügen graduelle Unterschiede gibt.
Den völlig missratenen Kuchen der Oma zu loben ist keine schlechte Tat, weil die Kritik am Kuchen ja nicht dazu führen würde, dass die Oma künftig besser backt – und nur darin kann der Sinn von Kritik oder gut gemeinter Aufklärung liegen.
Zuguterletzt:
Wenn man von dieser Vorgehensweise überzeugt ist, dann sollte man sich konstant daran halten, und in kritischen Situationen nicht ständig anders reagieren, weil das beim Kind nur Verwirrung stiftet.
Und dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Kind nicht positiv reagiert, wenn man zufällig mal die richtige Methodik anwendet.
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@icemann
Schön. Volle Zustimmung!
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@ Docaffi
War mir klar, dass du´s verstehst
)
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