‹ Alle Einträge

Amerika hat seinen Kredit überzogen

 

Wir müssen Andrew J. Bacevich lesen.

Im August hat dieser Professor für internationale Politik am Boston College ein Interview gegeben, in dem alles angesprochen ist, was kurz darauf so spektakulär schief ging. Geradezu unheimlich, wie klar dieser Mann das Unheil kommen sieht. Bacevich ist ein West-Point-Absolvent und Vietnam-Veteran, ein konservativer Mann, dessen Sohn sein Leben als Soldat im Irak ließ.

Wenn so ein Mann solche Dinge sagt, dann ist das ein weiteres Indiz dafür, dass in Amerika vieles in Bewegung ist. Ich kenne derzeit keine kühlere, radikalere Kritik von kenntnisreicher Seite:

Mehr hier. Und hier. Und hier. Und hier.


94 Kommentare

  1.   AM

    „Amerika hat seinen Kredit überzogen“
    Natürlich zählen Europäer nichts, die das seit Jahren behaupten und das Unheil vorhergesagt haben. Das sind ja alles Antiamerikaner! Nehmen wir zum Beispiel mal Emmanuel Todd: Weltmacht USA, ein Nachruf. Eine hochaktuelle Analyse , erschienen im März 2004. Oder auch den unvermeidlichen Scholl-Latour.
    Ich selbst habe vor mindestens ebenso vielen Jahren zahlreiche Analysen klarer US-Konservativer wie Bacevich, u.a. aus dem „American Conservative“, in diversen Blogs verlinkt.
    Mein Gott, Lau, was ist denn mit Ihnen los, dass Sie erst jetzt damit kommen, wo der amerikanische Mainstream angefangen hat, es Ihnen mit dem Megaphon ins Ohr zu flüstern? So etwas kommt davon, wenn man vor lauter Aufschauen zu Amerika sein Herz und Hirn systematisch ignoriert.

  2.   pedro bergerac

    Es kommt alles noch viel viel schlimmer:

    http://www.infokrieg.tv/

  3.   Milko

    Ich habe auch vor vielen vielen wochen hier im Forum auf eine Sache hingewiesen und es betraf nicht nur die USA, sondern die Brd, europa und allgemein die westlichen industrie nationen,… usw.

    – Ausschliesslich alle Leben derzeit auf Pump.
    – Ausschliesslich alle Leben über ihren Verhältnissen.
    – Ausschliesslich alle stehen auf dem zweibeinigen Fundament a) dem zins system b) den endlichen fossilen rescoucen Erdöl, Erdgas,..
    und das alles auch nur solange bis das eine bein sich mit dem anderen verhackelt und man auf den boden fällt. Wenn Das schmieröl jeglichen wirtschaftens nicht mehr ausreicht und keiner mehr eine tatsächliche oder fiktive kreditwürdigkeit vorweisen kann, dann wird das der tatsächliche kollaps sein, bei dem es erstmal auch keinerlei austehen mehr geben wird. Es kann gar nicht anderes eintretten, es stellt sich nicht die frage ob, sondern nur noch wann. Dann erst werden sich die Menschen wieder die wirklichen Grundlegenden Fragen stellen oder auch wie die tiere in barbareien versinken.

  4.   Weltbuerger

    Herr Lau,

    schreiben Sie doch mal eine Titelgeschichte für die ZEIT zu Bacevich und seinen Analysen!
    Und in der Tat „legitimiert“ Bacevich viele der Analysen und Vorwürfe, die europäische und nahöstliche Kritiker schon seit Jahren aufgebracht haben dadurch, dass er sich selbst als konservativer Amerikaner bezeichnet. Leider ist zu vermuten, dass Obama, sollte er gewinnen, nicht die Macht haben wird oder es sich trauen wird, die „imperial presidency“ zurückzuschrauben. Denn das erfordert einiges mehr als nur den Rückzug aus dem Irak. Es erfordert letzten Endes ein Umdenken aller Amerikaner, der Wähler, der Kongressabgeordneten usw.

    Ein wenig seltsam oder zumindest begrenzt gedacht fand ich Bacevichs Ausführungen zum Umgang mit dem islamistischen Terror, als „nur“ eine Sache des FBI/CIA/NSA. Eben hatte er noch darüber – berechtigt – geklagt, dass die letzten Präsidenten die Bürgerrechte nach und nach beschnitten haben. Dann fordert er die Stärkung eben der Geheimdienste bei der Verfolgung der Terroristen und lässt andere Wege völlig aus.
    Zudem sagt er nichts über Möglichkeiten, internationale Probleme anderweitig zu lösen, z.B. durch multilaterale Abkommen, die die USA bisher meistens abgelehnt haben! Der Herr scheint mir eher ein Isolationist zu sein, was durchaus in den nächsten Jahren ein allgemeiner Trend werden könnte.

  5.   Weltbuerger

    @ Milko

    Ich fürchte, dass in solchen Krisen Sicherheitsbedürfnis, Beschneidung von Bürgerrechten und Xenophobie steigen werden.

    … die allerdings der Krise mehr Zündstoff verleihen, als sie zu lösen …

  6.   PBUH

    Herr Lau, als Ausländer stellen sie sich damit wieder mal selbst in die Anti-Amerika Ecke.

    Ohne Irakkrieg und ohne die Subprime Krise würde die Lage doch wesentlich anders aussehen.

  7.   PBUH

    @AM

    Gähn, sie freuen sich mal wieder zu früh.

    Sie sollten mal der Frage nachgehen, warum der US Dollar im Moment extrem aufwertet.

  8.   AM

    @ PBUH
    „Sie sollten mal der Frage nachgehen, warum der US Dollar im Moment extrem aufwertet.“
    Vermutlich, weil die Amerikaner ihr Auslandsvermögen repatriieren (müssen) und weil Carry-Trades aufgelöst werden. Das ist eine interessante, aber für mich persönlich unwichtige Frage. Der stärkere Dollar bedroht übrigens die zwischenzeitliche Stützung der US-Konjunktur durch den Export und stützt die zuletzt deutlich zurückgehenden deutschen Exporte, ist also kaum ein Problem für uns.

  9.   PBUH

    Der letzten Teil, Teil 5, ist für Bundesbürger übrigens wirklich hörens/sehens-wert.