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Schmutzige kleine Geheimnisse der Bildungsforschung

 

Aus einem Interview der ZEIT mit dem Pisa-Chef Manfred Prenzel über die erstaunlich guten Ergebnisse der östlichen Bundesländer:

 

ZEIT: Wie steht es um die sogenannte Risikogruppe, also Schüler, die mit fünfzehn nicht richtig lesen und rechnen können? Sie ist ja hierzulande besonders groß.

Prenzel: Insgesamt ist sie etwas kleiner geworden, im Jahr 2000 bestand sie aus einem knappen Viertel, jetzt umfasst sie etwa ein Fünftel der getesteten Schüler. Das sind aber immer noch viel zu viele. Auch hier ist Sachsen beispielhaft, mit 8,5 Prozent in den Naturwissenschaften erreicht es fast finnische Werte.

ZEIT: Auch wieder, weil es nur wenige Migrantenkinder hat.

Prenzel: Das ist im Bildungsmekka Finnland nicht anders.

41 Kommentare

  1.   Flash

    Vielen Dank, Herr Lau, dass sie dies (wenn auch unkommentiert) mal öffentlich machen. Man konnte ja fast verzweifeln an der verfehlten Ursachenforschung und dem darauf folgenden, ebenso verfehlten Aktionismus der Politik (es mag Wunschdenken oder aber ideologischen Gründen geschuldet sein, wer weiß).

    Das Schulsystem und die Unterrichtsformen sind Kenngrößen, die im Vergleich zu anderen Faktoren ganz weit hinten kommen. Die wirklich wichtigen Faktoren werden schlichtweg nicht genannt.

    Jegliche schulische Pädagogik ist nämlich machtlos, wenn die Vorarbeit nicht stattgefunden hat: bildungsfähige Kinder zu erziehen, und zwar _vor_ der Einschulung.

    Kinder aus zerrütteten Familienverhältnissen, ohne Strukturen, ohne Sekundärtugenden, ohne Sprachkenntnisse, ohne Umgangsformen, unausgeschlafen bzw. schulschwänzend – denen ist mit keinem Schulsystem beizukommen.

    Die Hoffnung, daß der flächendeckende Kita-Besuch bei diesen Kindern etwas retten könnte, ist naiv. Die grundlegende Prägung durch die familiäre Atmosphäre und Erziehung ist weitaus schwergewichtiger, zumal in der Kita ein Betreuungsschlüssel von ca. 1 zu 15 anzusetzen ist, während in der Familie von 1:1 bis 1:3 oder 4 ausgegangen wird.

    Fazit: habe ich eine sowohl bildungs- als auch kulturmäßig relativ homogene Schülerschaft, die bildungsfähig ist, kann ich nichts falsch machen – dann ist sogar der altgediente Frontaluntericht sowohl möglich als auch sehr effektiv! (siehe Sachsen).

    Habe ich dies aber nicht, sondern eine extreme Spanne zwischen bildungsnah und bildungsunfähig, dann…nützt einfach alles nichts (bzw. nur sehr wenig). Am dümmsten wäre es dann, diese Spannbreite durch gemeinsame Schulbildung homogenisieren zu wollen.

    Genau das wird aber angestrebt. Es hat noch niemals jemand erklärt, nach welchen Prinzipien das ablaufen soll. Jeder weiß doch, dass eine Mannschaft schon durch ein oder zwei schwache Spieler entscheidend geschwächt wird, oder?

  2.   mathilde

    flash, zustimmung meinerseits !


  3. Interessant ist, was unsere Grünen zu diesem Thema zu sagen haben.
    Schuld am schlechten PISA-Abschneiden von Hamburg seien die Migranten, sagt ausgerechnet die grüne Bildungssenatorin Goetsch.
    http://www.abendblatt.de/daten/2008/11/19/974828.html
    Schon interessant, dass die Migranten von den Grünen als Sündenbock genommen werden, wenn es denn politisch opportun ist.
    Diese Aussage wird man sich merken müssen auch vor dem Hintergrund, dass es Migrantenkinder gibt, die sehr gute schulische Leistungen bringen, zB Vietnamesen in Ostdeutschland. Ich gehe mal davon aus, dass diesen Kindern nicht gerade der rote Teppich ausgerollt wird und das Milieu dort ist auch nicht gerade ausländerfreundlich.

  4.   Zagreus

    @ flash, dem ist wirklich nicht mehr hinzuzufügen in meinen augen – volle zustimmung.

  5.   Wachtmeister

    Interessanterweise schneiden Migranten in den östlichen Bundesländern im Durchschnitt besser ab als die ethnisch deutsche Bevölkerung. Allerdings handelt es sich meist um andere Migranten als im Westen, konkret um Vietnamesen. Dies stützt die These, dass die Probleme der Migrantenpopulation im Westen kultureller Natur sind.

    Kurz gesagt: Migranten haben keine Probleme, weil sie Migranten sind, sondern weil ihre Kultur Defizite aufweist. Anstatt Diskriminierung zur Ursache aller Probleme und noch mehr Subventionen zur Universallösung zu erklären, müsste man kulturelle Probleme angehen. Übrigens nicht nur bei Migranten: Ich lebe in Ostberlin und bin überzeugt, dass zwischen der kommunistisch anerzogenen Passivität vieler Menschen hier und der wachsenden Verelendung ein kausaler Zusammenhang besteht.

    Aber welcher Politik traut sich schon, ganze Wählergruppen abzuschrecken, indem er ihre Identität angreift? Also wird der Stom sinnloser Subventionen die Behandlung von Scheinproblemen weitergehen.

  6.   Joachim_S

    Dass ein hoher Migranten-Anteil die PISA-Ergebnisse nach unten zieht, ist klar. Ich frage mich allerdings, warum mein Heimatland BaWü trotz hohem Migrantenanteil und trotz dreigliedrigem Schulsystem mit Selektion nach der 4. Klasse und maroden Schulgebäuden sowie schlechter Lehrerversorgung deutlich besser abschneidet als z.B. Schleswig-Holstein.

    Kurz: Woher kommt das Nord-Süd-Gefälle? Any ideas?

  7.   PBUH

    Lernresistent wie eh und je, die türkischen Funktionäre:

    Die „Milliyet“ beispielsweise sprach mit der Vorsitzenden der Föderation Türkischer Elternvereine (Föted) aus Kreuzberg, Berrin Alpek, über die Bildungsmisere: „Nach wie vor werden türkische Kinder in deutschen Schulen benachteiligt“, sagte Alpek. Drei Schülerinnen im rheinländischen Düren sei verboten worden, in den Pausen türkisch miteinander zu reden. „Mittlerweile muss doch bekannt sein, dass Mehrsprachigkeit kein Hindernis für den Erfolg von Schülern ist“, zitierte „Milliyet“ die Elternsprecherin.

    Die „Hürriyet“ beispielsweise ließ einen Münchner Elternvertreter zu Wort kommen, die das Ende aller Hauptschulen forderten. Außerdem befragte „Hürriyet“ den Vorsitzenden des Bundes der Türkischen Lehrervereine in Deutschland. „Statt die Migrantenkinder als ,die anderen‘ zu bezeichnen, sollte nach Lösungen gesucht werden“, sagte Mete Atay. Schuld an der Misere der Migranten sei nur die verfehlte Bildungspolitik.

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2668485

  8.   Seyran

    Ich bin für quotierte Notenvergabe. MigrantInnen sollte ein ihrem Bevölkerungsanteil gemäßer Anteil an den Spitzennoten zustehen. So könnte man unfairer Diskriminierung nach Leistung entgegenwirken und sicherstellen, dass die migrantenbezogene Probleme in der Schulstatistik gelöst werden. Außerdem würde der Anteil der Migrantinnen an Gymnasien steigen.

    Die Verarmung Deutschlands in Folge der Einwanderung unterqualifizierter Bevölkerungsgruppen muss endlich alle Teile der Gesellschaft erreichen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Lebensverhältnisse zwischen EU und ihren Nachbarregionen angeglichen werden und die Integration Europas in den Orient problemlos vollzogen werden kann. Wenn die Altbevölkerung Europas sich jedoch weiterhin so stur stellt, könnte es noch Probleme geben.

  9.   PBUH

    >Kurz: Woher kommt das Nord-Süd-Gefälle? Any ideas?

    Na, die Frage kann wirklich nur von ihnen kommen.

    Rot-Grüne Spielwiesen hat es in BaWü noch nie gegeben, das ist der Grund.

    Ich bin jedes Jahr für eine Woche in Stuttgart und immer wieder erstaunt wie relativ gut die Schwaben die vielen Ausländer assimiliert haben. In Düsseldorf sehe ich das ganze Jahr keinen Türken der vor seinem Wohnhaus den Besen schwingt.