Ein Blog über Religion und Politik

Wer steckt hinter den Anschlägen in Mumbai

Von 28. November 2008 um 18:08 Uhr

Interessantes Detail auf dem Counterterrorism Blog: Evan Kohlmann hat mit einem Sprecher der JUD gesprochen, dem politischen Arm der Lashkar-e-toiba, die zuerst verdächtigt wurden, hinter den Anschlägen von Mumbai zu stecken:

Earlier this evening, I spoke via telephone with the official representative of JUD, Abdullah Muntazir, to discuss the situation in Mumbai and mounting allegations of involvement by LET and/or Pakistani Islamists. Muntazir strongly denied these charges, referring to the attacks as an “internal problem” for India. He repeatedly insisted to me, “we have nothing to do with it”, and blamed Indian “propaganda” for “divert[ing] the attention of the public media” — which he described as “their usual practice.” Interestingly, during our conversation, Muntazir went even further and actually condemned the events that have taken place in Mumbai as needless “carnage”: “Islam does not permit killing civilian people.” He added, “I don’t think that this is a legitimate tactic.”

Nun ja. Es ist halt immer die Frage, wie man “Zivilisten” definiert. Für manche Dschihadisten sind Amerikaner, Briten und Israelis (Juden) niemals Zivilisten, weil sich ihre Länder (ihre Religion) im “Krieg gegen den Islam” befinde. Das macht dann jeden zu einem legitimen Ziel. Immerhin macht Muntazir die Unterscheidung. Die Taktik der Massenmörder von Mumbai zeigt ganz deutlich, dass sie zu denjenigen gehören, die der ersteren Definition anhängen.

Kategorien: Islamismus und Terror
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Früher nahmn sie sich noch die Mühe, von unschuldigen Zivilisten zu reden. Danke, dass Sie darauf hinweisen, dass es jetzt noch einfacher geht.

    • 28. November 2008 um 18:17 Uhr
    • FreeSpeech
  2. 2.

    Indische Pressestimmen hier (Link!).

    Auf CNN IBN (gestriger Link von JL (Link!)) laufen nach ziemlich chaotischer Berichterstattung tagsüber jetzt erste Versuche, die Sache politisch einzuordnen.

    • 28. November 2008 um 19:00 Uhr
    • xNWO
  3. 3.

    @ Jörg Lau

    Man sollte aber in Betracht ziehen, dass Muntazir in Bezug auf die Verbindung sowie die Unterscheidung entweder glatt lügt oder die Urheberschaft der Angriffe bei den im Wiki-Artikel erwähnten breakaway members liegt.

    Einen plausiblen Beweggrund zu lügen hätte er – wäre doch, sofern die Lashkar direkt beteiligt ist, der Druck auf den pakistanischen Staat, gegen sie vorzugehen, noch größer -, und Fraktionierung ist dem radikalen Islam nicht fremd.

    • 28. November 2008 um 20:29 Uhr
    • N. Neumann
  4. 4.

    Nach Ansicht von Guido Steinberg, Terrorismusexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), hat der Terrorangriff in Bombay “ziemlich sicher eine pakistanische Dimension” – auch wenn es schwer zu sagen sei, wer genau dahinter steckt. Denn die terroristischen Gruppen seien in Indien nicht so etabliert, ihre Strukturen unklar. Steinberg hat die islamistische Lashkar-e-Toiba, die “Armee der Reinen”, im Verdacht. Die Gruppierung habe lange vor allem im mehrheitlich muslimischen Kaschmir gekämpft, in pakistanischem Auftrag. “Aber irgendwann um die Jahrhundertwende ist das den Pakistanern aus dem Ruder gelaufen” – Lashkar-e-Toiba sei dann internationaler geworden. “Plötzlich ging es nicht mehr vordringlich um die Befreiung der Provinz Kaschmir, sondern der Kampf erhielt eine antiindische Komponente”, sagt Steinberg. Das Ziel: die indischen Muslime zu befreien. Die Anschläge in Bombay seien eine “logische Konsequenz der ideologischen Entwicklung” auf dem Subkontinent. “Immer mehr indische Muslime radikalisieren sich”, sagt Steinberg.

    Der Terror in Indien hat eine neue Dimension erreicht

    Die jetzigen Anschläge erinnerten an die Attentate vom Oktober 2001 auf das Regionalparlament des indischen Bundesstaates Jammu und Kaschmir in Srinagar, sagt der Terrorexperte. “Bewaffnete überfallen Gebäude und schießen wild um sich, in einer Mischung aus Guerillakrieg und Terroranschlag.” Dass es sich dabei dennoch um auffallend gut koordinierte Anschläge mehrerer kleiner Gruppen handelt, könnte ein Hinweis in Richtung Al Qaida sein. “Wie genau die Verbindungen sind, ist unklar. Al Qaida ist immer noch vor allem ein arabisches Terrornetzwerk”, sagt Steinberg. Aber eines sei sicher: “Es war eine Gruppierung, die sehr genau beobachtet, was Al Qaida macht.”

    So oder so: Der Terror hat in Indien eine neue Dimension erreicht. Die indische Regierung spricht von “Krieg” – ebenso wie die Medienbeobachter vor Ort. Und es ist nicht nur ein Angriff auf Indien, das zeigt die gezielte Suche der Attentäter nach Amerikanern und Briten. Es ist ein Angriff auf den Westen, der sich im Dauerkampf gegen den Terror befindet.

    Eine Hoffnung hat SWP-Experte Steinberg immerhin. Da einige der Attentäter lebendig gefasst wurden, werde man wohl mehr über die Hintergründe lernen als bei vergangenen Attacken.

    http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Fragen-des-Tages-Indien-Terror;art693,2671717

    • 28. November 2008 um 20:39 Uhr
    • N. Neumann
  5. 5.

    “Es ist halt immer die Frage, wie man “Zivilisten” definiert. Für manche Dschihadisten sind Amerikaner, Briten und Israelis (Juden) niemals Zivilisten, weil sich ihre Länder (ihre Religion) im “Krieg gegen den Islam” befinde.

    Ein wichtiger Aspekt, der m.E. in diesem Zusammenhang übersehen wird, ist die Tatsache, dass die Selektion, wer ermordet wird oder nicht, eindeutig nach rassisch-ideologischen Kriterien erfolgt. Das ist so erschreckend wie decouvrierend. Es werden ‘Weiße’ abgeballert, westlich Gekleidete, ‘feindliche’ Nationenangehörige … Protorassismus. Und die moslemische Welt schaut beifällig zu, bis auf ein paar Lippenbekenntnisse oder Sorgen um das eigene Wohlbefinden (Islamzeitung.de). Und Schiss und Milko, unsere Blogislamisten, halten mal ausnahmsweise ihre Klappe, was auch enttarnend ist.

    Islam ist Terror.

    • 28. November 2008 um 21:45 Uhr
    • Bergpalme
  6. 6.

    Bei solchen Begründungen stehen einem die Haare zu Berge: “needless “carnage”: “Islam does not permit killing civilian people.” He added, “I don’t think that this is a legitimate tactic”.

    Das Blutbad als taktischer Fehler. AKtive “Normal”-Moslems sehen das m. E. auch so.

    Moralisch verwerflich? Inhuman? Widerlich? Alles Fehlanzeige.

    Ekrem Senol, Milli Görüs Anwalt, auf seinem Jurblog.de hat heute auch nur als Aufmacher: “Der Weg nach Mekka – Die Reise des Muhammad Asad.”

    • 28. November 2008 um 21:54 Uhr
    • Bergpalme
  7. 7.

    Manche Militante Islamisten beginnen einzusehen, dass manche der von ihnen verübten Anschläge zwar strategisch sinnvoll, aber propagandistisch nachteilig sein können. Mittlerweile leugnen sogar die Taliban öffentlich ihre Verantwortung für bestimmte Anschläge in Afghanistan, z.B. für Säureangriffe auf Schuldmädchen. Verantwortung wird nur noch für mutmaßlich populäre Aktionen übernommen. Interessant ist aber, dass der LeT-Terrorist zumindest indirekt jüdische Zivilisten als Zivilisten eingeordnet hat. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass diese Banden sich gegenüber westlichen Medien entsprechend äußern. Interessanter ist es daher, was diese Kräfte auf Urdu sagen.

    • 28. November 2008 um 22:15 Uhr
    • Wachtmeister
  8. 8.

    @Bergpalme:
    Rassismus ist in dem Spektrum entgegen der verbreiteten Selbstdarstellung durchaus verbreitet. Die Attentäter von Bali äusserten z.B. offen, sie hätten Weiße (“Orang Putih”) töten wollen. Und Bandenführer der AQ wie Zawahiri lassen immer wieder durchscheinen, dass sie von nicht-Weißen Bevölkerungsteilen westlicher Staaten Sympathie erwarten. Dem liegt offenbar auch die Wahrnehmung zugrunde, dass man gemeinsam gegen Weiße kämpft.

    • 28. November 2008 um 22:20 Uhr
    • Wachtmeister
  9. Kommentar zum Thema

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