Warum Israel sich bedroht fühlt

Von 31. Dezember 2008 um 18:11 Uhr

Der Historiker Benny Morris schreibt über die Hinter-Gründe für den Angriff auf die Hamas in Gaza, und ich kann aus dieser Sicht verstehen, warum es zu der Operation gekommen ist (halte sie aber immer noch für falsch):

Erstens hätten die arabischen Länder und die islamische Welt im weiteren Israel nie das uneingeschränkte Existenzrecht zugestanden -trotz der Friedensverträge von 1979 (Ägypten) und 1994 (Jordanien).

Zweitens schwinde die internationale Unterstützung des Westens für Israel in dem Maße, wie der Holocaust eine schwache Erinnerung wird.

Drittens ist Israel im Norden von der schiitisch-fundamentalistischen Hisbollah bedroht, die parasitär im libanesischen Staat lebt und von anderen Mächten der Region unterstützt wird.

Benny Morris

Viertens werde Israel im Süden von Hamas bedroht, die die Auslöschung des israelischen Staates anstrebe.

Fünftens lauert im Osten der Iran, der die Atombombe anstrebt, dessen Präsident gegen Israel hetzt und die Hamas unterstützt.

Sechstens ist Israel durch die Demografie in seiner Identität bedroht: die arabische Minderheit im Lande kann, bei gleichbleibenden Geburtenraten, schon 2040 die Mehrheit werden. Die arabischen Israelis haben sich in jüngster Zeit radikalisiert, schreibt Morris.

“What is common to these specific threats is their unconventionality. Between 1948 and 1982 Israel coped relatively well with the threat from conventional Arab armies. Indeed, it repeatedly trounced them. But Iran’s nuclear threat, the rise of organizations like Hamas and Hezbollah that operate from across international borders and from the midst of dense civilian populations, and Israeli Arabs’ growing disaffection with the state and their identification with its enemies, offer a completely different set of challenges. And they are challenges that Israel’s leaders and public, bound by Western democratic and liberal norms of behavior, appear to find particularly difficult to counter.”

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Kategorien: Außenpolitik, Iran, Israel
Leser-Kommentare
  1. 1.

    >Sechstens ist Israel durch die Demografie in seiner Identität bedroht

    Warum sind diese Rechtsausleger so auf die Demografie fixiert?
    ;-)

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    • 31. Dezember 2008 um 18:38 Uhr
    • PBUH
  2. 2.

    Nach wie vor bleibt es eine Unverschämtheit, ein nicht bedrohtes Existenzrecht (als ob Israels Existenz noch bedroht werden könnte) einzufordern, während man gleichzeitig das Existenzrecht der Palästinenser mit Gewalt verhindert. Volksvertreibung und 40 Jahre Besatzung sprechen für sich, wenn man nicht auf Blöd schaltet.

    Natürlich verschwindet auch die internationale Unterstützung für Israel, wenn man sich nicht mit der Vergangenheit blendet und die Fakten der Israelischen Völkerrechtsverbrechen nicht mehr ignoriert.

    Man kann auch erzählen, dass man sich von der Hamas und der Hisbullah bedroht fühlt, und diese so aufwerten. Das hat zweierlei Effekt. Die Hisbullah/Hamas wird von scheinheiligen Moralisten Rücksicht auf gegebene Fakten stets für die Spannungen verantwortlich gemacht, und zum anderen stärkt sich das Ansehen der Islamisten, weil diese den Unterdrückern (40 Jahre Besatzung sind mehr als nur Unterdrückung) so scheinbare Gegenwehr bieten können.

    Es ist auch nur natürlich, dass Iranische Politiker gegen Israel hetzen, zumal Israel durch seine Verbrechen gegen die Palästinenser genug Anlass dafür bietet. Das stärkt deren Ansehen und lenkt die Bevölkerung von den eigenen Unzulänglichkeiten und Verbrechen ab. Und jemand, der seine Nachbarn mit Angriffen schon mehrmals überfallen hat, im Besitz der Atombombe ist, sollte sich nicht darüber beschweren, wenn andere Nachbarn die Atombombe ebenfalls anstreben. Eine Bedrohung wäre die AB auch nur, wenn Israel selber keine hätte.

    Schlussendlich sollte man die demographische Entwicklung kritischer Betrachten, anstatt diese als Vorwand herzuhalten, um Bomben auf Palästinenser zu werfen. Diese ist nicht zuletzt resultat Israelischer Innenpolitik, die eine Zweiklassengesellschaft manifestiert und das entstehen einer Israelischen Kultur zugunsten einer rein jüdisch zionistischen verhindert. Zionistisch heißt auch rassistisch, wie man an der staatlich getrragenen Siedlungspolitik leicht beochbachten kann!

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    Schon merkwürdig, dass man von den Palästinensern in Gaza erwartet, dass diese nun nach 40 Jahren Existenzrechtsraubs völlig in die Hoffnungslosigkeit getrieben Israelischen Staatsterrorismus völlig ohne Wehr ertragen. Andererseits zeigt die Geringschätzung des palästinensischen Existenzrechtes bei gleichzeitiger dramatisierung einer angeblichen Bedrohung israelischen Existenzrechtes, dass Rassismus bei sehr vielen eine bedeutende Rolle in der Persönlichkeit annimmt. Die Pflege des Rassismus kostet den schlichten Verstand, nicht 40Jahre Israelische Gewaltherrschaft und zuletzt das israelische Strangulieren Gazas als Ursache für die Nadelstiche in Form von Kassams zu sehen.

    Naja, man will ja die Islamisten schwächen, angeblich.

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    • 31. Dezember 2008 um 19:44 Uhr
    • Erol Bulut
  3. 3.

    Gut, dass Dubai alle Feierlichkeiten zum Jahreswechsel aufgrund der Strafaktion in Gaza absagt. Ein kleines aber wichtiges Zeichen!

    http://www.ameinfo.com/179988.html

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    • 31. Dezember 2008 um 20:11 Uhr
    • bunbury
  4. 4.

    Das musste ja von Erol Bulut kommen. Schön, dass sich die Islamisten immer wieder so melden, dass man die Mentalität nicht vergisst.

    Antworten

  5. 5.

    Immer wieder schön, wie sich die Brüder im Geiste (der Terroristen) outen (müssen). In mentaler Rezession und ethischer Verkommenheit.

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    • 1. Januar 2009 um 13:36 Uhr
    • Skepsis
  6. 6.

    @Jörg Lau
    “Warum Israel sich bedroht fühlt”

    Sie meinen also tatsächlich, die Bedrohung ist nur gefühlt?

    Antworten

  7. 7.

    @lebowski

    Solange man sie als gefühlt bezeichnet, kann man den Krieg kritisieren.

    Antworten

  8. 8.

    So ganz erfolglos sind die Israelis aber nicht.
    “Israel tötet hochrangigen Hamas-Führer”
    http://www.zeit.de/news/artikel/2009/01/01/2695662.xml

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    • 1. Januar 2009 um 19:27 Uhr
    • J.S.
  9. Kommentar zum Thema

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