Demokratie auch dann unterstützen, wenn sie Islamisten an die Macht bringt?

Von 11. März 2009 um 15:00 Uhr

Eine sehr ungewöhnliche Koalition von prominenten Intellektuellen hat sich in einem Offenen Brief an Präsident Obama gewandt. Islamwissenschaftler wie John Esposito, Neocons und Ex-Neocons wie Jean Bethke Elshtain, Robert Kagan und Francis Fukuyama, demokratische Muslime wie Radwan Masmoudi und Saad Eddin Ibrahim, linke Falken wie Peter Beinart und Matt Yglesias, der ehemalige Malysische Minsterpräsident Anwar Ibrahim und viele weitere unterstützen die Initiative. 

Das Ziel: Obama soll bei seiner neorealistischen Wende nicht aus den Augen verlieren, dass Demokratie und Menschenrechte im Nahen Osten und in der weiteren islamischen Welt auf der Tagesordnung bleiben müssen.

Man kann in dem Brief vielleicht eine Mahnung sehen, bei all den lobenswerten Initiativen, nun auch mit Schurken zu reden, nicht zu vergessen, dass das schlechte Standing der USA und des Westens in der Region auch daher kommt, dass man sich jahrzehntelang mit den Unterdrückern gemein gemacht hat, die Menschenrechte unterdrücken, foltern und Regimegegner einsperren.

Die Autoren plädieren auch für die Zusammenarbeit mit “mainstream islamist parties”, sofern sie durch Wahlen an die Macht gekommen sind, auf Gewalt verzichten und den demokratischen Prozess bejahen (Bsp. Türkei, Indonesien, Marokko). Demokratie ist nicht teilbar.  

Also: Gegen die autokratischen Regime aufstehen, wo sie Menschenrechte mißachten, und furchtlos den demokratischen Prozess auch dann verteidigen, wenn er Islamisten an die Macht bringt.

Hier der ganze Brief

Auszug:

In his second inaugural address, President Bush pledged that the United States would no longer support tyrants and would stand with those activists and reformers fighting for democratic change. The Bush administration, however, quickly turned its back on Middle East democracy after Islamist parties performed well in elections throughout the region. This not only hurt the credibility of the United States, dismayed democrats and emboldened extremists in the region, but also sent a powerful message to autocrats that they could reassert their power and crush the opposition with impunity.

In order to rebuild relations of mutual respect, it is critical that the United States be on the right side of history regarding the human, civil, and political rights of the peoples of the Middle East. There is no doubt that the people of the Middle East long for greater freedom and democracy; they have proven themselves willing to fight for it. What they need from your administration is a commitment to encourage political reform not through wars, threats, or imposition, but through peaceful policies that reward governments that take active and measurable steps towards genuine democratic reforms. Moreover, the US should not hesitate to speak out in condemnation when opposition activists are unjustly imprisoned in Egypt, Jordan, Saudi Arabia, Tunisia, or elsewhere. When necessary, the United States should use its considerable economic and diplomatic leverage to put pressure on its allies in the region when they fail to meet basic standards of human rights.

Leser-Kommentare
  1. 73.

    @67
    “jsa, ich glaubegrundsätzlich, dass es zu einem bprgerkrieg kommen wird früher oder später”

    sowas nennt man gemeinhin selffullfilling prophecy — udn jemand, der sich permanent bedroht sieht und sich entsprechend (mental oder materiell) bewaffnte, wird mit hoher wahrscheinlichkeit überall beleg für die angebliche bedrohung sehen — und sich über kurz oder lang zur gegenwehr befugt sehen.
    wenn genug leute diese idee der bedrohung teilen und entsprechend handeln, sind sie durchaus inder lage, genau diese situation der bedrohung tatsächlich zu produzieren, weil ihre handlungen nämlich anderen furcht einjagen …

    “Hinzu kommt noch, dass die gesellschaftsform(en) , die wir im westen, speziell in europa pflegen auf bestimmten Weltansichten gegründet sind, die z. b. (natur-)wissenschfatlichen herangehen und -begründungen eine ausschlaggebende rolle zusprechen”

    und mit fortschreiten eben dieses “naturwissenschaftlichen herangehens” hat sich in der europäischen geschichte das ausmass der gewalt gegeneinander potenziert.

    die vielbeschworenen hexenverfolgungen sind gerade kein ereignis des “finsteren mittelalters” sonder expliziter ausfluss wissenschaftlichen denkens (früher ging man einfach und besorgte sich einen gegenzauber — das war mit wissenschaftlichem denken nicht mehr vereinbar).
    die kriege des finsteren mittelalters und noch der frühesten neuzeit waren wirtshausraufereien gegenüber dem, was dann schon der wissenschaftliche geführte 30jährige krieg mit sich brachte, und die realität erreichte noch nichtmal die ideen, so zb gustav ii adolfs ideen nahezu totaler kriegführung inklusive einer riesigen front, die sich von der ostsee bis nach böhmen ununterbrochen erstrecken und westwärts rollen sollte — die rationale, wissenschaftliche, planung solcher vernichtung wurde noch wenige generationen vorher (im finsteren mittelalter) als gotteslästerung betrachtet.

    die tatsächliche umsetzung sowohl der massenhaften, systematischen tötung missliebiger als auch der totalitären kriegsführung und verödung riesiger landstrecken vorsätzlich und mit nachhaltiger wirkung kalkuliert, blieb dann den wirklich aufgeklärten und auf wissenschaftlicher basis (und mit wissenschaftlichem weltbild fundierten) jahrhunderten vorbehalten, die nicht mehr nach “irrationalem”, religiösem gesichtspunkt die menschen schieden, sondern auf streng wissenschaftlicher grundlage von genetik, rassenhygiene und rassenlehre operierten.

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    • 15. März 2009 um 14:57 Uhr
    • arne anka
  2. 74.

    arne anka hexenverfolgungen sind gerade kein ereignis des “finsteren mittelalters” sonder expliziter ausfluss wissenschaftlichen denkens

    arne anka der wissenschaftliche geführte 30jährige krieg

    Oh, Mann! Nicht nur Orientalisten, sondern auch Okzidentalisten höchsten Niveaus schreiben hier.

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    • 15. März 2009 um 15:33 Uhr
    • xNWO
  3. 75.

    Das lässt hoffen.

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    • 15. März 2009 um 15:34 Uhr
    • xNWO
  4. 76.

    [...] politischen Arm der Hisbollah Dialog zu führen. Nicht wenige säkulare arabische Publizisten üben heftige Kritik an solchen Vorstößen. Ins gleiche Horn stößt jetzt Tariq Alhomayed von “Asharq [...]

    Antworten

  5. 77.

    @74:
    “Oh, Mann! Nicht nur Orientalisten, sondern auch Okzidentalisten höchsten Niveaus schreiben hier.
    Kommentar von xNWO”

    danke, so etwa hatte ich mir ihre argumentationsstruktur vorgestellt.

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    • 16. März 2009 um 11:41 Uhr
    • arne anka
  6. Kommentar zum Thema

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