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Lässt sich das Erfolgsrezept des irakischen “Surge” auf Afghanistan übertragen?

Von 17. März 2009 um 11:09 Uhr

Eine neue Studie (für das Marine Corps) beschreibt, was zu beachten ist, wenn man die Lektionen aus dem Irak auf Afghanistan übertragen will. Entscheidend sind Politik und Diplomatie, schreiben die Autoren. Die schlechte Regierungsführung in Afghanistan schafft große Unzufriedenheit und  treibt den Aufständischen Unterstützung zu. Beim Reden und Verhandeln mit den Stammesführern sind aber deutliche Unterschiede zwischen Afghanistan und al-Anbar im Irak zu sehen. Eine essentielle Studie. Auszüge aus der Konklusion: 

 

In summary, counterinsurgency in Afghanistan will be different from counterinsurgency in Al Anbar. Any “solution” to the Afghan insurgency must address not sectarianism or a civil war but government misrule tied to a history of warlordism—strategic factors that define the problem. Without reducing the abusive behavior of the government and their warlordclients, it is hard to see how security measures will have a long-lasting effect. Security will not stop mistreatment at the hands of government officials or the continued predatory behavior of warlords.

Another strategic factor that cannot be avoided is the large safe haven in Pakistan’s tribal areas, where insurgents can readily train, recuperate, and organize; a permanent bastion. Given time, US forces may be able to pacify some parts of Afghanistan, perhaps even the bulk of the population. Nevertheless, until the policies of the Pakistani military change, the insurgents should be able to regenerate in the tribal areas. From there, they will be able to try again and again at breaking into pacified areas. Poppy does not help. Funds from its production and trade enhance the ability of the insurgents to keep going. In the end, their attempts may go nowhere but they will have the wherewithal to go round after round, fighting season after fighting season.

Other differences between Al Anbar and Afghanistan may not be strategic but will affect operations, most notably tribal engagement efforts. Tribal engagement, to include the development of tribal forces, will need to be built around the fragmented nature of the tribal system, the feuding of Pashtunwali, and the opportunism of warlords. Patience and forethought in the planning and execution of tribal engagement efforts are advised. Smallscale community successes are more likely than large-scale province-wide successes. Gaining the support of as many tribal elders as possible and using the shura system are likely to be necessary steps in any effort. Locally recruited forces—whether police or some kind of neighborhood watch—will only be as strong as the shura behind them.

Finally, the differences between Al Anbar and Afghanistan will affect tactics. A rural environment, the tactical skill of the insurgency, and Pashtunwali compel a re-thinking of the tactics of counterinsurgency. How Marines and Soldiers outpost, patrol, re-supply, collect bottom-up intelligence, and many other tactics—not to mention logistics—will have to adjust to a rural environment where the population is spread out over wide distances and to an insurgency skilled at small-unit tactics. The usefulness of certain other tactics deserves reconsideration, most notably cordon and searches, air strikes, and population control measures. Because of Pashtunwali, their costs may be greater than their benefits.

In spite of all these differences, Al Anbar and Afghanistan have some similarities. In addition to government misrule, Afghan insurgents also fight because of the presence of US (and allied) forces—infidels—in their country and, in some cases, because they want to see the establishment of an Islamic government.24 The same could be said of insurgents in Al Anbar.

Accordingly, the emphasis that was placed on giving Iraqis a lead role in counterinsurgency operations in Al Anbar will need to be replicated for Afghans in Afghanistan (even if we must at the same time try to empower the right leaders and guide them toward good governance). To give other examples, tribes are important political players in both regions,underlining the wisdom of tribal engagement of some kind; while advising indigenous forces and clear, hold, and build efforts have proven as effective in Afghanistan as Al Anbar, though the tactical details of implementation differ. These similarities make clear that some fundamentals of counterinsurgency remain the same even though strategy as a whole may need to be re-shaped around the unique characteristics of Afghanistan.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Eine Menge Lesestoff zu diesem Thema gibt hier:

    http://stupidest.wordpress.com/category/afghanistan/

    • 17. März 2009 um 15:29 Uhr
    • Andreas
  2. 2.

    Wenn überhaupt, dann ist das im SPIEGEL besprochene Konzept, in Afghanistan “Inseln der Sicherheit” zu schaffen das erfolgversprechendste. Entweder man rottet den islamischen Terrorismus in manchen Gegenden komplett aus, oder man läßt es gleich.

    Afghanistan ist sowieso wie Pakistan und andere islamische Länder nicht primär ein Nationalstaat, sondern eine künstliche Verbindung verschiedener Stammesgesellschaften. Da kann man ruhig eine Gegend befrieden, und andere links liegen lassen.

    Generell halte ich die Demokratisierung islamischer Länder von außen für utopisch. Bevor die Muslime mehrheitlich nicht verstehen, daß sie durch den Islam weitere 1400 Jahre Leben im Dreck erwarten, werden sie sich nicht ändern. Entweder sie wollen die Entwicklung selber, oder sie wird nicht kommen.

    Außenstehende sollten sich darauf beschränken zu kontrollieren, daß in islamischen Ländern keine Massenvernichtungswaffen produziert werden, und daß möglichst kein Genozid passiert. Massaker wie im Irak oder in Darfur hätten natürlich verhindert werden können. Genauso lassen sich die Terroristen im Swat-Tal natürlich empfindlich treffen. Wenn dort wieder mal Massenerhängungen im Fußballstadion geplant sind, dann möge dort Blitz und Donner hervorgerufen durch amerikanische Drohnen für etwas irdische Gerechtigkeit sorgen.

    • 17. März 2009 um 20:02 Uhr
    • Black
  3. 3.

    Zur zu erwartenden neuen Strategie der USA in Afghanistan:

    The final review is not expected to wrap until the end of March, but there have been hints regarding its major findings. Observers expect Obama’s new Afghanistan strategy to de-emphasize traditional combat power in favor of diplomacy, reconstruction and assistance to the Afghan government.

    http://www.offiziere.ch/?p=1270

    • 18. März 2009 um 19:23 Uhr
    • Andreas
  4. 4.

    “Afghan insurgents also fight because of the presence of US (and allied) forces—infidels—in their country”

    Das könnte man nutzen!
    Eine Möglichkeit dazu wären z.B. gut verteidigte Stützpunkte/Festungen.
    Die Taliban müssen sich entscheiden ob sie mit diesen “Festungen der Ungläubigen” leben oder beim Versuch sie zu schleifen einen enormen Blutzoll bezahlen.
    Das hat den Vorteil das man nicht gezwungen ist die Taliban/Al-Kaida und Co. zu suchen.

    • 18. März 2009 um 20:26 Uhr
    • J.S.
  5. 5.

    Die Studie bringt gut zum Ausdruck, dass die im Irak letztlich erfolgreiche Strategie Elemente aufwies, die sich generell im Kampf gegen irreguläre Kräfte bewährt haben. Eine entsprechende Strategie ließe sich auch für Afghanistan formulieren.

    In jedem Fall würde ein Erfolg in Afghanistan in hohem Maße Ressourcen über einen langen Zeitraum verlangen, und eventuell auch militärisches Handeln im Nordwesten Pakistans erfordern. Es gibt keine billige und risikofreie Lösung.

    Interessanterweise geht diese äußerst wichtige Diskussion größtenteils an Deutschland vorbei. In den Medien findet keine ernsthafte Diskussion statt, und die Politik will sie nicht führen. Man gewinnt den Eindruck, als sei Deutschland nicht wirklich am Einsatz in Afghanistan beteiligt.

  6. 6.

    @ Weblog Sicherheitspolitik: Richtig. Deutschland flüchtet sich im Wahljahr in den Selbstbetrug: Wir tun genug, wir hatten immer schon das richtige Rezept. Man redet von “comprehensive approach”, als wäre es damit gut. Sehr alarmierender Text von Judy Dempsey heute in der Herald Tribune über die Zukunft der NATO und AFG.

  7. 7.

    @Weblog Sicherheitspolitik
    Ich glaube das es zu früh ist um im Irak bereits von einer “letztlich erfolgreichen Strategie” zu sprechen.

    Wenn der Irak zu einem halbwegs demokratischen Staat würde, stünden wir auch was Afghanistan angeht vor einer gänzlich neuen Situation. Ich bin allerdings überzeugt das die Islamisten sich lediglich zurück halten, bis die US-Truppen den Irak weitgehend verlassen haben.
    Der Einsatz iranischer Drohnen über dem Irak zeigt schon das da etwas im Busch ist.

    Andererseits könnte ich mir auch gut vorstellen das uns die schlechten Nachrichten aus dem Irak gar nicht mehr erreichen. Da man sie nicht mehr gegen Bush instrumentalisieren kann haben auch weitaus weniger Leute ein Interesse die schlechten Nachrichten zu verbreiten.

    • 19. März 2009 um 10:43 Uhr
    • J.S.
  8. 8.

    Leuchtet ein. Da werden die Autochthonen ernst genommen, was alleine schon ein riesiges Umdenken des Westens darstellt.

    Einen Versuch wert, bevor sich die Alliierten sowieso zurückziehen müssen.

  9. Kommentar zum Thema

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