Zur Hinrichtung von Delara Darabi im Iran

Von 4. Mai 2009 um 23:01 Uhr

Ein Kommentar von mir auf Zeit online (mehr hier):

“Ich kann die Schlinge schon sehen, Mama.” Dies war Delara Darabis letzter Anruf bei ihrer Mutter. Am frühen Morgen des ersten Mai hat die 22-Jährige einen letzten verzweifelten Versuch unternommen, ihre Familie zu alarmieren. Doch die Henkersknechte im Gefängnis der iranischen Provinzstadt Rasht nahmen ihr das Telefon weg. Stunden später war sie tot durch den Strang.

Delara Darabi ist in Iran nach Schätzungen von amnesty international bereits die mindestens 140. Exekutierte in diesem Jahr. Mehr als eine Hinrichtung pro Tag in einem 70 Millionen-Volk! Nur in China werden in absoluten Zahlen noch mehr Menschen hingerichtet als in der Islamischen Republik. Iran jedoch kann sich eines traurigen Weltrekords rühmen: Das Land ist Weltführer bei der Hinrichtung von Angeklagten, die ihre Tat vor der Volljährigkeit begangen haben. Nirgendwo werden so viele Kinder und Jugendliche exekutiert – eine in weiten Teilen der Welt geächtete Praxis.

Delara Darabi soll 2003, im Alter von 17, gemeinsam mit ihrem damaligen Freund eine wohlhabende Kusine ihres Vaters überfallen und tödlich verletzt haben. Sie hat anfangs die Tat gestanden, wohl im Vertrauen darauf, so ihren Freund, der als eigentlicher Täter vermutet wird, retten zu können. Sie selbst würde nicht zum Tode verurteilt werden, konnte Delara hoffen, denn Iran hat internationale Konventionen unterzeichnet, die solche Exekutionen verbieten. Das war eine trügerische Hoffnung. …

Hier eine Dokumentation des Falls (nicht für schwache Nerven):

Ein wahrer Segen für die reaktionärsten Kräfte des Regimes ist dabei auch der internationale Streit um das iranische Atomprogramm: Die Welt hat heute andere, schlimmere Sorgen als die Menschenrechtslage in der Islamischen Republik. Es gab zwar eine internationale Kampagne von Menschenrechtlern für Delara. Aber die Regierungen des Westens haben für solche vermeintlichen Nebenschauplätze heute kaum noch einen Sinn, während sie Iran hindern wollen, die Bombe zu bauen.

Es wäre fatal, die Zusammenhänge nicht zu sehen: Die Atombombe würde die Machtbasis eben jener Kräfte stärken, die auch Delara Darabi hingerichtet haben. Sie haben kein Interesse an einem Ausgleich mit dem Westen. Im Gegenteil. Unser Entsetzen passt ihnen gut in den Kram. Denn Isolation ist überlebenswichtig für sie, und schauderndes Abwenden der Weltöffentlichkeit wäre ihnen gerade recht.

Es wird geschätzt, dass 130 weitere Fälle von minderjährig zu Tode Verurteilten in Irans Gefängnissen auf die Exekution warten.

Kategorien: Iran, Menschenrechte
Leser-Kommentare
  1. 33.

    @ Welltbuerger

    Ich frage mich aber ernsthaft, ob die Deutschen, in der gleichen Lage unter so einem Regime zu leben, anders handeln würden.

    Wissen kann das keiner. aber ich bin mir sehr sicher, dass die genauso handeln würden.
    Sowas wie ein regime hat immer einen vorlauf auch und es erwächst ja nicht aus ‘nichts’ bzl. seinen ‘Ansichten’ und seiner Ideologie.

    Wenn der gesellschaftliche Leitspruch dann heisst, hängt die jugendlichen Kriminellen auf, dann wird es eben akzeptiert, vielleicht mit Murren.

    Hehe, ne – eben nicht mit Murren, sondern mit begeisterung, wenn die machthaben nicht völlige idioten sind – da ist dann eine richtig gutgehende ‘Propagandamaschine’ namens öffentliche medien dahinter – die im vorfeld diverse besonders brutalen fälle von verfehlungen gezeigt hat – so das jeder meint: die (hier:) ‘Jugendlichen’, dass sind nicht meine Kinder, sonder irgendwelche bösen abartigen Zombis, die für alle eine riesige gefahr darstellen.
    Funktioniert doch bei uns nicht anders: wenn politisch etwas durchgesetzt werden soll, sagen wir einmal ein gesetz bzl. Internetüberwachung und dem sperren von SInternetseiten, dann zeigt man ganz arg schlimme seiten, die es ja auch wirklich gibt, und heisst damit die stimmung auf. Jeder meint: solche Seiten, die gehören wohl selbstverständlich gesperrt. Am ende gibt es dann das gesetz udn ein schlaumeier sagt dann: naja, diese seite da, die ist doch im grunde auch schlimm, nicht so schlimm wie die anderen, aber…. oder… auch wenn das überhaupt diesen bereich nicht betrifft, dasss ist hier im geiste (!) genauso schlimm… usw…
    so funktioniert meist soetwas.
    Das Mädchen ist nur ein Spielball gewesen zwischen diversen ‘moralisierenden’ Strömungen, die ihre interessen daran festmachten sie zu retten oder zu erhängen. Die Richter dort sind eindeutig nicht unabhängig – und allein dem Recht (das zudem noch fraglich ist) verpflichtet – sie sind, wie meist bei regimen, handlanger der machthaber und produzieren keine juristischen, sodnern politische urteile (a la freisler).

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    • 6. Mai 2009 um 07:42 Uhr
    • Zagreus
  2. 34.

    Bei aller völlig berechtigten Kritik an der Todesstrafe im Allgemeinen und am Iran im Besonderen muss aber fairerweise darauf hingewiesen werden, dass es in den USA diesbezüglich auch nicht besser ist.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe_in_den_Vereinigten_Staaten

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    • 6. Mai 2009 um 17:38 Uhr
    • Rojas
  3. 35.

    Hallo,

    Todesurteil war, ist, und bleibt ein Verbrechen wobei die Strafe in Form einer Rache vollzogen wird.

    Menschen werden nicht von Geburt an als Mörder oder Verbrecher geboren. Es sind die soziale Umstände(entstanden durch uns) die sie physisch und psychisch erkrankt und aus denen einen Killer macht. Wir müssen sie therapieren und möglichst ihnen helfen statt Mord mit Mord zu antworten.

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    • 9. Mai 2009 um 16:37 Uhr
    • Hessam
  4. Kommentar zum Thema

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