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„Gott ist groß“

 

Etwas hat sich verändert im Iran. Es sind Risse im Gebälk des Systems sichtbar geworden, die eines Tages zu seinem Einsturz führen können.
Und es hat sich auch etwas am Bild des Iran in der Welt verändert. Nun steht nicht mehr nur „der Irre von Teheran“ für dieses Land, sondern auch die Menschen, die sich immer noch nicht, nach 30 Jahren Diktatur, an Stiefel im Genick gewöhnen mögen.
So schreibt Bradley Burston in Ha’aretz: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich den Iran (im Fussball) unterstützen würde.“ Er bezieht sich dabei auf die grünen Bänder, die die Spieler des Iran beim Spiel gegen Korea getragen hatten, um die Opposition zu unterstützen:

Now, though, the people in Tehran’s streets have made it possible to begin to see past Ahmadinejad. I have to get used to Iran not as a cartoon bully, but as my neighbor. Not because they will go nuclear – though nuclear they may well go. But because it is a nation of people, as we are, not pawns in an increasingly obsolete revolution.

It often seems that fundamentalism is the curse of the Middle East. In Israel, in Palestine, in Lebanon, in Iraq and Iran, it appears at first glance that it is fundamentalism that keeps peace at bay, that it has cursed Israel with settlements and faith-based racism; that it has cursed the Palestinians with anti-Jewish incitement and dated ideology which has kept statehood a practical impossibility; that it makes Hezbollah worship weaponry over all else; and that it has has spurred brother Muslims, Shi’ites and Sunnis in Iraq, to suicide bomb each other’s mosques, and each other.

But this view is too simple. It fails to take into account the fact that it is not religion per se, but its unholy marriage with politics, that yields the excesses that rob people of their freedom, dignity, and a future of peace. When fundamentalism becomes revolution, the truth that is in religion, becomes the first casualty.

Und so sah es gestern in Teheran aus, man achte auf die Rufe der Menschen. „Allahu akbar“ – das kann auch heissen: Schert euch zum Teufel, verdammte Mullahs.

0 Kommentare

  1.   docaffi

    Volle Zustimmung Herr Lau; es hat sich wirklich was getan. Es ist der Anfang vom Ende des Regims. Der Wahlbetrug und die anschließende Gewalt und Morde haben das Faß zum Überlaufen gebracht. Und das Regime hat endlich den Schleier abgelegt und das Gesicht der Militärdiktatur gezeigt.

    PS Die Demonstranten im Film rufen auch: Kanonen, Panzer und Basiji——Haben ihre Wirkung verloren!!

  2.   arne anka

    link?

  3.   J.S.

    „eines Tages“???

    Was soll das heißen?

  4.   Black

    @docaffi

    Frage: Was halten sie von Ayatollah Khomenei? Was halten die Iraner von Ayatollah Khomenei?

    aus:
    Mussawi: Wir sind Opfer von Betrug

    Vor dreissig Jahren siegte in diesem Land eine Revolution im Namen des Islam, eine Revolution, die die Würde der Menschen wiederherstellen wollte, eine Revolution für Wahrheit und Gerechtigkeit. In jenen Zeiten, als unser erleuchteter Imam Khomeini noch lebte, wurden viele Leben investiert, um diese Grundlage zu legitimieren und viele wertvolle Dinge wurden erreicht. … Dieses Volk erlangte Würde und Freiheit…

    Ich war gekommen um die Warnungen des Imams über den Fundamentalismus zu wiederholen. Ich war gekommen um zu sagen, dass die Missachtung der Gesetze zur Diktatur führt; und um daran zu erinnern, dass die Achtung der Menschenwürde die Grundfesten des Regimes nicht erschüttert, sondern stärkt.

    Ich war gekommen um neu einzuladen zur Islamischen Revolution, so wie sie sein sollte, und zur Islamischen Republik, so wie sie sein sollte. … Die Kernbotschaft der Revolution erwies sich als so anziehend, dass es meine Artikulationsfähigkeit überstieg und die junge Generation anstachelte, die jene Tage nicht erlebt hatte, Szenen nachzuschaffen, die wir seit den Tagen der Revolution und der heiligen Verteidigung nicht gesehen hatten.

    Die große Beteiligung bei der jüngsten Wahl war das Resultat harter Arbeit bei der Schaffung von Hoffnung und Vertrauen. Wir versuchten denen eine verdiente Antwort zu erteilen, deren breite Unzufriedenheit mit der jetzigen Managementkrise die Grundfesten des Regimes hätte antasten können.

    Ich wünsche den Iranern nach wie vor, daß sie die Diktatur abschütteln können. Wenn man die aktuelle Krise allerdings so wie Moussavi als „Managementkrise“ sieht, dann sehe ich schwarz. Man muß schon tiefer ansetzen, zum Beispiel beim Schlächter Khomenei, wenn nicht gleich bei… eh schon wissen.


  5. @ Black: Chomeini? Chamenei?

  6.   Black

    @Chomeini? Chamenei?

    Moussavi bezieht sich klar auf Ayatollah Ruhollah Khomenei, oder Chomenei (engl.).

    Es geht aus den Zitaten eindeutig hervor:

    In jenen Zeiten, als unser erleuchteter Imam Khomeini noch lebte, wurden viele Leben investiert, um diese Grundlage zu legitimieren und viele wertvolle Dinge wurden erreicht. … Dieses Volk erlangte Würde und Freiheit…

    Ich war gekommen um neu einzuladen zur Islamischen Revolution, so wie sie sein sollte, und zur Islamischen Republik, so wie sie sein sollte.

    Wieviele Leute sind damals gestorben. Wieviele wurden vertrieben?

    Über Ayatollah Ruhollah Khomenei wird man schon reden müssen. Der ist der Vater des modernen Islamismus. Moussavi kann kein Reformer sein, wenn er sich nicht von Khomeinei distanziert. Chamenei und Ahmedinedschad sind nur die noch fanatischeren Anhänger des Ayatollah Ruhollah Khomenei.

    Ich hoffe, die Iraner gehen nicht nur wegen einer „Managementkrise“ auf die Straße. Ich hoffe, die Iraner beginnen endlich Religion und Politik zu trennen, womit natürlich fast die gesamte Elite abserviert wäre.

  7.   J.S.

    @Black
    „Moussavi kann kein Reformer sein, wenn er sich nicht von Khomeinei distanziert.“

    Ein wirklich guter Punkt!

  8.   Joachim S.

    Gorbatschow war kein Reformer, denn er hat sich nicht von Lenin distanziert.

  9.   J.S.

    Lenin als russischer Khomeini? Witzige Idee! 🙂