Ein Blog über Religion und Politik

Eine super Gelegenheit, Iran zu bombardieren

Von 3. Juli 2009 um 13:48 Uhr

Hat John R. Bolton entdeckt, ehemals eine hohe Figur im republikanischen Siherheitsestablishment und schließlich UN-Botschafter George W. Bushs.

Seit Jahren ist Bolton – ein Erz-Falke – unterwegs, um für einen Krieg gegen Iran zu werben, wie ich persönlich bezeugen kann.

Anders als manche Kommentatoren, die das neue Gesicht Irans – durch die lebendige Zivilgesellschaft, die dem Wahlbetrug tapfer entgegenhielt – für einen Grund halten, eine militärische Option auszuschliessen, will Bolton jetzt erst recht Bomben fallen sehen.

Und zwar sollen die Israelis es machen (da auf Obama offenbar nicht zu setzen ist):

Time is too short, and sanctions failed long ago.

Only those most theologically committed to negotiation still believe Iran will fully renounce its nuclear program. Unfortunately, the Obama administration has a “Plan B,” which would allow Iran to have a “peaceful” civil nuclear power program while publicly “renouncing” the objective of nuclear weapons. Obama would define such an outcome as “success,” even though in reality it would hardly be different from what Iran is doing and saying now. A “peaceful” uranium enrichment program, “peaceful” reactors such as Bushehr and “peaceful” heavy-water projects like that under construction at Arak leave Iran with an enormous breakout capability to produce nuclear weapons in very short order. And anyone who believes the Revolutionary Guard Corps will abandon its weaponization and ballistic missile programs probably believes that there was no fraud in Iran’s June 12 election. See “huge credibility gap,” supra.

In short, the stolen election and its tumultuous aftermath have dramatically highlighted the strategic and tactical flaws in Obama’s game plan. With regime change off the table for the coming critical period in Iran’s nuclear program, Israel’s decision on using force is both easier and more urgent. Since there is no likelihood that diplomacy will start or finish in time, or even progress far enough to make any real difference, there is no point waiting for negotiations to play out. In fact, given the near certainty of Obama changing his definition of “success,” negotiations represent an even more dangerous trap for Israel.

Bolton hat schon zwei Kriege bekommen in seiner aktiven Laufbahn unter George W.

Aber genug ist nicht genug.

Warum glaubt Bolton, jetzt könne man dem iranischen Volk besser klarmachen, dass ein Schlag gegen das Atomprogramm nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen das Regime gerichtet sei?

Significantly, the uprising in Iran also makes it more likely that an effective public diplomacy campaign could be waged in the country to explain to Iranians that such an attack is directed against the regime, not against the Iranian people. This was always true, but it has become even more important to make this case emphatically, when the gulf between the Islamic revolution of 1979 and the citizens of Iran has never been clearer or wider.

Das ist eine absurde Fehleinschätzung der Folgen eines Militärschlages: Der Graben zwischen Regime und Volk würde sich sofort wieder schliessen, wenn ein Angriff stattfände. Denn selbst die Kritiker des Regimes unterstützen den ursprünglichen Impuls der Revolution: Unabhängigkeit und Souveränität des iranischen Volkes. Auch die Gegner des Atomprogramms sind gegen einen Krieg um seinetwillen.

Kategorien: Außenpolitik, Iran, USA
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Der letzte Abschnitt fasst’s zusammen.

    (Ich frage mich, woher Bolton seine Menschenkenntnisse hat.)

    • 3. Juli 2009 um 17:25 Uhr
    • FreeSpeech
  2. 2.

    Das Kann sich Amerika nicht leisten.

    America’s Hauptstrategie ist zur Zeit eine extreme Imagepolitur.

    Da steht wohl Mr. Bolton alleine im Flur.

    • 3. Juli 2009 um 18:20 Uhr
    • Amir
  3. 3.

    Bolten ist ein sehr rationaler Politiker, der Mann möchte keine iranische Atombombe.

    Mögliche Reaktionen des iranischen Volkes sind für Bolton sekundär, der Mann sieht sich als Vertreter von US-Interessen.

    Weitere Sanktionen gegen den Iran werden in jedem Fall nix bewirken, die schaden nur unserer Wirtschaft.

    • 3. Juli 2009 um 22:34 Uhr
    • PBUH
  4. 4.

    Der Graben zwischen Regime und Volk würde sich sofort wieder schliessen, wenn ein Angriff stattfände.

    Das ist kein Argument! Denn der Graben, wenn es ihn gibt, würde danach sehr schnell wieder aufbrechen!

    Hat sich die irakiiche Bevölkerung nach 1991 hinter Saddam Hussein gestellt?
    Hat sich die serbische Bevölkeung nach Ende Kosvo Konflikts hinter Milosevic gestellt? So könnte ich Seitenlang weiter machen!

    Warum kommt dieses durch die Realität widerlegte Argument also immer wieder?

    Das heißt nicht, das ich noch für eine Bombardierung wäre.

    • 3. Juli 2009 um 23:23 Uhr
    • J.S.
  5. 5.

    @PBUH & JS
    Bleibt doch realistisch. Ein israelischer Eingriff stoppt doch die Mullah-Bombe nicht. Er wurde nur für das Regime als Argument gelten die inneren “Feinde” noch intensiver zu befolgen und vernichten.

    • 3. Juli 2009 um 23:46 Uhr
    • docaffi
  6. 6.

    @docaffi
    “Ein israelischer Eingriff stoppt doch die Mullah-Bombe nicht.”

    Stimmt!

    “Er wurde nur für das Regime als Argument gelten die inneren “Feinde” noch intensiver zu befolgen und vernichten.”

    Naja, viel intensiver geht ja wohl nicht mehr!

    • 4. Juli 2009 um 00:14 Uhr
    • J.S.
  7. 7.

    @6 docaffi und J.S.

    Wie kann man denn die Mullahs daran hindern die Bombe zu bauen?

    Wenn gute Worte nichts helfen und Bomben auch nicht, was bleibt dann?

    Die Bombe einfach akzeptieren? Das ist auch keine Lösung, denn sobald nukleare Kapazitäten vorhanden sind werden sie genutzt werden.
    Das heißt nicht das der Iran die Bombe auf Israel werfen wird, ganz im Gegenteil, ein direktes Eingreifen des Iran halte ich für unwahrscheinlicher als jetzt. Aber was tun wenn der Iran Terrorgruppen aufrüstet? Was tun wenn mit iranischer Hilfe die Hisbollah Giftgasangriffe gegen Israel ausführt? Zurückschlagen? Mit was und gegen wen?

    Eine Atombombe muß nicht explodieren um genutzt zu werden.
    Also, was tun?

    • 4. Juli 2009 um 07:51 Uhr
    • Mattes
  8. 8.

    @Mattes
    Eine der Gruppen aus denen das Mullah Regime hervor ging, nennt sich Fedajin-e Islam was soviel wie “Die sich für den Islam opfern” bedeutet.

    Märtyrerkult bzw. religiöser Wahn und Atombomben sind eine gefährliche Mischung. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich das die Mullahs, bevor sie vom Volk entmachtet werden, noch eine atomare “Märtyreraktion” starten.

    Die Gefahr durch Terroristen sehe ich natürlich auch. ABer nicht nur bezüglich Israel sondern auch in Hinblick auf den Konflikt zwischen Russland und den Islamisten im Kaukasus. Wenn die Mullahs erst mal Atombomben haben, sind sie jedenfalls nicht mehr auf Moskaus Hilfe angewiesen, und könnten ihre Zurückhaltung in dieser Beziehung aufgeben. Da droht ein Konflikt zwischen Russland und Iran.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Tschetschenienkrieg

    • 4. Juli 2009 um 08:59 Uhr
    • J.S.
  9. Kommentar zum Thema

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