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Ahmadinedschads jüdische Wurzeln

 

Kein Witz: Der Daily Telegraph enthüllt, dass der iranische Präsident Machmud Ahmadinedschad jüdische Wuzeln hat. Bei der Registrierung zur Wahl hat Ahmadinedschad seinen Pass in die Kameras gehalten. Bild 1

Der Telegraph hat sich das Dokument vorgenommen und dabei herausgefunden, dass der ursprüngliche Familienname Sabourjian geheißen habe. Dies sei aber ein jüdischer Name, der “Tuchweber” bedeute:

The short note scrawled on the card suggests his family changed its name to Ahmadinejad when they converted to embrace Islam after his birth.

The Sabourjians traditionally hail from Aradan, Mr Ahmadinejad’s birthplace, and the name derives from “weaver of the Sabour”, the name for the Jewish Tallit shawl in Persia. The name is even on the list of reserved names for Iranian Jews compiled by Iran’s Ministry of the Interior.

An diese Enthüllung schliessen sich natürlich sofort Theorien an, es handele sich bei den anti-israelischen Attacken des Präsidenten um kompensatorische Akte eines Konvertiten. Jüdischer Selbsthaß?

Damit wäre ich vorsichtig, so interessant solche psychologisierenden Deutungen sind – denn die antiisraelische Linie wird ja nicht nur von (möglicherweise) Konvertiten wie ihm vertreten (auch der “Moderate” Rafsandschani ist durch Ausfälle gegen Israel auffällig geworden). Sie geht auf den Revolutionsführer Chomeini zurück und ist Teil der Staatsräson geworden.

Trotzdem: Eine extrem pikante Enthüllung, falls sie sich als zutreffend erweisen sollte.

Dank an Chajm Guski.

p.s.: Unterdessen gibt es Stimmen, die das Ganze für eine (iranische) Kampagne gegen Ahmadinedschad halten – siehe den Kommentar von Tobi. Was allerdings noch nicht bedeutet, dass an der Sache nichts dran ist.

Juan Cole sieht es so:

The Telegraph newspaper reveals that president Mahmoud Ahmadinejad appears to have Jewish antecedents, back in the 1940s when the family was still called Sabourjian (makers of Jewish shawls). This discovery was made via a photograph of his identity card, There have been many conversions from Judaism to Islam, many of them voluntary. In the real world people get all mixed up. Iran has the largest Jewish community in the Middle East aside from Israel itself. In the 19th century there were forced conversions of Jews to Shiism in the eastern city of Mashhad. Since converts intermarry with the majority community, this means that many Mashhadis have a Jewish great grandfather and may not know it. It isn’t just Iran. One genetic study found that some 20% of the Spanish had Jewish haplotypes and 10% had an Arab ancestry. The revelation in Iran doesn’t change anything; Ahmadinejad does not make his critiques of Israel with reference to his own heritage but on the basis of a radical interpretation of Khomeinist ideology. The latter in its full form is only a little over 40 years old, so for everyone in Ahmadinejad’s age cohort, it is an adopted ideology for those who adhere to it, not an inherited one.

Sag’ ich doch!


32 Kommentare

  1.   Boothby

    @JL
    “Kein Witz:…”

    Zu spät, wie soll man denn da das Schunzeln verkneifen? Ich würde es auch nicht psychologiesieren, die Realität ist wohl unangenehmer: Das man mit seiner Rethorik punkten kann. Es gehört für mich zur Strategie, die Meinungshoheit auch im sunnitischen Raum zu erobern.

    Dennoch, ich freue mich schon auf die nächsten Enthüllungen: Sein Papa war Lehrling bei einem Geschmeidehändler in Antwerpen, die Kinder sind an der London Buisnessschool angemeldet, und sein Schwager 4. Grades arbeitet im Fahrdienst der Knesset und schickt zum Passafest immer dieses leckere, nicht so saure Brot. Haha.

  2.   docaffi

    “Jüdischer Selbsthaß?”
    So würde ich es nicht nennen Herr Lau. Es ist eher ein Vortäuschen oder besser gesagt ein Hinwegtäuschen von der eigenen Herkunft. Mit dem Haß, den er den Juden entgegen bringt, will er zeigen, was für ein lupenreiner Shiit er ist.
    Das ganze ist aber trotzdem sehr ungewöhnlich, weil jüdische Konvertiten der 2. Generation (Der Vater muss eigentlich noch Jude sein, wenn er im Pass des Sohnes noch mit Sabourjian genannt wird) sind im Iran eine Rarität.

  3.   Zagreus

    Hab herzhaft Schmunzeln müssen :xD.

    Eigentlich ist es egal ja – oder doch nicht?

    Nein, es ist so gar ncht egal – für jemanden,d er mit antisemitismus als Politiker glänzt und erst recht nicht für die geliebte Anhängerschaft, die da gar roße Liebe bei Holocaust-Leugnungs-Konferenz, Israel-vernichtungsfantasien und Palänstinensischen Hasstriaden bekommt bzw bekommen hat ihm gegenüber. Nen, nein – da wird wohl ein rassist rassismus am eigenen leib erleben dürfen.
    Und in die Kerbe würde ich nun fleissig weiter reinschlagen – damit auch ja niemand das übersieht, verdrängt oder gar vergisst:
    Achmedinedshad, der Jude, der sein eigen Fleisch und blut verrät und zu leugnen versucht.
    Immer fleissig aufs Butterbrot bei jedem einzelnen weiteren Ausfall.


  4. @Tobi
    Vielen Dank für die Aufklärung.

  5.   Chajm

    @Tobi Sahm schreibt, dass es eine Ente sein könnte. Seine Informationen bezieht er auch nur durch »Hörensagen« und vermutet eine Verschwörung – nein, nicht er, sondern die Person, die er wiederum zitiert. Warten wir einfach auf verlässliche Informationen…

  6.   Fälscher

    “Eine extrem pikante Enthüllung”
    Ahmadinedschad kam mir schon immer komisch vor.

  7.   Boothby

    Och schade, wenn das Ulrich “11Tage” Sahm schreibt, ist es wohl eher skeptisch zu sehen. Andererseits scheint Cole ja auch eher skeptisch bewertet zu werden. Die Welt so groß, mein Kopf so klein.

    Was mich ehrlich interesieren würde: Wenn, wie Cole schreibt, die Möglichkeit jüdischer Vorfahrenschaft nicht so unwahrscheinlich ist, wie würde denn so etwas in der Bevölkerung (mal vorausgesetzt, die würde das auch glauben) aufgenommen werden? Irgendwelche fachlich begründeten Spekulationen für Nicht-Iranologen?

  8.   FahadA

    Juden leben seit 2500 Jahren im Iran, meist im Frieden mit der übrigen Bevölkerung. Seit die Safaviden die Shi’a im 16. Jahrhundert zur Staatsreligion erhoben, gab es immer wieder Pogrome. Daniel Tsadik hat in seiner Dissertation kuerzlich Pogrome und Antisemitismus im Iran im 19. Jahrhundert beschrieben. Falls die Vorfahren Ahmadinejads Konvertiten sind, was soll’s. Seine Seele ist gerettet. Ahmadinejad wettert gegen Israel, nicht gegen Juden. Mesbah Yazdi ist da ein erheblich gefährlicheres Kaliber.

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