Ist ein schwuler Außenminister ein Problem (in der Türkei zum Beispiel)?

Von 13. Oktober 2009 um 14:48 Uhr

Wohl eher nicht, wie gestern die Milliyet berichtete:

“Der homosexuelle Freund und das diplomatische Protokoll. Was passiert, wenn der schwule Minister in die Türkei kommt?”, fragt sich die liberale Tageszeitung angesichts der Tatsache, dass der mögliche zukünftige deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, seinen Lebensgefährten zu Staatsbesuchen mitnehmen werde. Ein Zuständiger aus dem türkischen Außenministerium habe dazu folgendes erklärt: “Wir haben noch nie eine derartige Erfahrung gemacht. Wir haben keine vorgefertigten Pläne, wie wir handeln würden. Weltweit gibt es keinen einheitlichen Umgang damit. Wenn Herr Westerwelle mit seinem Lebensgefährten kommt, werden wir einen Mittelweg finden und eine angemessene Behandlung dieses Umstands vornehmen”.

In anderen Worten: Das Protokoll wird stillschweigend so angepaßt, dass dann eben Michael Mronz ins Begleitprogramm des Staatsbesuchs integriert wird.

Es wird also überhaupt kein Problem sein. Westerwelle wird auch kein großes Thema daraus machen, möchte ich wetten. Warum sollte er auch?

Schwulsein ist nicht abendfüllend, wie der göttliche Max Goldt einmal gesagt hat. Es wird also auch keine “schwule Aussenpolitik” geben, ebenso wie es unter Fischer keine grün-alternative gab. Es gibt nur eine deutsche Aussenpolitik.

Sollte irgendein Land signalisieren, dass es Probleme mit der sexuellen Orientierung des wahrscheinlichen deutschen Aussenministers hat, kann ihm das hierzulande nur nützen: Guido Westerwelle als Opfer von Diskriminierung – er würde endlich als Mensch wahrgenommen werden, nicht mehr nur als neoliberale Terminatormaschine, die sich bloss menschelnd umprogrammieren hat lassen.

Die bloße Tatsache allerdings, dass mit Westerwelle ein geouteter Schwuler unterwegs ist, der kein Aufhebens von seiner Orientierung macht, ohne sie aber zu verstecken, wird in vielen Ländern, besonders in den islamischen (aber auch z. B. in Schwarzafrika), eine kulturrevolutionäre Wirkung haben.

Es hat weltweit noch keinen offen schwulen Vizekanzler gegeben. Mich macht das ein bisschen stolz auf Deutschland, bei aller Skepsis gegenüber der Person. Das wird nolens volens eine stumme Menschenrechtspolitik werden.

(Und ich weiß genau, welche Mitblogger mir das nun wieder als “Obsession” auslegen werden…)

Leser-Kommentare
  1. 25.

    Stolz, schwul zu sein??? Ich glaube, eine sexuelle Neigung, die über 200 Sexpartner im Leben eines Schwulen zulässt, macht nicht stolz, sondern erinnert eher daran, dass die HIV + AIDS Zahlen steigen. Stolz??? Ich glaube langsam – ich muss dringend “weg” hier. Auf SOS49.com schreiben die schon viel über Schwule, auch über ihre Sex-Drogen. Ich finde schon, dass es nicht richtig ist, eine sexuelle Neigung öffentlich zu praktiziern. In der Politik hat das nichts zu suchen – warum auch???

    Gruß, Maurice

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    • 11. Dezember 2009 um 14:22 Uhr
    • Maurice
  2. 26.

    In Deutschland darf man alles, nur nicht die teuren Sozialtransfers hinterfragen.

    Das Problem mit der aktuellen Regierung, nur reden und wieder nicht handeln hilft Deutschland nicht weiter und rettet uns nicht vor dem Staatsbankrott und der damit verbundener Massenarmut.

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    • 15. Februar 2010 um 10:15 Uhr
    • PBUH
  3. 27.

    Nimmt man z.B. in Dubai oder anderen arabischen Ländern einen schwulen Beauftragten überhaupt ernst? Wohl kaum, eine schlechtere Wahl kann man kaum treffen, da käme eher eine Frau in Frage. Die klugen Köpfe in Berlin waren sicherlich etwas abgelenkt, als diese Entscheidung getroffen wurde. Wie bei so manchen anderen Entscheidungen. Hoffentlich wird er nicht auch noch gesteinigt

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    • 20. Juli 2010 um 10:06 Uhr
    • hallenser
  4. 28.

    So, und jetzt haben wir 2011 und eine neue Welle von Schwulenfeindlichkeit. Das ist das Ergebnis. Jetzt werden Schwule ganz offen beleidigt, und man bezieht ganz offen Stellung und verunglimpft auch noch andere Länder.

    Was sollte das von Westerwelle? Ich hatte ihm schon vor der Wahl geraten, es zu lassen. Aber der macht auf Trotzkopf und jetzt haben wir praktisch gar keinen Außenminister. Der wird nie wieder glücklich und wird sich nie wieder richtig akzeptiert fühlen. Ich wette wenn das alles vorbei ist, kann man mit einem Selbstmordversuch rechnen. Er wird ja sogar als verrückt hingestellt, damit man ihn los wird. Natürlich ist das schon ein bisschen gesponnen, was er so abzieht, aber so offen hat es sowas noch nie zuvor gegeben.

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    • 27. Februar 2011 um 19:48 Uhr
    • MatisseGroening
  5. Kommentar zum Thema

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