Keine religiöse Entschuldigung für Attentat auf Westergaard

Von 5. Januar 2010 um 16:21 Uhr

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat gegenüber der dpa das versuchte Attentat auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard verurteilt. «Für eine kriminelle Handlung darf es keine religiöse  Entschuldigung geben», sagte der ZMD-Vorsitzende Ayyub Axel Köhler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln.

Sehr schön. So weit jedenfalls.

Aber dann das:

Das der Tat zugrundeliegende Motiv zeige aber, wie schmal der Grat zwischen Meinungsfreiheit und der Verletzung religiöser Gefühle sei.

Soll heißen? Si tacuisses, Westergaard? Er hat also doch die “religiösen Gefühle” verletzt und hätte seine Karikatur besser unterlassen?

Das ist schon wieder das übliche Herumeiern des ZMD. Herr Köhler muss die Karikatur Mohammeds mit dem Bombenturban natürlich nicht goutieren. Er hat aber die Aufgabe, den Muslimen zu vermitteln, dass sie mit so etwas schlichtweg zu leben haben, wie alle anderen Gläubigen auch. Wenn er nun suggeriert, zwischen Meinungsfreiheit und Verletzung religiöser Gefühle gebe es einen “schmalen Grat”, den man nicht überschreiten dürfe, dann ist das eben kein Bekenntnis zu unserer von der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit – sondern ein sophistischer Versuch, sie einzuschränken.

Richtig wäre folgender Satz: Meinungsfreiheit schließt (leider) die Verletzung religiöser Gefühle (und des guten Geschmacks) mit ein.

Live with it, Umma!

Der Papst schafft es schließlich auch.

Aber das bringt Köhler nicht. Er wieselt nur wieder herum:

Problematisch sei, dass derartige Vorfälle in der Bevölkerung Ängste vor dem Islam anfachten, sagte Köhler. «Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um aufzuklären und rufen zur Mäßigung auf.»

Problematisch ist erst einmal, dass junge Muslime sich im Namen des Islam berechtigt fühlen, abscheuliche Morde zu planen und zu begehen. Aber Köhler denkt nur an die Islamophobie, das ist ein angenehmeres Thema.
Nun sei die Politik gefordert, solche Ängste und eine wachsende Islamfeindlichkeit einzudämmen. «Sonst droht eine Spaltung der Gesellschaft», mahnte er.

Das ist frech. Die Politik muss die “wachsende Islamfeindlichkeit eindämmen”?  Deshalb müsse das Thema Islamfeindlichkeit auf die politische Tagesordnung. Leider machten Politiker sich die Befürchtungen der Menschen aber oft zunutze, etwa vor Wahlen. Populistische Äußerungen, wie sie in der Debatte um ein Kopftuch-Verbot gefallen seien, seien wenig dienlich. Nötig sei eine «verbale Abrüstung» bei Politikern.
Na klar. Der Somalier mit Al-Kaida-Connections ist eigentlich ein Opfer von Islamophobie. Ebenso wohl der Nigerianer, der seine Unterhose sprengen wollte.
Denn:  Wenn aber Muslime als Fremdkörper in der Gesellschaft betrachtet würden, sei die Reaktion oft eine Abkapselung. Die Islamkonferenz könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Muslime als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden.

Immer sind die anderen schuld.

O Mann, und der spricht für die moderaten, vernünftigen Muslime!

Leser-Kommentare
  1. 9.

    Schade, dass Religionszugehoerigkeit ein weiteres mal zur Verallgemeinerung und Verunglimpfung benutzt wird.

    Welche Gefuehle wuerde ein Artikel ausloesen, indem allgemein Juden und speziell Sprecher von juedischen Organisatoren wiederholt aufgefordert werden, sich von Wucherzinsen zu distanzieren?

    Vorurteile muss man akzeptieren, das Herausbloeken dieser Vorurteile auch, aber was ist mit gezielter Provokation? Warum ist Volksverhetzung in Deutschland verboten?

    Da hilft anscheinend auch ganz viel Demokratie nicht mehr weiter. Demokratie wie wir sie heute leben scheint den Populismus, die unangebrachte Verallgemeinerung und das Denken in vermarktbaren Klischees eher zu foerdern. Fuer Provokation sind Menschen, die aus Buergerkriegslaendern kommen, immer empfaenglich…

    Es werden keine Gefuehle verletzt, es wird offen Rassismus praktiziert. Und ich mag diese Saetze gern wiederholen:
    Wie soll Integration funktionieren, wenn die Verschmelzung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen derart abgelehnt wird? Wird hier bewusst aufgehetzt, ein Klima geschafften, in dem Extremisten gedeihen?

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  2. 10.

    @ Kezzer: Gehts noch?

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    • 5. Januar 2010 um 19:35 Uhr
    • Jörg Lau
  3. 11.

    Der Grundstock allen Übels im Islamismus ist meiner Überzeugung nach, die Männerverherrlichung und Frauenverachtung. So gerät jede einzelne Familie, und jedes einzelne Familienmitglied, schon von Kindesbeinen an auf die grundfalsche Bahn, ohne Hoffnung auf Besserung.

    Nicht zuletzt finde ich die primitive, egoistische Selbstverherrlichung der moslemischen Männerseele Absoulut Verachtungswürdig, und genau das ist es was mir an diesem Volk so bitter aufstößt.

    Ein Volk das denen Platz läßt entwickelt sich zurück!

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  4. 12.

    @ burakemir: Bei Juden fällt Ihnen “Wucherzinsen” ein, da weiss man gleich woher der Wind weht.
    Ich habe Herrrn Köhler nicht aufgefordert, diese Karikatur schön zu finden, sondern die Muslime mit der Tatsache zu versöhnen, dass in einer offenen Gesellschaft auch verletzende Darstellungen geduldet werden müssen. Geduldet, mehr nicht!
    Und im übrigen bleibt es der Skandal, dass junge Männer sich im Namen ihrer Religion zum Mord berechtigt sehen.
    Es muss immer wider klargestellt werden, dass das nicht so ist. Oder was denken Sie?

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    • 5. Januar 2010 um 19:39 Uhr
    • Jörg Lau
  5. 13.

    Ich bin moderat, moslem auf dem Papier und dieser Herr Köhler (ich meine nicht den deutschen BP (wobei der auch nicht für mich spricht) , spricht BESTIMMT nicht für mich und andere moderate Muslime.

    Diese ganzen Herren die angeblich für uns sprechen, sprechen erstmal für sich und ihre undurchsichtige Klientel.

    Ich als moderater nicht praktizierender Muslim sage ihnen allen:

    Meinugsfreiheit steht fast imemr über irgendwelchen religiösen Gefühlen, außer sie dienen der Hetze und Anstachelung zu Mord, Verfolgung und ähnlichem.
    Die Karikaturren sind vllt für religiöse beleidigend, aber das ist ihr Problem. Es gibt genügend juristische & demokratische Mittel dagegen vorzugehen. Dafür braucht man keine Scharia, Fatwa und sonst eine Kopf-ab Mentalität.
    Leider scheint das bei einigen Muhammendanhängern nicht angekommen zu sein, dass man dafür Juristen hat, welche sich mit Karikaturisten vor Gericht herumschlagen.

    Diser Herr Köhler ist in meinen Augen eh nicht gerade der Allerhellste und sollte sich als deutscher Alibimoslem von seinem Posten zurückziehen. Das Geeiere ist für meine persönliche Integration nicht förderlich. Ich sehe mich schon wieder in Rechtfertigungssituationen, wo ich wieder einmal die Kommentare von diesen Diletantten meinen deutschen Freunden erklären muß.

    Aber liebe deutsche Medien, wieso fragt ihr eigentlich immer solche “Sprecher” und nicht solche Leute wie mich?

    Ich stelle mich gerne zur monatlichen oder wöchentlichen oder gar täglichen Erklärung , Entschuldigung und ähnlichem zur Verfügung.

    Meldet euch: devrimhan1971@web.de

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  6. 14.

    Leider sind noch nicht alle Menschen geistig im säkularen Rechtsstaat angekommen. Vordemokratische Feststellungen wie: “Richtig wäre folgender Satz: Meinungsfreiheit schließt (leider) die Verletzung religiöser Gefühle (und des guten Geschmacks) mit ein.”

    Der “gute Geschmack” kann verletzt werden, “religiöse Gefühle” dagegen nicht!
    Denn die FDGO kennt den Begriff des “religiösen Gefühls” nicht. Religion legitimiert zu nichts als ihrer freien Ausübung,solange Dritte davon nicht beeinträchtigt werden. Das gilt für die positive wie die negative Religionsfreiheit.

    Die Einrede “religiöse Gefühle” seien verletzt worden ist lediglich der Versuch, aus demokratisch nicht legitimierten und legitimierbaren Wahnvorstellungen/Glaubenskonstrukten rechtswidrig und in verfassungsfeindlicher Weise, Einfluß auf den säkular demokratischen Rechtsstaat zu nehmen.

    Juristisch sind “religiöse Gefühle” nicht nachweisbar (wie sollen diese sich äußern; Ziehen im Schritt?), geschweige denn justitiabel. Das soll auch so bleiben, denn Religion ist Privatsache und ein halbwegs säkularisierter Staat darf sich solchem Ansinnen nicht beugen. Denn bestenfalls handelt es sich um das Resultat einer Gehirnwäsche.

    Hier ist mit der gleichen Härte auf solche “Selbstlegitimation” zu antworten wie auf den Versuch der RAF sich selbst zum Völkerrechtssubjekt zu erklären.

    “Religiöse Gefühle” sind eine Fiktion, die in der realen Welt nicht verloren hat. Wer dennoch versucht über Fiktion in den politischen Diskurs einzugreifen, greift offen das GG und die Menschenrechte an. Gegenüber den rechten und linken Wirrköpfen der Vergangenheit hat der Staat es selten an der gebotenen harten Reaktion fehlen lassen; genau die gleiche Härte und Konsequenz ist auch nun erforderlich und geboten!

    Wer die reale Welt mit “religiösen Gefühlen” beeinflussen will ist ein Fall für Polizei, BfV und StA! Für den demokratischen Diskurs sind solche vorsäkularen Spinnereien denkbar ungeeignet.

    MfG Karl Müller

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  7. 15.

    Hontes schrieb:
    “(…) die zunehmende Islamisierung der westlichen – christlichen – Welt”

    Nichts für ungut, aber die westliche Welt ist sekular. Jeder erfolgreiche Schritt hin zu modernen, lebenswerteren Gesellschaften war ein Schritt weg von Religiösität.

    Der Erfolg des Westens begründet sich gänzlich auf die Abwendung vom Christentum und anderer Glaubensformen zugunsten der Rationalität.

    Die “westliche Welt” ist im weltweiten vergleich die sekularste. (Mit Ausnahme der USA, die uns den Ärger, mit Verlaub, erst eingebrockt haben.) Das Christentum ist im Westen in der Tat noch das größte Residuum prämoderner Zeiten, aber die Tendenz für Kirchengänger, Getaufte und Gottesgläubige ist rückläufig. Generell gilt: je gebildeter ein Land, desto weniger Personen glauben überhaut an irgendeine Form von Gotteswesen (mit Ausnahme des fliegenden Spaghettimonsters).

    Christen in ähnlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umständen würden ebenso zu gewalttätigen Mitteln greifen um ihre Interessen durchzusetzen. Man denke nur an die christlichen Terroristen in den USA, die Abtreibungsärzte ermorden. Oder an die christliche Homophobie in Afrika, Italien, Polen etc.

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    • 5. Januar 2010 um 20:02 Uhr
    • Ranjit
  8. 16.

    Aus der Ankündigung des gestern vom schweizer Fernsehen II gesendeten Film über weibliche Selbstmordattentäter, http://www.tvprogramm.sf.tv/details/645f8dff-5896-4de7-9a96-889a16ea8826 :
    “Allahs Bräute – und ihr Heiliger Krieg hinter Gittern
    (Brides of Allah)
    Gäbe es die vielen Sicherheitsschleusen, die strengen Kontrollen und die knapp bemessenen Besuchszeiten nicht – man könnte fast von einer «Knastidylle» sprechen: betende Frauen, die solidarisch miteinander den Gefängnisalltag meistern, sich Mut zusprechen und bei der Erziehung ihrer im Gefängnis geborenen Kinder unterstützen. Doch bei näherem Hinsehen herrscht ein straffes Regiment. Auch hier im Gefängnis geht der Heilige Krieg weiter. Viele Frauen sind der Hamas- oder Dschihad-Bewegung zugehörig und leben im Gefängnis die Vision des von der israelischen Herrschaft befreiten Palästinas weiter – in Form von Gebeten für die Heiligen Krieger in aller Welt und auch in ihren Statements vor der Kamera.

    Es sei ihre Pflicht, sagt die im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin als Vollwaise aufgewachsene Kahira, mit ihrem eigenen Körper Krieg zu führen, solange ihre Landsleute unterdrückt würden. Besonders tragisch aus der Perspektive dieser Selbstmordattentäterin: Ihr Mann hat neu geheiratet – der Kinder zuliebe, wie er sagt. Sie tröstet sich damit, dass das noch ungeborene Kind im Bauch der Zweitfrau ihren Namen tragen soll, um ihr als Märtyrerin Respekt zu zollen. …..
    Die Filmemacherin spricht auf Augenhöhe mit den jungen Frauen und öffnet dem Publikum den Blick auf etwas, was fast unerklärbar scheint. Die durchwegs gut gebildeten arabischen Frauen – viele von ihnen Mütter – legen die Gründe ihrer Taten vor der Kamera nicht wirklich offen und enttäuschen Zuschauerinnen und Zuschauer, die Reue erwarten. Aber zwischen den Zeilen wird klar, dass es nicht nur fanatischer Glaube ist, sondern auch der Druck autoritärer muslimischer Familienverbände und die Flucht vor persönlichen Problemen, die viele junge Frauen zu solchen Taten treibt. ”

    Das ist die Realität in der muslimischen Welt. Ein sehenswerter Film, der mich erschüttert hat.

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  9. Kommentar zum Thema

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