Zum “Sternmarsch” der Rechtsextremisten gegen die Moschee in Marxloh
Morgen wird in Duisburg gegen die “Merkez”-Moschee in Marxloh ein “Sternmarsch” der pro-NRWler stattfinden. Ich prognostiziere ein Desaster wie seinerzeit beim lachhaften “Anti-Islamisiserungskongress”. Es werden tausende Bürger da sein, um zu zeigen, dass sie so etwas nicht in Nordrheinwestfalen wollen, ja dass sie es überhaupt nicht in Deutschland sehen wollen. Die neuen Rechtsextremisten, die vor allem mit antimuslimischer Hetze agieren, werden keine Chance haben.
Das hoffe ich jedenfalls.
Da auch hier in den Foren immer wieder herumlaviert und relativiert wird, wenn es um diese widerwärtige Szene geht, empfehle ich den aktuellen Verfassungschutzbericht von NRW, besonders Seite 35ff.
Zur Führung der degoutanten Truppe ist da folgendes zu lesen:
Funktionäre von ‘pro Köln*‘ und ‘pro NRW‘
Die Funktionärsebene und weite Teile der Mitglieder beider Gruppierungen sind nahezu identisch. Der Vorsitzende, mehrere seiner Vorstandskollegen und große Teile der Mitglieder kommen aus rechtextremistischen Parteien oder aus Organisationen, bei denen Anhaltspunkte für den Verdacht rechtsextremistischer Bestrebungen vorliegen bzw. lagen. Einige Personen gehörten beispielsweise zur Gruppierung ‘Deutsche Liga für Volk und Heimat‘ (DLVH)31. Die DLVH gehörte vor Anfang der 1990er Jahre dem Kölner Stadtrat an und ist vor allem durch die Verbreitung eines „Steckbriefs“ aufgefallen, mit dem eine Belohnung für die Ergreifung einer Roma-Frau ausgesetzt worden war, die abgeschoben werden sollte. Das Oberlandesgericht Köln32 hat der Betroffenen ein Schmerzensgeld zugesprochen, weil es in dieser Aktion eine erheblich ins Gewicht fallende Persönlichkeitsverletzung, einen schweren Angriff auf die Ehre und Menschenwürde und eine Gefährdung der persönlichen Unversehrtheit sah. Ein weiterer Funktionär war jahrelang bei den ‘Jungen Nationaldemokraten‘, der Jungendorganisation der NPD, zwei Jahre als deren Landesvorsitzender, und 1986 Bundestagskandidat für die NPD. Andere gehörten den ‘Republikanern‘ an, die bis 2007 durch den Verfassungsschutz beobachtet wurden. Ein ehemaliger ‘pro NRW*‘-Jugendfunktionär („Bezirksjugendbeauftragter Rheinland“) und ‘pro Köln‘-Kandidat bei der Kommunalwahl 2009, der nach eigener Darstellung „nie einen Hehl“ aus seiner Gesinnung gemacht habe, hat sich nach seinem Austritt aus ‘pro Köln*‘ und ‘pro NRW‘ der neonazistischen Kameradschaftsszene zugewandt, wie er selbst im Internet in einem Infoportal mitteilte.
Zur Strategie heißt es:
Strategie von ‘pro Köln*‘ und ‘pro NRW‘
‘pro Köln*‘ und ‘pro NRW‘ stilisieren sich selbst zur „Bürgerbewegung“. Der Begriff soll eine politische Kraft sugerieren, die sich aus der Gesellschaft heraus entwickelt und eine stetig steigenden Zahl von Mitstreitern anzieht. Die Mitglieder gerieren sich als seriöse Bürger, die aus der „Mitte der Gesellschaft“ kommen. Ihre den Verdacht des Rechtsextremismus begründenden ideologischen Ansätze werden als „rechtspopulistisch“ und „nonkonform“ kaschiert. Auch Mitgliederzahl und Teilnehmer bei Veranstaltungen werden regelmäßig übertrieben dargestellt, um die Bedeutung der „Bewegung“ künstlich zu steigern. So haben beispielsweise am sogenannten „Anti-Islamisierungskongress“ im Mai 2009 nur 250 bis 350 Personen teilgenommen – entgegen der Ankündigungen von über 1.000 Teilnehmern. Auf der Homepage und in Werbeflyern als Redner angekündigte Europa-Parlamentarier blieben der Veranstaltung fern. Auch bei anderen Protestaktionen, wie den sogenannten „Mahnwachen“ vor dem Moschee-Gelände in Köln, blieb das Mobilisierungspotenzial begrenzt und deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Auf der anderen Seite ist ‘pro Köln*‘ seit der Kommunalwahl 2004 im Kölner Stadtrat vertreten. Bei der Kommunalwahl 2009 erreichte die Gruppierung 5,4 Prozent und zog mit fünf Mandaten in den Rat der Stadt sowie in alle Bezirksvertretungen ein.
‘Pro Köln‘ und ‘pro NRW‘ zielen – wie im parlamentsorientierten Rechtsextremismus etwa der NPD üblich – auf politischen Einfluss und eine Art Meinungsführerschaft (kulturelle Hegemonie) in der Gesellschaft. Es geht zunächst darum, über die kommunale Ebene (Stadt- und Kreisparlamente) Mandate und damit politischen Einfluss zu gewinnen, um in einem nächsten Schritt in den Landtag einzuziehen und später möglicherweise sogar die Bundespolitik zu erreichen.
Nächste Ziele von ‘pro NRW‘
Nächstes selbsterklärtes Ziel ist die Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen. Der Vorsitzende Beisicht, will dazu gemeinsam mit „anderen rechtsdemokratischen Parteien, islamkritischen Wählerinitiativen und Gruppen eine politische Plattform von Rechts“ schaffen. Er wirbt dafür, dass ‘pro NRW‘ verbundene und in Nordrhein-Westfalen marginalisierte Parteien auf einen Wahlantritt verzichten und stattdessen „das erfolgversprechende pro-Modell unterstützen“. Dieser Appell (‘pro NRW‘-Homepage 23. November 2009; Interview mit Beisicht) zielt offensichtlich vor allem auf die DVU und ihr Wählerpotenzial und korrespondiert mit entsprechenden Signalen aus DVU Kreisen, die ebenfalls ihre Fühler zu den ‘pro*‘-Gruppierungen ausgestreckt haben.
So erklärt der DVU-Vorsitzende Matthias Faust auf der Homepage der Partei, selbstverständlich dürften sich ‘pro NRW‘ und DVU* nicht bekämpfen. Die bisherigen Gespräche zwischen Vertretern beider Parteien seien stets sehr einvernehmlich verlaufen. Deshalb sei für ihn auch eine Kandidatur der DVU* bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nicht infrage gekommen. Ein weiteres Beispiel ist der von den ‘pro‘-Gruppierungen spektakulär bekanntgegebene Übertritt eines als NPD-Unterstützer bekannt gewordenen und zuletzt in die DVU eingetretenen deutsch-schwedischen Unternehmers, der den Wahlkampf von ‘pro NRW‘ in beträchtlichem Maße finanziell unterstützen will.
Na dann – einen gesegneten Sonntag!
Das Bild, das sich mittlerweile von den so genannten “Islamkritikern” hier ergibt, bestätigt mehr und mehr die Richtigkeit der Beobachtung von proNRW durch den Verfassungsschutz.
@384: Das würde der Herre(n)mensch aber weit von sich weisen.
@Hesse James:
Das kann dieser Antisemit, der den Davidstern für seine üblen Zwecke missbraucht, gar nicht mehr von sich weisen.
An die wenigen Befürworter des “Artikels”:
Daß wir Kritiker nicht sachlich widerlegt, sondern lediglich auf teils übelste Art und Weise verunglimpft und beschimpft werden, teils gar als potentiell massenmordende Unmenschen hingestellt, das sind wir gewohnt. Es wirkt also nicht mehr!
Daß wir in der Mehrheit sind ist hingegen ein recht neues Phänomen, an dem Blogs – neben dem weitgehend gleichgeschalteten Einheits-Mainstream positioniert – nicht ganz unschuldig sind.
Die Präsenz die wir mittlerweile in den Kommentarbereichen einschlägiger (Online)Artikel der großen “Qualitätsmedien” haben, ist der wohl wirkungsvollste Hebel der uns zur Zeit zur Verfügung steht! Denn so merken tagtäglich immer mehr Menschen da draußen, daß sie trotz gegenteiliger VERöffentlichter Meinung keineswegs alleine dastehen mit ihren auf gesundem Menschenverstand und einem gesunden (nationalen/kulturellen) Selbstverständnis beruhenden Ansichten.
Die unverschämten und die fiese Fratze des Meinungstotalitarismus offenbarenden Beleidigungen und Unterstellungen prallen an der nun erreichten (kritischen – im doppelten Wortsinne) Masse ab! Das ist neu für die großteils einfach nur “mitlaufenden”, im Grunde feigen Inhaber jener Ansichten, die die letzten beiden Jahrzehnte leider so “zeitgeistig” wurden. Einige treibt es sichtlich in den Wahnsinn und verleitet sie zu immer tolldreisteren Rundumschlägen.
Es ist nur ZU offensichtlich, daß dies die letzten Zuckungen eines “Geistes” sind, der, wie auch ein Vorredner bereits erwähnte, ganz sicher einmal in den Geschichtsbüchern seine angemessene “Würdigung” finden wird.
Es sind LÄNGST nicht mehr nur die Leser einschlägiger Blogs, die hier ihre kritische Meinung kundtun. Es sind alle erdenklichen Bürger, die nun endlich das Umfeld vorfinden ihre Ansichten zu äußern und die auch so manche argumentative Anregung finden, um künftig das schon immer intuitiv vorhandene Unbehagen gegenüber gewissen Entwicklungen auch vernünftig und überzeugend ausdrücken zu können.
Ja: Intuition ist etwas wichtiges! Denn ein gesundes Mißtrauen ist NICHT nur gegenüber ethnisch Deutschen mit ihrem angeblichen Hang zum Massenmorden angebracht – wie von “linken” Zeitgenossen permanent pauschal praktiziert (der Selbsthass läßt grüßen) – sondern gegenüber ALLEN Menschen und derzeit aus diversen Anlässen eben insbesondere(!) gegenüber solchen aus gewissen Kulturkreisen.
Aber so viel kulturelles “Selbstvertrauen” ist einigen offenbar nicht gegeben, beruht doch ihr ganzes Weltbild auf dem Selbsthass und der vermeintlichen “Besserheit” die aus dieser Attitüde herleitbar sei.
Selten haben sich Menschen derart selbstsicher und dabei doch so fundamental getäuscht. Fast könnte man es lächerlich finden, ware es nicht so ungeheuer gefährlich und wären die desaströsen Auswirkungen dieser Fehleinschätzungen nicht bereits derart weit fortgeschritten!
@ All: Ich danke dem Flashmob von einer gewissen Website, die ich aus Prinzip nicht nenne, für die Dokumentation des dort gängigen Gedankengutes.
Aber jetzt ist’s genug.
Ich bin ab morgen für drei Tage weg und schließe hiermit vorerst die Debatte.
Gelöscht habe ich nur die presserechtlich relevanten Hetzereien.
Zum Rest mag sich jedermann selbst eine Meinung bilden.Ab dem nächsten Post gehts dann wieder weiter!
Ich war vorhin in Marxloh vor der Moschee und in den Straßen darum herum. Ich glaube, was ich da sah, war ein gutes Spiegelbild der gesellschaftlichen Gesamtsituation, über die wir uns hier fast täglich die Köpfe heiß bloggen.
Die gesamte Schar an Gegendemonstranten war aufgeteilt in kleine bis kleinste Grüppchen, jede mit ihrem eigenen Hintergrund. Da gab es Gewerkschaften, Linke aller Art, von den LINKEN bis hin zur MLPD. Letztere erwiesen sich vor allem als ältere Herrschaften, die Kaffee und Kekse unters Volk brachten. Da waren graubärtige Alt-68er und ließen die “internationale Solidarität” hochleben, aber es gab natürlich auch Autonome mit Sonnenbrillen, PKK´ler, eine wilde Truppe “Allah hu akbar”-Rufer mit Koranversen auf ihren Fähnchen, und andere Zeitgenossen, die etwas martialisch wirkten. Auch die jüdische Community zeigte sich solidarisch, was sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde! Den großen Rahmen bildete ein breites Feld von Normalbürgern jeglicher Couleur, darunter auch ich, zusammen mit anderen leicht ergrauten Pädagogen und Theologen in Begleitung einiger unserer Schüler, Deutsche und Migranten, die lebhaft diskutierten und sich informierten. Alle diese Grüppchen mit ihren Farben und Fähnchen wurden dadurch vereint, dass sie sich heute vor die Moschee und die friedlichen Muslime in Duisburg gestellt haben.
Ich habe diesen Sonntag in meiner Geburtsstadt als ein Fest für Demokratie und Meinungsfreiheit erlebt. Und ja, die Ränder gehören auch dazu und haben bei uns ein Existenzrecht. Das muss Demokratie sich leisten können. Insofern gehörten letzten Endes auch die NPD-ler und die Pro NRW-ler zu unserer Gesellschaft dazu. Ich bin zwar persönlich der Meinung, dass sie inhaltlich genauso danebenliegen, wie jene islamophoben Angstbeißer, die sich hier oft aufgeregt äußern ohne allzuviel Ahnung zu haben, aber hierzulande braucht keiner Angst zu haben, was er irgendwo bloggt. Das ist ja schon ein Triumph über alle verbotsfreudigen Ideologien, egal aus welcher Ecke sie kommen.
Die Rechten kamen nicht bis zur Moschee. Das habe ich auch persönlich geholfen zu verhindern. Ich habe sie nur von sehr weitem gesehen, eingeklemmt zwischen Wasserwerfern. Ihre Transparente zeigten durchgestrichene Moscheen. Das symbolisierte ihre Meinung und die durften sie äußern und ich konnte ihnen zusammen mit Vielen anderen deutlich machen, dass sie hier in Duisburg keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Wir waren nämlich 6000 und sie 350. Ich glaube, auch meine Schüler haben heute mehr über Demokratie gelernt, als man ihnen in irgendeinem Klassenzimmer jemals erklären kann.
Ein herzlicher Gruß aus Duisburg in die Runde!