Noch ein Schiff für Gaza? Teheran und Ankara, die neue Achse?

Von 10. Juni 2010 um 17:32 Uhr

Da braut sich etwas zusammen. Der Iranische Rote Halbmond hat angekündigt, zwei Schiffe zwecks “humanitärer Hilfe” nach Gaza zu schicken. Eines soll mit Hilfsgütern, das andere mit “Experten” bestückt sein. Freiwillige werden auf der Homepage des Roten Halbmonds noch gesucht.

Die Revolutionsgarden waren von der Idee so begeistert, dass sie gleich anboten, die Schiffe gegebenenfalls zu begleiten, falls der Revolutionsführer Khamenei dazu einen Befehl erteile.  (Dass die Garden sich mit ihren vergleichsweise leichten Booten besser nicht mit der israelischen Marine anlegen sollten, steht auf einen anderen Blatt. Andererseits: Noch ein paar Opfer wären dem Teheraner Regime ganz recht. Offenbar gibt es gegenüber der Türkei schon so etwas wie einen Märtyrer-Neid.)

Natürlich ist es kein Zufall, dass Teheran die Gaza-Angelegenheit jetzt hochspielt. Soeben sind Sanktionen gegen Iran beschlossen worden. Der UN-Sicherheitsrat hat mit 12 von 15 Stimmen dafür gestimmt. Betroffen werden vor allem Firmen der Revolutionsgardisten sein, die am Nuklearprogramm beteiligt sind. Auch Banken werden zusätzlich zum Ziel dieser vierten Runde von Sanktionen. Und ein Waffenembargo trifft die Streitkräfte hart. Man möchte so davon ablenken, dass Teheran noch nie so weitgehend politisch isoliert dastand wie heute. Russen und Chinesen tragen die Sanktionen nämlich mit. Um diese beiden an Bord zu haben, waren zwar keine “lähmenden (crippling) Sanktionen” möglich. Aber die Amerikaner und die Europäer werden nun noch einmal bilateral drauflegen, um die Wirkung zu verstärken. Die Kosten für Irans Atomprogramm steigen enorm.

Da passt es gut, wenn das Regime sich als Schutzmacht der Palästinenser aufführt. Es beobachtet misstrauisch, wie die Türken sich in letzter Zeit zum Hauptsponsor der palästinensischen Sache – und auch des Schützlings der Iraner, der Hamas – aufschwingen. Natürlich will man sich von Ankara nicht den Schneid abkaufen lassen. Darum ist es gut möglich, dass die Boote tatsächlich auslaufen werden.

Es ist schon mal passiert. Im Dezember 2008 versuchte ein iranisches Schiff, die Blockade Gazas zu unterbrechen. Die Israelis haben es ohne Verluste von Menschenleben abgefangen. Dass es diesmal so friedlich abgehen wird, ist nicht ausgemacht.

Noch einen Grund gibt es, warum derzeit die Gaza-Aufregung so gut in die Teheraner Agenda passt: Dieser Tage jährt sich der Wahlbetrug Achmadinedschads und die blutige Niederschlagung des Volksaufstandes. Nur zu gerne würde das Teheraner Regime vergessen machen, was damals geschah: Die Herrschaft stellte sich gegen das Volk, und die Welt wurde Zeuge eines blutigen Putsches, bei dem Dutzende Menschen starben.

Das sollen wir vergessen, wenn ein iranisches Hilfsboot von Israelis aufgebracht wird. Aber die Welt ist nicht so vergesslich.

Zum Fürchten ist an dieser Farce der neue Wettlauf von Teheran und Ankara um die Volksmeinung in den islamischen Ländern. Erdogans Regierung hat gegen die Sanktionen gestimmt, genau wie Brasilien. Man bedenke: Der Libanon hingegen, in dem die (iranhörige) Hisbollah mitregiert, hat sich immerhin der Stimme enthalten. Die Türkei aber stimmt gegen die vitalen Interessen ihrer Nato-Partner.

Natürlich wird jetzt offiziell gesagt werden, es gebe keine Beziehung dieser Handlungsweise zum EU-Beitrittsprozess. Aber der Moment, in dem die EU in einer der wichtigsten Fragen außenpolitisch mehr mit China und Russland gemein hat als mit dem türkischen Aspiranten auf Mitgliedschaft, ist ein entscheidender auch für das Erweiterungsprojekt.

Mag sein, es ist am 9. Juni 2010 gestorben.

Kategorien: Außenpolitik, Iran, Israel, Türkei
Leser-Kommentare
  1. 585.

    Selbst wenn man annimmt, dass die drei Töchter Allahs eine Erfindung böser Zungen seien, gibts noch – sofern das der gleiche Gott sein soll – Erklärungsnot zu den Söhnen Jahwes und zur Dreifaltigkeit des Christengottes, der nur einen Sohn hat.

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    • 14. Juni 2010 um 16:59 Uhr
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  2. 586.

    “Der kulturelle Kontext ist bei allen drei Religionen ein sehr ähnlicher.”

    Dass die Religionen ähnliche Versatzstücke verwenden, und dass der Gott derselbe sei, sind zwei verschiedene Dinge.

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    • 14. Juni 2010 um 17:01 Uhr
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  3. 587.

    3 Töchter Allah’s

    Bestätige! Erfindung böser Zungen!

    Ich hatte bis jetzt noch nie was davon gehört. Woher haben Sie das und in welchem Zusammenhang steht das?

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  4. 588.

    @ FS

    Weder die Töchter Allahs noch die Söhne JHWHs haben theologisch irgendeine Bedeutung. Die christliche Trinität ist ein Sonderfall, aber auch das Christentum versteht sich als Monotheismus.

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  5. 589.

    “Weder die Töchter Allahs noch die Söhne JHWHs haben theologisch irgendeine Bedeutung. Die christliche Trinität ist ein Sonderfall, aber auch das Christentum versteht sich als Monotheismus.”

    Damit ist’s noch nicht derselbe Gott. Und dass die Heiligen Texte keine Bedeutung hätten, ist mir neu. Allerdings ist mir bekannt, dass es alles Humbug ist.

    —–

    @—Spirit Of Canakkale

    Nach
    Töchter Allahs
    googeln. Sie heissen Allat, Manat und al-Uzza
    Man spricht in diesem Zusammenhang auch von den teuflischen Versen. Mann kann sie auch einfach als vorislamische Gottheiten verstehen (Details wie gesagt im Internet zu finden)

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    • 14. Juni 2010 um 17:12 Uhr
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  6. 590.

    Dass es nicht derselbe Gott ist, sieht man auch daran, was mit einem Lästerer passieren soll.

    Jahwe: Vor die Stadt führen und steinigen
    Allah: Mit Fleischhaken auseinanderreissen (je nach Quelle auch kreuzigen, steinigen, Hals abschneiden oder wie es gerade beliebt)
    Christentum: Scheiterhaufen

    Ich wünsche einen schönen Abend :-)

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    • 14. Juni 2010 um 17:20 Uhr
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  7. Kommentar zum Thema

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