Ein Blog über Religion und Politik

Amerika braucht einen dritten Krieg

Von 15. Juni 2010 um 16:36 Uhr

Neben den Arenen Afghanistan und Irak braucht Amerika nach Meinung des Neocon-Vordenkers William Kristol endlich einen neuen Krieg – mit Iran.

Eigentlich war dies schon gleich nach der Invasion des Irak das nächste Projekt. Aber dann lief die Sache bekanntlich nicht so rund, und George W. Bush hatte keine Lust auf eine dritte Front.

Kristol aber gibt nicht auf und trommelt auch nach dem Machtwechsel weiter. (Auch andere seiner Kollegen aus den Neocon-Kreisen können es nicht lassen.) Ein Krieg gegen Iran wird gar nicht so schlimm, schreibt er im “Weekly Standard”:

“Would it be so dangerous? That is a debate the country needs to have, publicly and frankly, before it’s too late.

Critics of military action against Iran argue that it would open up a third front for American forces in the Middle East. Our troops would be at risk from Iranian missiles. Iran would block the Strait of Hormuz (causing oil prices to skyrocket) and use its terrorist proxies Hamas and Hezbollah to carry out attacks well beyond the Middle East, including perhaps on the U.S. homeland.

Yet if we carried out a targeted campaign against Iran’s nuclear facilities, against sites used to train and equip militants killing American soldiers, and against certain targeted terror-supporting and nuclear-enabling regime elements, the effects are just as likely to be limited.

It’s unclear, for example, that Iran would want to risk broadening the conflict and creating the prospect of regime decapitation. Iran’s rulers have shown that their preeminent concern is maintaining their grip on power. If U.S. military action is narrowly targeted, and declared to be such, why would Iran’s leaders, already under pressure at home, want to escalate the conflict, as even one missile attack on a U.S. facility or ally or a blockade of the Strait would obviously do?

Some in Washington seem resigned to letting Israel take action. But a U.S. failure to act in response to what is perhaps the greatest threat to American interests in decades would be irresponsible. Israel, moreover, lacks our full capabilities to do the job.

Despite our global commitments and our engagement in two ongoing wars, the U.S. military is fully able to carry out such a mission. Indeed, the success of President Bush’s 2007 surge of forces into Iraq and of President Obama’s sending additional resources to Afghanistan means we are on better footing to deal with Iran’s nuclear program than we were a few years ago.”

Mir scheint, he’s lost his marbles ( a long time ago).

Kategorien: Außenpolitik, Iran, Neocons
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das Problem an Kristols Argument ist, dass die Iraner genau wissen, wie begrenzt die amerikanischen Fähigkeiten momentan sind. Es fehlen ihnen die Kräfte, die finanziellen Mittel und der öffentliche Rückhalt für alles, was über den von Kristol begrenzten Einsatz hinausgeht. Die Amerikaner würden daher sehr wahrscheinlich aus einer Eskalationsspirale früher aussteigen müssen als die iranische Führung bzw. können bestimmte Eskalationsschritte nicht mehr glaubwürdig androhen. Das ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, um die iranische Seite militärisch zu Konzessionen zu zwingen.

    • 15. Juni 2010 um 16:55 Uhr
    • SiPol
  2. 2.

    Sehr geehrter Herr Lau,

    ich bin kein Kenner der zynischen US-Politik im mittleren Osten, die vorgibt, Menschen gewaltsam (teilweise mit „Gottes“ Wille!) in das „westliche Wertesystem“ bringen zu wollen – und dabei doch ganz andere Absichten verfolgt. Ich vermute, dass es Ihre Aufgabe sein wird, aufgrund Ihrer Kenntnisse der „US-Falken“ (ein semantischer Missbrauch ohnegleichen) und des Irans die Fakten so offen darzulegen, die es einem Mitteleuropäer ermöglichen die Hässlichkeit zu verstehen, die hinter dieser Politik steckt und uns Deutsche zunehmend zu Mittäter-Vasallen degradiert.

    Man kann zwar die Machtverhältnisse nicht ändern, die in ihrem Wesen auch mit Mythen der jüngeren Vergangenheit begründet werden, man kann diese Menschen (in Anlehnung an einen Sponti-Spruch) aber zwingen, immer dreister zu lügen.

    Vielleicht müsste es ein Buch sein, dass dann erscheinen kann, wenn genügend persönlicher Freiraum vorhanden ist. Ich fürchte es gibt zu viele existenzgefährdende Tretminen, an denen „man“ nicht vorbeikommt.

    • 15. Juni 2010 um 17:32 Uhr
    • kwk
  3. 3.

    “use its terrorist proxies Hamas and Hezbollah” womit ein neues Anglo-Etym geboren wäre. IHH als der/die/das Proxy der Türkei, beispielsweise. Any further needs?

    • 15. Juni 2010 um 18:21 Uhr
    • Bergpalme
  4. 4.

    @Jörg Lau

    >>Mir scheint, he’s lost his marbles..>>
    He swallowed them.

    OT: Breaking news
    Sunday, Bloody Sunday
    Eine kleine Sensation in Derry:
    http://www.irishtimes.com/newspaper/breaking/2010/0615/breaking1.html

  5. 5.

    Kristol hat Recht.

    1) Die Wahnsinnigen im Iran MÜSSEN gestoppt werden. Das sieht inzwischen sogar Saudi Arabien so.

    2) Wenn angegriffen wird, dann muß mit drückender Überlegenheit agiert werden. Das heißt, wenn Israel alleine angreift, endet die Sache im Schlamassel. Die USA müssen den Job erledigen.

    3) Bush’s einziger Irrtum war die Illusion, den Moslems Demokratie und Menschenrechte nach westlicher Art aufschwatzen zu können. Deshalb war auch der Einmarsch mit Bodentruppen eine unnötige Fleißaufgabe, und ein sehr teures Geschenk für die Iraker, das sie nicht angenommen haben.

    4) Schurkenstaaten wie den Irak, den Iran, Afghanistan, vielleicht bald die Türkei, kann man sehr gut und sehr billig aus der Luft kontrollieren. Man braucht nicht so wie die Deutschen anfangen, Brunnen und Schulen zu bauen. Die Hauptaufgabe von humanen Ländern wie den USA und europäischen Ländern ist es, den Schurken in den Schurkenstaaten das Handwerk zu legen. Das erledigen heute sehr gut und sehr billig unbemannte Drohnen. Adolfinodschad hätte die Wahl, sich wie die Ratte bin Laden in Höhlen zu verkriechen, oder er läßt sich gleich zu den 72 Jungfrauen beamen.

    5) Der Terrorismus kann nicht in moslemischen Ländern bekämpft werden, weil dann müßte man sich um ein paar 100 Millionen kümmern, sondern muß über das Ausländerrecht in westlichen Ländern bearbeitet werden. Es ist auch weitaus humaner, Islamisten und Parallelweltler aus westlichen Ländern zur Abreise zu “überreden”, als ganze Länder im Nahen Osten in Schutt und Asche zu legen.

    • 15. Juni 2010 um 19:45 Uhr
    • Black
  6. 6.

    Black, auf welchem Planet leben Sie.

  7. 7.

    Der Iran ist das erste Beispiel eines Zustands von dem in den kommenden Jahren noch einige folgen werden.

    Was soll der Westen tun wenn eine aufstrebende Macht in aller Klarheit danach strebt Offensivpotential aufzubauen und die Umstände (im wesentlichen Bevölkerungszahl, aber auch wirtschaftliche Interessen oder potente Verbündete) es nicht erlauben direkt einzugreifen.
    Die eine Möglichkeit ist es hinzunehmen und versuchen die Entwicklung zu kanalisieren. Das war im Falle des Iran ja extrem erfolgreich.

    Die andere Möglichkeit ist die vorhandenen Mittel zur Projektion militärischer Kapazität (moderne Aufklärungsmittel, Langstreckenbomber, Flugzeugträger, in hochspezialisierten Verbänden operierende Spezialeinheiten, U-Boote, etc) dazu zu nutzen um die Grundlagen der Organisationsfähigkeit in diesen Ländern zu zerstören und damit dem Aufbau von Offensivpotential die wirtschaftliche und organisatorische Grundlage zu nehmen.

    Einmarschieren und nation building betreiben wie in Afghanistan wird auf absehbare Zeit politisch nicht mehr durchsetzbar sein.

    Die Frage ist ob der Westen, d. h. die USA als einzige Nation die im Alleingang Operationen dieser Art durchführen kann, den politischen Willen aufbringt es auch zu tun oder lieber auf einen gleitenden Übergang in eine multipolare Stabilität setzt.

    • 15. Juni 2010 um 20:12 Uhr
    • Mates
  8. 8.

    Kristol’s (bzw. Boltons, die Liste ließe sich auch um Podheretz ergänzen, der insoweit interessant ist, weil er in diplomatisch unorthodoxer Weise über ein Treffen mit Bush II plauderte, was manche wohl als indirekten Wink des WH deuteten) Agenda liegt so daneben, das ich persönlch Schlichtheit als Begründung ausschließe. Was würden denn anderen Mächte von einem solchen Vorgehen halten (und zwar selbst unter der extrem unwahrscheinlichen Prämisse, das ein solches Vorhaben überhaupt glückte)? China? Russland? Die europäische Öffentlichkeit?

    Ein solcher Überdruss an einer (erwünschten oder eben missfallenden) multilateralen Ordnung hat schon was anarchisches, das hat was von “macht kaputt, was euch kaputt macht”. Ich werde nicht schlau draus, gerade in den USA, in denen die Gelehrtendiskurse oft so bestechend sind, das man sich fragt, warum man eigentlich noch deutschsprachige Blogs liest. Die Infos, die man hierzulande bezüglich der Resigniertheit oder auch noch kämpferischen Unzufriedenheit innerhalb Irans mitkriegt, erzwingen eigentlich eine Strategie, die die Iraner ermuntert, nicht hinter ihre Führung zwingt. Eine Begrüßung mit Blumen wurde ja ernsthaft schon mal erwartet, man hofft, diesmal ist man schlauer (auch in Bezug auf die Legitimierung seitens der US-Öffentlichkeit). Aber Kristol ist, zumindest im obigen Zitat, schon über solche Fragen hinaus, der bespricht offenbar nur noch die technischen Details.

    “Ein Krieg gegen Iran wird gar nicht so schlimm,…”

    What goes around, comes around.

    • 15. Juni 2010 um 21:20 Uhr
    • Boothby
  9. Kommentar zum Thema

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