Ein Blog über Religion und Politik

Wie die Türkei über die Köpfe der Araber herrscht

Von 18. Juni 2010 um 12:16 Uhr

Mit Kulturimperialismus! Durch den Erfolg türkischer Soap-Operas, die den arabischen Markt dominieren. Ein faszinierender Artikel in der New York Times zeigt, dass die Türkei auf allen Gebieten dabei ist, als Soft Power den Nahen Osten aufzurollen:

A Hamas leader not long ago was describing to a reporter plans by his government to start a network of Shariah-compliant TV entertainment when his teenage son arrived, complaining about Western music and his sister’s taste for the Turkish soap operas. Then the son’s cellphone rang.

The ring tone was the theme song from “Noor.”

If this seems like a triumph of Western values by proxy, the Muslim context remains the crucial bridge. “Ultimately, it’s all about local culture,” said Irfan Sahin, the chief executive of Dogan TV Holding, Turkey’s largest media company, which owns Kanal D. “People respond to what’s familiar.” By which he meant that regionalism, not globalism, sells, as demonstrated by the finale of “Noor” last summer on MBC, the Saudi-owned, Dubai-based, pan-Arab network that bought rebroadcast rights from Mr. Sahin. A record 85 million Arab viewers tuned in.

That said, during the last 20 years or so Turkey has ingested so much American culture that it has experienced a sexual revolution that most of the Arab world hasn’t, which accounts for why “Noor” triumphed in the Middle East but was considered too tame for most Turks. Even Mr. Sahin wonders, by contrast, whether the racier “Ask-i Memnu,” a smash with young Turks, threatens to offend Arabs unless it is heavily edited.

“You have to understand that there are people still living even in this city who say they only learned how to kiss or learned there is kissing involved in lovemaking by watching ‘Noor,’ ” explained Sengul Ozerkan, a professor of television here who conducts surveys of such things. “So you can imagine why the impact of that show was so great in the Arab world and why ‘Ask-i Memnu’ may be too much.

“But then, Turkey always acts like a kind of intermediary between the West and the Middle East,” she added.

Or as Sina Kologlu, the television critic for Milliyet, a Turkish daily, phrased it the other day: “U.S. cultural imperialism is finished. Years ago we took reruns of ‘Dallas’ and ‘The Young and the Restless.’ Now Turkish screenwriters have learned to adapt these shows to local themes with Muslim storylines, Turkish production values have improved, and Asians and Eastern Europeans are buying Turkish series, not American or Brazilian or Mexican ones. They get the same cheating and the children out of wedlock and the incestuous affairs but with a Turkish sauce on top.”

Ali Demirhan is a Turkish construction executive whose company in Dubai plans to help stage the next Turkish Emmys there. One recent morning he was at a sunny cafe in a mall here recalling a Turkish colleague who had just closed a deal with a Qatari sheik by rustling up three Turkish soap stars the sheik wanted to meet.

Mr. Demirhan sipped Turkish coffee while Arabs shopped nearby. “In the same way American culture changed our society, we’re changing Arab society,” he said, then paused for dramatic effect. “If America wants to make peace with the Middle East today, it must first make peace with Turkey.”

Leser-Kommentare
  1. 1.

    “If America wants to make peace with the Middle East today, it must first make peace with Turkey.”

    Hä?? Ich dachte die Türken wären Verbündete und Freunde.
    Oder ist das etwa getürkt? Falls ja- dann wird es allerdings höchste Zeit diese falschen Freunde aus der NATO rauszuwerfen und alle
    EU-Beitrittsverhandlungen sofort abzubrechen.

    • 18. Juni 2010 um 14:38 Uhr
    • Bravoleser
  2. 2.

    Zumindest sollte Obama sich den Erdogan zur Brust nehmen. Dass ein enger Verbündeter mit dem Erzfeind Iran kungelt, geht nun mal nicht.

    Zum Topic: Schöner Filmausschnitt. Die Qualität türkischer Soaps hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

  3. 3.

    » … All das wirft ein Dilemma für Obama und seine Berater auf: Wie bekämpft man aggressiv den Terror zu Hause und im Ausland ohne die Bedingungen allzusehr zu verschärfen, die die Sache der Dschihadisten anheizen könnten? Dieses Problem ist besonders akut zu einer Zeit, wo viele neue Dschihadisten “sich selbst rekrutieren.” …

    [D]ie meisten muslimischen Amerikaner haben kein Interesse an extremistischer Ideologie und wollen nicht [diesbezüglich] stereotypisiert werden. Sie auszuspionieren, oder sie als potentielle Feinde zu behandeln, könnte die Sache noch schlimmer machen. …

    Natürlich wissen die obersten Beamten, was passieren wird, wenn ein Terrorist aus dem eigenen Land Anschläge in den Vereinigten Staaten unternimmt. Die Obama-Administration wird dann unter enormem Druck geraten, zurück zu schlagen (irgendwie, irgendwo)und gleichzeitig hart zu Hause durchzugreifen. Das FBI könnte beginnen, Moscheen routinemäßig abzuhören. Doch die Suche nach selbstrekrutierten Terroristen in Amerika’s verstreuten islamischen Community ist sehr schwierig. Alle Experten betonen, dass die Strafverfolgungsbehörden mit der örtlichen muslimischen Bürgerschaft zusammenarbeiten muss, um potenzielle Terroristen abzudrängen bzw. zu verhindern. … «

    Artikel „Blowback“ [=Rückschlag]
    von Mark Hosenball and Evan Thomas
    in: Newsweek – June 13, 2010 / European issue – June 21, 2010
    http://www.newsweek.com/2010/06/13/blowback.html

  4. 4.

    Nachdem jetzt die Türkei einen arabischsprachigen Sender hat, dürfte der Einfluss noch zunehmen. Da eröffnet sich ein sehr großer Markt.

    • 18. Juni 2010 um 16:14 Uhr
    • Serdar
  5. 5.

    “If America wants to make peace with the Middle East today, it must first make peace with Turkey.”

    Von wegen. Einfach warten. Das eigentliche Vorbild ist immer noch der Westen. Das wird deutlich in einem Artikel in der heutigen NZZ, wo eine Frau sagt:

    «Wenn die EU nur begreifen würde, welche demokratiestärkenden Impulse in die arabische Welt ausgehen könnten, wenn sie die Türkei beitreten liesse . . .»
    (Letzter Abschnitt des Artikels)
    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/tuerkisches_heimspiel_in_der_arabischen_welt_1.6143299.html

    Einfach warten und Däumchen drehen.

  6. 6.

    Die Qualität türkischer Soaps hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

    Am abgefahrendsten finde ich diese türkischen Action-Krimis(?) mit Herzschmerz und schlechter Farbqualität aus den Siebzigern. Der Held war, wenn ich das richtig mitbekommen habe, der mit dem dicksten Schnürres.

    Quentin Tarrantino hätte seine helle Freude dran.

    —-

    P.S.: Und ich sach noch: Nimm Podolski raus, der hat Ladehemmung wie in Köln die ganze Saison – und lasst ihn um Himmelswillen nicht den Elfer schießen. Und wieso wurde Özil ausgewechselt. Meine Fresse.

    • 18. Juni 2010 um 17:18 Uhr
    • N. Neumann
  7. 7.

    @N. Neumann
    Ich fand Löws Truppe hatten noch ziemlich Glück das sie gegen die serbische Nationalmannschaft nicht noch höher verloren hat.

    • 18. Juni 2010 um 17:30 Uhr
    • J.S.
  8. 8.

    @ J.S.

    Unterm Strich hatte sie mit 10 1/4 Mann mehr Chancen als die Serben. Davon war aber nur Khediras Lattentreffer Pech, der Rest war Podolskis Ladehemmung bzw. Doofheit (ein verschossener Elfer und drei gute, aber versiebte Einschussmöglichkeiten). Das macht zusammen genommen 5 nicht genutzte Großchancen.

    • 18. Juni 2010 um 17:40 Uhr
    • N. Neumann
  9. Kommentar zum Thema

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