Warum Islamische Theologie? Antwort auf Mina Ahadi

Von 19. Juli 2010 um 12:47 Uhr

Mina Ahadi hat offenbar meinen Blogpost von letzter Woche gelesen und sich geärgert. Ihre Antwort bestätigt leider meine Befürchtungen: So undifferenziert, panisch und voller Unterstellungen argumentiert Frau Ahadi, dass der “Islamkritik” hier ein Bärendienst erwiesen wird.
Zitat:

“Über eine für ihn irgendwie anregende Begegnung mit einer Referentin aus Israel, Sarah Stroumsa, wusste Lau wiederzugeben, dass es für die Professorin in Israel und Indonesien nicht und in Marokko sowie in der Türkei nicht mehr nicht möglich sei, völlig frei über den Islam zu diskutieren. Warum das so ist, sagte Lau zwar nicht, ob sie als israelische Staatsbürgerin nicht einreisen darf oder ob sie befürchtet, als Islamkritikerin bedroht zu werden. Nur in Europa jedenfalls könne man noch diskutieren. Dass der organisierte Islam einer jeden Kritik gegenüber intolerant ist und den Gegner der Scharia bedroht oder ermordet, hat die Wissenschaftlerin aus Jerusalem vielleicht nicht verstanden und scheint Herrn Lau gar nicht erst zu interessieren.

Sehr geehrter Herr Lau, ich frage Sie, was ist in Köln beschlossen worden, was plant die Deutsche Bundesregierung? Wer war dort aktiv, welche Rolle haben die durchweg gegenmodern orientierten islamischen Organisationen dort in Köln am 13. und 14. Juli gespielt? Was sagt die Bundesregierung zur „ewigen“ Scharia und zur islamischen „auf Zeit und Raum bezogenen“ Rechtssprechung der frauenfeindlichen Scharia?
In Köln lag ein Buch der Organisatoren vom WR aus, in dem festgestellt wird, dass die Menschen in unserer Zeit wieder mehr Sehnsucht nach Religiosität und religiöser Rechtleitung haben. Damit will man der Bevölkerung klar machen, dass Islamische Studien an die Universitäten gehören, um religiöse Autoritäten kompetent auszubilden. Als ob ein Molla oder ein Pastor ‘Religion’ propagieren und ‘erfolgreich’ verbreiten könnte. Was die christliche oder islamische Geistlichkeit im Angebot hat, ist ein System der Macht und der Abhängigkeit. Die Toleranz oder inzwischen die Begeisterung für das Religiöse, auch für den Islam, wird weitergehen, bis die brutale Scharia vollumfänglich kommt. Wenn CDU und CSU die Einmischung der Religion in Politik und Schulpolitik fordern, dann erstarken auch die Islamisten. Eine ungehemmt proreligiöse Deutsche Regierung wird kein Problem damit haben, die rechtsspaltende Scharia auch hierzulande zu akzeptieren und wird Mustafa Ceric gerne als Gast einladen. Wenn dann noch Jörg Lau die Moderation übernimmt, haben sich die richtigen Akteure gesucht und gefunden, passt alles sehr harmonisch zusammen, nur von der Demokratie bleibt dann nicht mehr viel übrig.”

Dazu sage ich erstens, dass ich, indem ich Frau Stroumsas Schwierigkeiten beim Dialog mit Muslimen erwähne, natürlich implizit die mangelnde  Debattenkultur in der muslimisch-arabischen Welt anprangere. Natürlich bekommt sie als Israeli kein Visum oder ist gefährdet, so dass sie eben nicht zu Konferenzen reisen kann. Ist doch wohl evident! Dass Frau Stroumsa in Bonn aber ins Gespräch kommen konnte und wollte – das ist doch bemerkenswert und widerspricht der Vorstellung, der Wissenschaftsrat wolle hinter verschlossenen Türen irgendein Schariabefürworter-Komplott inszenieren.

Wie gedankenlos (sorry, Frau Ahadi!) aber diese Bemerkung:

dass “der organisierte Islam einer jeden Kritik gegenüber intolerant ist und den Gegner der Scharia bedroht oder ermordet, hat die Wissenschaftlerin aus Jerusalem vielleicht nicht verstanden”.

Ich fürchte, Jerusalem ist ein ganz guter Ort, um zu verstehen, wie gefährlich der Islamismus ist. Ein bisschen billig, vom sicheren deutschen Hafen so daherzuschwätzen. Und was ist “der organisierte Islam”? Hamas? IGMG? Ditib? Der “Verein liberaler Muslime”? Alles eins?

Welche Rolle haben die islamischen Verbände in Köln gespielt? Nun, sie waren nicht allzu glücklich. Denn zwar sollen sie eine Rolle spielen bei der Einrichtung von Lehrstühlen für Islamische Theologie. Aber es ist eindeutig, dass man ihnen dabei keine den Kirchen analoge Rolle zumessen will. Sie sollen in Form von Beiräten an den Lehrstühlen beteiligt werden, weil das deutsche Religionsverfassungsrecht dies aus Gründen der Religionsfreiheit vorsieht: Der Staat darf bei uns nicht die Inhalte der Theologien vorgeben. Und das ist gut so! Weil die Verbände aber weder repräsentativ genug sind noch die theologische Kompetenz besitzen, hier allein als das Gegenüber des Staates bei der Einrichtung von Lehrstühlen für islamische Theologie aufzutreten, werden sie in den Beiräten von anderen Mitspielern ergänzt werden. Wie das passieren soll, das wird eine interessante Debatte. In Bonn waren die Stimmen überwältigend, die für eine kleine Rolle der Verbände plädierten.

Im übrigen: Die Beiratskonstruktion selber war ein kontroverses Thema, und sie wird es bleiben. Eindeutig ist jedoch: Ziel der Einrichtung von Lehrstühlen für Islamische Theologie ist Wissenschaftlichkeit nach Maßgaben der deutschen Universität. Also: eine historisch-kritische Selbstreflexion des Islams. Ob das möglich ist, ob das wirklich gelingen kann, ist die Frage. Frau Stroumsa, die ich zitiert habe, ist zum Beispiel der Meinung, das könne nicht gelingen, und sie will darum lieber an der nicht bekenntnisgebundenen Islamwissenschaft festhalten. (Die soll ja auch nicht ersetzt werden.)

Mehrere anwesende Islamwissenschaftler plädierten ebenso gegen ein Fach “Islamische Theologie”, zum Beispiel Rainer Brunner aus Paris. Viel diskutiert war auch ein kritisches Papier von Patrick Franke aus Bamberg, in dem die Bedenken dargelegt werden. Ich selber bin mir noch nicht abschließend sicher. Aber die Suggestion von Frau Ahadi, “eine ungehemmt proreligiöse Deutsche Regierung wird kein Problem damit haben, die rechtsspaltende Scharia auch hierzulande zu akzeptieren”, ist einfach bizarr.

Warum nun “Islamische Theologie” an deutschen Universitäten? Mina Ahadi sollte mit ihren iranischen Erfahrungen ein Motiv verstehen können: Es geht um die Unabhängigkeit der islamischen Diaspora von den Autoriäten daheim (Ghom, Al-Azhar, Ankara). Zweitens, und dieses Argument wird sie als überzeugte Atheistin nicht verstehen können (aber gesellschaftspolitisch könnte es ihr doch einleuchten): Es geht darum, eine religiöse Sprache des Islam (auf Deutsch!) zu entwickeln, die zum Leben hier und jetzt in einer religiös pluralen und säkularen Gesellschaft passt. Religion solle eine rein private Angelegenheit sein, fordert Frau Ahadi. Was die möglichen Ansprüche religiös begründeter Normen an die Bürger hier angeht, ist das doch so. Es gibt eine uneingeschränkte negative Religionsfreiheit in diesem Land. Wer kein Kruzifix in der Schule will, kann darauf bestehen, dass es abgehängt wird, und darf dabei auf das Bundesverfassungsgericht verweisen.

Warum dann Islamische Theologie an staatliche Unis? Die Ansprüche und Grundsätze des deutschen Wissenschaftssystems sollen eben dafür garantieren, dass die Standards gewahrt werden, was Kritikfähigkeit, Wissenschaftsfreiheit und Methodentransparenz angeht. Es geht, wie in den Empfehlungen des Wissenschaftsrats ausgeführt, um die “reflexive Selbstvergewisserung der pluralen islamischen Tradition im Dialog mit den anderen Universitätsdiziplinen” – in anderen Worten um eine kritische islamische Theologie.

Wie gesagt: Man mag Zweifel daran haben, ob das Ziel sinnvoll ist, ob es erreichbar ist mit den vorgeschlagenen Strukturen – und sogar, ob es überhaupt ein erreichbares Ziel für die islamische Theologie ist. Es als Komplott einer “Elite von Islamverharmlosern” abzutun, ist einfach nur borniert. Ich bleibe dabei: Diese Oberflächlichkeit einer so genannten “Islamkritik” macht den Begriff zur Lachnummer.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Mina Ahadi zeichnet gerne dieses atheistische Bild der religösen Hölle in der die Menschen leben, dabei verschweigt sie als ex kommunistin, dass es die Völker im Kommunismus selber waren die sein Ende herbeisehnten und es deshalb zum Wandel kam, dass aber die Völker (bzw. die überwiegende Mehrheit) von Marokko bis Indonesien gar nicht gewillt sind den islam aufzugeben, eher gibt es tendenzen zu einer freiwilligen gesellschaftlichen re islamisierung. In Marokko, Ägypten, Türkei, Indonesien, .. wird den Menschen nicht von oben herab staatlich aufgedrückt das Kopftuch oder den Niqab zu tragen oder in die Moscheen zu gehen (vielmehr werden diese entwicklungen von staatlicher seite mit besorgnis gesehen und es werden neue kontrollmechanismen entwickelt wie das schliessen der Moschee türen nach dem gebet usw), dennoch steigt ihre zahl in diesen Ländern. Wenn also die Menschen den Islam als die Hölle auf Erden erleben würden, so wie ihn Mina Ahadi erlebt, wieso legen sie ihn nicht einfach mit freudentränen ab, wie die Menschen in der DDR den Kommunismus und rennen in Massen in die Arme der westlichen Wertegesellschaft ? Wenn das wahr wäre was Mina Ahadi oder ihr gesamter Verein über die islamische Welt propagieren, dann müssten diese entwicklungen längst eintretten, tun sie aber nicht. Mina Ahadis atheistische Sichtweise verzerrt den Blick auf die realität. Sie wird verkürzt, reduziert und verdreht, um damit einen propagandistischen Nutzen zu ziehen für die eigene sehr idologische Position. Im übrigen, ein verein der schon im Namen eine Lüge beinhaltet kann die Menschen schwerlich aufklären. Wer den Menschen schon im Vereinsnamen als beginnender Einstieg eine Lüge vorsetzt, also vorgaukeln will jemals im Islam gewesen zu sein, dessen glaubwürdigkeit hat schon vor dem ersten wortwechsel schaden genommen.

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    • 19. Juli 2010 um 13:02 Uhr
    • Marin
  2. 2.

    Herr Lau, tut ihnen die Hitze nicht gut?Mina Ahadi hat in allen punkten Recht. Sie haben so viel
    Ahnung von Integration , wie ein Schiff vom Fliegen
    Ich hoffe daß Lau diesen Artikel auf Sägefisch gelesen hat:
    So viel Pro-Islamische Dummköpfe wie in Deutschland verstehen einen “Cavolo ”
    In Italien ist der Islamunterricht in Schulen verboten, die Moslems sollen sich doch
    besser auf den normalen Unterricht konzentrieren, denn in der Industrie sind keine
    Korankenntnisse gefragt. Oh, Goot lass Hirn über diesen islamisierten Staat regnen.

    Ich empfehle ihnen mal auf die Webseite von Soad Sbai zu gehen, die ist nicht so ein islamisches U-Boot , wie eure
    Özcan
    Grüsse aus Bella Italia

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    • 19. Juli 2010 um 13:03 Uhr
    • SCHLERNHEXE
  3. 3.

    Aber der Herr Lau bezweifle ich, daß er italienisch Lesen kann, wenn er schon nicht mal Englisch versteht, den sonsten empfehle ich ihn mal Gates
    of Vienna oder Pamela Geller zu lesen.

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    • 19. Juli 2010 um 13:09 Uhr
    • SCHLERNHEXE
  4. 4.

    @SCHLERNHEXE
    “Mina Ahadi hat in allen punkten Recht. Sie haben so viel”

    Mina Ahadi hat schon mit ihrem Vereinsnamen gelogen bevor sie überhaupt den Mund aufmacht.

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    • 19. Juli 2010 um 13:13 Uhr
    • Marin
  5. 5.

    Ich wiederhole es nochmals gerne. Eine Frau die sich als Vorsitzende des „Zentralrats der Ex-Muslime in Deutschland“ präsentiert, während ihr ganzer Lebenslauf von einem einzigen atheistischen dasein zeugt, die muss eine Pathologische Lügnerin sein die die ausergewöhnliche fähigkeit besitzt selbst die haarsträubensten lügen zu glauben solange man sie sich selbst nur einredet. Solch eine krasse und dreiste Lüge als Eingansstatement lässt die eigene glaubwürdigkeit ins lächerliche abdriften. Ohne eine Glaubwürdigkeit kann überhaupt keine Bewegung enstehen und mit einer aufklärung von sachverhalten, bzw noch pathetischer von einer aufklärung der Menschheit, braucht man gar nicht mehr kommen… . Mina Ahadi und ihre vereinsmitglieder sind keine ex Muslime, sie sind mit diesem Namen nichts weiter als Lügner und das bevor sie ihr anliegen überhaupt vorgetragen haben.

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    • 19. Juli 2010 um 13:39 Uhr
    • Marin
  6. 6.

    Ich denke, die Menschen im Lande scheren sich wenig über Dogmatik. Aber es hilft vielleicht, wenn angesehene, ausgebildete (und am besten titeltragende – daher ist isl. Theologie besser als Islamwissenschaft) Lehrer Muslimen in Deutschland eine Interpretation des Islam nahebringen, die mit europäischen Werten konform geht. In diesem Sinne: Viel Erfolg.

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    • 19. Juli 2010 um 13:40 Uhr
    • Jens
  7. 7.

    Die Debatte kann man auch ohne Vokabeln wie ‘dümmlich’ und ‘arrogant’ führen.

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  8. 8.

    Desweiteren, ich kann diese Verbandsfuntionäre (für die ich nicht die geringste symathie übrig habe) durchaus verstehen, dass sie die ausführungen einer Mina Ahadi nicht beiwohnen wollten. Ich würde es auch als unerträglich empfinden als Frauenmörder tituliert zu werden der wenn er könnte mit der Votragenden beginnen würde. Ich mein was ist das eigentlich für eine Debattenkultur die sich eine Mina Ahadi da ausgedacht hat ? Die spitze ist aber dann ihr verletzter Stolz, weshalb sich die Verbandsfunktionäre nicht ihre tiraden anhören wollten, was sie sogleich als beweis für ein anti-demokratisches verhalten auszulegen versucht. In ihrer heimlichen traumvorstellungen muss wohl der deliquent sich ihre hasserfüllten vorwürfe mit gesenktem Kopf anhören, wie in einem stalinistischen Showprozess und besitzt gar keinerlei freiheitliches recht sich diesem zu entziehen, da man zurecht nicht die geringste Basis für einen Austausch bei ihr erkennen kann.

    Noch eine Sache. Ihr Deutsch ist richtig miserabel (und das als Vorsitzende !?!?). Sie hat diesen text mit sicherheit nicht selbst geschrieben, wohl eher diese Gabi Schmidt. Wäre interessant wieviel Mina Ahadi wirklich drin steckt und wieviel diese Gabi beigetragen hat, außer die Form.

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    • 19. Juli 2010 um 14:25 Uhr
    • Marin
  9. Kommentar zum Thema

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