Warum man auf Deutschland stolz sein soll
Nicolas Kulish von der New York Times hat ein neues Selbstbewußtsein in Deutschland ausgemacht, das fern ist von den hysterischen Untergangsphantasien, die unsere Debatten in den letzten zwei Wochen geprägt haben. Recht hat er. Deutschland hat schon ganz andere Sachen geschafft als die Integration der 4 Mio muslimischen Einwanderer. (Zum Beispiel die Integration der 18 Mio Ostdeutschen mitsamt einem maroden Staat und zusammenbrechender Wirtschaft oder zuvor der 12 Mio Ostvertriebenen, die mit kaum mehr als einem Koffer kamen.)
Das Stück ist lesenswert: Es zeigt ein Land, in dem noch Dinge von Wert hergestellt werden; in dem der Fluch der Vergangenheit die junge Generation nicht mehr überschattet; ein attraktives, lebenswertes Land mit allem Grund zu Stolz und Optimismus. In den Leserbriefen der Times wird Deutschland als das Modell im Westen gepriesen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Zitat aus dem Text:
Despite the uproar over integration, the country celebrated as one over its soccer team’s surprise success this past summer. The players’ ethnic backgrounds spanned from Brazil to Poland to Tunisia, including the young German star Mesut Özil, whose family comes from Turkey, Germany’s largest source of immigrants.
“I told my Turkish barber that I thought Argentina was going to beat Germany,” said Shayan Parvand, 35, a Hamburg businessman and one of the 16 million people in Germany with what is known here as a migration background. “He got really mad at me, and said, ‘Özil is going to shoot a goal.’ ”
Mr. Parvand’s family could well represent the proud but complex new Germany. He was born in Iran and his wife grew up in the former East; they have a 4-year-old daughter and 2-year-old son.
“I said to my wife recently that I’d like to build a house,” Mr. Parvand said, “and get one of those German flags to go with it.”
Interessanter Text. Vieles ist gut beobachtet.
Ich denke, wir können mit Recht Stolz auf die Menschen in umserem Land sein.
Ist es nicht wunderbar, hier zu leben?
Mit all diesen Eindrücken, seien sie nun biodeutsch oder zusammengemixt?
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“Deutschland hat schon ganz andere Sachen geschafft als die Integration der 4 Mio muslimischen Einwanderer. (Zum Beispiel die Integration der 18 Mio Ostdeutschen mitsamt einem maroden Staat und zusammenbrechender Wirtschaft oder zuvor der 12 Mio Ostvertriebenen, die mit kaum mehr als einem Koffer kamen.”
Stimmt. Nach Sarrazin sind die Ostdeutschen ja auch dümmer als Westdeutsche.
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@Jörg Lau:
“Deutschland hat schon ganz andere Sachen geschafft als die Integration der 4 Mio muslimischen Einwanderer. (Zum Beispiel die Integration der 18 Mio Ostdeutschen mitsamt einem maroden Staat und zusammenbrechender Wirtschaft oder zuvor der 12 Mio Ostvertriebenen, die mit kaum mehr als einem Koffer kamen.)”
Äpfel und Birnen, Herr Lau. Im Unterschied zu den (offiziell) 4,5 Mio Muslimen in Deutschland waren die Ossis und die Ostvertriebenen Deutsche und Teil des deutschen Kultur- und Sprachraums. Deren “Integration”, also deren Eingliederung in das verbliebene deutsche Staatsgebiet, standen also keine prinzipiellen Differenzen gegenüber. Auch waren sowohl Ossis als auch die Ostvertriebenen im Schnitt auf dem gleichen Bildungs- und Qualifikationsstand wie der Rest der Deutschen, so daß sie ein Gewinn für die Wirtschaft darstellten.
Im Unterschied zum Gros der muslimischen Einwanderer, die aus einem vollkommen anderen Kulturkreis stammen und sich der hiesigen Kultur und Lebensweise kaum anpassen wollen. Zudem stammt ein Großteil der muslimischen Einwanderer aus den Unterschichten der jeweiligen Herkunftsländer, die bereits dort Schulversager waren. Warum soll sich Deutschland, dessen einziger wesentlicher Rohstoff gebildete und qualifizierte Fachkräfte sind, sich diese Last aufbürden, die ein vollkommen unabsehbares Risiko für die hiesige Gesellschaft, deren Identität und deren innenpolitische Stabilität bedeutet? Bereits jetzt zeigen sich in den deutschen Großstädten die Folgen dieser falschen, unkontrollierten Masseneinwanderung.
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Ausländische Beobachter sind nie am Puls der Zeit. Die sind immer zu spät dran. Das kann auch gar nicht anders sein, schliesslich finden wir diese Verschiebung auf der Zeitachse auch im Inland, z.B. bei den Wahlergebnissen. Die Grünen kamen an die Macht, als sie ihre Innovationskraft längst verloren hatten, und nach der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die FDP ihren grössten Erfolg. Das gleiche Phänomen finden wir seit jeher an den Märkten, beim Aufbau und Platzen von Blasen. Die klügsten Investoren sind die Vorläufer einer Trendumkehr – aber sie bewirken sie nicht selber!
Sicher, ein Bildungsbürger im Ausland sieht Deutschland als selbstbewusstes, sparsames, fleissiges, freundliches und weltoffenes Land – anders als früher sogar als optimistisches und unbeschwertes Land. Und man neidet es uns nicht. Man freut sich mit uns. Nie hat Holland im Fussball befreiender aufgespielt als die Deutschen bei der letzten WM, und im Spiel – egal ob Schach oder Fussball – zeigt sich doch immer der wahre Charakter. Oder etwa nicht?
Seit einigen Jahren fällt mir auf, dass gerade höher gebildete Amerikaner (bis hin zu Wirtschaftsnobelpreisträgern) dazu neigen, Deutschland zu idealisieren. Die betrachten uns als eine Art Gross-Skandinavien. Alles Erfolgreiche, alle Sehnsüchte und alle Hoffnungen auf eine bessere Zukunft werden da hineinprojeziert. Sogar das ausgebaute Sozialsystem erscheint ihnen plötzlich als positiv, weil die fixen staatlichen Transferleistungen in der Krise die Binnenkonjunktur stabilisierten und die Deflationsgefahr dämpften.
Was von aussen nicht gesehen wird, das sind die unglaublich vielen vereinzelten sozialen und infrastrukturellen Verzerrungen und Defizite, die wir haben. Man kann das vergleichen mit einem Steuersystem, das zwar nominal hohe Steuersätze hat, aber extrem viele Abschreibungsmöglichkeiten zulässt – der erste Eindruck täuscht!
Betrachtet man die einzelnen Problemfelder getrennt voneinander, dann wirken sie nicht besonders dramatisch. Leicht wird übersehen, dass sich die einzelnen Phänomene mit sehr negativer Wirkung gegenseitig verstärken. Fehlende Bildung, fehlende Kitas, fehlende Ganztagsschulen, fehlender Nachwuchs bei Gebildeten, fehlende gebildete Zuwanderer und fehlende kinderfreundliche Arbeitsplätze. Hinzu kommen neue Formen der Ausbeutung durch Minijobs, Zeitarbeit oder den Abbau sozialer Leistungen durch Outsourcing, was nicht nur zu individueller Ungerechtigkeit führt, sondern auch die Möglichkeit zur persönlichen Altersvorsorge verhindert – und die Sozialkassen später umso stärker belastet.
Der Export läuft sehr gut, aber auch nur, weil der durchschnittliche Deutsche „erst“ 45 ½ Jahre alt ist, und die Zeit vergeht schnell.
Die “echten” Skandinavier sind teilweise noch stärker im Export als wir, haben aber bei weitem nicht unsere Probleme. Einem amerikanischen Beobachter kommen unsere nordeuropäischen Nachbarn natürlich nie in den Sinn. Vermutlich deshalb, weil sie so klein sind, und weil viele – nicht nur in den USA – glauben, man könne vom Kleinen nichts lernen. Auch ist Europa geografisch zu weit entfernt, um die feinen, aber gravierenden Unterschiede erkennen zu können.
Umgekehrt ist es ja genauso: Wer weiss von uns schon, inwieweit sich die US-Bundesstaaten Oklahoma und Idaho voneinander unterscheiden. Im besten Fall tauchen ein paar alte Urlaubserinnerungen oder angelesene Bildungsfetzen auf: In Aspen kann man gut Ski fahren, und Idaho nennt man auch den „Kartoffelstaat“.
Kurzum, die Wahrheit ist: Wir sehen zwar ganz gut aus, wir Deutschen, und wir sind sehr beliebt, aber es geht uns nicht gut. Wir sind wie Schlingensief ein Jahr vor seinem Tod. Wir haben Krebs, und wir ahnen, dass unsere Chance beschissen ist. Klar, wir wehren uns dagegen und sind noch im Geschäft. Aber das letzte Hemd hat keine Taschen, und die Behandlung unserer Krankheit ist sehr teuer. Vor allem wissen die Ärzte, die uns behandeln, überhaupt nicht, was sie tun sollen, weil unsere Metastasen nicht regional konzentriert sind, sondern sich schon im ganzen Körper verteilt haben.
Je nachdem, wie gerade unsere Stimmung ist, schreien wir vor Zorn, oder wir feiern ein bisschen mit auf ´ner Party. Aber im Grunde warten wir nur noch auf´s Ende.
Was uns am meisten nervt, sind diese verdammten Betbrüder, die ständig auftauchen, um uns ins Gewissen reden. Damit wir endlich unsere Sünden bereuen und aufhören zu fluchen.
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Aspen liegt natürlich in Colorado.
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Ich grüße dich Genosse Nihilist. Diese Kopplung von Behauptungen jenseits von Kausalität. Respekt
Man könnte natürlich auch behaupten, dass Ausstehende eher einen objektiven Blick haben, da sie nicht durch persönliche Betroffenheit in ihrem Blickwinkel eingeschränkt sind.
Dann passt das aber wohl nicht mehr mit dem krebskranken siechen Deutschland.
Na was soll es auch. Wer hat wohl mehr Spaß am Leben? Der Optimist oder der Pessimist?
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#6
Ich vermute, den wenigsten Spaß am Leben haben die Idiotisten? Na, richtig geraten, Herr Experte?
m.
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Weder Genosse, noch Nihilist. Auch kein Pessimist oder Defätist. Realist würde mir schon genügen.
Natürlich “könnte” man behaupten, dass Aussenstehende einen objektiven Blick haben, aber dann “sollte” man es auch begründen können. Ich habe zur Genüge das Gegenteil getan, weshalb auch der Vorwurf der fehlenden Kausalität ins Leere geht. In Zukunft bitte etwas mehr Substanz!
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