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CSU: Dumm quatschen und doch das Richtige tun

 

Eine Pressemitteilung des bayerischen Inneministeriums zeigt, dass die CSU  – obschon sie an der Spitze derzeit sehr verwirrt ist, vornehmlich wohl weil der Karl-Theodor dem Horst ein wenig arg im Nacken sitzt – immer noch der alten Devise ihres Urvaters Strauß folgt: Dumm quatschen und doch das Richtige tun. Im öffentlichen Dienst des Freistaats werden seit Jahren massiv Menschen mit Migrationshintergund angeworben. Ohne Quote, aber wirkungsvoll. Das sollte man bei dem dämlichen Getöse um „Kulturkreise“ nicht vergessen.

„Eignung, Leistung und Befähigung – das sind nach den Worten des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann die Kriterien für eine Einstellung im öffentlichen Dienst des Freistaates. Selbstverständlich ist dabei für Herrmann auch, qualifizierte Migrantinnen und Migranten für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. „Unser erklärtes Ziel ist es, im Interesse des Freistaates die besten für den Dienst in unseren öffentlichen Institutionen zu gewinnen. Und wenn ich mir den exzellenten Ruf vor Augen führe, den die bayerische Landesverwaltung bundesweit und auch im Ausland genießt, dann darf ich nicht ohne Stolz feststellen: Wir sind hier sehr erfolgreich. Und dazu tragen auch unsere Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit Migrationshintergrund bei.“ Herrmann lehnt deshalb eine feste Migrantenquote im Staatsdienst – wie sie in der aktuellen Integrationsdebatte immer wieder gefordert wird – klar ab. Herrmann stellte im Beisein des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, vier Beschäftigte des Freistaates vor, die besonders gelungene Beispiele für eine erfolgreiche Integration und Karriere im öffentlichen Dienst seien: Ein in Oberbayern geborener Jurist mit afrikanischen Wurzeln, dessen äthiopische Eltern in Bayern bleiben mussten, weil in Äthiopien der Bürgerkrieg ausbrach. Ein gebürtiger Libanese, der zunächst acht Jahre mit seinen Eltern in einer deutschen Asylbewerberunterkunft lebte, jetzt im Integrationsrat des Landtags sitzt und – ebenfalls als Jurist – im Landratsamt für Ausländerrecht zuständig ist. Ein gebürtiger Grieche, der erst 24-jährig nach Deutschland kam und inzwischen als Elektro-Abteilungsleiter im Hochbauamt arbeitet. Und eine türkischstämmige Polizistin, die in einer Münchner Polizeiinspektion tätig ist und sich als Dolmetscherin im Dienst schon Leistungsprämien verdient hat.

Gerade der Polizeivollzugsdienst ist ein gutes Beispiel: Dort werden bereits seit 1993 – also seit 17 Jahren – auch ausländische Staatsangehörige eingestellt. Herrmann: „Durch Anpassungen im Bayerischen Beamtengesetz haben wir seinerzeit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Weg in den Polizeivollzugsdienst geebnet. Ein Schritt, der sich wirklich gelohnt hat. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, 119 ausländische Staatsangehörige für den bayerischen Polizeivollzugsdienst zu gewinnen.“ Auch heute würden noch ganz gezielt ausländische Nachwuchsbeamte gesucht, die für die Polizeidienst geeignet sind.“

63 Kommentare

  1.   tati

    Dumm quatschen und doch das Richtige tun.

    Sicher besser als in Bremen.
    Dort wird gedroht und nichts getan.

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,721741,00.html

    Es ist übrigens eine Selbstverständlichkeit, daß man Positionen im öffentlichen Dienst nach Qualifikation und nicht nach Herkunft besetzt.
    Das haben die quotengeilen Grünen noch nicht begriffen und werden es auch nie begreifen.

  2.   Burak

    Ich weiss nicht ob schon bekannt:

  3.   Samuel

    Wenn die CSU erst mal merkt, dass Moslems sehr viel konservativer als sie selbst sind, wird die Partei geschlossen zum Islam übertreten. Denn der Islam kennt noch Werte, Sitte und Anstand im Ggensatz zu den dekadenten, gottlosen Westlern…

  4.   Mete

    @ Samuel

    Kennen und ausleben sind 2 verschiedene Dinge…


  5. @JL
    Ich sehe das dumme Gequatsche der CSU nicht.
    Was hat die Forderung der CSU nach einem Zuzugsstopp für Menschen aus fremden Kulturkreisen mit der Einstellung gut ausgebildeter, hier lebender Migranten zu tun?
    Wenn ich richtig informiert bin, wurde dieser Zuzugsstopp vor dem Hintergrund der ab 2011 in der EU geltenden Freizügigkeit gefordert.

  6.   Myself

    @ lebowski
    Du bist durchaus richtig informiert, aber anscheinend ist es für gewisse Autoren einfacher/befriedigender/sinnvoller?, Aüßerungen aus den Konsenz zu ziehen, denn mit Plattitüden machen sich leichter Schlagzeilen.
    Manchmal habe ich JL im Verdacht, dass er wider besseres Wissen bewusst seine Artikel derart abfasst, um sich an den Reaktionen zu ergötzen.


  7. Betr. den von Martin R. verlinkten Beitrag über de Maizières Bemerkungen zu den Folgen der multikulturalistischen Politik der Stadt Berlin.

    Preisfrage:

    Von wem stammt die folgenden Aussagen:

    Frage: Ist es in Ordnung, wenn Neuköllner Eltern aus deutschen Familien ihre Kinder woanders in die Schule schicken?

    Interviewpartner: Sie haben doch recht. Ich meine, es sind doch ihre Kinder!

    Frage: Und wie wollen Sie mit den Neuköllner Klassen umgehen, in denen die Migrantenkinder einen Anteil von über 80 Prozent haben? Auflösen?

    Interviewpartner: Ganz genau. Klar wird es Proteste geben. Aber sonst wird die Zukunft der Kinder versaubeutelt. Entweder man zuckt die Schulter und sagt, na ja, so ist es nun mal. Oder man löst die Schulklassen auf und verteilt die Kinder auf andere Stadtteile. Das ist eine harte Maßnahme, aber der Menschenverstand weiß: So wie es ist, bringt es nichts.

    War es
    a) Günter Piening, Integrationsbeauftragter beim Berliner Senat
    b) Sarrazin
    c) Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Neukölln
    d) Güner Balci oder
    e) Feridun Zaimoglu

  8.   N. Neumann

    @ Miriam (Tipp ohne googeln)

    Zaimoglu.


  9. @Neumann

    Richtig getippt. Zaimoglu im SPIEGEL-Gespräch diese Woche.
    Zaimoglu, der als Baby mit seinen Gastarbeitereltern nach Berlin kam. Später zog die Familie nach Bayern um. in München-Moosbach („keine gute Adresse“) wurde er eingeschult. Er war das „einzige Türkenkind“ in der Klasse.

    <<SPIEGEL: Hat bei Ihnen irgendwer Druck ausgeübt?

    Zaimoglu: Meine Lehrerin, Frau Hübl. Ich war schwach in der Grammatik, schwach überhaupt in der deutschen Sprache. Sie sagte: Entweder du lernst Deutsch, oder du fliegst raus. Ich hatte gar keine Chance zur Verweigerung. Die Troublemaker wurden hart angeganen.

    SPIEGEL: Also hatten damals die Schüler vor den Lehrern Angst?

    Zaimoglu: Es ist eine große Leistung, dass es die Lehrer geschafft haben, aus uns ruppigen Arbeiterkindern anständige Jungs zu machen. Meine Lehrerin hat nicht gesagt: Du bis ein Türkenkind. Und du bist ein Arbeiterkind. Stattdessen sagte sie: In diesem Klassenraum wird nicht gerülpst, nicht geschrien und nicht geschlagen. Sie war streng, aber wir liebten sie, weil sie uns nicht kleingemacht hat.
    (…)
    SPIEGEL: Wir haben Ihre Eltern Sie gefördert?

    Zaimoglu: Sie haben meine Schwester und mich mit preußisch-osmanischer Strenge erzogen. Und sie haben uns von einem Tag auf den anderen den Umgang mit türkischen Kindern verboten. Schon deshalb verstehe ich Eltern, die ihre Kinder nicht in Schulen stecken wollen, in denen fast nur Kinder von Fremddeutschen sind. Weil diese Kinder nicht deutsch sprechen.
    (…)

    SPIEGEL: Leben Sie selbst eher in einer türkischen oder einer deutschen Welt?

    Zaimoglu: Ich habe mehr deutsche Freunde, wenn Sie das meinen. Und meine Eltern amüsieren sich über mein schlechtes Türkisch. Ich habe einen deutschen Akzent im Türkischen, der Satzbau, die Metaphern, das ist bei mir alles eins zu eins aus dem Deutschen übersetzt. Ich habe mich in die deutsche Sprache verliebt. Es mag pathetisch klingen, wenn ich sage: Ich lasse mir Deutschland nicht kaputtmachen. Nur: Da ist eine Biografie dahinter.

    SPIEGEL: Empfinden Sie das Schwinden Ihres türkischen Anteils als Identitätsverlust – oder als Preis für die Integration?

    Zaimoglu: Die einzigen Menschen, die heute Identitätsprobleme haben, sind die Konservativen. Das sind die, die über ihre Unbehaustheit jammern. Mich hat es unendlich viel reicher und freier gemacht. Deshalb kann ich sagen: Ich bin ein gutgelaunter Deutscher. <<