Ein Blog über Religion und Politik

Der Taliban-Hauptmann von Köpenick

Von 23. November 2010 um 11:33 Uhr

Es ist womöglich ein westliches Vorurteil, dass die Taliban keinen Sinn für Humor haben. Das zeigt sich an folgender Wendung in den Verhandlungen mit ihnen, von denen die New York Times heute berichtet.

Der Mann, der wochenlang als Mullah Akhtar Muhammad Mansour posiert hat, einer der ranghöchsten Talibankommandeure nach Mullah Omar, ist … na ja, man weiß es nicht, jedenfalls nicht, wer er behauptete zu sein.

Das ist peinlich, denn auf diesem hochrangigen Kontakt basierten die Hoffnungen, in absehbarer Zeit zu einer Art Frieden mit den Aufständischen zu kommen. Es zeigt, wie wenig die westliche Allianz offenbar von ihrem Feind weiß: Niemand war in der Lage, den beturbanten Herrn als den Betrüger zu entlarven, der er war.

(Ich muß sagen, ich verstehe das. Als ich vor zwei Jahren von Dubai nach Pakistan flog, hätte ich schwören können, jeder in dem Flugzeug war ein Talib. Die sahen einfach alle so aus. Und wer weiß…)

Wahnsinn:

“It’s not him,” said a Western diplomat in Kabul intimately involved in the discussions. “And we gave him a lot of money.”

American officials confirmed Monday that they had given up hope that the Afghan was Mr. Mansour, or even a member of the Taliban leadership.

NATO and Afghan officials said they held three meetings with the man, who traveled from in Pakistan, where Taliban leaders have taken refuge.

The fake Taliban leader even met with President Hamid Karzai, having been flown to Kabul on a NATO aircraft and ushered into the presidential palace, officials said.

Der Typ hat Geld abgezockt und sich mit einem Nato-Hubschrauber zu Karsai fliegen lassen! Und keiner hat’s gemerkt! Respekt, Mann!

(Natürlich ist die Sache alles andere als lustig. In dem Artikel gibt es verschiedene Thesen über das Ereignis: Der Mann war einfach ein Hochstapler. Er war eine Marionette des pakistanischen Geheimdienstes, der die Gespräche mit den Taliban sabotieren will. Oder er wurde von Mullah Omar persönlich geschickt, um den Westen vorzuführen. Was dann doch wieder lustig wäre, auf eine Art.)


Kategorien: Afghanistan, Außenpolitik
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Womöglich war dieser gemäßte Talib ja sogar Kurt Beck.

    • 23. November 2010 um 11:53 Uhr
    • marriex
  2. 2.

    “Das ist peinlich, denn auf diesem hochrangigen Kontakt basierten die Hoffnungen, in absehbarer Zeit zu einer Art Frieden mit den Aufständischen zu kommen”

    Nun ja,die Geschichte passt zu den Leuten, die diese Art von Hoffnung hegen …

    • 23. November 2010 um 11:57 Uhr
    • Hänschen Klein
  3. 3.

    @ HK

    Sie wollen doch nicht den Heiland lästern?

    • 23. November 2010 um 12:02 Uhr
    • marriex
  4. 4.

    Zivilisation, Aufklaerung, funktionsfaehige, staatliche Institutionen, hohe Bildungstandards, wirtschaftliche Stabilitaet, ein Gesundheitssystem, Demokratie, eine friedliche Zivilgesellschaft, Pluralismus, Religionsfreiheit…

    …das alles hat diese im Fruehmittelalter steckengebliebene Gesellschaft von Warlords, Stammesfuehrern, Analphabeten, Fanatikern, Opiumbauern und sonstigen armen Teufeln nicht bzw. lehnt es anscheinend auch noch mehrheitlich ab, aber mit den primitivsten Mitteln und Bauerntricks verarschen die unsere hochbezahlten “Experten” ohne Probleme. “Die sehen alle gleich aus.” Oh mein Gott, wie erbaermlich ist das denn eigentlich??

    RAUS AUS AFGHANISTAN!!

    • 23. November 2010 um 12:19 Uhr
    • Mike the Mad Mullah
  5. 5.

    @marriex

    Wer bereit ist, sich kreuzigen zu lassen, soll dem Heiland ruhig nachfolgen …

  6. 6.

    @Mike the Mad Mullah

    Solange hierzulande jeder Satz eines Islamvereinvertreters nach positiven Zeichen abgesucht wird – wie bei den Römern die Eingeweide von Vögeln – braucht man sich nicht zu wundern, dass der Hauptmann von Köpenickistan Erfolg hat.

    • 23. November 2010 um 13:15 Uhr
    • FreeSpeech
  7. 7.

    Wieso “Taliban-Hauptmann von Köpenick”? Angebot und Nachfrage stimmt eher. Wir haben einen gemäßigten Taliban gesucht und ein freundlicher Herr hat sich zur Verfügung gestellt.

    • 23. November 2010 um 14:41 Uhr
    • lebowski
  8. 8.

    @ adamriese

    Die Konsequenzen treffen halt nicht nur die, die freiwillig folgen…

    • 23. November 2010 um 14:43 Uhr
    • marriex
  9. Kommentar zum Thema

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