“In einem Jahr bin ich weg” – eine Rundreise durch den europäischen Antisemitismus
Meine Reportage erscheint morgen auf Seite 3 der ZEIT (aus Anlass des Gedenktages zur Befreiung des KZ Auschwitz):
Amsterdam/Malmö/Budapest
Vor einiger Zeit hat Raphael Evers aufgehört, die Tram in seiner Heimatstadt Amsterdam zu benutzen. Auch auf den Markt geht er nicht mehr. Er ist ein sichtbarer Jude – ein Rabbiner mit Rauschebart, breitkrempigem Hut und einem schwarzen Anzug mit Frackschößen, der mittags in Sal Meijers Kosher Sandwichshop ein Broodje Meijer mit gepökeltem Rindfleisch und Senf isst und sich dabei die Sorgen älterer Gemeindemitglieder anhört. Das Lokal im Amsterdamer Süden ist ein sicherer Ort. Die Straßen sind es nicht mehr. »Ich werde beschimpft, manchmal sogar angespuckt. Für Juden wie mich gibt es No-go-Areas in dieser Stadt. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.«
Das »jüdisch-christliche Erbe« wird in Europa derzeit gern beschworen, um sich vom Islam abzugrenzen. Doch der Vereinnahmung der Juden zur Verteidigung des Abendlands widerspricht das prekäre Lebensgefühl vieler, die ihr Judentum offen leben. Zwar gibt es durch die Einwanderung aus dem Osten eine neue Blüte; erstmals nach dem Holocaust. Doch wer wissen will, wie es heute um das jüdische Leben in Europa steht, der stößt auf Beklommenheit, Verunsicherung und Angst – das zeigt sich auf einer Reise nach Amsterdam, Malmö und Budapest.
»Bewusste Juden«, so wurde am 5. Dezember der liberale Politiker Frits Bolkestein in der Zeitung De Pers zitiert, »müssen sich darüber klar werden, dass sie in den Niederlanden keine Zukunft haben.« Sie sollten mit ihren Kindern lieber nach Israel oder in die USA emigrieren. Der 77-jährige Bolkestein war Vorsitzender der regierenden liberalen Partei VVD und später EU-Kommissar. Bolkestein habe, so Evers, seine Landsleute warnen wollen. Aber die Grünen, die sonst gerne über Rassismus reden, kritisierten den Überbringer der schlechten Nachricht. Ihre Spitzenkandidatin Femke Halsema erklärte, Bolkestein müsse wohl den Verstand verloren haben. Für Rabbiner Evers sind solche Reaktionen Teil des Problems.
Er ist als Direktor des Rabbinerseminars das Gesicht des Judentums im Lande. Er ist ein lebensfroher Typ. Er will kein Opfer sein, und er muss seiner Gemeinde Zuversicht vermitteln. Leicht ist das nicht. Das Klima sei »nicht gut« für »offen lebende Juden«, sagt er: »Aber wir dürfen nicht fliehen. Damit würden wir ja den Antisemiten recht geben! Sprechen Sie mit meinem Sohn, der kann Ihnen mehr erzählen.«
Benzion Evers ist wie sein Vater in der Gemeinde tätig. Aber nicht mehr lange: »In einem Jahr bin ich weg. Ich beende noch mein Studium, dann gehe ich mit meiner Frau nach Israel. Mein Vater sagt das zwar nicht öffentlich, aber ich glaube, nach seiner Pensionierung geht er auch weg.« Der 22-jährige Benzion hat sich schon in der Pubertät darauf eingerichtet, dass man in der Stadt besser keine Kippa, sondern eine Baseballkappe trägt. Er hat gelernt, den arabischstämmigen Schülern, die ihn und seine jüdischen Freunde als »Kanker Joden« (Krebsjuden) mobben, aus dem Weg zu gehen. Und er hat sich damit abgefunden, dass er sich permanent für Israels Politik rechtfertigen muss: »Man kann so leben. Aber es nimmt einem die Luft zum Atmen, wenn man seine Religion und seine Identität verstecken muss. Unseren Kindern wollen wir das nicht zumuten.« Benzion betont, er fliehe nicht nach Israel. Fünf seiner neun Geschwister sind schon in Israel. »Vielleicht macht der Antisemitismus nur den kleineren Teil meiner Entscheidung aus«, sagt Benzion. »Aber als Holländer finde ich, in unserem Land sollte so etwas überhaupt keine Rolle spielen.«
Seine Großmutter, Bloeme Evers-Emden, geboren 1926, ist eine Auschwitz-Überlebende. Sie war auf dem gleichen Transport wie Anne Frank. Sie kam zurück und lebte als Zeitzeugin in Amsterdam. Heute unterstützt sie seine Entscheidung. Eine Million Besucher kamen letztes Jahr ins Anne Frank Haus und ließen sich vom Schicksal dieser Ikone des Leides unter den Nazis bewegen. Wozu dient die Vergangenheitsbewältigung, wenn zugleich die Familien von Überlebenden aus dem Land gegrault werden?
Wer Frits Bolkestein in seinem Büro mit Amstel-Blick aufsucht, findet einen weißhaarigen Herrn vor, der einen sehr klaren, wenn auch bedrückten Eindruck macht. »Wenn Orthodoxe hier in Amsterdam eine Bar-Mizwa feiern, brauchen sie Wachleute. Die jüdischen Gemeinden müssen bei uns für ihre Sicherheit selbst bezahlen, die Regierung und die Stadtverwaltung schauen weg. Und die Politik hat Angst, das Problem anzugehen.«
Der muslimische Antisemitismus ist ein unangenehmes Thema in den Einwanderungsgesellschaften Europas, deren politisches System von Rechtspopulisten bedroht wird. Geert Wilders hat gleich versucht, aus Bolkesteins Äußerungen Profit zu schlagen: Nicht die Juden, sondern die Marokkaner müssten gehen. Die Parteien der Mitte scheuen sich, das Thema aufzugreifen, weil es Wilders nutzen könnte.
Seit Jahren findet eine schleichende Verrohung des öffentlichen Raums statt: Weil Ajax Amsterdam als »jüdischer Club« gilt (im Vorstand und auch im Team gab es gelegentlich Juden), rufen die Fans des Konkurrenten Feyenoord Rotterdam von den Stadionrängen »Hamas, Hamas, Juden ins Gas!«. Erst seit sich ein paar Holocaust-Überlebende darüber in Briefen an die Vereine beschwert haben, beginnt die Liga einzuschreiten.
Seit dem Gazakrieg nimmt der Antisemitismus zu. 2009 – im letzten erfassten Zeitraum – wurde eine Steigerung der judenfeindlichen Straftaten um 48 Prozent registriert. Im Januar 2009, während des israelischen Krieges gegen die Hamas in Gaza, wurden 98 Taten gezählt, neun gewalttätig. Anfang Januar 2011 wurden mitten in Amsterdam Werbeplakate für ein Anne-Frank-Theaterstück mit dem Wort »PaleSStina« überschmiert.
Trotz der Vergangenheit kommen immer mehr junge Israelis nach Europa – ausgerechnet Berlin ist in den letzten Jahren zum Lieblingsreiseziel aufgestiegen. Gleichzeitig entdecken junge Europäer ihr Judentum wieder. Aber viele Juden, besonders orthodoxe, leben wie Rabbiner Evers – vorsichtig, innerhalb selbst gezogener Grenzen. Es gibt einen antisemitischen Alltag, einen offenbar akzeptierten Normalpegel des Hasses – auch in Deutschland: Jahr für Jahr werden im Schnitt 50 jüdische Friedhöfe geschändet, statistisch also jede Woche einer. Es sind meist Juden, die sich um den Antisemitismus kümmern müssen. Auch darum hat sich eine Bedrücktheit über das jüdische Leben gelegt.
Die Frage, wie tolerant Europa ist – wie der Alte Kontinent mit religiöser Vielfalt umgeht –, ist zuletzt anhand von Kopftüchern, Minaretten und Burkas diskutiert worden. Die Offenheit für Muslime ist zu Recht zum Maßstab geworden für das multireligiöse Europa. Darüber droht aus dem Blick zu geraten, wie sich alte Vorurteile, eine neue Demografie und der ewige Nahostkonflikt zu einer giftigen Mischung verquirlen, die Juden das Leben schwer macht. Das multireligiöse Europa muss zeigen, dass die Lehren aus dem Holocaust für alle gelten, auch für die Einwanderer und ihre Kinder.
Eine treibende Kraft der letzten Welle antisemitischer Taten sind muslimische Jugendliche, die selber unter der Engherzigkeit der europäischen Gesellschaften leiden, wenn sie Symbole ihres Glaubens tragen. Zwar wäre es falsch, nur auf sie zu schauen: Ungarn hat nahezu keine Muslime und doch ein wachsendes Problem mit Judenhass. Hier hat nämlich – wie in Teilen Ostdeutschlands – der Rechtsradikalismus Wurzeln geschlagen und sich unter Ministerpräsident Viktor Orbán als normaler Teil des politischen Lebens etabliert. Das neue Phänomen des muslimischen Antisemitismus jedoch ist ein besonders heikles Thema für die Einwanderungsgesellschaften West- und Nordeuropas. Die Hassbekundungen einer kleinen Teilgruppe meist junger, männlicher Migranten muslimischer Herkunft gegenüber Juden gefährden den Religionsfrieden in einem zunehmend multireligiösen Europa.
Auch in Malmö stößt man auf das Wort Gaza, wenn man nach Erklärungen für die Ereignisse der vergangenen Jahre sucht. Aber was hat Fred Kahn, der Vorsitzende der kleinen Gemeinde von Südschweden mit ihren 800 Juden, mit dem Stück Land zu tun, in dem die Hamas regiert? Der freundliche Herr mit Glatze und Schnurrbart, ein pensionierter Professor für Biochemie und Mikrobiologie, ist Schwede durch und durch. Früher, sagt Kahn, war Judenhass ein Phänomen der südschwedischen Neonazi-Szene. Heute machten vor allem Jugendliche aus dem islamisch geprägten Einwanderermilieu Probleme. Fast ein Fünftel der Bevölkerung Malmös ist muslimisch. Fred Kahn betont mehrfach, dass »99 Prozent der Muslime absolut friedlich« seien. Es gebe exzellente Verbindungen zu islamischen Gemeinden. Der Zentralrat der Juden, betont er, habe sich seit Jahren gegen die in Schweden grassierende Islamophobie gewandt. »Wir wissen«, sagt Kahn, »dass es überall, wo gegen religiöse Minderheiten gehetzt wird, am Ende auch gegen die Juden geht. Wir sind gegen Kopftuch- und Minarettverbote und verteidigen jedermanns Religionsfreiheit.«
Die Frage ist allerdings, wer für die Freiheit der Juden einsteht, unbehelligt Zeichen ihrer Religion zu tragen wie die Kippa oder den Davidstern. Der Rabbiner der Gemeinde, ein Orthodoxer, wurde auf der Straße mehrfach schon als »Scheißjude« beschimpft, den man »leider vergessen habe zu vergasen«. Seit dem Gazakrieg, sagt Kahn, sei das Klima so feindselig geworden, dass die meisten die Kippa lieber zu Hause lassen. Es gab Brandanschläge auf eine Kapelle, Verwüstungen jüdischer Friedhöfe und Pöbeleien gegen die Teilnehmer eines jüdischen Kinder-Ferienlagers. Etwa 30 jüdische Familien, schätzt der Vorsitzende, hätten die Stadt bereits verlassen, seit die Angriffe zunehmen. Manche gingen nach Stockholm, wo es mehr jüdische Infrastruktur gebe, in der man sich sicher fühlen könne, manche auch nach England oder Israel.
Der sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt, Ilmar Reepalu, hat lange geschwiegen. Nachdem Berichte lokaler Medien den Antisemitismus skandalisierten, gab er ein Interview, das in Fred Kahns Augen alles noch schlimmer machte. Reepalu forderte von Malmös Juden, »sich klar von den Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel gegen die Zivilisten in Gaza zu distanzieren«. Diese Äußerung kommt einer symbolischen Ausbürgerung gleich. Eine Ungeheuerlichkeit: Müssen sich schwedische Juden von Israel distanzieren, um sich das Recht auf Unversehrtheit als Bürger zu verdienen? Der Bürgermeister aber setzte in einem späteren Interview noch nach: »Wir akzeptieren weder Zionismus noch Antisemitismus noch andere Formen ethnischer Diskriminierung.« Das ist eine subtile Version der Behauptung, der Zionismus sei eine Form des Rassismus wie der Antisemitismus. Ein linker Bürgermeister, der sich nicht vor seine jüdischen Bürger stellt und stattdessen den als »Antizionismus« posierenden Affekt gegen Juden auch noch füttert? »Wenn Juden aus der Stadt nach Israel auswandern wollen, hat das für Malmö keine Bedeutung«, sagte er. Reepalu ist weiter im Amt und wird von seiner Partei gestützt.
In Budapest kommen die Angriffe gegen Juden aus einer anderen politischen Richtung. Ungarn hat mit über 100 000 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde Osteuropas. Nach dem Kollaps des Kommunismus gab es ein wahres Revival jüdischen Lebens. Die größte und schönste Synagoge des Kontinents steht an der Dohany-Straße im Zentrum der Hauptstadt, und Péter Feldmájer, Vorsitzender des ungarischen Zentralrats, residiert in einem holzgetäfelten Büro an ihrer Rückseite. Seine Augen leuchten, wenn er von den Tausenden nichtjüdischen Gästen spricht, die jedes Jahr zum jüdischen Sommerfest kommen. Seine Synagoge ist eine der Hauptattraktionen für Touristen, seit sie aufwendig saniert wurde.
Leider hatten auch die Rechtsradikalen ein grandioses Revival in den letzten Jahren. »Unter dem Kommunismus«, so Feldmájer, »war das alles verboten. Da konnte man es nicht sehen, aber es war immer da. Heute ist es wieder völlig normal, jemanden in der Öffentlichkeit als ›verdammten Juden‹ zu beschimpfen – als hätte der Holocaust nie stattgefunden. Was übrigens viele aus dieser Szene behaupten.«
Kristof Domina, ein junger Politikwissenschaftler, hat soeben das Athena Institute gegründet, einen Thinktank, der sich mit der rechtsradikalen Szene Ungarns beschäftigt. Er hat eine interaktive Karte der hate groups veröffentlicht, darunter 13 aktive Neonazi-Gruppen. Die Internetplattform kuruc.info, die regelmäßig den Holocaust leugnet und zur Gewalt gegen Roma und Juden auffordert, hat nach Dominas Erkenntnissen täglich bis zu 100 000 Besucher – eine erschreckende Zahl in einem Land von 10 Millionen Einwohnern. Kristof ist einer der wenigen nichtjüdischen Kritiker des Antisemitismus im Land. Er hofft, dass Ungarns EU-Ratspräsidentschaft die Aufmerksamkeit für diese Entwicklungen erhöht. Péter Feldmájer wünscht sich eine klare Verurteilung des alltäglichen Antisemitismus durch die Regierung. Aber er glaubt wohl selbst nicht daran. Orbáns konservative Regierungspartei Fidesz zögert, die offen antisemitische Partei Jobbik seit deren Zwölf-Prozent-Wahlerfolg im vergangenen Jahr in die Schranken zu weisen.
Für junge Juden wie die Studenten Tamás Büchler und Anita Bartha, beide Anfang 20, ist es eine Last, sich mit überwunden geglaubten Stereotypen zu beschäftigen. Sie engagieren sich in jüdischen Gruppen – Tamás als Koordinator für die Jewish Agency, Anita für eine lokale Jugendgruppe namens Jachad. Sie suchen eine positive Identität, sie wollen weg von deprimierenden Themen wie Holocaust und Antisemitismus. Die offizielle Vertretung der Juden, finden sie, reite zu viel darauf herum. Sie gehören zu der Generation, die nach dem Kommunismus in Freiheit das Judentum wiederentdecken konnten, das ihre Eltern oft verheimlichen mussten. Die beiden tun die ungarischen Nazis als hässliche Folklore ab. Sie weigern sich, ihr Judentum von außen festlegen zu lassen und ihr Leben in Angst zu verbringen.
Vielleicht sind die Nazis mit ihren Pfeilkreuzen und Árpád-Bannern gar nicht das größte Problem. Anita berichtet von einer Untersuchung, nach der 40 Prozent der Geschichtsstudenten an ihrer Uni antisemitische Klischees vertreten. Tamás geht mit einem Aufklärungsprojekt in Schulklassen und muss immer wieder erleben, dass die Kinder darüber erstaunt sind, dass er keine große Nase hat. Er lacht, aber es klingt ein bisschen bitter. Wenn man die beiden fragt, wo sie ihre Zukunft sehen, lautet die trotzig-stolze Antwort: »Wir müssen nicht hier bleiben, anders als unsere Eltern unter dem Kommunismus.«
Aber zu gehen käme ihnen vor wie Verrat oder Niederlage. Entschieden haben sie noch nichts. Aber es ist beruhigend, die Option zum Gehen oder Bleiben zu haben: »Ich liebe diese Stadt wie verrückt«, sagt Anita. »Es ist die beste Stadt der Welt.«
“Diese leute wären mit hilfe dieses Themas niemals hochgekommen, wenn nicht das problem schon vorher, vor ihren erfolgen, eben von den “ Parteien der Mitte ” ‘gescheut’ worden wären.
Volltreffer. Heute haben Sie wirklich Ihren guten Tag.”
Jow. Ebenso wie Sarrazin nicht so erfolgreich sein Buch hätte verkaufen können, wenn nicht alle über ihn hergefallen wären.
Es ist albern ein Thema nicht aufzugreifen, weil es Gruppierungen besetzt, mit denen man sich nicht gemein machen möchte. Wer so denkt, läßt sich diktieren, welche Themen er wie behandelt und entscheidet nicht selbst, was er wie behandeln möchte. Das ist ein Armutszeugnis offen zu bekennen, sich von Themen zu distanzieren nicht aus Überzeugung, sondern weil der politische Gegner sie besetzt hat.
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Meine linken Freunde, vor ein paar Jahren entsetzt über meine Ansichten zum Islam, reden unterdessen vom antisémitisme rampant des Islam – als ob der nicht offensichtlich sondern unterschwellig wäre.
Der Blogmeister passt in diese Tradition: Schuld sind eigentlich die Islamophoben. Die hetzen. Also können die Muslime gar nicht anders.
Denn Muslime sind in dieser Logik keine Menschen mit eigenem Verstand.
Das ist für mich wahre Rassismus der Linken.
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@ Zagreus
“Die ‘Engherzigkeit’, wie sie es formulieren, trifft diese leute in eigentlich allen europäischen gesellschaften, gerade auch in vielen, die vormals für iohre toleranz berühmt waren – das liegt nämlich am verhalten allzuvieler aus dieser gruppe, daß man ihnen mit misstrauen udn ablehnung begegnet – gerade auch den offensiv religiös lebenden moslimen.”
Sie meinen also der Moslem an sich ist selber schuld an der Islamophobie? So wie der Jude am Antisemitismus nehme ich an? Ich denke Sie sollten mal Nachhilfestunden beim Zentrum für Antisemitismusforschung nehmen, da sehen sie die historischen Parallelen genau und merken vielleicht in welchem Fahrwasser Sie sich somit befinden…
Und warum können sich wohl Marokkaner in den Niederlanden und Somalier in Schweden, so leicht mit den Palästinensern identifizieren…
Weil sie sich so fühlen: Als Muslime von einer fremden Mehrheitsgesellschaft ungerecht behandelt, als Menschen in die zweite Reihe verstossen, nicht angenommen sondern ausgegrenzt werden…
Als Muslim in Europa ist es sehr leicht sich mit den Palästinensern zu identifizieren, weil es einem die ablehnende Gesellschaft nahelegt sich nur unter seinesgleichen zu bewegen, weil man einfach nie akzeptiert wird. Die Palästinenser haben statt unwürdige Behandlung Menschenrechte verdient, das sieht jeder so. Muslimische Jugendliche, die zum xten Mal an der Disko unbegründet abgewiesen werden (“Kein Zutritt für Schwarzköpfe”) und auch sonst keinen Respekt von aussen erfahren, die fühlen sich dann eben so wie am Checkpoint, auch wenns insgesamt in Palästina gefährlicher ist, weil es da um Leben und Tod geht…
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@ Tarek85
Nachhilfestunden beim Zentrum für Antisemitismusforschung
Da sind Sie an der richtigen Adresse.
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“Schuld sind eigentlich die Islamophoben.”
Was als Erklärung für das Nichtaufgreifen bestimmter Strömungen eigentlich eine Frechheit ist. Dass Jörg Lau es besser weiß, hat er in dem Artikel vorher beschrieben, dass nämlich diejenigen, welche de neuen Antisemitismus ansprechen, Anfeindungen der Linken ausgesetzt sind. Er hat es anhand eines Beispiels genannt.
Es ist keine zehn Jahre her, dass es überhaupt möglich wurde, Probleme bei Einwanderern zu thematisieren. Das war eigentlich erst nach 9/11 möglich. Wer das früher machte, wurde in die Fascho Ecke geschoben. Heute sind wir da sehr viel weiter. Probleme werden benannt. Nun aber so zu tun, als sei es die Fscho Ecke, wegen der man bestimmte Dinge nicht anpacken möchte, ist fast als linker Hohn zu bezeichnen.
Ich finde es sehr richtig, dass eine Minderheit nicht gegen eine andere ausgespielt wird. Dass also Juden dazu dienen sollen, wegen muslimischen Antisemitismus Muslime auszugrenzen. Minderheitenschutz funktioniert nur umfassend. Alle müssen geschützt werden, denn gilt dieser Schutz für einen Minderheit nicht mehr, fällt der ganze Minderheitenschutz in sich zusammen. Es ist eine Frage der Zeit, wann dann die nächste Gruppe dran ist.
Die jüdischen Vertreter des Zentralrates sind sich dessen auch sehr bewusst und nehmen deshalb, wo immer es geht, Muslime in Schutz. Auch denke ich, es kann nicht sein, dass es der Zentralrat sein muss, welcher Antisemitismus thematisieren soll. Das muss aus der gesellschaftlichen Mitte kommen. Andersherum sehe ich dieses starke Einsetzen nicht so. Ist aber letztlich auch nicht die Aufgabe der muslimischen Verbände und von daher voll o.k. und jetzt für die Kopten haben sich die muslimsichen Verbände eingesetzt. Das habe ich sehr positiv registriert.
Wie wir es aber aktuell haben, ist es so, dass jüdische Interessen nicht verteidigt werden, weil man Muslimen nicht auf den Fuß treten will. Dafür habe ich ein Stück weit Verständnis, weil ich auch das Problem sehe, wie spricht man das an, ohne Muslime insgesamt zu stigmatisieren.
Es ist aber hahnebüchend und an den Haaren herbeigezogen, dass eine laute Thematisierung unterbleibe, weil man sich nicht mit Gerd Wilders ect. gemein machen will. Ich würde gerne mal wissen, welcher Politiker das Jörg Lau gesagt haben soll oder ob es sich das so ausgedacht hat, als Erklärung, weil es in sein Schema passt.
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Nachtrag:
allein die populistischen Reflexe von Gabriel und Merkel nach der Sarrazin Debatte, die sich weitaus schärfer äußerten als es Sarrazin tat, zeigten doch, als die mitbekamen, wie hoch die Verkaufszahlen des Buches sind, dass die sofort ihre Chance witterten, hier Wählerstimmen fischen zu können und in die Vollen gingen. Jetzt so zu tun, als ob Politiker nicht dankbar Themen aufgreifen, die ihnen Stimmen versprechen, ist einfach abwegig insbesondere weil wir erst kürzlich erlebten, wie schnell scharfe Worte in in Hoffnung auf Wählerstimmen fallen. J.L. beschrieb das ja auch in einem Artikel und nun hier plötzlich das absolute Gegenteil.
Da muss man nur mal an die FDP Flugblätter von Möllemann denken. Man witterte Stimmen und zack war man sich nicht zu schade, in Deutschland Palästinenser zum Wahlkampfthema zu machen.
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“hat er in dem Artikel vorher beschrieben, ”
Nicht in einem Artikel, sondern in einer Antwort im Kommentarbereich an mich.
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“ Als Muslime von einer fremden Mehrheitsgesellschaft ungerecht behandelt, als Menschen in die zweite Reihe verstossen, nicht angenommen sondern ausgegrenzt werden… ”
ja, genau, gerade die schweden sind ja berühmt für ihre menschenverachtende Intoleranz gegenüber den ausländern, und erst die Holländer – schon immer ein rassistenland ohne ende.
Und wissen sie was – die familienoberhäupter der großen europäischen Familien, vor allem die aus schweden und den niederlanden, die haben sich heimlich auf einer konferenz namens “haut-den-muslim-in-die-pfanne!” vor langer zeit getroffen und dort beschlossen, daß sie all die zureisenden Moslime schlecht behandeln werden. und damit das nicht so auffällt, haben sie sich getarnt, indem sie all die anderen migranten und auch ein paar ausgewählte von den muslimen im gegenzug gut behandeln würden. Eigentlich stecken die alle unter einer decke mit diesen schlimmen, rassisten-familienoberhäuptern, bei der verfolgung der sittlich so reinen muslime, die einfach jeden nach seinen vorstellungen glücklich sein lassen wollen.
Wir europäer hatten noch nie was besseres zu tun als muslime zu jagen, immerhin sind uns die juden ausgegangen, gelle? – und darum ist ja auch die vorurteile gegenüber muslimen so unbegründet wie die vormals gegen Juden – sind doch gerade muslime, wie man am verhalten vieler aus diesen gruppierungen sehen kann oder in den muslimisch dominierten Ländern, solch vorbilder an toleranz, offenheit und religöse freiheit.
“ Muslimische Jugendliche, die zum xten Mal an der Disko unbegründet abgewiesen werden (“Kein Zutritt für Schwarzköpfe”) und auch sonst keinen Respekt von aussen erfahren, die fühlen sich dann eben so wie am Checkpoint, auch wenns insgesamt in Palästina gefährlicher ist, weil es da um Leben und Tod geht… ”
Ganz genau – sie werden auf keinen fall an der disko abgewiesen, weil die diskotürsteher allzuoft probleme mit dem madcho-verhalten, der streitlust und dem zücken von messern oder mit gewalt mit, wie sagten sie: ‘schwarzköpfen’ hatten – nein, nein – wie sie schon sagten: “unbegründet“, außer halt den puren europäischen rassismus gegenüber den unschuldslämmern muslimische jugendliche, die sich doch nur etwas wehren.
Da muss man sich einfach in europa, wo man doch so viel mühe sich gibt, sich erfolgreich zu integrieren, sich wie am checkpoint Palästina-Israel fühlen.
Warum packen sie nicht ihre sachen und gehen in die weltgegend der wahren freiheit – z. b. pakistan, Ägypten, oder dorthin, wo es noch echte meinungs- und redefreiheit gibt wie in die türkei – wie zu sehen am “tal der Wölfe II – Palästina”, dass im rassistenland deutschland abgelehnt wird?
Denn wie könnte es an den Moslimen selbst je liegen, wenn man sie ablehnt:
“ Sie meinen also der Moslem an sich ist selber schuld an der Islamophobie? ”
Es muss an allem anderen liegen – denn die moslime sind genauso unschuldig gegenüpber den ihnen entgegengebrachten ablehnung wie vormals die juden in deutschland. Können wir uns doch kaum retten vor lauter hochgradigen muslimischen naturwissenschaftlern, ja nobelpreisträgern oder erfolgreichen kaufleuten, Journalisten, Ärzten und Juristen – die unser städtisches kulturleben so nachhaltig positiv prägen wie vormals das 1% jüdischer Mitbewohner in der weimarer republik.
P. S.: Sie haben vergessen noch zu sagen, daß eigentlich die deutschen oder die europäer schuld am antisemitismus einiger paar weniger fehlgeleiteter jugendlicher muslime wären – es steckt nur implizit und nicht explizit in ihrem post.
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