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Wie Republikaner die Islamfeindlichkeit europäischer Populisten übernehmen

 

Der republikanische Abgeordnete Peter King, Vorsitzender des Innenausschusses (Homeland Security) im Kongress, wird in dieser Woche Anhörungen über die Radikalisierung amerikanischer Muslime halten.

Befürchtet wird eine Art Stimmungsmache gegen Muslime, was nach den Äußerungen von Peter King nicht auszuschließen ist. Er hat behauptet, Muslime würden der amerikanischen Polizei nicht bei der Aufklärung terroristischer Gefahren helfen. Die New York Times widerspricht dieser Behauptung mit Verweis auf eine Studie der Duke University, aus der hervorgeht, dass Muslime die ergiebigste Quelle von Tips im Kampf gegen die Radikalen in den eigenen Reihen sind.

Peter King reiht sich ein in die Ränge deren in den Reihen der  Republikaner und der Tea Party, die durch zunehmende antimuslimische Agitation ein großes Publikum finden.

Das ist eine interessante Entwicklung, die an das letzte Jahr mit dem Streit um die “Ground Zero Moschee” anschließt.

Peter Beinart stellt fest, dass die amerikanischen Konservativen immer “europäischer” werden. Europäischer im Sinne der Rechtspopulisten des alten Kontinents. Sie haben die Position aufgegeben, die noch unter George W. Bush galt: Krieg dem gewalttätigen Islamismus, Friede den Muslimen. Bush hat immer sehr darauf geachtet, dass seine religionsfreundliche Attitüde nicht als Bigotterie mißverstanden werden konnte. Er hat Moscheen besucht und Iftar gefeiert, um friedliebende Muslime von Extremisten zu unterscheiden. Der neue Dreh von Republikanern wie King besteht in dem umgekehrten Prinzip: Wo auch immer man kann, werden die Linien verwischt. Ein Kampf gegen eine “Moschee am falschen Ort” oder gegen “zu viele Moscheen in Amerika” wird als Kampf gegen den Islamismus definiert. Beinart:

Republicans like to claim that Democrats are the “European” party: the party that wants a big welfare state, believes in international law, and doesn’t think America is an exceptional nation. But I’ve noticed a certain Europeanification of the GOP of late, as regard to Muslims. For years, Republicans have explained that their brand of patriotism has nothing to do with blood and soil. Unlike right-wing European parties, which often fashion themselves bulwarks against the Muslim menace, Republicans—in their telling—defend the universal ideals of unfettered capitalism, traditional morality, and bucketloads for defense. They welcome anyone who adheres to those principles, no matter their complexion and faith (except perhaps if they don’t have one).

It would be nice if someone explained that to Representative Peter King.

42 Kommentare

  1.   MK

    Die deutschen REPUBLIKANER führen auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg einen massiven Antiislamisierungswahlkampf. Teilweise sind die Städte regelrecht zugepflastert mit REP-Plakaten.

  2.   Tschaeka

    Hier in Ba-Wü hab ich noch kein einziges Plakat der REPs gesehen.

    Von den Kleinstparteien bislang: NPD, BIG, Piratenpartei und DieLinke

    Die NPD titelt: machs ländle net hee, wähl…
    und: kein islamunterricht oder so ähnlich

    mfg

  3.   Arjen van Zuider

    @Tschaeka:
    Hier in Ba-Wü hab ich noch kein einziges Plakat der REPs gesehen.

    Ein REP-Plakat habe ich gesehen. “Unser Volk zuerst”. Zwar nicht explizit antiislamisch, aber ich vermute, für den Großteil der REP-Wähler kann kein Moslem jemals “Volksgenosse” sein.

  4.   Tschaeka

    Das ist eine interessante Entwicklung, die an das letzte Jahr mit dem Streit um die “Ground Zero Moschee” anschließt.

    In diesen Zusammenhang fiel ja auch der verrückte Pastor Terry Jones
    http://blog.zeit.de/joerglau/2010/09/10/kann-es-sein-dass-die-welt-gerade-durchdreht_4130

    Nun gab es da auf der du-weißt-schon-wer Website letztens ein Interview mit dem und da klingt er eigentlich relativ vernünftig.
    Vielleicht könnte dieser Pastor dabei behilflich sein, dass die amerikanischen Konservativen nicht immer “europäischer” werden.
    Er genießt bestimmt ein gewissen Ansehen unter den Islamhassern und könnte sie vielleicht positiv amerikanisch beeinflussen.
    Ein Versuch wär es sicher wert.

    Hier mal seine Worte:

    Als Amerikaner begreife ich die Rechte des Islam, die Rechte der Muslime, in unserem Land frei zu beten und Moscheen zu bauen. Als Amerikaner ist das nicht das Problem, das wir mit dem Islam haben, wir achten diese Rechte in unserer Verfassung. Das Problem, das wir haben, stellt sich mit dem radikalen Element des Islam, das unseren Lebensstil zerstören und vernichten will, unsere Zivilisation, das Element, dass unsere Verfassung und unsere Gesetze des Landes mit der Scharia ersetzen will. Da sind wir natürlich radikal dagegen. Wir heißen alle Muslime in unserem Land willkommen, die gewillt sind die Gesetze des Landes zu befolgen, sich ihnen zu beugen und sie anzuerkennen, mit anderen Worten der Verfassung der vereinigten Staaten.

    Muslime, ihre Religion und ihre Moscheen sind in unserer Gesellschaft tatsächlich willkommen. In unserer freien Gesellschaft achten wir die Menschenrechte von Personen und ihre Zivilrechte, in denen wir ihr Recht zu beten achten und Moscheen zu bauen. Das ist kein Problem. Dennoch gilt es sehr klare Grenzen zu setzen, wenn es um den politischen Aspekt des Islam geht. Die Scharia, der Umsturz unserer Regierung, diese Art von Dingen sind in unserer Gesellschaft nicht willkommen.

  5.   Saki

    Jörg Lau,

    gerade nach der Affäre um unseren ehemaligen Kriegsminister hätte ich etwas mehr Einsatz von kritischem Hirnschmalz beim Genuss pompöser, hochtrabender Studien erwartet. Nur weil ein Trottel an einer Uni eine depperte Studie publiziert, weil er sonst nichts sinnvolles zu tun hat, heißt das noch lange nicht, dass dahinter eine großartige Erkenntnis steckt. So auch hier. Woher sollen denn die Tips im Kampf gegen radikele Muslime kommen? Etwa aus dem Freundeskreis der Sachertortenbäcker in Amerika?

    Dass die ergiebigsten Tips zum Kampf gegen radikale Muslime von nicht ganz so radikalen Muslimen kommen, ist eine Binsenweisheit, die keiner Studie bedarf und die außerdem nicht beweist, dass dieses Milieu besonders kooperationswillig ist.

    Im Übrigen ist die Befürchtung, dass Peter King eine Stimmungsmache gegen Muslime betreibe, gänzlich überflüssig. Das schaffen die Muslime nämlich von ganz alleine.

  6.   marriex

    @ Saki

    Das schaffen die Muslime nämlich von ganz alleine.

    Das sehen Sie ganz falsch, Sie haben wohl die Protokolle der Weisen von achgut noch nicht gelesen.

  7.   Thomas Holm

    Moderater zivilgesellschaflicher Demokratieislam begegnet westlich inspirierten 8. März Aktivistinnen auf dem Tahrirplatz:

    http://www.monstersandcritics.com/news/middleeast/news/article_1624512.php/Protest-for-women-s-equality-in-Egypt-ends-in-violence

    Obamas Integrationsberaterin kommentiert wie folgt:

    http://aawsat.com/english/news.asp?section=2&id=24425

  8.   Leutnant Gustl

    “Radikalen in den eigenen Reihen”

    Das ist der Punkt.

  9.   Publicola

    – Zum Stand der aktuellen Diskussion in den USA –

    » …The White House is pushing a message of religious tolerance ahead of this week’s congressional hearing on Islamic radicalism, which has sparked protests on grounds it unfairly singles out Muslims as potential terrorists.
    President Barack Obama sent his deputy national security adviser, Denis McDonough, on Sunday to a Washington-area mosque known for its cooperation with the FBI and its rejection of the al-Qaida brand of Islam.
    “Being religious is never un-American. Being religious is quintessentially American,” McDonough said.

    Speaking to an interfaith forum of Muslims, Christians, Jews and other faiths, McDonough, the president’s point-man on countering violent extremism, was clear: “We’re all Americans.”

    The majority of the recent terror plots and attempts against the U.S. have involved people espousing a radical and violent view of Islam, making it difficult to ignore the role religion plays in this particular threat. But focusing too closely on Islam and the religious motives of these attempted terror attacks also threatens to alienate an entire community that has nothing to do with these violent beliefs.
    New York Republican Peter King, chairman of the House Homeland Security Committee that is holding the hearings, thinks the Muslim community can and should do more to help law enforcement thwart these attacks.

    McDonough said Muslim Americans are not the problem, but part of the solution.
    “No community can be expected to meet a challenge as complex as this alone,” McDonough said. “No one community can be expected to become experts in terrorist organizations, how they are evolving, how they are using new tools and technology to reach our young people.”

    The Muslim community has been integral in tipping off law enforcement in many of the plots uncovered over the past two years.
    In 2009, the Muslim community came forward when they learned five Northern Virginia men had traveled to Pakistan with the hopes of joining a terrorist organization.
    McDonough said agencies throughout the Obama administration would continue working to understand the process of radicalization.
    He also promised further outreach to Islamic communities in the United States, as well as efforts to dispel “misperceptions about our fellow Americans who are Muslim.” … «

    March 7, 2011
    http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=134307474

  10.   MK

    Also ich habe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz viele Plakate der Republikaner gesehen. “Wir lassen die Kirche im Dorf und die Moschee in Istanbul” und irgendwas mit “Sarrazin hat recht” und “das Boot ist voll”.