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Ägypten verurteilt Blogger: auf dem Weg zur Militärdiktatur?

 

Fällt Ägypten zurück in die Tyrannei der Mubarak-Ära – ausgerechnet im Moment, in dem Mubarak vor Gericht gestellt wird?
Am Sonntag ist ein bemerkenswerter junger Mann in Abwesenheit zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Maikel Nabil Sanad ist ein 26jähriger Blogger und Aktivist, der zu den Revolutionären vom Tahrir-Platz gehörte. Wenn die ägyptische Revolution eine Facebook-Revolution war, dann ist Maikel Nabil Sanad der erste Facebook-Gefangene der neuen Zeit.

Maikel Nabil Sanad

Das Militärgericht hat ihn nämlich wegen eines Blog-Artikels und seiner Facebook-Kommentare verurteilt, in denen er Menschenrechtsverletzungen des Militärs angeprangert hat. Das zeigt, wie eng die Grenzen des Sagbaren in Ägypten jetzt gezogen werden, wenn es um die wahren Machthaber im Lande geht: die Militärs.

Maikel Nabil Sanad ist ein erstaunlicher Mann: von Ausbildung her Tierarzt, hat der Kopte vor 2 Jahren eine Gruppe begründet, die das Recht auf Kriegsdientsverweigerung einklagt. Er selbst hat aus Gewissensgründen den (obligatorischen) Dienst an der Waffe verweigert. Außerdem hat er sich immer für Israel ausgesprochen, eine wahrhaft mutige Tat in Ägypten. Zwar hat er die gegenwärtige israelische Regierung auf Facebook auch für ihr Verschleppen des Friedensprozesses kritisiert, aber dennoch hat er immer Israel als eine Demokratie verteidigt. (Wow, dDer Junge ist wirklich ein Gefahrensucher.) Während der Proteste auf dem Tahrir ließ er sich vom isarelischen Fernsehen interviewen und bat die israelische Öffentlichkeit um Solidarität mit der Demokratiebewegung. Mubaraks außenpolitische Instrumentalisierung des Friedens mit Israel, kombiniert mit antizionistischer Propaganda daheim, hat er stets kritisiert.

Passt so ein Querkopf nicht ins neue Ägypten?

Die westlichen Regierungen, die beim  Aufbau der Demokratie in Ägypten helfen wollen, müssen seine Verhaftung aufs schärfste verurteilen und auf seine sofortige Freilassung dringen.

Maikel war bereits während der Demonstrationen im Februar verhaftet worden. Er hat über die Tage in Haft einen Bericht verfasst. Dieser Bericht sollte Warnung und Ansporn an die Demonstranten sein, nicht nachzulassen, weil sonst allen das gleiche Schicksal drohen würde. Nun ist Maikel vielleicht sein Mut zum Verhängnis geworden.

In dem Bericht heißt es:

I’m writing this time not to take revenge, but to let people know what would happen to them if this revolution failed. Our revolution will protect us from these actions to be repeated against me and all of you.

War das eine flüchtige Hoffnung?

p.s. Maikel hat aus der Haft eine Note an Mideast Youth schmuggeln können. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Geist:

In oppressive countries, the noble persons dwell behind the bars. Don’t grieve my friends, I’m in the normal place!

I’ve made a mistake when I was in Hisham Mubarak Law Center once, and declared my intention to write a sequel to my article “The army and the people were never one hand.” However, when I get detained in order not to write a specific article, it becomes the most valued testimony I could ever receive in my lifetime!

This is the seventh time to get detained; Two times in Syria, two times at the hands of the Egyptian police, and three times at the hands of the Egyptian military. How many times are required before I can live free?!

In Mubarak’s era, detentions were issued by administrative decisions. But nowadays, blessed with the Military Council, detentions pass through military court rulings!

Yesterday, Saturday 9th April 2011, I’ve commemorated the second anniversary of No for Compulsory Military Service Movement by drinking juice and eating some pieces of chocolates. O’ Egypt! Why do you always steal our joy deliberately?!

I’m reminiscing Mubarak and State Security days now! At least, I have never been sent to prison, and neither beaten by a state security officer, nor sexually harassed!

Weirdly enough, on the walls of the opposite cell, some prisoner has inscribed “This is from the favour of my Lord.*” Is this your favour, Lord? Do You really bless those who kill and torture our brothers?!

142 Kommentare


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  7.   Serious Black

    Die Kopten organisieren im Angesicht der Pogromstimmung den Selbstschutz:
    >Members of the Coptic community in the working-class neighborhood of Imbaba in northwest Cairo are forming groups for self-defense after recent sectarian clashes left 12 dead and hundreds injured.

    Copts in Imbaba, who expect more clashes in coming months, say they have organized small groups to protect churches as well as homes and businesses owned by Copts.<
    http://www.almasryalyoum.com/en/node/428926

  8.   Frieeway

    Egyptian Christians say they are ‚under organised attack‘

    A priest whose church was at the centre of sectarian riots at the weekend has said Egyptian Christians were „under organised attack“ as religious authorities warned the country was at risk of civil war.

    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/egypt/8503887/Egyptian-Christians-say-they-are-under-organised-attack.html

  9.   Publicola

    – Syrien –

    … Das Dokument [eine Geheimakte des syrischen Staatssicherheitsdienstes] wurde den Aktivisten vermutlich von Sympathisanten innerhalb des Sicherheitsapparats zugespielt und kursiert seit einigen Tagen im Internet.

    Auf den 23. März datiert, enthält es geheimdienstliche Operationspläne zur Zerschlagung der Demokratiebewegung, die allem Anschein nach seitdem zumindest teilweise auch umgesetzt wurden. …

    Eine Verschwörungstheorie zum angeblich aus dem Ausland gelenkten Versuch, das syrische Regime zu stürzen, solle in Umlauf gebracht werden; als Hauptdrahtzieher nenne man den Generalsekretär des saudischen Nationalen Sicherheitsrates, Bindar Ibn Sultan. …

    … Auch sollten Assads Agenten, als demokratische Aktivisten getarnt, bei friedlichen Demonstrationen Gewaltakte provozieren; die Vertreter der ausländischen Medien hatte man mit falschen Informationen über die angeblich gewalttätigen Demonstranten zu versorgen. Die verschiedenen Spezialeinheiten waren, nach dem Geheimdokument, zwar gehalten, nur im äußersten Notfall das Feuer auf die Protestierenden zu eröffnen; im Falle einer Eskalation sollten Scharfschützen einige von ihnen erschießen, aber „nicht mehr als jeweils zwanzig“.

    … Dass sich unter den Opfern vereinzelt auch Angehörige des Sicherheitsapparats befinden, scheint Resultat des wohl perfidesten Teils dieses Plans zu sein. Denn „akzeptabel“ sei, auf die eigenen Leute zu schießen, um hinterher den Demonstranten die Schuld daran zu geben. Mit Provokationen sollten die verschiedenen ethnischen Gruppen im Land, insbesondere Alawiten und Sunniten, gegeneinander aufgewiegelt werden.

    Dagegen setzen sich jetzt die Demonstranten zur Wehr, wenn sie betonen, dass sie keine „taifiin“ (ethnische Separatisten) seien.

    Mit der Enthüllung des Geheimdienstberichts, dessen Echtheit in der arabischen Welt kaum einer anzweifelt, ist den syrischen Demonstranten ein Coup gelungen …

    Artikel „Entlarvter Geheimdienst – Desinformationspläne in Syrien bekanntgemacht“
    von Joseph Croitoru
    FAZ – 20.04.2011, Nr. 93, S. 29
    [leider nicht kostenfrei online-zugänglich]