Ein Blog über Religion und Politik

Wo der Innenminister recht hat

Von 8. August 2011 um 12:31 Uhr

Im “Spiegel” von heute sagt Hans-Peter Friedrich:

“Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikaler, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce. Irgendwann kann sich das zu einem geschlossenen Weltbild zusammenfügen. Aber daran sieht man: Das Internet stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Die Grundsätze unserer Rechtsordnung müssen auch im Netz gelten. In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf der Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein? Ich weiß, dass mir das in der Netzgemeinde wüste Beschimpfungen einbringen wird, aber warum müssen Fjordmann und andere anonyme Blogger ihre wahre Identität nicht offenbaren? Normalerweise stehen Menschen mit ihren Namen für etwas ein. Warum nicht auch ganz selbstverständlich im Internet?”

Ja, warum eigentlich nicht? Viele hier in diessem Blog tun es, und darunter die substantiellsten Beiträger. Das ist kein Zufall. Mit seinem Namen einzustehen schützt nicht vor Irrtum, aber es diszipliniert und macht eine Entgegnung eigentlich erst recht möglich. Darum halte ich Anonymität auch nur dort für vertretbar, wo mit Sanktionen und Repressionnen zu rechnen ist. In Deutschland entfällt also diese Begründung grundsätzlich, wenn es nicht um Fälle von Whistleblowing oder konkrete Gefährdung durch repressive Regime geht, die auch hierzulande ihrer Opposition nachstellen.

Ein Argument der Befürworter des Burka-Verbots hat mich immer überzeugt (ob es zur Begründung eines Gesetzes ausreicht, ist eine andere Frage): Der freie Austausch in der Öffentlichkeit setzt voraus, dass ich mein Gegenüber erkennen kann, dass ich ihm (ihr) buchstäblich und auch im übertragenen Sinn “in die Augen schauen kann”. Die Analogie zum Burka-Verbot ist die Ächtung der Anonymität im Internet unter den oben genannten Einschränkungen.

Ich wäre froh, wenn wir das hier durchsetzen könnten. Ein Gesetz braucht es dazu nicht, und ich bin froh, dass auch der Innenminister keines fordert.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich finde, wenn ich schon meinen Namen preis gebe, dann sollte bei mir eine sofortige Freischaltung des Kommentars folgen Herr Lau

    • 8. August 2011 um 12:42 Uhr
    • Cem Gülay
  2. 2.

    Mit seinem Namen einzustehen schützt nicht vor Irrtum, aber es diszipliniert und macht eine Entgegnung eigentlich erst recht möglich.

    Ich habe die Beobachtung gemacht, daß Vielschreiber i.d.R. mehr auf Inhalt, Ausdruck und (N)Etikette achten, als Wenigschreiber.

    Die Anonymität spielt dabei keine so große Rolle.

    • 8. August 2011 um 12:43 Uhr
    • Serious Black
  3. 3.

    Damitistallesgesagt.

    • 8. August 2011 um 12:51 Uhr
    • M. Riexinger
  4. 4.

    @ SB

    Ich habe die Beobachtung gemacht, daß Vielschreiber i.d.R. mehr auf Inhalt, Ausdruck und (N)Etikette achten, als Wenigschreiber.

    Horst? Zagreus?

    • 8. August 2011 um 12:56 Uhr
    • M. Riexinger
  5. 5.

    @ MR

    Es gibt immer Ausnahmen.

    • 8. August 2011 um 13:00 Uhr
    • Serious Black
  6. 6.

    Serious B

    HJS (Wenigschreiber) ist ein Fall für sich. Macht auf Liberal, aber hinter der Fassade ist einiges nicht ganz koscher. Sein Hass auf mich, ist bei mir nicht abgeprallt

    Hier sind einige “Islam-Kritiker”, Sie, Zagreus, Neumann, Pbhu, Bredow, Bergpalme, selbst Mates. Kein Problem für mich! Man kann anständig diskutieren und ich fühle keinen Hass!

    • 8. August 2011 um 13:03 Uhr
    • Cem Gülay
  7. 7.

    Herr Lau,
    bin aber froh, dass Sie mir die Ausnahme gewähren, denn mit Sicherheit würde Herr Friedrich niemandem ein Haar krümmen, wenn ich bei der nächsten Iran-Reise im Teheraner Flughafen verhaftet werde. Genausowenig wie Herr Westerwelle sich dafür interessiert, wieviele Exil-Iraner mit deutschem Pass wegen Blog-Aktivitäten zurzeit in iranischen Gefängnissen sitzen.
    Gruß

    • 8. August 2011 um 13:07 Uhr
    • docaffi
  8. 8.

    Docaffi

    Im Tangsir-Blog hatte man gegen mich, auf übelste gehetzt. Kennen Sie die?

    • 8. August 2011 um 13:14 Uhr
    • Cem Gülay
  9. Kommentar zum Thema

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