Ein Blog über Religion und Politik

Die Psychologie der britischen Plünderer

Von 10. August 2011 um 13:05 Uhr

Ein interessanter Artikel von Zoe Williams im Guardian versucht den jungen Leuten auf die Spur zu kommen, die während der Krawalle Sportschuhe und Flachbildschirme klauen:

The first day after London started burning, I spoke to Claire Fox, radical leftwinger and resident of Wood Green. On Sunday morning, apparently, people had been not just looting H&M, but trying things on first. By Monday night, Debenhams in Clapham Junction was empty, and in a cheeky touch, the streets were thronging with people carrying Debenhams bags. Four hours before, I had still thought this was just a north London thing. Fox said the riots seemed nihilistic, they didn’t seem to be politically motivated, nor did they have any sense of community or social solidarity. This was inarguable. As one brave woman in Hackney put it: “We’re not all gathering together for a cause, we’re running down Foot Locker.”

I think it’s just about possible that you could see your actions refashioned into a noble cause if you were stealing the staples: bread, milk. But it can’t be done while you’re nicking trainers, let alone laptops. In Clapham Junction, the only shop left untouched was Waterstone’s, and the looters of Boots had, unaccountably, stolen a load of Imodium. So this kept Twitter alive all night with tweets about how uneducated these people must be and the condition of their digestive systems. While that palled after a bit, it remains the case that these are shopping riots, characterised by their consumer choices: that’s the bit we’ve never seen before. A violent act by the authorities, triggering a howl of protest – that bit is as old as time. But crowds moving from shopping centre to shopping centre? Actively trying to avoid a confrontation with police, trying to get in and out of JD Sports before the “feds” arrive? That bit is new.

By 5pm on Monday, as I was listening to the brave manager of the Lewisham McDonald’s describing, incredulously, how he had just seen the windows stoved in, and he didn’t think they’d be able to open the next day, I wasn’t convinced by nihilism as a reading: how can you cease to believe in law and order, a moral universe, co-operation, the purpose of existence, and yet still believe in sportswear? How can you despise culture but still want the flatscreen TV from the bookies? Alex Hiller, a marketing and consumer expert at Nottingham Business School, points out that there is no conflict between anomie and consumption: “If you look at Baudrillard and other people writing in sociology about consumption, it’s a falsification of social life. Adverts promote a fantasy land. Consumerism relies upon people feeling disconnected from the world.”

The type of goods being looted seems peculiarly relevant: if they were going for bare necessities, I think one might incline towards sympathy. I could be wrong, but I don’t get the impression that we’re looking at people who are hungry. If they were going for more outlandish luxury, hitting Tiffany’s and Gucci, they might seem more political, and thereby more respectable. Their achilles heel was in going for things they demonstrably want.

Kategorien: Debatte, Wer sind wir?
Leser-Kommentare
  1. 1.

    if they were going for bare necessities, I think one might incline towards sympathy.

    Warum zum Teufel sollte man eigentlich “sympathy” für Menschen haben, die Geschäfte anderer Leute verwüsten, Dinge stehlen und dort zu allem Überfluss auch noch zuweilen Feuer legen (den letztgenannten Aspekte spart Williams übrigens bewusst aus, indem sie sich im Wesentlichen nur mit “looing” befasst)?

    Zoe Williams gibt sich zwar alle Mühe, nicht genauso dummlinks daherzuschwafeln wie die von ihr zitierte Camila Batmanghelidjh, die es z.B. so hindreht, als ob das Plündern und Brandschatzen (vorwiegend junger Männer, die auch sonst wohl nicht ganz selten zu den Tätern gehören werden) eine Form von Protest gegen Vergewaltigungen (alleinerziehender) Mütter in englischen Hochhaussiedlungen sei. Näher betrachtet verrührt aber auch Williams in weiten Teilen ihres Artikel bloß eine große Porition platter “Kapitalismuskritik” mit ein wenig Kitsch und faktisch kaum fundierten psychologischen Spekulationen.

    Als ob etwa das “looting” (oder gar noch die “riots” als solche) verständlich oder legitim werden würden, wenn lediglich Supermärkte ausgeplündert worden wären und würden. Als ob Sachbeschädigung, Diebstahl und Brandstiftung besser würden, wenn es nur Luxuskaufhäuser und Boutiquen träfe (“Tiffany’s and Gucci” verdienen halt weniger Schutz).

    Selbst in diesem Artikel scheint der Irrsinn auf, als sei das England, das James Cameron regiert, vergleichbar mit dem Frankreich, über das einst Ludwig XVI. herrschte. Gibt es denn irgendwo in England tatsächlich “Hunger” (was Williams zwischen den Zeilen suggeriert, wenn sie die behauptet, solcher Protest wäre besser – auch wenn letztlich selbst auch nicht glaubt, dass die Plünderer “aus Hunger” handelten)? Könnte es denn dort wirklich überhaupt jemand nötig haben, Lebensmittel zu stehlen, weil er sonst nicht überleben würde?

    Dass die Plünderer hauptsächlich bemüht sind, ihre Konsumbedürfnisse zu befriedigen, namentlich indem sie etwa Kleidung oder hochwertige Technikartikel stehlen, hat Williams hingegen richtig erkannt. Aber die Schuld dafür sucht sie dann doch – jedenfalls in weiten Teilen – lieber bei den Konzernen, die diese Waren herstellen und bewerben. Güterknappheit und Restriktionen sind nun einmal ein konstituierendes Element einer jeden Marktwirtschaft. Dass man etwas nicht bekommt, was man haben will, ist ein Schicksal, das so ziemlich jeder Mensch mal mehr, mal weniger erleidet – auch und gerade Leute, die für ihr Geld tatsächlich selbst arbeiten. Nicht einmal Roman Abramowitsch kann sich jeden Wunsch erfüllen.

    Soll es nun tatsächlich verständlich, ja sogar mehr oder weniger unausweichlich sein, dass junge, tatsächlich vielfach sozial ausgegrenzte Menschen, die nicht bekommen, was sie wollen, sich dies mit Gewalt nehmen? Die psychologische Folgerichtigkeit, die Williams in diesem gewaltsamen und rücksichtslosen Handeln erkennt, nähert Menschen bloßen Tieren an, die ihren Trieben früher oder später nachgeben müssen. Merke: Wird jemand nur lange genug damit berieselt, dass er etwas haben muss, so wird er es auch haben müssen, und sei es mit Gewalt. Die Kapitalisten sind, wenn man diesen Ansatz zu Ende denkt, letztlich wohl nicht anderes als Provokateure, die eigentlich nur bekommen, was sie verdienen. Wer den Hund zum Biss reißt, soll sich nicht beklagen, wenn er gebissen wird.

    Dass ihr Ansatz darauf hinauslaufen dürfte, will Williams freilich nicht zugeben, und deshalb rekurriert sie ganz zum Schluss lieber auf die kleinen Ladenbesitzer, für die sie besonders viel “sympathy” empfindet.

    Wenn es hingegen vorrangig “Gucci” treffen würde, könnte sie dem Plündern offensichtlich selbst mehr abgewinnen.

    • 10. August 2011 um 14:46 Uhr
    • NKB
  2. 2.

    >Die Psychologie der britischen Plünderer

    Kann man mit einem Wort erklären, “Strassen-Mentalität”.

    • 10. August 2011 um 14:53 Uhr
    • PBUH
  3. 3.

    Alkohol steht bei den (jüngsten) Plünderern anscheinend auch sehr hoch im Kurs.

    Gewiss liegt es vorwiegend an der im UK zweifellos exzessiv betriebenen Werbung für Alkoholika (im Verbund mit den ohnehin fies altersdiskriminierenden Gesetzen), dass sich nun schon 10-Jährige das, was ihnen eigentlich zusteht, nämlich was zu saufen, mit Gewalt nehmen müssen.

    • 10. August 2011 um 15:46 Uhr
    • NKB
  4. 4.

    Wie kann ich mich für diesen Blog anmelden, wenn ich kommentieren möchte? Meine normale User-Anmeldung bei der Zeit scheint nicht zu gelten.

    • 10. August 2011 um 15:47 Uhr
    • melone
  5. 5.

    @NKB

    Dumme Rechtsschwafeler verstehen es nicht, wenn man einfache Zusammenhänge erklärt.

    Wenn Menschen aus Hunger rauben würden, könnten manche Menschen dafür Sympathie empfinden, weil es in reichen Ländern eine Schande ist, wenn Menschen tatsächlich unter Hunger leiden müssten. Aber es wurden keine bzw. nicht ausschließlich Lebensmittel geplündert und es wird auch keine Notwendigkeit für eine Lebensmittelplünderung gesehen.

    Wenn Menschen politisch reflektiert rauben würden, also nicht die Mittelständler, sondern die Reichen, was man mit einiger Willkür als Unterschied zwischen C&A und Gucci in theoretische Überlegungen hineininterpretieren kann, wäre das natürlich auch weniger verächtlich als eine rein auf Egoismus beruhende Raubwut.

    Das sind rationale theoretische Überlegungen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Theoretische Beispiel, die differenzieren helfen sollen, wenn Dummrechtsbacken sich dem Differenzieren aus Blödheit verweigern. Natürlich wäre H&M als großer Konzern ausreichend geeignet, um Plünderung als “politisch motiviert” zu suggestieren, was aber die Fakten eben nicht trifft, weil es eben keine politische Motivation war. Deshalb wird versucht ein anderes, wenn auch nicht sehr gelungenes, Beispiel zu wählen. Eine auf Luxuswaren ausgerichte Plünderung würde eine politisch motivierte Selektion induzieren, wenn auch die Geschädigten selber nicht die gewünschte Zielgruppe repräsentieren.

    Da man es den Rechtsdumfbacken mehrmals erklären muss, es sind theoretische Überlegungen, die nicht eine Plünderung von Gucci Läden gutheißen. Es ist nur ein Beispiel für Menschen, um eine theoretische Differenz aufzuzeigen, die eben nicht von den Plünderern praktiziert wurde. Es wird nur hervorgehoben, was die plünderer tatsächlich getan haben. Sie haben die Gelegenheit genutzt, um sich Konsumbedürfnisse zu befriedigen, vor denen normalerweise größere Hürden für diese Leute liegen.

    Keine Tat wird beschönigt oder gutgeheißen, noch wird um Verständnis im Sinne von Vergebung für die Plünderer gebuhlt. Im Gegenteil! Durch das Aufzeigen von Beispielen, wo man theoretisch(!) vergeben könnte, wofür die Plünderer eben nicht stehen, wird gerade hervorgehoben, das Verständnis im Sinne von Vergebung unabngebracht ist, auch wenn das Rechtsdumfbacken überfordert.

    • 10. August 2011 um 15:49 Uhr
    • Erol Bulut
  6. 6.

    @ Horst

    Wenn Menschen aus Hunger rauben würden, könnten manche Menschen dafür Sympathie empfinden, weil es in reichen Ländern eine Schande ist, wenn Menschen tatsächlich unter Hunger leiden müssten.

    Eben. In England muss aber niemand Hunger leiden. Und deshalb braucht man mit solchen Suggestionen auch gar nicht erst anzufangen.

    Wenn Menschen politisch reflektiert rauben würden

    Genau, es wäre ja voll politisch reflektiert, Gucci-Länden zu überfallen. Schließlich haben es die PPR-Aktionäre und Mitarbeiter von Gucci doch verdient – oder halt die Aktionäre der Versicherungskonzerne.

    Abgesehen davon wird eine Straftat dadurch, dass sie vermeintlich politisch reflektiert ist, allenfalls für Linksextremisten wie Sie besser bzw. sogar gut.

    Apropos: Es ist eine Sache, dass Jörg Lau Ihnen hier seit Jahren Ihre Beleidigungen, Verleumdungen und Hetzkampagnen, namentlich gegen Israel, durchgehen lässt. Bei der Beschönigung bzw. Billigung von politisch reflektierter Plünderung und Brandstiftung (?) könnte man aber auch bei einer denkbar weiten Interpretation der Meinungsfreiheit eine Grenze ziehen.

    • 10. August 2011 um 16:07 Uhr
    • NKB
  7. 7.

    jürgen lau…. der randalierer-flüsterer

    diplomierter psychologe, konfliktforscher und überhaupt ein wunderwuzzi

    • 10. August 2011 um 16:08 Uhr
    • marioBausWien
  8. 8.

    oder jörg
    eh powidl

    • 10. August 2011 um 16:08 Uhr
    • marioBausWien
  9. Kommentar zum Thema

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