Ein Blog über Religion und Politik

Wir brauchen bessere Bilder vom Erwachsensein

Von 10. Januar 2012 um 15:04 Uhr

Extrem OT, aber extrem relevant. Ich halte diesen Mann hier – Adam Phillips – für einen der weisesten Menschen, die derzeit auf Erden wandeln. Niemand schreibt so leicht und tief und unprätenziös über Liebe, Ambivalenz, Ehe, Erwachsensein, Kindheit, Küssen, Flirten, Geld. Ein erstaunlich freier Geist ist dieser Psychoanalytiker.

In dem Interview, das für die New York Times geführt wurde, haben mich die Sätze elektrisiert, die er über die Tatsache sagt, dass “Erwachsensein eine schlechte Presse hat”. Wenn eine Kultur die Kindheit idealisiere und das Erwachsenwerden zum Desaster erklärt (und keine attraktiven Bilder vom Erwachsensein produziert), so Phillips, dann sei das ein Zeichen einer ernsten kulturellen Krise. Als Vater dreier Töchter kann ich nur sagen, da hat er Recht.

Kategorien: Curiosa
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Jörg Lau

    Machen Sie sich nicht soviel Sorgen. Ihnen wird schon nichts passieren. Machen Sie es wie ich, links, rechts und nach hinten gucken. Seit der NSU bin ich doppelt vorsichtig. Bewaffnet bin ich auch.

    • 10. Januar 2012 um 15:22 Uhr
    • Cem Gülay
  2. 2.

    @ Lau

    sehr hörenswertes Interview – hat es in sich – Danke dafür!

    • 11. Januar 2012 um 21:55 Uhr
    • Zagreus
  3. 3.

    hm. herr lau, wer macht denn die “schlechte presse” des erwachsenseins? vielleicht brauchen wir eine andere art von erwachsenen kulturträgern, intellektuellen, lehrern und erziehern. vielleicht einfach andere journalisten. – oder andere politiker und schlaumeier. ganz sicher brauchen wir andere, neue vorbilder und ziele. eine gesellschaft indes, die nach dem prinzip des “lebe heute, zahle morgen” jedem alles in aussicht stellt und nichts halten will und kann, die alles relativiert und aus angst vor konfrontation und verlusten auch dem irrationalsten schwachsinn noch gleichwertigkeit zuspricht, ist infantil und zwingt die jugend in ein carpe diem, welches die notwendige kontinuität gesellschaftspolitischer entwicklung untergräbt. der erwachsene hat im gegensatz zum infanten eine stimme, fällt entscheidungen und trägt die daraus erwachsende verantwortung, aber wenn er diesen unterschied wahrnimmt, was bekommt er denn dann für eine presse? – und was sagt der psychoanalytiker? – übrigens, herr lau: gerade lese ich wieder freuds religionskritische schriften. sollten sie auch mal wieder tun. battle on.

    • 12. Januar 2012 um 22:29 Uhr
    • maciste
  4. Kommentar zum Thema

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