Ägyptischer Schauspieler wegen Blasphemie verurteilt

Von 2. Februar 2012 um 19:37 Uhr

Der Schauspieler Adel Imam, einer der bekanntesten Stars des ägyptischen Kinos, ist in absentia zu drei Monaten Haft verurteilt worden – wegen Beleidigung des Islams.
Mir ist er unvergesslich als Hauptdarsteller in der Verfilmung des Romans “Der Jakubian Bau” von Alaa al Aswani. Da spielt er den melancholischen Playboy Zaki Pascha mit einer traurigen Grandezza. Adel Imam ist weit mehr als ein “Komiker”, wie es heute in den Meldungen heißt. Ich kann mir (noch) nicht vorstellen, dass der islamistische Anwalt mit dieser Sache durchkommt und auch die Revision gegen Imam gewinnt. Aber so viel ist klar: Die Kräfte, die auch in Ägypten zum Kulturkampf gegen alles Säkulare blasen, sehen sich durch das Wahlergebnis ermutigt.
Die Bundesregierung muss in ihrem Dialog mit den Herrschenden in Ägypten deutlich machen, dass sie den Angriff der Islamisten auf die Freiheit nicht hinnehmen wird.
Unter Mubarak hat man allzu oft zugesehen, wenn Freiheiten eingeschränkt wurden. Jetzt ist die Chance da, es anders zu halten.
Almasryalyoum schreibt:

The Arab world’s most famous comic actor, Adel Imam, has received a three-month jail sentence for insulting Islam in films and plays, a court document showed on Thursday.

Imam, who has frequently poked fun at authorities and politicians of all colors during a 40-year career, has one month to appeal the sentence and will remain out of jail until the appeal process is concluded.

The sentence Wednesday evening came weeks after Islamists swept most seats in parliamentary elections. The case was brought by Asran Mansour, a lawyer with ties to Islamist groups, and had languished in court for months, judicial sources said.

Mansour accused the actor of offending Islam and its symbols, including beards and the Jilbab, a loose-fitting garment worn by some Muslims, the Egyptian news portal Ahram Online reported.

Among films and plays targeted by the lawyer were the movie “Morgan Ahmed Morgan” and the play “Al-Zaeem” (“The Leader”), the report said.

Hier ein Trailer für die Verfilmung des “Jakubian Baus”:

Yacoubian Building von MinoTunesien

Leser-Kommentare
  1. 25.

    Bredow:

    der Justizminister von Rheinland-Pfalz hat sich kürzlich für die Akzeptanz schariatischer Elemente in der Zivilgerichtsbarkeit ausgesprochen.

    Vor allem verstehe ich nicht ganz, was er damit eigentlich meint.

    (1) In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit; es wäre schon heute problemlos möglich, z.B. in einem Mietvertrag festzuhalten, dass Streitigkeiten in erster Instanz durch den Verein für islamische Rechtspflege e.V. oder so ähnlich geschlichtet werden sollen. Der darf dann ein Urteil nach eigenem Ermessen fällen.

    (2) Sollte dieses allerdings unveräußerliche Rechte der einen Partei verletzen, auf die sie auch im Rahmen der Vertragsfreiheit nicht verzichten kann, kann die Schlichtung weiterhin von einem staatlichen Gericht umgestoßen werden.

    Entweder er will (1) explizit legalisieren (anstelle der bereits bestehenden impliziten Legalisierung über die Vertragsfreiheit) oder staatlich fördern, oder er will (2) abschaffen – womit er allerdings die Grundlagen des deutschen Rechtsstaates angreifen würde.

    • 3. Februar 2012 um 21:07 Uhr
    • Arjen van Zuider
  2. 26.

    @ Publicola

    merke = never feed the troll (und jede Reaktion ist ein füttern).

    • 3. Februar 2012 um 21:14 Uhr
    • Zagreus
  3. 27.

    @Arjen van Zuider

    Sie suchen am falschen Ort. Er hat wohl einen günstigen Kredit bekommen, von einschlägigen Kreisen.

    • 3. Februar 2012 um 21:55 Uhr
    • FreeSpeech
  4. 28.

    Das würde die Frage nach der Motivation beantworten, nicht aber jene nach dem Sinngehalt seiner Aussage. Entweder er fordert etwas, was längst Realität ist, oder er fordert etwas, was völlig unakzeptabel ist.

    • 3. Februar 2012 um 22:02 Uhr
    • Arjen van Zuider
  5. 29.

    Die antiwestliche Global South Front verkracht sich entlang
    der Spaltungslinien von innersilamischen Machtkämpfen.

    http://www.youtube.com/watch?v=Uull6DZYoDc Min. 1.20-2.00

    Bald werden sich pro-PressTV- und Pro-Taliban-Antiimpis gegenseitig die Schädel einschlagen. Wer hätte das gedacht, dass es so schnell von Karl Marx zu Karl May geht ? Märchen aus den Morgenländern spannender als Kritik der Politischen Ökonomie. Mein Beileid, Kalle.

    • 3. Februar 2012 um 22:31 Uhr
    • Thomas Holm
  6. 30.

    @ SB (24.)

    Guter Artikel.

    • 3. Februar 2012 um 23:14 Uhr
    • N. Neumann
  7. 31.

    Das TV ist in den islamischen Staaten eines der wichtigsten Herrschaftsinstrumente. Besonders im Maghreb. Die Islamisten wollen deshalb unbedingt die 100%ige Kontrolle über das TV bekommen. Neulich erzählte mir einer meiner Mitarbeiter (der zufällig in Alexandria war) das er um 16 Uhr kein Taxi zum Flughafen kriegte und alle Straßen leergefegt waren. Grund war der Live-Prozeß im TV gegen Mubarak. Aber auch ich hatte schon solche Erlebnisse, allerdings vor der Revolution, damals war der Grund irgendeine Ramadan-Seifenoper.

    Ich glaube auch nicht das die Generation Facebook die Revolution gemacht hat. Nein – es war das TV. Genauer gesagt Al Jazeera. Die haben das Monopol des StaatsTV gebrochen und damit zur schleichenden Erosion der Macht Mubaraks (und anderer) beigetragen. Gäbe es Al Jazeera nicht, dann hätten die Islamisten längst nicht soviele Stimmen gekriegt. Propaganda funktioniert in diesen Gesellschaften noch ganz gut das sollte man nicht vergessen.

    • 4. Februar 2012 um 09:10 Uhr
    • Bravoleser
  8. 32.

    @ Bravoleser

    “Al Jazeera. Die haben das Monopol des StaatsTV gebrochen und damit zur schleichenden Erosion der Macht Mubaraks (und anderer) beigetragen.”

    Zustimmung.

    Einen Schritt weiter gedacht: Die arabischen Massen haben AJ zu ihrer Informations- und Aufregungsquelle erwählt: zulasten der StaatsTV-Programme und gegen die Konkurrenz der arabischsprachigen Sender von VOA, BBC, France24, RT, Press-TV – und den diversen Saudischen, Libanesischen und Emiratischen Sendern.

    Beim Programm “Mosaik” von Link.tv (Youtube.com/user/Linktv/videos) kann man sich einen Eidruck von den Bemühungen (und dem Scheitern) der Konkurrenten verschaffen.

    Es waren dann die politischen Anwandlungen von AJ, die via Facebook & Co. am meißten ge-liked und verlinked wurden.

    “Gäbe es Al Jazeera nicht, dann hätten die Islamisten längst nicht soviele Stimmen gekriegt.”

    Diesen Zusammenhang sehe ich nicht so stark. AJ hat die Arabischen Zustände journalistisch am effektivsten skandalisiert, so dass grosse Massen sich durch die Verhaältnisse in denen sie lebten, stärker als kränkender empfanden, denn als Angst-einflößender.

    Der islamistische Einfluß wäre ohen AJ sicher nicht zum Zuge gekommen; aber hervorgetreiben wurde er wohl erst noch stärker durch andere gesellschaftliche und mediale Kanäle; unbenommen einer gewissen Überschneidungsmenge.

    • 4. Februar 2012 um 11:27 Uhr
    • Thomas Holm
  9. Kommentare sind geschlossen.