Ein Blog über Religion und Politik

Ein Preis für Pussy Riot?

Von 11. Oktober 2012 um 10:50 Uhr

(Ich finde: Ja. Und werde das gleich im Radio verteidigen. Nach dem schändlichen Gerichtsurteil von gestern mehr denn je.)

Do 11.10.2012 12:07 – 14:30 Uhr

KULTURRADIO AM MITTAG

Verdient die russische Punk-Band Pussy Riot einen Preis? (12.10 h Hörerstreit)

Hans Ackermann

12:10 Hörerstreit

Verdient die russische Punk-Band Pussy Riot einen Preis?

Im Studio: Jörg Lau, Redakteur bei der Zeit

Für zwei der drei Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot bleibt es dabei: Sie müssen für zwei Jahre in ein Straflager. Das hat gestern ein Berufungsgericht in Moskau bestätigt. Sie wurden wegen „Rowdytums aus religiösem Hass» verurteilt, nachdem sie im Februar in der Christi-Erlöser-Kathedrale gegen Präsident Wladimir Putin demonstriert hatten – mit einem Punkgebet. Für ihre Zivilcourage ist die Band Pussy Riot nun für zwei Preise nominiert: für den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments und den Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“. Der Theologe Friedrich Schorlemmer findet diesen Vorschlag empörend.
Eine Lutherstadt dürfe keine “Gotteslästerung” ehren. Mit seiner Kritik steht er nicht allein. Vor allem Kirchenvertreter wehren sich gegen diese Nominierung. Alle zwei Jahre wird mit dem Lutherpreis Persönlichkeiten geehrt, die im Sinne des Reformators Luhter Zivilcourage gezeigt haben.

Verdient die russische Punkband Pussy Riot einen Preis? Wenn ja, auch einen kirchlichen Preis wie den des „unerschrockenen Wortes“?
Diskutieren Sie mit – in unserem heutigen Hörerstreit.  Tel.-Nr.: 030/30 20 00 40  !!!!

Kategorien: Menschenrechte
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ja, sie verdienen die preise.

    Eine kleinigkeit haben sie aber vergessen, lau, die sehr wichtig bei der ganzen Sache ist.

    Der grund, warum die Pussy Riots in einer kirche dieses ‘gebet’ veranstalteten: aus protest gegen nicht nur gegen putin, sondern auch gegen die verbindung der orthodoxen kirche mit den neuen machthabern bzw. dem staatsapparat.
    Der patriarch von Moskau scheint ziemlich putin in den allerwertes… zu kriechen udn pro-putin wahlkampf unter den gläubigen zu betreiben, sich und mit ihm seine kirche sich also aktiv in die politik einzumischen.
    Dabei scheint er sich auch ganz gut mit finanziellen mittel helfen zu alssen – zumindest sidn auch ein kleienr skandal da mit bildern, beid enen teure uhren von seinem handgelenk wegretuschiert wurden.

    • 11. Oktober 2012 um 11:32 Uhr
    • Zagreus
  2. 2.

    Als evangelischer Pfarrer sehe ich mich in der Tradition Dietrich Bonhoeffers und halte es insofern für einen Grundauftrag des Christentums, sich deutlich und unmissverständlich gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung zu äußern. Diese Rolle hat die evangelische Kirche ja auch im dritten Reich, wenn auch mit einer zu kleinen Gruppe, der “bekennenden Kirche”, und auch in der ehemaligen DDR wahrgenommen. Dabei haben wir nicht zu unterscheiden, ob die Menschen, mit denen wir in dieser Sache zusammenarbeiten, selbst religiös sind oder nicht. Die Religion als solche spielt, wie Bonhoeffer in seinen Gefängnisbriefen betonte, in diesem Zusammenhang gar keine direkte Rolle. Er sprach hierbei vom “religionslosen Christentum.” Die „Weihe“ von „Heiligen Orten“ halte ich gelinde gesagt, für eine heidnische Vorstellung, die mit dem Christentum so gut wie gar nichts zu tun hat. Kirchen sind ganz gewöhnliche Gebäude in denen im besten Falle das Wort Gottes angemessen für den heutigen Menschen verkündet wird, mehr nicht. Wer „Pussy Riot“ im Übrigen Gotteslästerung vorwirft hat offenbar auch nicht verstanden, warum sie eine Kirche als Ort und das „Punkgebet“ als Ausdruck ihres Protests gewählt haben. Nadeschda Tolokonnikowa begründete selbst die Wahl einer Kirche als Auftrittsort auch damit, dass das Christentum „die Suche nach Wahrheit, nach konstanter Selbstüberwindung“ unterstütze. Genau deshalb war sie an der richtigen Adresse und hat den viel zu staatstragenden und unkritischen orthodoxen Priestern sehr angemessen die Leviten gelesen! Einen Preis für das „mutige Wort“ haben diese jungen Mütter für ihre Zivilcourage auf alle Fälle verdient!

    • 11. Oktober 2012 um 12:00 Uhr
    • cwspeer
  3. 3.

    Als Gottesfürchtiger Mensch finde ich die Beleidigungen der Mädels abartig

    Es hätte aber eine horrende Geldstrafe ausgereicht.

    • 11. Oktober 2012 um 14:13 Uhr
    • cem.gülay
  4. 4.

    Nein. Unerschrockenes Eintreten für Meinungsfreiheit ist das eine, der pubertäre, übermütige, herablassende, frivole Missbrauch eines Gotteshauses das andere. Sie hätten nicht ins Straflager gehört – die Strafe ist masslos – aber einen Preis? Wofür? Für die gedankenlose Missachtung und Geringschätzung der Glaubensüberzeugungen anderer? Was als nächstes? Cock Chaos pinkelt im Kreml kollektiv gegen die Mauer, europäischer Preis für Menschenrechte?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • 11. Oktober 2012 um 14:20 Uhr
    • ThorHa
  5. 5.

    @ cem

    “Als Gottesfürchtiger Mensch finde ich die Beleidigungen der Mädels abartig”

    Wer ist denn mit einem song(-’gebet’) in der kirche beleidigt worden? Gott? oder sind nicht vielmehr di priester damit angegriffen worden, die so tun, als ob Gottes will, dass die Russen zu Putin halten?

    Wer missbraucht denn – diese Mädchen, oder eben die priester?

    Gott spricht nicht – zumindest nicht in worten, aber Priester geben vr im namen gottes, also wie sein sprachrohr auf erden, zu sprechen – udn sie sagen dabei sehr weltliches und nehmen politische positionen ein.

    • 11. Oktober 2012 um 14:27 Uhr
    • Zagreus
  6. 6.

    @ ThorHa

    “Für die gedankenlose Missachtung und Geringschätzung der Glaubensüberzeugungen anderer?”

    Welche glaubensüberzeugungen von wem? der der priester, die im namen Gottes sich bereichern und politisch agieren? Sind das glaubensüberzeugungen?
    Oder ist es eine glabensüberzeugung zu meinen, dass Gott Putin als Staatspräsidenten will? gegen was haben denn diese Mädchen protestiert und wo warum? Oder ist der ort derartig kheilig, dass in ihm wohl priester ihre macht missbrauchen können, aber tanzen gleich eine gotteslästerung ist?

    • 11. Oktober 2012 um 14:30 Uhr
    • Zagreus
  7. 7.

    Zagreus

    Ich respektiere Sie und Ihre persönliche Meinung.

    Ich selber denke aber, dass Gotteshäuser nicht auf dieser Art und Weise entweiht werden dürfen.

    Sonst können wir auch einen Islamhasser den Luther Preis geben, weil er Schweineköpfe in die Moschee deponiert hat.

    Atheismus rechtfertigt nicht die Gotteslästerung.

    Denn die Liebe zu Gott ist bei vielen Menschen, (auch bei mir) ein Lenbenselixier, sonst macht das Leben für mich persönlich keinen Sinn

    • 11. Oktober 2012 um 14:40 Uhr
    • cem.gülay
  8. 8.

    Im Vergleich zur durchschnittlichen Propheten-Randalen gegen die Glaubenspraktiken von deren jeweiligen Gemeinden waren die Mädels aber sehr harmlos. Goldenes Kalb; Geldwechsler im Tempel, etc.

    Aber immerhin wurden sie ja auch nicht gekreuzigt.

  9. Kommentar zum Thema

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