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Wer bezahlt eigentlich Lau?

 

Heino Wiese von „Wiese Consult“ ist sauer wegen meiner Berichterstattung zum Thema deutsche Außenpolitik und Russland. So sauer, dass er in einem Editorial seiner Hauspublikation „Hauptstadt-Insider“ gegen mich ausholt und dabei ein paar große Löcher in die Luft schlägt. (Siehe unten.)

Wir haben führenden Sozialdemokraten überhaupt nichts „unterstellt“, sondern schlicht öffentlich zugängliche, unbestrittene Fakten über deren berufliches Engagement für russische Firmen zusammengetragen. Wenn die Aufzählung von Fakten in den Augen von Herrn Wiese  bereits eine „diffamierende“ Wirkung entfaltet, dann wirft das ein Licht auf die Fakten – und auf Herrn Wiese.

Wer hätte je behauptet, dass Russland einen kurzen und leichten Weg zur Demokratie hätte? Niemand glorifiziert die Jelzin-Jahre. Staatlichkeit und soziale Sicherung sind wichtig, hat ebenfalls niemand je bestritten. Aber wenn all das zur Rechtfertigung von heutiger  Regression und Repression herangezogen wird – und das nicht nur vom Regime, sondern auch von vermeintlichen deutschen Russlandfreunden – dann ist was mächtig faul. (Und da bin ich dann doch sehr froh, dass wir begonnen haben, ein wenig drin zu stochern.)

Dass der NSU-Skandal und selbst noch Stuttgart 21 (?) zur Entlastung der russischen Regierung herangezogen werden, wirkt da schon ein bisschen verzweifelt.

Dass deutsche Unternehmen in Russland einen Mittelstand mit hervorbringen, habe ich nie bestritten. Das ist ja auch höchst begrüßenswert. Ich habe immer für mehr Verflechtung geworben. Allerdings bedeutet diese auch automatisch mehr Einmischung und, daraus folgend, eine klare Sprache bei Rückschritten in Sachen Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte. Solche Rückschritte sind übrigens auch nicht im Interesse der deutschen Industrie, scheint mir. Mehr Rechtssicherheit, weniger Korruption, mehr Verantwortlichkeit wären auch gut für die deutsche Wirtschaft, ganz abgesehen davon, dass diese Dinge um ihrer selbst willen erstrebenswert sind.

Den Schluss finde ich putzig. Eine Firma, die damit wirbt, beste Kontakte zum russischen Establishment zu haben, fragt, „wer eigentlich“ Lau für seine „permanente  Negativberichterstattung über Russland“ bezahlt. Das nenne ich Chuzpe.

Hier das Editorial aus dem aktuellen Hauptstadt-Insider:

 

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wiese putin

 

Heino Wiese (rechts) von Wiese Consult bei der Arbeit. Foto: Wiese Consult

34 Kommentare

  1.   Marit

    Nun habe ich ein wenig zu Heino Wiese nachgelesen.Er ist ein „Vermittler“ internationaler Geschäftsbeziehungen.Er selbst sagt von sich, dass er diese Tätigkeit als Abgeordneter des Bundestages kostenlos ausgeführt habe, wogegen er nun dafür bezahlt werde.
    Russischen Investoren, die in Deutschland erfolgreich „einsteigen“ möchten, verpasst er auch noch ein „Image-Coaching“.Somit ist zumindest auch die Frage beantwortet, warum er Lau´s „politische“ Betrachtung für eher kontraproduktiv hält. Dies läuft seinen Interessen einfach zuwider.Er ist ein „Wirtschaftsmensch“.

  2.   Thomas Holm

    „Er ist ein “Wirtschaftsmensch”“ … aber von „Neuem Typus“.

    Unterhalb der neckischen Frage nach der Lau-Löhnung wird man belehrt:

    „UNTERNEHMENSERFOLGS-GARANT STAAT“

    und oberhalb davon bläst Herr Glos von der CSU nach Aufnahme von:

    „RUSSLAND IN DIE EUROPÄISCHE UNION“

    http://www.wiese-consult.com/images/hauptstadt-insider/2013/19.pdf

    Ferner wird für Syrien (!) zu bedenken gegeben:

    „DEUTSCHLAND – KREATIVER VERMITTLER“

    Was für ein elendes Geschäft, dieser Lobbyismus !

  3.   Thomas Holm

    Brisanter Veranstaltungshinweis:

    15.5. BEWEIST SYRIEN DAS ENDE DES PRINZIPS DER UN-SCHUTZVERANTWORTUNG?
    Mit Prof. Michael Ignatieff (Harvard University), Richard C. Holbrooke, Distinguished Visitor an der American Academy Berlin und Andrea Böhm, Redakteurin Außenpolitik der Wochenzeitung Die Zeit. Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 18.30 Uhr

    Cooles Thema, der Kongo kriegt ein robustes Mandat spendiert, aber in NME kann man leider niemanden mehr vor sich selbst und den Nachbarn schützen. Woran das wohl liegt ?

    Jedes Testosteron scheint etwas anders gelagert zu sein.

  4.   Thomas Holm

    „Unmittelbar nach dem Massaker zeigten sie sich empört und leiteten Sanktionen ein. Die letzten wurden jedoch im Jahr 2009 wieder aufgehoben, obwohl Usbekistan keine einzige ihrer menschenrechtlichen Forderungen erfüllt hat.

    So ist das Land zum Lackmustest für all jene Staaten geworden, die mit einer autoritären Regierung zusammenarbeiten wollen. Durch Usbekistan führt eine zentrale Versorgungsroute der Nato-geführten Afghanistan-Mission.“

    Wegen des Nation buildings in Afghanistan ist man da in eine sehr prekäre Abhängigkeit geraten.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-05/eu-menschenrechte-usbekistan/komplettansicht

    In der Gegend gibt es Null Gnade für Gutmenschen. Aber ob die das einsehen ?

  5.   N. Neumann

    Dass man lechts und rinks manchmal velwechsern kann, ist banal.

    Ein auf ein Geschäftsbeziehungen zu Putinland spezialisierter Wirtschaftslobbyist aus Niedersachsen, der so mitunter so vom Leder zieht wie ein antiimperialistischer Friedensheuli aus Kreuzberg, ist da, der Fadenscheinigkeit zum Trotz, immerhin ein bisschen originell:

    Kriegstreiber Medien?

    Ein Kommentar von Heino Wiese

    Die Israelis können sich einen Erstschlag gegen den Iran vorstellen, der französische Präsident ein Eingreifen in Syrien mit Unterstützung der UNO, die Amerikaner halten ein Eingreifen sogar ohne UNO-Zustimmung für möglich. Dazu erhalten wir täglich Schreckensbilder aus Syrien, deren Herkunft und Authentizität zumindest fragwürdig ist. So ähnlich war es vor dem Irakkrieg. Mit getürkten Bildern und angeblichen Beweisen sollte uns eine atomare Bedrohung durch Saddam Hussein suggeriert werden, die unser Eingreifen auch ohne UNO-Zustimmung als unabdingbar darstellte. Gott sei Dank hat Gerhard Schröder das damals verhindert.
    Inzwischen hatten wir aber den Irakkrieg und den Libyenangriff. Merkwürdigerweise haben wir keine täglichen Schreckensbilder in den Medien über das, was die westlichen Bombardements nach zigtausend Toten an Chaos und undemokratischen Strukturen hinterlassen haben.

    http://www.wiese-consult.com/de/hauptstadt-insider/archiv/2012/388-hauptstadt-insider-nr-22-01-juni-2012

  6.   N. Neumann

    CIA im Einsatz

    Ein Zwischenruf von Heino Wiese

    Seit Wochen fällt auf, wie wir täglich mit Schreckensnachrichten aus Syrien überhäuft werden, obwohl es aus dem Irak, dem Sudan und vielen anderen Ländern ähnlich Grausames zu berichten gäbe. Dazu kommen die ständige Kritik an der Haltung der Russen und der Chinesen in dem Konflikt.

    http://www.wiese-consult.com/de/hauptstadt-insider/archiv/2012

  7.   mrx

    Tja, Hannover.

  8.   N. Neumann

    Auch auf Grass und das iranische Regime will er nicht viel kommen lassen:

    Seit Präsident Bush erklärt hat, wo wir die Achse des Bösen zu verorten haben, werden uns regelmäßig die Gefahren, die vom Iran ausgehen, in den Medien vorgeführt. Ob es sich dabei um vorgetäuschte Gefährdungen zur Manifestierung eines Feindbildes wie die, die zum Angriff auf den Irak geführt haben, oder um realistische Bedrohungen handelt, ist dabei von einem Normalbürger nicht auszumachen.
    Ich glaube, all dieses war Grass auch bekannt und deshalb hat er seinen Appell geschrieben.
    Das Agieren der SPD ist in dieser Debatte besonders enttäuschend, weil sie es nicht verstanden hat, sich in kritischer Solidarität mit dem alten/ehemaligen Sozialdemokraten Grass in der Sache zu streiten und ihn auf die zweifelsfrei vorhandenen Defizite seiner Provokationsschrift hinzuweisen. Die SPD-Führung hat sich aus Angst vor den Medien eilfertig von der Person Grass distanziert. Nun erst erkennt man die Folgen. Thierse, Nahles und andere warnen jetzt zu spät, man dürfe Grass nicht zur persona non grata erklären.

    http://www.wiese-consult.com/de/hauptstadt-insider/archiv/2012

  9.   N. Neumann

    Nur die Saudis, die gehen natürlich gar nicht:

    Keine Waffen für die Saudis!

    Ein Kommentar von Heino Wiese

    Wer einmal in Saudi-Arabien gearbeitet hat, weiß, was für ein menschenverachtendes und verlogenes System dort herrscht. Die einfachen Menschen werden durch die brutale wahhabitische Religionspolizei diszipliniert.

    […]

    Saudi-Arabien und sein Königshaus haben zwei moralische Legitimationen: Sie sind Verbündete der USA und sie haben Geld. Geld, das sie im Moment dafür einsetzen, den Bürgerkrieg in Syrien durch Waffenlieferungen zu unterstützen und den Iran zu isolieren. Und diesem Land will unsere Regierung angeblich Panzer liefern. »Ein unfassbarer Skandal!« meint Sigmar Gabriel und Hans-Dietrich Genscher kommentiert in seiner diplomatischen Art: »Die deutsche Zurückhaltung in der Rüstungsexportpolitik hat sich auch rückblickend als richtig erwiesen, und man sollte daran festhalten!«

    http://www.wiese-consult.com/de/hauptstadt-insider/aktuelles/424-hauptstadt-insider-nr-49-7-dezember-2012

  10.   N. Neumann

    Tja, Hannover.

    @ MR

    Auf Christian Wulff lässt er auch nix kommen.

    Schließlich ist der weder Ami, noch Saudi und ein bloßes Opfer der Bild-Zeitung.