Extrem OT, aber extrem relevant. Ich halte diesen Mann hier – Adam Phillips – für einen der weisesten Menschen, die derzeit auf Erden wandeln. Niemand schreibt so leicht und tief und unprätenziös über Liebe, Ambivalenz, Ehe, Erwachsensein, Kindheit, Küssen, Flirten, Geld. Ein erstaunlich freier Geist ist dieser Psychoanalytiker.
In dem Interview, das für die New York Times geführt wurde, haben mich die Sätze elektrisiert, die er über die Tatsache sagt, dass “Erwachsensein eine schlechte Presse hat”. Wenn eine Kultur die Kindheit idealisiere und das Erwachsenwerden zum Desaster erklärt (und keine attraktiven Bilder vom Erwachsensein produziert), so Phillips, dann sei das ein Zeichen einer ernsten kulturellen Krise. Als Vater dreier Töchter kann ich nur sagen, da hat er Recht.
Keine Ahnung, wo diese Frau herkommt, aber sie ist ein verdammtes Genie. Jilet Ayse ist sauer:
P.S. Nur so viel konnte ich finden: Idil Baydar, geb. 1975 in Berlin, türkischer Herkunft, arbeitet seit 1998, nach zahlreichen Auslandaufenthalten in den USA und England als freischaffende Schauspielerin und Sängerin. In Berlin war Baydar u.a. im Maxim Gorki Theater mit „Koppstoff“, in den Sophiensälen mit „Perfektes Leben“ und im Prater/Volksbühne mit der Produktion „Hüttenkäse“ zu sehen.
Da der Blogwart derzeit viel unterwegs ist (Recherche über Salafismus), hier nur eine kurzes Lebenszeichen.
Eine Erinnerung an den anderen Iran durch die Zeitmaschine iranischer TV-Werbung der Jahre 1969-78:
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat recht! Hatte er doch auf dem Parteitag der Christsozialen gesagt (allerdings vor der “Energiewende”):
“Diejenigen, die gestern gegen Kernernergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, agitieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen ein Minarett im Garten haben.”
Es kommt allerdings noch schlimmer! Der Öko-Islam kommt über das Land. In Deutschlands modernster Moschee in Norderstedt sind Minarette mit integrierter Windkraft geplant, wie die Kollegen von Sabah Avrupa berichten.
Windkraft-Minarette! Das nenne ich Integration! (Nein, das ist kein Witz.)
“Modernste Moschee in Deutschland
Die modernste Moschee Deutschlands mit einer ausgefallenen Architektur und einem Selbstversorger- Energiesystem wird in der Stadt Norderstedt in Norddeutschland gebaut. Auf einer Nutzfläche 1.400 Quadratmeter soll das Bauwerk vom türkischem Architekten Selcuk Ünyilmaz mit zwei Minaretten von 22 Meter Höhe errichtet werden. Im Minarett werden Windenergieanlagen untergebracht, so dass die Moschee selbst mindestens 30 Prozent ihres Energiebedarfs umweltfreundlich produzieren kann. „Für die Grundsteinlegung der modernsten Moschee Deutschlands sind alle Vorbereitungen getroffen“, sagt der Architekt Ünyilmaz.”
An jedem Morgen begrüßt mich das Dashbord meines Blogs mit einem kleinen Gedicht, das sich aus der Auswertung der Suchanfragen ergibt, mit denen dieses Blog gefunden wurde. Da stehen dann “fast nackte Topmodels” neben “islamisch korrekter Schwimmkleidung”, und “Clinton” steht neben “Amerika kann nur Krieg”, wie etwa heute morgen.
Ich stelle einfach mal das aktuelle Bild als Screenshot ein:
Tagelang haben sich deutsche Medien über Hillary Clintons Gesichtsausdruck gebeugt: Hält sie sich aus Entsetzen über die Tötung bin Ladens die Hand vor den Mund? Ist sie von der Anspannung des Moments überwältigt? Schämt sie sich ihrer Angst?
Es geht auch einfacher: Die chassidische (ultraorthodoxe) Zeitung “Der Tzitung” hat in ihrem Bericht über Bin Ladens Tötung die beiden Frauen kurzerhand aus dem offiziellen Foto des Weißen Hauses getilgt. Es fehlen in dem Aufmacherfoto die amerikanische Außenministerin (und die im Original sichtbare zweite Frau hinten in der Mitte). Der Grund: Religiös begründete Sittlichkeitsvorstellungen, die zeitunglesenden Männern den Anblick von Frauen verbieten.
Das halte ich für kurzsichtig. Der Nationalstaat ist einstweilen das einzige Gefäß der Demokratie, das wir haben (bis eventuell auch einmal eine supranationale Demokratie auf europäischer Ebene funktioniert, braucht es eine weitere Generation). Die Möglichkeit zur Kontrolle der Grenzen und (post-Schengen) der Staatsangehörigkeit ist ein Kernelement der Staatlichkeit. In anderen Worten: Wenn der Eindruck entsteht, ein Staat habe darüber keine Kontrolle mehr, unterhöhlt das die Legitimität dieses Staates. Die Linke in Deutschland hat dies in den Jahren zwischen dem Asylkompromiss von 1992 und den Schily’schen Sicherheitsgesetzen zehn Jahre später gelernt.
Cameron setzt sich in seiner Rede mit den Migrations-Defätisten auseinander, die von der Nichtsteuerbarkeit von Wanderungsprozessen ausgehen. Grossbritannien kann die Migration innerhalb der EU zwar nicht mehr steuern, aber die macht auch nur einen geringen Anteil aus. Der wesentliche Teil ist die außereuropäische Migration, und die ist mit fast 200.000 Zugängen im letzten Jahr in der Tat sehr hoch. Cameron kündigt an, Schlupflöcher zu stopfen, wie etwa bei der Vergabe von Studentenvisa, wo es offenbar einigen Mißbrauch gibt. Beim Familiennachzug soll es auch Beschränkungen geben. Die Kriterien zur Erteilung von Arbeitsvisa werden erhöht. Außerdem sollen die Anreize im Sozialsystem korrigiert werden, damit sich Arbeit wieder mehr lohnt als Stütze (also das, was in Deutschland erst durch Rotgrün angefasst wurde, Stichwort Hartz 4).
Ich finde einige der Beispiele, mit denen Cameron arbeitet zwar etwas tendenziös (der chinesische Koch, das indische Plakat). Aber insgesamt hat diese Rede für meinen Geschmack keinen falschen Ton. Es wird nicht ethnisiert, nicht religiös oder kulturalistisch argumentiert. Cameron argumentiert vom Gemeinwohl her, und es ist dumm, das als “rechts blinken” abzutun.
Ich finde, er hebt sich mit seiner pragmatischen Rede wohltuend von den Schwesterparteien auf dem Kontinent ab. Sarkozy macht spektakuläre Symbolpolitik (Burka, Identitätsdebatte), die am Ende keine relevantes Problem löst. Die Christdemokraten fallen immer wieder zurück in Kulturalismus und religiöse Identitätsspiele (Kruzifix), und sie machen eine irrationale Zuwanderungspolitik, die an deutschen Interessen vorbeigeht. Die Einkommensgrenzen für begabte und hoch qualifizierte Einwanderer sind hierzulande zum Beispiel viel zu hoch.
Die britischen Konservativen hingegen stehen für ein Punktesystem, das Einwanderung nach rationalen Kriterien zu regeln versucht. Warum ist das bei uns nicht denkbar, obwohl doch das Volk eine recht pragmatische Einstellung hat?