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KinderZEIT-Ferienheft Leseprobe

 
© Oliver Lang/ ddp
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Ferien-Weltreise

Wo machen Russen Urlaub? Was sollte man in England auf keinen Fall essen? Was muss man in Frankreich möglichst oft sagen? ZEIT-Korrespondenten aus der ganzen Welt erzählen vom Sommer

© Julian Finney/Getty Images
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Russland

Die meisten Russen verbringen ihren Urlaub auf der Datscha (kleines Häuschen) außerhalb der Stadt. Dort gibt es immer etwas zu tun: Mal regnet es durchs Dach, mal fällt die Wasserpumpe aus. Anfang
Mai werden Kartoffeln gesetzt, die Erdbeeren brauchen Dünger. Blumen finden sich eher in den Datschenbeeten wohlhabender Russen. Viele Familien schicken ihre Kinder während der drei Monate langen Sommerferien für ein paar Wochen in ein Feriencamp. Ins Ausland reist nicht einmal jeder zehnte Russe. Wenn doch, dann gern in die Türkei, nach Ägypten oder Montenegro. Hauptsache, es ist warm, nicht zu teuer und nicht zu anstrengend. Wer Russland besucht, sollte sich mit der russischen Schrift vertraut machen (Russen verwenden kyrillische Buchstaben, die anders aussehen als unsere), und er sollte Abenteuergeist mitbringen. Gerade ältere Russen sprechen kaum Fremdsprachen, und sogar in der Moskauer U-Bahn ist fast nichts in lateinischer Schrift ausgeschildert. Auskunftsschalter, eine Touristeninformation oder ein Lächeln zur Begrüßung sind eine Seltenheit. In orthodoxen Kirchen sollten Frauen und Mädchen außerdem eine Kopfbedeckung tragen. Russland darf man gern kritisieren, aber ein Lob hie und da erfreut und entspannt die Menschen des Landes sehr. Johannes Voswinkel

© Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images
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Türkei

Urlaub in der Türkei, wie wir ihn kennen, mit Mittelmeerstrand, frisch gepresstem Orangensaft und Sesamkringel mit Butter – das ist nicht für jeden Türken zu haben. Die ärmeren türkischen Kinder bleiben
im Sommer zu Hause, spielen auf der Strasse vorm Haus Fußball, essen Sesamkringel ohne Butter und nerven die Eltern in der heißen Wohnung. Wer ein bisschen mehr Geld hat, fährt mit seinen Eltern in ein zehnstöckiges Hotel an der türkischen Mittelmeerküste. Der kleine Fernseher in der Ecke zeigt nur zwei
türkische Programme, der zehn mal zehn Zentimeter große Kühlschrank unterm Nachttisch enthält eine kleine Flasche Diät-Fanta für 3,50 Euro. Zum Meer geht man über einen langen Flur mit langem blassrotem Teppich. Nach zehn Minuten ist man am Aufzug, fährt runter und geht durch den Keller am Parkplatz vorbei zum Strand – ein ganz schön weiter Weg! Reiche Türken müssen nicht so lange laufen. Die Eltern fahren mit dem großen Jeep in einen Ferien park, wo es aus den Zimmern direkt an den Strand geht. Das  Kindermädchen zieht den Nachwuchs an, bringt ihn zum Kinderparadies mit Ponys und Wasserrutschen.
Abends steckt das Kindermädchen die Kinder ins Bett. Was die mitgereisten Eltern eigentlich machen, weiß man nicht so genau. Deutsche Kinder, die in die Türkei reisen, haben am Mittelmeerstrand meistens sehr viel Spaß. Viel Sonnencreme sollten sie mitnehmen, die türkische Sonne ist nämlich besonders stark. Nackt baden schadet da nur und gefällt auch den Türken nicht so sehr. Alkohol sollte man gar nicht trinken. Tun Kinder ja sowieso nicht. Gut so, denn in der Türkei ist der Alkohol manchmal schlecht. Aber wenn Papa und
Mama mal einen Wein trinken wollen, dann sagt ihnen: Kauft die Flasche nur in großen Supermarktketten oder in internationalen Hotels. Michael Thumann

© Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images
© Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Frankreich

Im ganzen Land dauern die Sommerferien vom 2. Juli bis zum 2. September. Viele bleiben bis zum Nationalfeiertag am 14. Juli zu Hause, damit sie die Paraden und Feiern miterleben. Danach geht’s ab in den
Sommer. Die meisten Franzosen bleiben im eigenen Land. Frankreich bietet Berge, Wälder, Schlösser, berühmte Städte (eine sogar mit Eiffelturm und Disneyland) und viele schöne Strände im Norden, Westen und Süden. Die sind in der Urlaubszeit rappelvoll. Das hat einen Vorteil: Man lernt Franzosen kennen und nicht nur die Meiers aus Wuppertal. Gar so schwierig ist das Kennenlernen nicht, selbst wenn man kein Französisch spricht. Allerdings sollte man sich ein bisschen nach den Gewohnheiten der Franzosen richten. Französische Kinder benehmen sich in Restaurants meistens gut. Außerdem sind die Leute ein bisschen schamvoller als wir Deutschen. Nackte sind unerwünscht am Strand, beim Umziehen wird viel mit
Handtüchern verhüllt. Mit Badekleidung in Geschäfte und Restaurants zu gehen, gilt als unfein. Und man sagt, sooft es geht, »Bonjour«, also Guten Tag – eine sehr angenehme Höflichkeit! Gero von Randow

© Matt Cardy/Getty Images
© Matt Cardy/Getty Images

Deutschland

Die Deutschen sind Reiseweltmeister! Das heißt, aus keinem anderen Land fahren so viele Menschen ins
Ausland, um Urlaub zu machen. Das Lieblingsurlaubsland der Deutschen ist Spanien. Eine besondere Vorliebe haben sie für die spanische Insel Mallorca. Dort trinken viele deutsche Urlauber Rotwein mit Brause und Fruchtstückchen durch lange Strohhalme aus großen Krügen, was Kopfschmerzen machen kann (der
Rotwein, nicht die Krüge). Wenn Deutsche im eigenen Land verreisen, dann lieben sie den Badeurlaub an Nord- und Ostsee, Fahrradtouren durchs Sauerland, Wanderungen im Elbsandsteingebirge, Ferien auf dem Bauernhof in Bayern. Sie verbringen die Sommerwochen sehr gern auf Campingplätzen und in  Schrebergärten; sie besuchen massenhaft Freizeitparks. Wer deutschen Urlaubern im Ausland (oder Inland) begegnet, sollte wissen, dass sie oft frühzeitig mit einem Handtuch ihren Liegestuhl am Pool oder Strand besetzen und dass sie böse werden können, wenn man das Handtuch woanders hinlegt. An einigen deutschen Stränden ist es verboten, Strandburgen zu bauen. An manchen Stränden wird nackt gebadet,
und dort kann man die anderen Feriengäste gegen sich aufbringen, wenn man eine Badehose trägt … Vielleicht ist es insgesamt nicht falsch, zu sagen, dass Urlaub für uns Deutsche eine ernste Angelegenheit ist. Susanne Gaschke

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