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Film: Freundin der Wölfe

 
© Filmszene

Hoch im Norden Schwedens gibt es für ein Stadtkind wie Misa noch echte Abenteuer zu erleben

Von Iris Mainka

Manchmal sagt jemand etwas, aber schon am Tonfall erkennt man, dass das, was er sagt, nicht stimmen kann – kennt Ihr das? Mit einer solchen Situation beginnt der schwedische Film „Misa Mi – Freundin der Wölfe“. Die zehnjährige Misa kauert im Nachthemd am Fenster und spielt mit ihrem Handy. Als Zuschauer hört man ihre Stimme von irgendwo aus dem Hintergrund, so als ob sie laut denken würde. „Ich fühl mich ganz gut, wirklich“, behauptet Misa. Aber ihr trauriger Tonfall straft sie Lügen. „Ich kann zwar nicht schlafen, aber jedenfalls bin ich nicht krank, das ist es nicht. Irgendwie ist das nicht so schlimm, wie ich dachte, bevor … Ich dachte, dass alles vorbei wäre, dass die ganze Welt untergehen würde, aber so ist es dann eben doch nicht, alles geht einfach weiter, als ob nichts geschehen wäre.“

Misas Mama ist gestorben. Warum? Was ist passiert? Das erfahren wir Zuschauer nicht. Es gibt keine Vorreden, keine Erklärungen. Es ist eben so. Der Film springt mitten hinein in Misas Gedankenwelt – und die ist sehr durcheinandergeraten.

Kein Wunder, denn ihr Papa hat eine andere Frau kennengelernt, Camilla, und die möchte er auch gleich heiraten. Für Misa klingt das so, als wolle er sich „eine neue Familie anschaffen“, als habe er ihre Mama ganz schnell vergessen. Es klingt nach Verrat.

Nein, mit diesem Vater will sie nicht in Urlaub fahren und mit dessen neuer Freundin schon gar nicht. Da reist sie doch lieber zu ihrer etwas seltsamen Großmutter, die weit abgeschieden in Lappland wohnt. In deren uraltem klapprigem Holzhaus gibt es keinen Fernseher und keinen Computer. Nicht einmal Kakao hat die Oma zu trinken, und die Uhrzeit kann sie am Stand der Sonne ablesen, behauptet sie jedenfalls.

Was soll Misa hier bloß den ganzen Tag anfangen? Fremd und sehr allein fühlt sich das Mädchen aus der Großstadt in der ländlichen Umgebung. Da gibt es zwar Gustav, einen Jungen in ihrem Alter, aber der hat gar keine Ahnung von Computerspielen und ist auch sonst komisch. Er gehört zu einer Art Naturvolk, den Samen, die von der Rentierzucht leben und mit ihren Zelten durch die Gegend ziehen.

Außerdem sind da auch noch diese großen Fragen, die Misa Tag und Nacht durch den Kopf gehen: Wo ist ihre Mama jetzt? Die Erwachsenen sagen: Auf der anderen Seite. Aber wo soll das sein, diese andere Seite? Kommen da alle hin, die gestorben sind? Und kommen tote Tiere und tote Menschen an denselben Ort?

Langsam, ruhig und mit sehr schönen Landschaftsbildern erzählt der Film von Misas Ferienleben im äußersten Norden Schwedens. Wenn Ihr jetzt denkt, dass diese Geschichte ein bisschen langweilig klingt, dann irrt Ihr Euch. Denn auf einmal wird es sehr spannend: Beim Einkaufen im Dorfladen hört Misa von einem gefährlichen Wolf, der durch die Wälder streift und auf der Suche nach Futter angeblich auch das Vieh anfällt und reißt. Kurz darauf verirrt sich Misa im Wald, sie ist schon ganz verzweifelt, weil sie völlig die Richtung verloren hat. Plötzlich läuft ihr der Wolf über den Weg. Ganz fasziniert und ohne Angst folgt Misa dem Tier und findet überraschenderweise so den Weg zurück nach Hause.

In den darauffolgenden Tagen trifft sie den Wolf immer wieder und sieht: Es ist eine Wölfin, die in ihrem Bau zwei Junge zu versorgen hat. Nicht einmal ihrer Großmutter vertraut Misa dieses Geheimnis an, denn Wilderer machen Jagd auf die Wölfin und wollen sie im Auftrag der Rentierzüchter töten.

Wie Misa versucht, den beiden Wolfsjungen mit Gustavs Hilfe das Leben zu retten, und schließlich sogar den Bergsee entdeckt, an dem nach alter Überlieferung die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten verläuft – das ist ein echtes Abenteuer und am Ende auch ein bisschen märchenhaft. Misa jedenfalls findet aus der Traurigkeit wieder heraus und zu ihrem Vater zurück.

© Cover KinderZEIT Filmedition

Misa Mi – Freundin der Wölfe
Schweden 2003
79 Minuten
empfohlen ab 9 Jahren