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Alle müssen sparen

 
Diese Kinder aus Griechenland fotografierte Claudia Wiens für DIE ZEIT/ www.claudiawiens.com

Griechenland hat hohe Schulden, das spüren auch Kinder und ihre Familien

Von Angelika Dietrich

Jahrelang hat Griechenland mehr Geld ausgegeben, als es eingenommen hat. Ende 2011 hatte der Staat 375 Milliarden Euro Schulden – als Zahl aufgeschrieben: 375000000000! Es fehlte so viel Geld, dass Griechenland Hilfe von anderen Staaten brauchte, auch von Deutschland.

Die griechische Regierung versucht, zu sparen und Geld einzunehmen. Seit Kurzem müssen Griechen, die eine Wohnung oder ein Haus besitzen, zum Beispiel eine Steuer an den Staat bezahlen. Und auch Menschen, die nur wenig verdienen, müssen einen Teil ihres Gehalts nun abgeben. Außerdem ist vieles, was man zum Leben braucht, teurer geworden, zum Beispiel Lebensmittel und Strom. Um zu sparen, fahren viele nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit. So müssen sie kein Geld für Benzin ausgeben.

Viele Tausend Menschen haben ihre Arbeit verloren, andere bekommen viel weniger Gehalt. Denn manche Chefs können ihre Mitarbeiter nur noch ab und zu oder gar nicht mehr bezahlen. Bei manchen ist sogar kaum noch Geld da, um sich etwas zu essen zu kaufen: Familien gehen zu den Suppenküchen der Kirchen und holen sich dort ein kostenloses Mittagessen ab. Lehrer erzählen, dass Kinder im Unterricht ohnmächtig werden – vor Hunger. Manche Eltern ziehen mit ihren Kinder zu den Großeltern, so können sie sich die Miete teilen.

Fünf Kinder erzählen, wie sie die Krise erleben:

Panajiotis, 9 Jahre

»Unser Schulkiosk hat zugemacht, weil die Kinder kein Geld mehr haben. Ich habe mir dort schon früher nur ganz selten etwas gekauft, denn meine Mutter hat mir meist ein Brot geschmiert. Das kann sie nun nicht mehr jeden Tag, weil uns das Geld fehlt. Ich nehme jetzt oft nur Obst mit, zum Beispiel eine Banane. Meine Mama sagt auch, dass ich alles aufessen muss, aber das kann ich nicht immer. Dann gibt es Streit.«

Achileas, 8 Jahre

»Wir haben im Winter oft ein Feuer im Kamin gemacht, weil das billiger ist, als die Heizung anzuschalten. Auf dem Land haben wir ein Haus, von dort haben wir das Holz bekommen. Wenn es kalt war, habe ich zwei Pullover übereinander getragen, nachts habe ich mich mit einer ganz warmen Decke zugedeckt. Zum Geburtstag wünsche ich mir Lego. Aber ich weiß nicht, ob ich es bekomme. Wir können nicht mehr so viel Spielzeug kaufen wie früher. Ich bekomme auch keine neue Jeans – ich habe drei, und Mama sagt, ich brauchte keine vierte.«

Kallia, 7 Jahre

»Mein Vater ist wegen der Krise arbeitslos. Früher hatte er zwei Jobs: im Sicherheitsdienst am Flughafen und außerdem als Verkäufer. Beide Stellen hat er verloren. Jetzt ist er nach Amerika gegangen und sucht dort eine neue Arbeit. Weil wir nicht mehr so viel Geld haben, kaufen wir keine Kleidung mehr. Etwas zum Anziehen bekomme ich an Weihnachten oder zum Geburtstag von meinen Onkeln und Tanten geschenkt. Ich hätte ja lieber eine Barbie. Aber Mama ist dagegen – wegen meinem kleinen Bruder. Er ist erst acht Monate alt, und für ihn brauchen wir viele Sachen dringender als eine Barbie. Im Sommer fliegen wir alle zu Papa nach Amerika – wir wollen dort bleiben. Dann kommen wir nur noch im Sommer zurück nach Griechenland.«

Kalliopi, 9 Jahre

»Ich konnte mir dieses Jahr das Klassenfoto nicht kaufen. Es hat sonst immer 14 oder 15 Euro gekostet, in diesem Jahr aber 22 Euro. Das war zu teuer. Ich habe mit meinen Eltern eigentlich auch eine Abmachung, dass ich immer eine Belohnung bekomme, wenn ich in der Schule gelobt worden bin. Manchmal habe ich mir Schokolade ausgesucht und einmal sogar eine Bluse. Aber jetzt weiß ich nicht, ob ich überhaupt noch etwas kriege.«

Matthew, 8 Jahre

»Meine Mutter sagt, dass alles teurer wird und wir nicht mehr so viele Lebensmittel wegwerfen dürfen. Das ist wichtig, damit sie nicht mehr so oft einkaufen gehen muss. Meine Schwester Kalliopi isst ihren Teller immer ganz leer, und ich muss jetzt auch immer alles aufessen. Das will Mama so, denn sie sagt, dass es Kinder gibt, die gar kein Essen haben.«