Politik, Kultur und Rätsel für junge Leser

Reden statt kämpfen

Von 3. Januar 2013 um 14:44 Uhr

Bei der UN-Generalversammlung kommen Vertreter aus 193 Ländern zusammen/ © Getty Images

Viele Länder der Erde arbeiten zusammen. Ihr Ziel: Die Welt besser und sicherer zu machen.
Die KinderZEIT stellt die drei wichtigsten Weltclubs vor. Heute: Die UN. Bei den UN, den »Vereinten Nationen«, können Staaten sich aussprechen, wenn sie Probleme miteinander haben. Das ist wichtig, damit es nie wieder einen Weltkrieg gibt

Von Matthias Naß

Man kann sich die vielen Länder unserer Erde als eine große Familie vorstellen. Politiker und Journalisten sprechen auch gern von einer »Staatengemeinschaft«, also einer Art Familienclan. Eine spezielle Familie ist das schon. Einmal wegen der vielen Mitglieder, im Augenblick sind es 193. Dann, weil es riesige Länder gibt und winzige, weil die Menschen viele verschiedene Sprachen sprechen und unterschiedlich aussehen; weil die einen reich sind und die anderen arm; weil man bei den einen sagen darf, was man will, bei den anderen nicht. In manchen Ländern wird man gleich ins Gefängnis gesteckt, nur weil man sich über den Präsidenten oder den König lustig gemacht hat. Schon eine merkwürdige Familie.

Andererseits – gut, dass es sie gibt. Denn wie in vielen Familien gibt es auch in der Familie der Länder manchmal Streit, sogar Gewalt. Am schlimmsten ist es, wenn Krieg ausbricht, wenn ein Land mit Panzern und Flugzeugen über den Nachbarn herfällt und Menschen tötet. Nach dem letzten großen Krieg, der fast die ganze Welt erfasst hatte und deshalb »Weltkrieg« heißt, beschlossen die Politiker, die »Vereinten Nationen« zu gründen, um den Frieden besser schützen zu können. Das war 1945.

Seitdem hat es zwar viele Kriege auf der Welt gegeben, aber keinen neuen Weltkrieg. Und das ist ein großer Erfolg, denn die Waffen von heute sind noch viel schrecklicher als die Waffen zur Zeit unserer Großeltern oder Urgroßeltern.

Die Vereinten Nationen haben ihr Hauptquartier in New York. Dort tagt auch immer, wenn es nötig ist, der »Sicherheitsrat«. Der trifft bei den Vereinten Nationen die wichtigsten Entscheidungen, nämlich darüber, wie der Frieden gewahrt werden kann. Und weil der Sicherheitsrat so wichtig ist, gehören ihm nur 15 Länder an. Wären alle 193 Mitglieder dabei, würde man nur reden, reden, reden – aber nie entscheiden.

Einige Länder sind »ständige« Mitglieder im Sicherheitsrat. Das sind die USA, Russland, China, Frankreich und England. Warum diese fünf? Weil sie am Ende des Weltkriegs zu den Siegerstaaten gehörten. Heute müssten eigentlich auch andere Länder dabei sein, weil sie so viele Einwohner oder eine starke Wirtschaft haben, Indien zum Beispiel, oder Brasilien. Auch Deutschland. Aber weil jeder Staat gern »ständiges Mitglied« im Sicherheitsrat wäre, gibt es über dessen Zusammensetzung seit Jahren endlosen Streit – und alles bleibt beim Alten. Deutschland war gerade Mitglied im Sicherheitsrat, aber nur für zwei Jahre. Jetzt ist wieder ein anderes Land an der Reihe. Alles ziemlich kompliziert, aber bisher hat es einigermaßen funktioniert.

Die meisten sagen übrigens nicht »Vereinte Nationen«, sondern einfach nur »UN«. Das ist die englische Kurzfassung. Alle 193 Mitglieder der UN bilden die »Generalversammlung«. Dort werden vor allem endlose Reden gehalten. Einmal im Jahr, im September, kommen die Regierungschefs persönlich nach New York. Das ist oft langweilig, aber nicht immer.

Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow bekam einmal einen Wutanfall und hämmerte mit seinem Schuh auf dem Rednerpult herum. Der Palästinenserführer Jassir Arafat marschierte mit einer Pistole am Gürtel in den Saal. Das ist verboten, aber keiner hat sich getraut, ihm die Pistole abzunehmen. Und der iranische Präsident Ahmadinedschad hat erzählt, bei seiner Rede vor den UN habe ihn ein heiliger Schein umgeben. Auch unter den mächtigsten Politikern gibt es schräge Vögel!

Viele meinen, die UN hätten nicht viel bewirkt. Kriege gebe es immer noch auf der Welt. Noch immer hätten viele Menschen zu wenig zu essen, lebten nicht in anständigen Wohnungen, die Kinder könnten nicht überall zur Schule gehen, für die Kranken gebe es nicht genug Ärzte und nicht genug Medikamente. Das stimmt alles. Und trotzdem ist es gut, wenn alle, die Reichen und die Armen, die Mächtigen und die Schwachen, an einem Ort zusammensitzen und gemeinsam überlegen, wie wir unsere Welt besser machen können.

Denn es gibt genug Probleme, die kein Land allein lösen kann. Die Klimaerwärmung etwa, oder Krankheiten, die an keiner Grenze haltmachen. Oder die Ausbreitung von besonders gefährlichen Waffen wie der Atombombe. Der frühere UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld hat einmal gesagt, die Vereinten Nationen seien nicht gegründet worden, »um die Menschen in den Himmel zu bringen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren«.

»Vereint« sind die Nationen bis heute nicht. Aber immer mehr Menschen begreifen, wie notwendig es ist, an diesem Ziel festzuhalten. Vielleicht weil schon so viele Astronauten im All unterwegs waren. Uns mag die Erde ja groß vorkommen, vom Weltraum aus betrachtet ist sie ein klitzekleiner Krümel. Eigentlich merkwürdig, dass die Bewohner dieses Krümels nicht miteinander in Frieden leben.

Die, denen eine friedliche Welt zu langweilig ist, können ja am Rednerpult der UN schimpfen. Hauptsache, die Mehrheit hindert sie daran, wieder einen großen Krieg anzufangen.

Warum gibt es die UN?
Die Aufgabe der UN ist es, den Frieden auf der Welt zu sichern.
Wer gehört dazu?
193 Staaten sind Mitglied der UN. 15 von ihnen gehören zum Sicherheitsrat. Hier werden die wichtigsten Entscheidungen getroffen.

Nächste Woche in unserer dreiteiligen Serie über die Weltclubs: Die Nato.

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