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Gecko (Vor-)lesegeschichte: Warum ist der Weihnachtsbaum eine Tanne?

 

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Gecko ist das Vorlesemagazin für Kinder mit Geschichten, Sprachspielen und Mitmachseiten. Seit vielen Jahren lest Ihr hier bei der KinderZEIT immer eine Geschichte aus dem aktuellen Heft. Dieses Mal haben wir eine Geschichte ausgesucht, die zur Adevntszeit mit ihren vielen traditionellen Weihnachtsbräuchen und Vorbereitungen passt.

Warum ist der Weihnachtsbaum eine Tanne?

Fanny und Klee sind Geschwister. Klee ist vier und Fanny sieben. Fanny ist drei Köpfe größer als Klee und hat doppelt so große Ohren. Nachts trägt sie ein knielanges geringeltes Nachthemd und Turnschuhe, weil sie damit besser traumwandeln kann – wie sie sagt. Heute waren Papa, Fanny und Klee in der Stadt auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum. »Man kann nie früh genug mit der Suche anfangen«, hat Papa gesagt, »die richtig schönen Tannen sind kurz vor Weihnachten meistens schon alle weg.« Dann fand Papaaber alle Tannen zu klein oder zu teuer, und so haben sie gar keinen Baum gekauft. Jetzt liegt Klee im Bett und denkt darüber nach. »Du, Fanny«, fragt er schließlich seine Schwester, »warum kauft man eigentlich für Weihnachten immer eine Tanne und nicht mal eine Palme?« Fanny seufzt. Jetzt muss sie sich was einfallen lassen, sonst wird Klee keine Ruhe geben. Also dreht sie sich auf den Rücken, wickelt eine Haarsträhne um ihren Zeigefinger, zieht ein bisschen daran und fängt an zu erzählen:

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»Vor vielen Jahren stellten die Leute sich an Weihnachten alle möglichen Bäume ins Wohnzimmer: Eichen, Birken, Palmen, Buchen, einfach alles, was im Wald wuchs. Alles außer Tannen, denn die gab es damals noch nicht. In einer Gegend nicht weit von hier lebten zwei Schwestern, Tanja und Anne, die einen Wald besaßen. Das Holz aus ihrem Wald brachte ihnen aber nur wenig Geld, und ausgerechnet in der Weihnachtszeit machten sie immer ein besonders schlechtes Geschäft. Denn anstatt einen Weihnachtsbaum bei ihnen zu kaufen, holten sich viele Leute einfach heimlich nachts einen Baum aus ihrem Wald. Tanja und Anne konnten dagegen nicht viel tun, denn es war ihnen unmöglich alle Ecken ihres Waldes zu bewachen. Außerdem wollten sie nachts natürlich auch lieber schlafen.

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Eines Tages in der Adventszeit, als wieder nur drei Leute einen Baum bei ihnen gekauft hatten, über Nacht aber zehn oder zwölf Bäume verschwunden waren, beschlossen sie, sich zu wehren. Sie fingen an, eine Baumart zu züchten, die sich selbst gegen das Fällen wehren konnte. Viele Versuche führten zu nichts, aber schließlich kreuzten sie einen Kaktus mit einer Stechpalme, und heraus kam ein Nadelbaum – der erste Nadelbaum auf der ganzen Welt. Sie nannten ihn ›Tanne‹, nach ›Tanja‹ und ›Anne‹.

Es dauerte nicht lange, und ein Baumdieb wollte die Tanne heimlich fällen. Die Nadeln des Baums pieksten ihn aber so gemein in die Hände, dass er sofort davon abließ. Er fällte stattdessen schnell eine Birke. Viele weitere Baumdiebe machten die gleiche Erfahrung. So kam es, dass Tanja und Anne mit der Zeit kaum noch Laubbäume besaßen, dafür aber jede Menge Nadelbäume. Diese konnten nur sie beide fällen, denn sie hatten dafür Spezialhandschuhe entwickelt.

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Um ihre wenigen Laubbäume zu schonen, verkauften sie in der Weihnachtszeit nur noch Tannen. Also wurde klar: Wer einen Laubbaum im Wohnzimmer stehen hatte, musste ihn gestohlen haben! Das war dann natürlich besonders peinlich. Ausgerechnet an Weihnachten wurde man als Dieb entlarvt!

So kam es, dass schon bald niemand mehr einen Laubbaum stahl und alle nur noch Tannen kauften. Waldbesitzer in anderen Gegenden hörten von dem Trick der Schwestern und begannen auch zu züchten. Heraus kamen etwas andere Bäume, zum Beispiel Fichten und Kiefern, aber alle hatten sie Nadeln. Und bis heute ist es üblich, sich an Weihnachten einen Nadelbaum ins Wohnzimmer zu stellen.« Mit diesen Worten dreht Fanny sich zufrieden auf den Bauch und schläft leise grunzend ein.

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Autorin Silke Wolfrum hat Germanistik und Romanistik in Bamberg, München und Paris studiert. Mit viel Spaß schreibt sie seit vielen Jahren für die Kinder-Programme des Bayerischen Rundfunks. Die Geschichten von Fanny & Klee gibt es auch als Buch bei Beltz & Gelberg und auf CD beim Audio-Verlag.

Illustratorin Mascha Greune geboren in München, studierte in Augsburg Kommunikationsdesign. Seit 1990 arbeitet sie als Grafikerin und Illustratorin und hat seither viele Bücher für Kinder und Erwachsene illustriert. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

gecko38Diese Geschichte und zwei weitere tolle Erzählungen, das Li-Labor mit dem Monster Pizzateig, dem Comic von Horst und Helga „Im Doppelpack“ und dem Schimpfwort des Monats kannst Du im neuen „Gecko“ nachlesen.

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Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!