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	<title>KinderZEIT &#187; Politik und Wirtschaft</title>
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	<description>Politik, Kultur und Rätsel für junge Leser</description>
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		<title>Mehr lächeln, Opa!</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 09:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
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		<description><![CDATA[Die Amerikaner stimmen in diesem Jahr darüber ab, wer ihr nächster Präsident werden soll. Ohne Kinder geht im Wahlkampf nichts Catriona McLaughlin Was für ein Trubel! Hier jemandem die Hand schütteln, dort in eine Kamera lächeln, schnell auf die Bühne flitzen und dann laut Beifall klatschen: Robert hat an diesem Tag im Januar ein volles [...]]]></description>
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<div id="attachment_11600" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2012/02/gingrich-540x385.jpg" alt="" width="540" height="385" class="size-large wp-image-11600" /><p class="wp-caption-text">Lächeln! Wer Präsident der USA werden will, muss (falsche) Zähne zeigen/ © Getty Images</p></div>
<p><strong>Die Amerikaner stimmen in diesem Jahr darüber ab, wer ihr nächster Präsident werden soll. Ohne Kinder geht im Wahlkampf nichts</strong><br />
<em><br />
Catriona McLaughlin</em></p>
<p>Was für ein Trubel! Hier jemandem die Hand schütteln, dort in eine Kamera lächeln, schnell auf die Bühne flitzen und dann laut Beifall klatschen: Robert hat an diesem Tag im Januar ein volles Programm. Der Junge ist zehn Jahre alt und voll im Wahlkampfeinsatz. Es geht um das wichtigste Amt der Vereinigten Staaten von Amerika – darum, wer Präsident des großen Landes wird. Im November sind die Wahlen, bei denen sich entscheidet, ob Barack Obama im Amt bleibt oder ob die Menschen in den USA einen anderen Präsidenten haben wollen.<span id="more-11599"></span></p>
<p>Natürlich kann Robert nicht selbst antreten. Er ist schließlich ein Kind. Der Zehnjährige unterstützt seinen Großvater. Der heißt Newt Gingrich und würde gern der nächste Präsident werden. Um die Menschen in den USA davon zu überzeugen, wirbt er auf vielen Veranstaltungen für sich. Robert ist oft dabei und gibt ihm Tipps. Als sein Großvater ihn zum Beispiel gefragt hat, wie er seine Reden findet, hat er gesagt: »Deine Antworten sollten kürzer und klarer sein.« Auch Roberts 13-jährige Schwester Maggie kommt häufig mit, wenn der Großvater Reden hält. Maggie erinnert ihn daran, dass er mehr lächeln sollte, weil die Menschen ihn dann netter fänden.</p>
<p>Derzeit ist es für Newt Gingrich besonders wichtig, dass er viele Menschen von sich überzeugt. Es steht nämlich noch gar nicht fest, ob er überhaupt gegen Barack Obama antreten darf. Der Wahlkampf, den er jetzt gemeinsam mit Robert und Maggie macht, ist nur für die sogenannten Vorwahlen. In den USA gibt es zwei große Parteien, die Republikaner und die Demokraten. Und jede Partei schickt einen Kandidaten ins Rennen, auf den sich ihre Mitglieder vorher einigen müssen – bei ebendiesen Vorwahlen. Die dauern noch bis Juni.</p>
<p>Die Demokraten haben es in diesem Jahr leicht. Denn der jetzige Präsident Obama ist Demokrat und will im Amt bleiben. Es steht so gut wie fest, dass seine Partei ihn wieder antreten lässt. Die Republikaner hingegen müssen sich entscheiden. Vier Männer sind noch im Rennen: Neben Roberts Opa Newt Gingrich wollen auch Mitt Romney, Ron Paul und Rick Santorum Präsident werden.</p>
<p>Alle vier Kandidaten reisen mit ihren Familien quer durchs Land und versuchen, möglichst viele Menschen zu treffen und sie für sich zu begeistern. Dabei ist die Familie ganz wichtig. Denn die Kandidaten müssen nicht nur politische Fragen beantworten – etwa was sie gegen die hohen Schulden des Landes tun werden. Gingrich, Romney, Paul und Santorum wollen auch, dass die Wähler sie für gute, freundliche Menschen halten. Und da hilft es, wenn die Familie sagt: »Unser Papa/Opa ist super!« Alle Kandidaten produzieren sogar Werbefilme fürs Fernsehen, die sie mit ihren Kindern zeigen, zum Beispiel im Urlaub, beim Ballspielen, beim Lesen und auf der Schaukel. Gern ist auch ein Hund dabei.</p>
<p>Es sind übrigens nicht nur die Republikaner, die mit ihren Familien Reklame machen. Das tun auch die Demokraten. Die Töchter von Barack Obama, Malia und Sasha, mussten vor vier Jahren, als ihr Vater gewählt wurde, auch mit ran. Die Mädchen waren auf vielen Fotos zu sehen und gaben gemeinsam mit ihren Eltern Interviews. Malia riet ihrem Vater damals, dass er Kindern nicht so viel die Hand schütteln sollte. »Das wirkt zu erwachsen«, sagte sie, »winken ist besser.« Da Obama in diesem Jahr aber kaum Vorwahlkampf machen muss, haben Sasha und Malia bisher noch Ruhe. Anders geht es zum Beispiel den Kindern und Enkeln von Mitt Romney. Zu Beginn einer wichtigen Fernsehsendung sagte er: »Ich bin Mitt Romney. Ich bin heute mit meiner Frau Ann und meinem ältesten Sohn Tagg hier, und wir haben insgesamt fünf Söhne und fünf Schwiegertöchter sowie 16 Enkelkinder.« Viele Anhänger der Republikaner finden eine große Familie toll. Deshalb müssen die Verwandten helfen. Mitt Romneys Söhne geben ihrem Vater keine Tipps für Auftritte, so wie Robert es bei seinem Opa tut. Die Romneys versuchen stattdessen, ihren Vater vor wichtigen Auftritten abzulenken, und zeigen ihm lustige YouTube-Videos, bevor er zum Reden auf die Bühne muss. Viele glauben, dass Romney die Vorwahlen gewinnen wird.</p>
<div id="attachment_11601" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2012/02/romney_enkel-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" class="size-medium wp-image-11601" /><p class="wp-caption-text">Mitt Romney mit einigen seiner Enkel vor einer Wahlkampfrede/ © Getty Images</p></div>
<p>Nicht zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, um die Eltern oder Großeltern beim Wahlkampf zu unterstützen, das ist für viele Kandidatenkinder normal. Sie nutzen die Zeit, um Wähler anzurufen, werben in Sozialen Netzwerken wie Facebook und drehen Filme fürs Internet. Das haben zum Beispiel die Töchter von Jon Huntsman getan, der bereits ausgeschieden ist. Drei seiner sieben Töchter, Abby, 25 Jahre, Liddy, 23 Jahre, und Mary Anne, 26 Jahre, wurden bekannt, weil sie ein Lied von Justin Timberlake auf ihren Vater umdichteten. In einem anderen Video machten sie sich über einen seiner Gegner lustig. Die Schwestern bekamen viel Aufmerksamkeit, Hunderttausende von Menschen klickten die Filmchen im Netz an. Aber leider half das ihrem Vater nicht.</p>
<p>Für Abby, Liddy und Mary Anne ist das Wahlkampftheater also vorbei. Robert und die anderen Kinder und Enkel müssen noch eine Weile durchhalten.</p>

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		<title>Alle anders, aber gleich</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 10:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsextreme]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Menschen, die mehr wert sind als andere. »Rechtsextreme« behaupten das Gegenteil. Einige begehen sogar schreckliche Verbrechen Von Toralf Staud Jeder Mensch ist anders. Der eine ist groß, der andere klein. Der eine isst am liebsten Spinat, der andere Spaghetti. Der eine hat dunkle Haut, der andere helle. Der eine kann schnell laufen, [...]]]></description>
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<div id="attachment_11518" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2012/01/rechtsextreme-540x430.jpg" alt="" width="540" height="430" class="size-large wp-image-11518" /><p class="wp-caption-text">Wo und als wer man geboren wird, das kann sich niemand aussuchen/ Illustration: Gert Albrecht für DIE ZEIT</p></div>
<p><strong>Es gibt keine Menschen, die mehr wert sind als andere. »Rechtsextreme« behaupten das Gegenteil. Einige begehen sogar schreckliche Verbrechen</strong></p>
<p><em>Von Toralf Staud</em></p>
<p>Jeder Mensch ist anders. Der eine ist groß, der andere klein. Der eine isst am liebsten Spinat, der andere Spaghetti. Der eine hat dunkle Haut, der andere helle. Der eine kann schnell laufen, der andere gut rechnen. Keinen Menschen gibt es zweimal; sogar eineiige Zwillinge unterscheiden sich in vielen kleinen Dingen.<span id="more-11517"></span></p>
<p>Es ist auch völliger Zufall, wo und in welche Familie hinein jemand geboren wird. Deshalb ist es auch völliger Quatsch, Menschen nach ihrer Herkunft beurteilen zu wollen. Vielleicht kommen die Eltern Deiner Freundin aus der Türkei, oder der beste Freund Deiner Schwester ist vor einem Jahr aus China in die Stadt gezogen. Ob jemand nett ist oder interessant, hängt nicht vom Wohnort ab, genauso wenig wie vom Aussehen. Wichtig ist, was in ihm steckt. Niemand ist mehr wert als jemand anderes! Jede und jeder hat die gleichen Rechte!</p>
<p>Doch es gibt Leute, die das anders sehen. Diese Leute nennt man Rechtsextremisten. Das ist ein ziemlich kompliziertes Wort. »Extrem« steckt drin, das Gegenteil von normal. Denn rechtsextremistische Ansichten sind nicht normal. Rechtsextremisten werden häufig auch als Nazis bezeichnet. Das hat mit der deutschen Geschichte zu tun, dazu kommen wir später noch.</p>
<p>Rechtsextremisten haben jedenfalls Probleme mit Menschen, die anders sind als sie. Zum Beispiel würden sie am liebsten jeden, der im Ausland geboren ist oder dessen Eltern von dort stammen, aus Deutschland hinauswerfen. Sie behaupten auch, es wäre gut, wenn nur noch Menschen zusammenleben, die möglichst gleich aussehen. Rechtsextremisten teilen die Menschheit gern in »Rassen« ein. Man nennt sie deshalb auch Rassisten.</p>
<p>Sie sagen, man müsse seine »Rasse sauber halten«. Was sie meinen, ist zum Beispiel, dass Japaner nicht mit Deutschen Kinder bekommen sollen. Rassisten sagen auch, dass ihre eigene »Rasse« besser sei als andere. Bis vor etwa hundert Jahren haben noch viele Menschen an so einen Blödsinn geglaubt. Beispielsweise war in Europa häufig zu hören, wir seien mehr wert als Afrikaner. Das ist natürlich Unsinn. Und Forscher haben längst bewiesen, dass es bei uns Menschen überhaupt keine Rassen gibt – anders als bei Tieren.</p>
<p>Was Forscher nachweisen, interessiert Rassisten aber nicht. Sie wollen an Rassen glauben. Die meisten Rechtsextremisten gleichen mit ihrem Denken nämlich nur Probleme aus. Oft haben sie Angst vor etwas, sind unzufrieden mit ihrem Leben oder einfach unsicher. Wenn sie dann auf andere Menschen herabschauen können, fühlen sie sich stark und überlegen.</p>
<p>Es gibt auch Politiker, die rechtsextremistische oder rassistische Dinge sagen. Sie tun das zum Beispiel, um von Missständen abzulenken. Es ist ja auch sehr bequem, wenn man die Schuld für Dinge, die in einem Land, einer Region oder einer Stadt nicht klappen, jemandem in die Schuhe schieben kann. Wenn es zum Beispiel viele Arbeitslose gibt, ist die einfachste Ausrede, zu sagen, dass Ausländer daran schuld seien. Weil sie angeblich den Deutschen die Arbeit wegnehmen. Das stimmt natürlich nicht – was man schon daran sieht, dass es in Ostdeutschland die meisten Menschen ohne Arbeit gibt, dort aber die wenigsten Ausländer leben. Doch leider kommen Politiker mit solchen Aussagen bei vielen Menschen an. Einzelne rechtsextremistische Gedanken sind sehr, sehr weit verbreitet.</p>
<p>Und jetzt kommen wir zurück zur deutschen Geschichte. Bei uns gab es vor achtzig Jahren den Politiker Adolf Hitler, seine Partei hieß abgekürzt NSDAP. »NS« stand für »nationalsozialistisch«, die Parteianhänger wurden deshalb kurz Nazis genannt. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler und begann mit seiner Partei, die Demokratie abzuschaffen. Dieses Datum nennen viele »Machtergreifung«.</p>
<p>Hitler wollte der mächtigste Mann der Welt werden. Er redete den Deutschen ein, sie müssten sich gegen andere »Rassen« wehren, vor allem gegen Menschen jüdischer Religion. Hitler hat dann einen schlimmen Krieg angefangen, in dem Millionen Menschen starben.</p>
<p>Vieles, was Hitler sagte, sagen heute die Rechtsextremisten. Deshalb werden sie oft auch Nazis genannt oder Neonazis, also »neue Nazis«. In der Politik spielen sie keine große Rolle. Aber auch heute überfallen Rechtsextremisten Menschen, die ihnen nicht gefallen – in den letzten Wochen wurde zum Beispiel viel über eine Bande berichtet, die über Jahre gemordet hat, mitten in Deutschland. In den letzten 20 Jahren haben Rechtsextremisten mindestens 147 Menschen getötet und viele Tausend verletzt. Zum Beispiel Leute, die aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, oder Obdachlose, also Menschen ohne Wohnung.</p>
<p>Rassisten und Rechtsextremisten sagen, alle Fremden seien gefährlich. Und es stimmt ja, dass man erst mal vorsichtig sein sollte, wenn man jemanden noch nicht kennt. Aber das gilt für Deutsche genauso wie für Ausländer. Man ist natürlich nicht gleich ein Rassist, wenn man sich mal über einen ausländischen Mitschüler ärgert. Übel ist es, wenn man Fremde ablehnt, weil sie fremd sind. Rassismus ist, wenn man Menschen nur mit ihrer Herkunft erklärt – wer sagt: »Alle Schwarzen sind faul«, oder: »Alle Juden sind geldgierig«, der ist rechtsextremistisch. Und er ist dumm. Genauso gut könnte er ja behaupten: »Alle großen Menschen sind klug.« Rechtsextremisten sagen noch andere dumme Sachen: zum Beispiel, dass sich Frauen nur um Kinder und Haushaltsarbeit kümmern sollten. Oder dass es gut ist, wenn einige über alle anderen bestimmen.</p>
<p>Rassisten und Rechtsextremisten gibt es überall. Aber kein Kind kommt als Rechtsextremist auf die Welt; Kinder spielen mit anderen Kindern, egal, welcher Hautfarbe. Meist lernen sie von ihren Eltern, Fremde zu hassen. Wenn Du also rassistische Sprüche hörst, dann widersprich! Du kannst sicher sein, dass Du damit recht hast.</p>

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		<title>Ein Hurra für den Euro!</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 09:59:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor zehn Jahren hieß unser Geld noch anders: D-Mark. Heute teilen wir eine gemeinsame Währung mit 22 Nachbarländern Von Irene Berres Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land in Europa sein eigenes Geld. Wenn man in Österreich Urlaub machte, musste man seinen Kaiserschmarren oder seinen Apfelstrudel mit österreichischen Schillingen bezahlen. In Italien [...]]]></description>
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<div id="attachment_11255" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/12/euro-540x359.jpg" alt="" width="540" height="359" class="size-large wp-image-11255" /><p class="wp-caption-text">Ein 1-Euro Stück auf einer Europakarte/ © Getty Images</p></div>
<p><strong>Vor zehn Jahren hieß unser Geld noch anders: D-Mark. Heute teilen wir eine gemeinsame Währung mit 22 Nachbarländern</strong></p>
<p><em>Von Irene Berres</em></p>
<p>Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land in Europa sein eigenes Geld. Wenn man in Österreich Urlaub machte, musste man seinen Kaiserschmarren oder seinen Apfelstrudel mit österreichischen Schillingen bezahlen. In Italien blätterte man viele Lire für ein Stück Pizza hin und in Spanien Peseten, wenn man Oma einen Strohesel mitbringen wollte. Dass man sein deutsches Geld vor jedem Urlaub umtauschen musste, war nicht besonders praktisch – aber für viele Menschen gehörte es eben zu den Ferien dazu. Ausland, das war fremdes Essen, fremde Sprache – und fremde Währung. Der berühmte deutsche Schriftsteller Martin Walser hat vor Kurzem erzählt, dass er sich nicht vorstellen konnte, einen tollen französischen Rotwein nicht mehr mit Francs, sondern mit dem neuen Geld zu bezahlen: dem Euro. Das erschien ihm ganz falsch.<span id="more-11253"></span></p>
<p>Heute findet er den Euro aber großartig. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass der Urlaub bequemer geworden ist. Was Martin Walser und viele andere Menschen am Euro gut finden, ist etwas viel Wichtigeres: Vor nicht einmal 70 Jahren (das ist nur ein Menschenleben her) führten die Länder in Europa einen schrecklichen Krieg gegeneinander (den leider Deutschland angefangen hatte). Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass danach je wieder Frieden herrschen könnte, dass die europäischen Staaten zu guten Nachbarn würden. Der Euro sollte auch ein Zeichen sein, ein Symbol für diese neue, friedliche Zeit. Er sollte zeigen: Wir arbeiten zusammen, wir werden nicht wieder gegeneinander kämpfen. Außerdem machte es die gemeinsame Währung den Ländern leichter, miteinander Handel zu treiben.</p>
<p>Die Umstellung der vielen Währungen auf den Euro war allerdings eine Riesenaktion! Zunächst einmal gab es ja in Deutschland noch das alte Geld – in Millionen von Sparschweinen und Portemonnaies, auf Bankkonten und Sparbüchern. Wie sollte man das alte Geld einsammeln, das neue verteilen? Man einigte sich auf einen Termin: den 1. Januar 2002. Von diesem Tag an sollten die Banken und Geldautomaten nur noch Euros ausgeben. Bei uns konnte jeder seine D-Mark-Münzen und -Scheine bei den Banken umtauschen: Für eine Mark bekam man etwa 51 Cent. Das ist heute immer noch so: Wer in einer Truhe einen alten Geldschein findet, kann ihn zum selben Kurs einwechseln.</p>
<p>Viele Leute wollten sich das neue Geld schon in der Silvesternacht holen – das neue Jahr beginnt ja um 0.00 Uhr. Deshalb hatten die Regierung und die Banken im Voraus furchtbar viel planen und organisieren müssen, damit die Geldautomaten gut gefüllt waren und niemand enttäuscht wurde. In Berlin und München wurden 4,3 Milliarden neue Euro-Scheine gedruckt. Allerdings war am Anfang alles streng geheim: Niemand Fremdes durfte bei der Geldproduktion zusehen. Die Mitarbeiter der Druckereien durften kein Wort von ihrer Arbeit erzählen, nicht einmal zu Hause. Das war wichtig, damit Geldfälscher keine Chance hatten, die Scheine nachzumachen.</p>
<p>Die Euro-Münzen kamen unter anderem aus der Prägeanstalt Staatliche Münze Berlin. Zwölf grüne Maschinen spuckten dort 850 Münzen pro Minute aus. Schon seit dem Sommer 1999 hatten diese Maschinen rund um die Uhr gerattert. Jeden Tag haben die Mitarbeiter elf bis zwölf Kisten mit Münzen gepackt, jede etwa 700 Kilogramm schwer. Insgesamt gibt es in Deutschland fünf Münzprägeanstalten. Bis zum 1. Januar 2002 entstanden dort 17 Milliarden deutsche Euro-Münzen – genug, um eine Lastwagenkolonne von mehr als 52 Kilometer Länge zu füllen!</p>
<p>In den letzten vier Monaten vor dem Jahresende 2001 herrschte Geldtransporter-Hochbetrieb auf den Straßen. Innerhalb weniger Wochen wurden in ganz Deutschland 2,3 Milliarden Euro-Scheine im Wert von 132 Milliarden Euro und 15,5 Milliarden Euro-Münzen im Wert von 4,8 Milliarden Euro an die Banken ausgeliefert. Das Gewicht des Geldes betrug rund 71500 Tonnen, es war damit etwa so schwer wie 440 Jumbojets! Der Transport stellte eine Herausforderung für die Polizei dar: Schließlich wussten auch alle Gangster, dass der Euro kommen würde. Um die Transportfahrzeuge zu schützen, begleiteten Polizisten jede große Tour mit Blaulicht. Das war natürlich nicht gerade unauffällig. Nur bis es tatsächlich losging, konnten die Strecken wirklich geheim gehalten werden. Dafür mussten die Wagen unterwegs aber kein einziges Mal anhalten und kamen rasch zu ihrem Ziel. Gelohnt hätte sich ein Überfall ohnehin nur bei einem Geldtransporter mit Scheinen. Münzen nämlich sind viel zu schwer: 30000 Euro wiegen etwa 500 Kilogramm. Die kann selbst ein sehr starker Gangster nicht schnell wegtragen.</p>
<p>Und was geschah mit dem alten Geld, mit der D-Mark, die jetzt überflüssig geworden war? Rund 2,6 Milliarden Geldscheine waren ja nun zu nichts mehr zu gebrauchen. Übereinandergestapelt hätten sie einen Turm von mehr als 300 Kilometer Höhe ergeben. Wohin damit? In der Bundesbank machten Maschinen Konfetti aus dem Geld und rissen jeden Schein in 800 winzige Teile (es sollte ja niemand die alten Scheine zwei- oder dreimal gegen neue Euros eintauschen). Ein Großteil der Geldschnipsel landete in den Müllverbrennungsanlagen und ging zwischen leeren Joghurtbechern und anderem Hausmüll in Flammen auf. Ein kleinerer Teil wurde zu Briefpapier, auf dem mit etwas Fantasie noch die Bilder der Geldscheine zu erkennen waren. Es gab auch den Vorschlag, die alten Scheine zu kompostieren. Die Druckfarbe war dafür aber zu giftig. Auch aus der Idee, Toilettenpapier aus dem Geldkonfetti zu machen, wurde nichts. Das wollten die Deutschen ihrer Mark dann doch nicht antun! Den Münzen erging es besser als den Scheinen: Nach dem Einschmelzen gelangten sie als Euro-Münzen zurück in die Geldbeutel.</p>

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		<title>Arbeit im Geheimen</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 10:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
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		<category><![CDATA[Verfassungsschutz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes kämpfen gegen Terroristen – und gegen Menschen, die unsere Demokratie abschaffen wollen. Leider sind sie nicht immer erfolgreich Von Christian Denso Die vergangenen Wochen waren für die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keine schöne Zeit: Viele Menschen, auch die Bundeskanzlerin und der Innenminister, waren der Meinung, dass einige von ihnen ihre Arbeit richtig [...]]]></description>
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<div id="attachment_11221" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/12/Demo_Verfschutz-540x371.jpg" alt="" width="540" height="371" class="size-large wp-image-11221" /><p class="wp-caption-text">Nach dem Bekanntwerden der zehn Morde in Deutschland mit rassistischem Hintergrund wird der Verfassungsschutz stark kritisiert/ © Getty Images</p></div>
<p><strong>Die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes kämpfen gegen Terroristen – und gegen Menschen, die unsere Demokratie abschaffen wollen. Leider sind sie nicht immer erfolgreich</strong></p>
<p><em>Von Christian Denso</em></p>
<p>Die vergangenen Wochen waren für die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keine schöne Zeit: Viele Menschen, auch die Bundeskanzlerin und der Innenminister, waren der Meinung, dass einige von ihnen ihre Arbeit richtig schlecht gemacht hätten. Wie kam es zu diesem harten Urteil?<span id="more-11202"></span></p>
<p>Die Verfassungsschützer hatten nicht gemerkt (und deshalb nicht verhindert), dass eine Bande aus der ostdeutschen Stadt Zwickau, die aus zwei Männern und einer Frau bestand, mindestens zehn Menschen umbrachte: Schneider, Kiosk- und Imbissbesitzer, Gemüsehändler und eine Polizistin. Dass sie außerdem viele Menschen schwer verletzten, als sie eine Bombe explodieren ließen. Eine ganze Menge Fragen in diesem Fall sind noch offen, aber es sieht alles danach aus, dass die Bande diese Menschen nur aus Hass auf Ausländer und unseren Staat erschossen hat. Sie wollten unter Menschen ausländischer Herkunft Schrecken verbreiten. Wer so etwas macht, ist ein Terrorist und ein Feind der Verfassung, die bei uns Grundgesetz heißt.</p>
<p>Das Grundgesetz ist ein großartiges Gesetzeswerk. Darin ist festgelegt, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und gleich viel wert sind. Dass jeder seine Meinung sagen darf. Oder eine Partei gründen. Und dass selbst ein Verbrecher ein Recht auf einen ordentlichen Gerichtsprozess hat.</p>
<p>Leider gibt es ein paar Leute, die das Grundgesetz abschaffen wollen. Sie können nicht ertragen, dass es unterschiedliche Meinungen gibt – obwohl das doch völlig normal ist, wie man zum Beispiel in der Familie oder in der Schule erleben kann. Sie wollen, dass man nur tut, was sie für richtig halten. Sie haben zu vielen Dingen ganz extreme Ansichten und werden deswegen »Extremisten« genannt. Der Staat muss aufpassen, dass sich solche Extremisten nicht klammheimlich zusammentun und plötzlich richtig gefährlich werden: für andere Menschen und sogar für den Staat selbst.</p>
<p>Leider ist es so, dass Extremisten und Terroristen selbst genau wissen, dass sie etwas Verbotenes vorhaben. Also treffen sie sich im Geheimen, um miteinander zu verabreden, was sie tun wollen, so wie die Zwickauer Bande. Bei Demonstrationen oder Parteitagen sind sie vorsichtig, denn da könnte ja jeder zuhören, auch Journalisten oder die Polizei. Also muss der Staat irgendwie versuchen, mitzubekommen, was die Verfassungsfeinde heimlich planen. Um das herauszufinden, gibt es den Verfassungsschutz. Er soll die bösen Geheimnisse der Extremisten aufdecken. Man kann den Verfassungsschutz deshalb auch Geheimdienst nennen. Fast jedes Land auf der Welt hat so einen. In Deutschland gibt es viele Verfassungsschutzbehörden (in jedem Bundesland eine) und in der Stadt Köln ein Amt für ganz Deutschland. Dort arbeiten 2500 Menschen.</p>
<p>Die Aufgabe der Geheimdienstler ist also eine sehr wichtige: Sie sollen unseren Staat und seine Bürger schützen. Über ihre Arbeit dürfen sie aber nicht viel erzählen, nicht einmal zu Hause am Abendbrottisch. Sie bekommen manchmal sogar für die Arbeit andere Namen, um nicht erkannt zu werden. Und sie müssen versuchen, so nah wie möglich an die Extremisten heranzukommen, um sie zu beobachten. Das machen die Verfassungsschützer zum Teil einfach, indem sie lesen, was die Extremisten so schreiben, auf Flugblättern, in Zeitungen oder im Internet. Oder sie observieren einen Extremisten, das heißt, sie folgen ihm unerkannt überallhin, um zu wissen, was er vorhat. Sie dürfen sogar in besonders gefährlichen Fällen Telefongespräche abhören und Briefe und E-Mails mitlesen.</p>
<p>Manchmal versuchen die Verfassungsschützer auch, einen ihrer Kollegen unerkannt in die Treffen extremistischer Gruppen einzuschleusen, um mitzubekommen, was dort geredet wird. Solche Verfassungsschützer nennt man »Agenten« oder »verdeckte Ermittler«: Niemand soll wissen, wer sie wirklich sind.</p>
<p>Und dann gibt es noch eine Sorte von Geheimdienst-Mitarbeitern, über die derzeit auch sehr viel geschrieben wird: die sogenannten »V-Leute«. V, das steht für Verbindung; und V-Leute sind Menschen, die nicht richtig beim Verfassungsschutz angestellt, sondern eigentlich selbst Extremisten sind. Das ist ein großes Problem, aber sie erzählen dem Geheimdienst eben manchmal, was andere Extremisten so vorhaben. Sie bekommen bei geheimen Treffen mit den echten Verfassungsschützern Geld, manchmal sogar eine ganze Menge. Das ist für viele von ihnen auch der Grund, ihre extremistischen Freunde zu verraten. Der Verfassungsschutz braucht leider solche V-Leute, um zu erfahren, was bei den Extremisten geplant wird. Manchmal erzählen sie auch nur erfundene Geschichten. Herauszufinden, was stimmt oder nicht, das ist dann wieder die schwierige Aufgabe der Verfassungsschützer.</p>
<p>Der Haken bei so viel Arbeit im Verborgenen ist natürlich, dass kaum jemand nachprüfen kann, ob die Verfassungsschützer sich selbst immer an die Gesetze halten. Manche Sachen sind ihnen extra verboten worden: Sie dürfen zum Beispiel keine Wohnungen durchsuchen und auch niemanden ins Gefängnis sperren. Das kann nur die Polizei tun.</p>
<p>Die Verfassungsschützer sollen nur Informationen sammeln. Wenn sie meinen, dass es brenzlig wird, müssen sie der Polizei einen Hinweis geben. Und sie dürfen einem Menschen nicht hinterherspionieren, nur weil er etwas denkt, was gegen das Grundgesetz verstößt. Denken darf nämlich jeder, was er will. Nur wenn er anfängt, seine radikalen Gedanken zu verwirklichen (etwa einen Bombenanschlag zu planen), wird es ein Fall für den Geheimdienst.</p>
<p>Im Fall der Bande hat der Verfassungsschutz wohl wirklich ziemlich geschlafen: Anscheinend wussten eine ganze Menge Leute, wo die Bandenmitglieder lebten und vielleicht sogar, dass sie Menschen umbrachten. Doch die Geheimdienstler haben, so sagen sie jetzt zumindest, davon nie etwas mitbekommen. Daher wird nun fieberhaft überlegt, was man tun kann, damit der Verfassungsschutz nicht wieder etwas so Schlimmes übersieht.</p>

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		<title>Gemeinsam stark?</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 08:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Europa arbeiten viele Länder eng zusammen –auch Deutschland macht bei dem Staatenbund mit. Aber warum eigentlich? Matthias Krupa Wenn Ihr in diesen Wochen Nachrichten guckt oder hört, was viele Erwachsene sagen, habt Ihr vielleicht den Eindruck, Europa sei gerade kein besonders schöner Kontinent. Ständig wird über eine Krise gesprochen. Die Politiker schauen ganz besorgt, [...]]]></description>
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<div id="attachment_10696" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/10/117012724-6-540x307.jpg" alt="" width="540" height="307" class="size-large wp-image-10696" /><p class="wp-caption-text">Vor dem deutschen Reichstag weht die europäische Flagge/ © Getty Images</p></div>
<p><strong>In Europa arbeiten viele Länder eng zusammen –auch Deutschland macht bei dem Staatenbund mit. Aber warum eigentlich?</strong></p>
<p><em>Matthias Krupa</em></p>
<p>Wenn Ihr in diesen Wochen Nachrichten guckt oder hört, was viele Erwachsene sagen, habt Ihr vielleicht den Eindruck, Europa sei gerade kein besonders schöner Kontinent. Ständig wird über eine Krise gesprochen. Die Politiker schauen ganz besorgt, und manche behaupten sogar, Europa würde »scheitern«. Und wenn sie das sagen, gucken sie noch besorgter. Komisch eigentlich, schließlich geht es uns hier doch ziemlich gut. Jedenfalls gilt das für die meisten Menschen, die in Deutschland, Spanien, Polen oder einem anderen europäischen Land zu Hause sind.<span id="more-10691"></span></p>
<p>Die meisten Menschen in Europa haben genug zu essen. Sie dürfen ihre Regierungen frei wählen und ihre Politiker kritisieren, ohne dass sie dafür bestraft werden. Das ist in vielen Ländern etwa in Afrika oder Asien anders; auch bei uns war das nicht immer so. Fast alle Kinder in Europa können zur Schule gehen – auch wenn Ihr das nicht immer toll findet. In Wahrheit ist es aber natürlich eine großartige Sache, wenn man als Kind etwas lernen darf, anstatt arbeiten zu müssen. Oder, noch schlimmer, anstatt vor einem Krieg fliehen zu müssen.</p>
<p>Warum also schimpfen dann gerade immer mehr Menschen auf Europa? Und welches Europa meinen sie überhaupt, wenn sie sich sorgen, dass es »scheitern« könnte?</p>
<p>Fast immer, wenn in diesen Tagen von Europa gesprochen wird, ist eigentlich die Europäische Union gemeint, kurz: EU. Diese EU ist etwas anderes als der Kontinent Europa. Der Kontinent hat Grenzen, die man im Atlas sehen kann. Die EU dagegen ist eine Art politischer Verein, in dem viele, aber nicht alle europäischen Länder Mitglied sind.</p>
<p>Gegründet wurde dieser Verein 1957, anfangs hatte er nur sechs Mitglieder: Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Heute liest man das und denkt: Na und? Doch damals, vor mehr als 50 Jahren, war die Gründung dieses Vereins eine Sensation. Der Zweite Weltkrieg war erst 1945 zu Ende gegangen, und die meisten Menschen erinnerten sich noch daran, wie dieselben Länder, die sich nun zusammentaten, kurz vorher gegeneinander gekämpft hatten.</p>
<p>Genau deswegen aber hatten kluge Staatsmänner (Staatsfrauen oder Kanzlerinnen gab es damals noch nicht) den Verein gegründet: Damit ihre Länder nie wieder Krieg gegeneinander führen würden. Ihre Idee war im Grunde genommen einfach: Je mehr die Länder gemeinsam machen würden, desto geringer war die Gefahr, dass sie noch einmal miteinander kämpfen würden.</p>
<p>Im Laufe der Jahre wurde der Verein immer größer, heute hat er 27 Mitglieder. Von A wie Austria (oder Österreich) bis Z wie Zypern. Und bald soll Kroatien als 28. Mitgliedsstaat aufgenommen werden. Die Angst vor einem Krieg spielt heute zum Glück keine große Rolle mehr. Und in den vielen Jahren haben die Länder sogar noch gemerkt, dass es viele Vorteile hat, wenn man sich zusammentut.</p>
<p>Heute können die Menschen, die in der EU leben, zum Beispiel von einem Land in ein anderes ziehen und dort arbeiten. Sie können auch innerhalb der EU verreisen, ohne dass sie an einer Grenze kontrolliert werden (jedenfalls in den meisten Ländern). Und die Firmen, die zum Beispiel Autoreifen oder Schokolade herstellen, dürfen diese auch in jedem anderen Land der EU verkaufen. Davon haben dann alle etwas: Die Menschen, die eine größere Auswahl haben, und die Firmen, die ihre Autoreifen oder Schokolade an mehr Menschen verkaufen können. Seit einigen Jahren kann man in 17 der 27 EU-Staaten sogar mit demselben Geld bezahlen, dem Euro.</p>
<p>Damit das alles funktioniert, hat sich die EU wie jeder andere Verein Regeln gegeben. Um diese Regeln zu kontrollieren, gibt es die EU-Kommission, eine Art Vereinsvorstand, in den jedes der 27 Mitgliedsländer einen Vertreter entsendet. Der heißt Kommissar, hat aber nichts mit der Polizei zu tun. Außerdem treffen sich die Regierungschefs aller 27 Länder regelmäßig in Brüssel. Dann entstehen diese ulkigen Bilder, auf denen ganz viele Männer und ein oder zwei Frauen wie eine Fußballmannschaft hintereinander stehen.</p>
<p>Eigentlich ist die EU ein riesiger Erfolg und für viele andere Menschen in der Welt deshalb ein Vorbild. In Afrika zum Beispiel haben einige Länder einen ähnlichen Verein gegründet, die Afrikanische Union (AU). Auch diese Länder hoffen, dass sie gemeinsam stärker sind als jedes Land für sich allein.</p>
<p>Ja, aber wo ist denn dann das Problem? Nun, wie in jedem Verein gibt es auch in der EU immer mal wieder Streit. Und im Moment gibt es besonders heftigen Streit, weil sich einige Länder, Griechenland zum Beispiel, nicht an die gemeinsamen Regeln gehalten haben. Schuld daran sind weniger die Menschen in Griechenland, als vielmehr die früheren Regierungen. Einige sagen nun, dass es besser gewesen wäre, Griechenland gar nicht in den Verein aufzunehmen. Andere finden, dass der Verein ohnehin viel zu groß geworden sei.</p>
<p>Natürlich ist es schwieriger, wenn sich heute 27 Länder verständigen müssen als früher nur sechs. Richtig ist es auch, dass Mitglieder, die sich nicht an die Regeln halten, dafür bestraft werden. Deswegen denken die Politiker nun über noch strengere Regeln für die EU nach. Oder wäre es am Ende sogar besser, den Verein wieder aufzulösen?</p>
<p>Außerhalb von Europa verstehen die Menschen diese Frage gar nicht. »Euch geht es doch gut!«, sagen sie. »Wie gut, dass ihr euch zusammengetan habt.«</p>

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		<title>Was am 11. September vor 10 Jahren geschah</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 09:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
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		<category><![CDATA[Chuck Allen]]></category>
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		<description><![CDATA[Überall auf der Welt wird in diesen Tagen an die Attentate in den USA vor zehn Jahren erinnert. Über 3.000 Menschen starben, nachdem Attentäter ganz normale Flugzeuge entführt hatten und die Piloten zwangen, in Häuser zu fliegen. Zu trauriger Berühmtheit sind die Bilder der brennenden und dann einstürzenden Türme des ehemaligen World Trade Centers in [...]]]></description>
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<div id="attachment_10471" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/09/UA_Flight_175_hits_WTC_south_tower_9-11_edit-2-540x469.jpg" alt="" title="UA_Flight_175_hits_WTC_south_tower_9-11_edit (2)" width="540" height="469" class="size-large wp-image-10471" /><p class="wp-caption-text">Ein schreckliches Bild, das weltberühmt wurde: Die brenndenen Türme des World Trade Centers am 11. September 2001/ © Augenzeuge Robert</p></div>
<p>Überall auf der Welt wird in diesen Tagen an die Attentate in den USA vor zehn Jahren erinnert. Über 3.000 Menschen starben, nachdem Attentäter ganz normale Flugzeuge entführt hatten und die Piloten zwangen, in Häuser zu fliegen. Zu trauriger Berühmtheit sind die Bilder der brennenden und dann einstürzenden Türme des ehemaligen World Trade Centers in New York geworden. Die meisten von Euch waren vor zehn Jahren noch zu klein oder noch gar nicht geboren. Ihr könnt nicht erinnern, wie geschockt alle von diesen Anschlägen waren. Denn was da passierte, hätte keiner je für möglich gehalten. Wir erzählen Euch, wie Chuck Allen, einer der Überlebenden des brennenden World Trade Centers, diesen 11. September vor zehn Jahren in New York erlebte.<span id="more-10464"></span></p>
<p>&#8220;Der 11. September 2001 fängt äußerst verheißungsvoll an. Keine einzige Wolke bedeckt den strahlend blauen Himmel über New York. Die silbrigen Türme des World Trade Centers glitzern in der Sonne. Das 1973 errichtete Gebäude beherrscht mit einer Höhe von mehr als 400 Metern die Skyline von Manhattan. Auf 110 Stockwerken arbeiten rund 14000 Menschen, das entspricht der  Einwohnerzahl einer Kleinstadt. </p>
<p>Im 83. Stock des Nordturms des World Trade Centers sitzt Chuck Allan an seinem Schreibtisch und blickt hinunter auf den Hudson, der durch die Stadt fließt. Ganz in der Ferne, dicht über der George-Washington-Brücke, sieht er einen kleinen Punkt, offenbar ein Flugzeug. Es fliegt niedrig, befindet sich vermutlich auf dem Landeanflug auf den Airport Newark. Chuck Allan schenkt ihm keine weitere Beachtung und wendet sich wieder seinem Computerbildschirm zu. Es ist 8.46 Uhr und er hat noch viel zu erledigen.<br />
Plötzlich zerreißt ein unerträglich lautes Geräusch die morgendliche Stille des Büros. »Was zur Hölle ist das?«, ruft eine Kollegin von nebenan. Chuck Allan blickt aus dem Fenster. Er sieht herabstürzende Trümmer, Papier schwebt durch die Luft, eine zähe Flüssigkeit fließt die Scheiben herab. Etwas Schreckliches muss geschehen sein! </p>
<p>Der Turm schwankt hin und her, viermal, fünfmal. Es knirscht in den Wänden, Möbel verrutschen, Aktenordner fallen zu Boden, die Mitarbeiter schreien und klammern sich an ihren Schreibtischen fest. Dann herrscht gespenstische Ruhe. Auch die Computerbildschirme sind schwarz, alle Telefonleitungen sind tot.</p>
<p>Es ist ganz still. Kein Feueralarm, keine Lautsprecherdurchsagen, nichts. Auf einmal bemerkt Chuck Allan, dass dünner Qualm durch die Türritzen dringt. »Nichts wie raus hier«, ruft er seinen Kollegen zu. Im Treppenhaus riecht es nach Kerosin, dem Benzin, mit dem Flugzeuge fliegen. Alles ist voller Rauch. Die Aufzüge sind außer Betrieb. Allan und seine Mitarbeiter können nur noch die Treppen benutzen. 83 Stockwerke! Panik kommt auf. Schaffen sie es noch rechtzeitig? Es geht quälend langsam voran, denn auch aus den anderen Büros strömen immer mehr Menschen und versuchen, sich ins Freie zu retten. Chuck Allan wirft noch einen letzten Blick aus dem Fenster: Der Platz unten ist mit Trümmern übersät – Stahl, Beton, Glas, Teile von Büroeinrichtungen, daneben eine sonderbare Metallmasse. Etwa das Wrack eines Flugzeugs?  Chuck Allan wird übel. In dem Moment hört er einen zweiten ohrenbetäubenden Knall. Es ist 9.04 Uhr.</p>
<p>Erst später erfährt Chuck Allan, was an diesem Morgen tatsächlich geschehen ist: Um 8.46 Uhr ist eine Boeing 757 mit 92 Menschen an Bord und einer Geschwindigkeit von 700 Stundenkilometern etwa in Höhe des 96. Stockwerks in den Nordturm des World Trade Centers geprallt. Nachdem man zunächst noch glaubte, es sei ein schreckliches Unglück gewesen, steht 20 Minuten später fest, dass es sich um einen geplanten Anschlag handeln muss: Um 9.04 Uhr ist ein zweites Flugzeug im Südturm explodiert. Das kann kein Zufall sein. Nicht nur die Insassen der beiden Maschinen sterben. Für Hunderte von Menschen in den oberen Etagen des World Trade Centers kommt der Tod, bevor sie überhaupt begreifen können, was passiert ist. Nur wenige Minuten nach dem zweiten Flugzeugeinschlag nehmen Mitarbeiter der US-Bundespolizei FBI die Suche nach den Selbstmordattentätern und den Drahtziehern im Hintergrund auf.&#8221;" </p>
<div id="attachment_10469" class="wp-caption alignleft" style="width: 196px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/09/atem_ravensburger1.jpg" alt="" title="atem_ravensburger" width="186" height="240" class="size-full wp-image-10469" /><p class="wp-caption-text">© Ravensburger Buchverlag</p></div>
<p>Dieser Situationsbericht von Chuck Allen ist dem Buch <strong>&#8220;Da hielt die Welt den Atem an&#8221;</strong>, erschienen im Ravensburger Buchverlag (22,95 Euro), entnommen. Neben den Terroranschlägen vom 11. September, die den Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein und den Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan zur Folge hatten, wird in dem Buch noch über andere wichtige Ereignisse der letzten hundert Jahre berichtet: Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland, den Fall der Berliner Mauer, das Ende der Rassentrennung in Südafrika und andere. </p>

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		<title>Der Tag, den niemand vergisst</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 08:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Diese hier zeigen, wie amerikanische Kinder den 11. September 2001 erlebten Terroristen sind Menschen, die Angst und Schrecken verbreiten wollen, weil sie glauben, die Welt würde dadurch besser. Vor zehn Jahren, am 11. September 2001, unternahmen Terroristen einen Angriff auf Amerika. Sie entführten Flugzeuge und benutzten diese Flugzeuge als [...]]]></description>
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<p><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/08/elfterseptember-300x191.jpg" alt="" title="elfterseptember" width="300" height="191" class="alignleft size-medium wp-image-10361" /></p>
<p><strong>Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Diese hier zeigen, wie amerikanische Kinder den 11. September 2001 erlebten</strong></p>
<p>Terroristen sind Menschen, die Angst und Schrecken verbreiten wollen, weil sie glauben, die Welt würde dadurch besser. Vor zehn Jahren, am 11. September 2001, unternahmen Terroristen einen Angriff auf Amerika. Sie entführten Flugzeuge und benutzten diese Flugzeuge als Waffen: In New York brachten sie damit die »Zwillingstürme«, die beiden Büro-Hochhäuser des World Trade Center, zum Einsturz. Mehr als 3000 Menschen starben bei dem Anschlag: die Menschen in den Büros; Feuerwehrleute und Polizisten, die sie retten wollten; die Passagiere in den Flugzeugen und die Terroristen selbst.<span id="more-10359"></span></p>
<p><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/08/elfterseptember02-300x202.jpg" alt="" title="elfterseptember02" width="300" height="202" class="alignright size-medium wp-image-10362" /></p>
<p>Diese Männer hatten behauptet, den Anschlag im Namen ihrer Religion zu begehen. Aber mit Religion, mit Gott oder Glauben hatte ihr Hass nichts zu tun. Die Welt wurde kein besserer Ort. Das Einzige, was sie erreichten, war mehr Angst auf der ganzen Welt. Mehr Krieg. Mehr Misstrauen zwischen Christen und Muslimen. Und schrecklich viel Kummer und Schmerz. Einige Kinder, deren Bilder auf dieser Seite zu sehen sind, haben ihre Eltern am 11. September 2001 in New York verloren.</p>
<p><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/08/elfterseptember_cover-228x300.jpg" alt="" title="elfterseptember_cover" width="228" height="300" class="alignleft size-medium wp-image-10363" /></p>
<p><strong>Art for Heart: Remembering 9/11</strong><br />
Vorwort: Christy Ferer, Einführung: Alice M. Greenwald<br />
Assouline Verlag 2011<br />
144 Seiten, ca. 35 Dollar</p>

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		<title>»Ich bin ein Mauerkind«</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 08:53:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor 50 Jahren wurde mitten in Berlin ein Grenzwall errichtet, der fast 30 Jahre lang die heutige Hauptstadt teilte. Silke Stuck ist dort aufgewachsen, im Westen. Von Silke Stuck Es waren vielleicht fünfhundert Schritte: Aus dem Haus, bis vor zur Ecke, dann rechts, geradeaus über zwei Straßen – und dort ging es nicht mehr weiter. [...]]]></description>
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<div id="attachment_10089" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/08/Berliner_Mauer_August_19851-540x431.jpg" alt="" title="Berliner_Mauer_August_1985" width="540" height="431" class="size-large wp-image-10089" /><p class="wp-caption-text">Die Berliner Mauer im August 1985/ © Karle Horn</p></div>
<p><strong>Vor 50 Jahren wurde mitten in Berlin ein Grenzwall errichtet, der fast 30 Jahre lang die heutige Hauptstadt teilte. Silke Stuck ist dort aufgewachsen, im Westen.</strong></p>
<p><em>Von Silke Stuck</em></p>
<p>Es waren vielleicht fünfhundert Schritte: Aus dem Haus, bis vor zur Ecke, dann rechts, geradeaus über zwei Straßen – und dort ging es nicht mehr weiter. Denn da war sie, die Berliner Mauer. Sie verlief mitten durch das kleine Wäldchen am Stadtrand, durch das ich so gern mit meinem Großvater spazierte. Wie hoch mag sie gewesen sein? Zwei Meter vielleicht? Jedenfalls nicht unbezwingbar in meiner Erinnerung.<span id="more-10086"></span></p>
<p>Von hier, dem südwestlichen Zipfel Berlins, verlief sie einmal mitten durch die Stadt und um den gesamten Westteil der heutigen Hauptstadt.</p>
<p>Am 13. August 1961, vor 50 Jahren, begann der Bau dieser Mauer. Auf der anderen Seite lag die Deutsche Demokratische Republik (DDR), zu der auch der östliche Teil Berlins gehörte. Dieses »zweite Deutschland« war 1949, nach dem Krieg, gegründet worden. Als ich geboren wurde, stand die Berliner Mauer seit zwölf Jahren. Als sie 1989 fiel und das geteilte Deutschland wieder zusammenwuchs, war ich gerade sechzehn.</p>
<p>Was ich als Kind sehr früh verstand: Wir lebten auf der »richtigen« Seite der Mauer. Dahinter aber lag das Unverständliche: ein Land, das seine Bürger regelrecht einsperrte. Die Menschen durften nur in bestimmte Länder reisen und nicht offen ihre Meinung sagen. Es gab nur eine Partei, und die bestimmte alles: wer ein Auto oder ein Telefon bekam und welchen Beruf man lernte.</p>
<p>Wenn ich auf einen der hölzernen Aussichtstürme im kleinen Wäldchen kletterte und über die Mauer schaute, war da: nichts. Jedenfalls nicht viel zu sehen. Ein grauer Streifen Ödnis, auf dem Grenzsoldaten in graubraungrünen Uniformen hin und her liefen. Andere Menschen sah ich dort nie.</p>
<p>Die DDR-Bürger durften sich der Mauer auf ihrer Seite nicht nähern. Wer es doch tat, konnte erschossen werden. Manchmal sprachen meine Eltern am Frühstückstisch darüber, dass wieder jemand versucht hatte, in unserer Nähe über die Grenze zu gelangen – und dabei umgekommen war. Ich biss in mein Marmeladenbrot und gruselte mich. Was in dieser DDR vor sich ging, war nicht nur schwer zu verstehen, es war manchmal unbegreiflich.</p>
<p>Mir wurde wohl erst nach dem Fall der Mauer bewusst, was die Teilung des Landes, diese Mauer mitten in der Stadt, für eine schreckliche Sache war. Jahrelang hatte ich direkt neben ihr gelebt, und doch spielte sie im Alltag kaum eine Rolle für mich. Sie war wie der Zaun eines Nachbargrundstücks, über den man auch nicht klettern durfte. So einfach machten wir Kinder uns die Welt.</p>
<p>Wir nahmen die Mauer hin. Wir kannten es ja auch nicht anders. Die Teilung der Stadt, unserer Stadt, behandelten wir in der Grundschule. Hin und wieder kamen neue Kinder in unsere Klasse, die es geschafft hatten, mit ihren Familien aus der DDR auszureisen. Viel gefragt habe ich sie nicht, aber wir hatten gehört, dass es alles andere als einfach war, der DDR zu entkommen. Dass man auf eine Ausreise-Erlaubnis ewig warten und dann alles zurücklassen musste. Viel erzählt haben die neuen Kinder in der Klasse von ihrem alten Leben auch nicht. Als sei es hinter dieser grauen Betonmauer geblieben – eingesperrt wie sie zuvor.</p>
<p>Die Mauer hat sogar meine eigene Familie in zwei Teile gerissen. Mein Vater und sein Bruder wurden getrennt, nachdem ihre Eltern kurz nacheinander gestorben waren. Mein Vater zog zu seiner Oma nach Berlin-Kreuzberg, im Westen. Mein Onkel kam zu den anderen Großeltern, in den Osten, nach Brandenburg an der Havel.</p>
<p>Als mein Vater und mein Onkel Jugendliche waren, wurde die Mauer gebaut, und sie konnten sich nicht mehr so einfach besuchen. Wir aus dem Westen fuhren ab und zu mal rüber. Manchmal kamen meine Schwester oder ich mit. Aber die Verwandtschaft blieb mir fremd, ist es bis heute. Was uns jahrelang getrennt hat, können wir nicht wegwischen. Als sei eine kleine, eine unsichtbare Mauer zwischen uns geblieben.</p>
<p>Wir lebten nur eine Autostunde voneinander entfernt und doch wie in zwei unterschiedlichen Welten. Ich fühlte mich komisch im Osten: Die Wurst schmeckte anders, die Cola auch. Mein Cousin und meine Cousine freuten sich immer, wenn wir ihnen eine Jeans mitbrachten, meine Tante über Kaffee oder ein Radio. Denn das waren Dinge, die sie in der DDR nicht so einfach kaufen konnten. Aber die Fragen meiner Verwandten zu meinem Leben im Westen fühlten sich eigenartig an: Einerseits kam ich mir cool vor, weil meine eigene Welt in ihren Augen schillerte, andererseits schämte ich mich, damit anzugeben.</p>
<p>Diese DDR war mir unheimlich, und sie machte unser Leben kompliziert. Wenn meine Eltern, meine Schwester und ich in den Ferien verreisten, warteten wir ewig an der Grenze. Wir mussten aus West-Berlin ja durch die DDR, um woanders hinzugelangen. Einmal, am späten Abend, verfuhren wir uns im Osten. Wir waren von der vorgegebenen Strecke abgekommen, was streng verboten war. Immer wieder versuchten DDR-Bürger zu fliehen, und Menschen aus dem Westen halfen manchmal. Man hätte uns für Fluchthelfer halten können. Ich spürte damals, wie angespannt meine Eltern vorn im Auto waren, obwohl wir doch nichts Unrechtes taten. Dieser Staat, der seine Bürger unterdrückte, machte ihnen Angst – und dadurch auch mir.</p>
<div id="attachment_10109" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/08/Silke-Stuck.jpg" alt="" title="Silke Stuck" width="180" height="239" class="size-full wp-image-10109" /><p class="wp-caption-text">Autorin Silke Stuck</p></div>
<p>Doch ich fragte selten. Das kam erst später, als es keine Mauer und auch die DDR nicht mehr gab. Ich studierte an einer Universität in Ostberlin und fand dort Freunde, die in der DDR groß geworden waren. Ihnen stellte ich Fragen – sicher viel zu wenige, sicherlich auch viele dumme.</p>
<p>Wenn ich heute meinen Kindern erzähle, dass es einmal zwei Deutschlands gab, dann ist es für sie eine schwer verständliche Geschichte aus einer anderen Zeit. Sie können sich wohl nicht vorstellen, wie man ein Land in zwei Teile reißt, Familien voneinander trennt und mitten durch eine Stadt eine Mauer zieht. Diese Zeit ist vorbei, zum Glück. Und doch bin ich froh, dass ich etwas von dieser Geschichte so nah miterlebt habe – vor meiner Haustür und in der eigenen Familie.</p>

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		<title>Die Aufpasser der Welt</title>
		<link>http://blog.zeit.de/kinderzeit/2011/07/28/die-aufpasser-der-welt_10003</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 11:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Weltweit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Selbst mächtige Herrscher müssen mit Bestrafung rechnen, wenn sie sich nicht an bestimmte Regeln halten. Darüber wacht ein Gericht in Den Haag Von Jochen Bittner Wenn jemand etwas Böses tut, dann muss er bestraft werden: Ist doch logisch. Dazu haben wir schließlich Gesetze. In diese Gesetze haben wir hineingeschrieben, welches Verhalten wir falsch finden und [...]]]></description>
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<div id="attachment_10029" class="wp-caption alignleft" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/07/gadhafi-540x304.jpg" alt="" title="wagner" width="540" height="304" class="size-medium wp-image-9992" /><p class="wp-caption-text">Muammar al-Gadhafi regiert in Libyen seit 42 Jahren/ © Pascal Le Segretain/Getty Images</p></div>
<p><strong>Selbst mächtige Herrscher müssen mit Bestrafung rechnen, wenn sie sich nicht an bestimmte Regeln halten. Darüber wacht ein Gericht in Den Haag</strong></p>
<p><em>Von Jochen Bittner</em></p>
<p>Wenn jemand etwas Böses tut, dann muss er bestraft werden: Ist doch logisch. Dazu haben wir schließlich Gesetze. In diese Gesetze haben wir hineingeschrieben, welches Verhalten wir falsch finden und welche Folgen es haben muss, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält. Wer zum Beispiel zu schnell Auto fährt, muss ein Bußgeld bezahlen. Wer einen anderen verprügelt oder bestiehlt, kann im Gefängnis landen. Das passiert, weil wir, das Volk, dies so wollen. »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«, so steht es in unserem Grundgesetz. Das heißt, die Leute, die die Strafgesetze schreiben, tun das im Auftrag von uns allen.</p>
<p>Klingt gut, was? Ist es auch. So kann sich nämlich keiner beschweren, wenn er bestraft wird. Denn immerhin hat die Mehrheit das so gewollt. Es gilt der Merksatz: »Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!« Deswegen sind Gesetze meist ganz klug. <span id="more-10003"></span></p>
<p>Leider ist das nicht überall so. Von den 194 Ländern auf der Welt sind nur 115 Demokratien. Das heißt, in ziemlich vielen Ländern bestimmt nicht das Volk, sondern oft ein Herrscher. Er ist nicht daran gebunden, was die Bürger wollen. Und er braucht auch keine Angst vor Strafen zu haben, weil er entscheidet, was überhaupt bestraft wird. Im schlimmsten Fall sind solchen Herrschern Gesetze sogar egal, und sie werden selbst zu Verbrechern.</p>
<p>Der Machthaber von Libyen ist so ein Fall – sicher habt Ihr in den vergangenen Monaten etwas über Muammar al-Gadhafi gelesen oder gehört. Gadhafi regiert das Land an der Nordküste Afrikas schon seit 42 Jahren, allerdings wurde er nicht vom Volk gewählt. Er glaubt schlicht, Libyen gehöre ihm. Deswegen erstickt er jeden Widerstand gegen seine Herrschaft, und zwar auf sehr, sehr brutale Art. Er lässt Leute, die anders denken als er, foltern, ins Gefängnis werfen oder gar erschießen. Seit Kurzem wirft er sogar Bomben auf die Bevölkerung, weil die in immer mehr Städten gegen ihn aufbegehrt. Dabei kommen viele völlig Unschuldige, auch Kinder, ums Leben.</p>
<p>Was soll man mit Leuten machen, die so etwas tun? Gibt es nicht auch für sie Gesetze, an die sie sich halten müssen, ganz egal, ob diese Gesetze nun bei ihnen in den Rechtsbüchern stehen oder nicht?</p>
<p>Ja, solche Gesetze gibt es. Allerdings noch gar nicht so lange. Vor dreizehn Jahren einigte sich die Mehrheit aller Staaten der Welt auf vier Verbrechen, die überall bestraft werden sollen – weil bestimmte Taten einfach so schlimm sind, dass niemand, auch kein noch so mächtiger Herrscher, glauben soll, er dürfe sie ungeschoren begehen. Die vier Gesetze lauten: 1. Niemand darf Menschen töten, weil sie einer bestimmten Rasse oder Religion angehören oder weil sie eine andere Politik möchten. 2. Niemand darf andere versklaven oder aus ihrer Heimat vertreiben. 3. Niemand darf im Krieg Unschuldige und Kinder töten, Krankenhäuser bombardieren oder Menschen hungern lassen. 4. Niemand darf ohne Grund ein anderes Land angreifen.</p>
<p>Um darüber zu wachen, dass diese Gesetze eingehalten werden, hat die Weltgemeinschaft ein eigenes Gericht geschaffen, den Internationalen Strafgerichtshof. Er hat seinen Sitz in Den Haag, einer Stadt in den Niederlanden. Dort arbeiten Richter und Strafverfolger aus der ganzen Welt. Sie alle haben ein Ziel: Sie wollen diejenigen, die ihre Macht so grob missbrauchen wie zum Beispiel Gadhafi, fangen und nach Den Haag bringen lassen. Dort sollen sie sich, wie jeder andere Verbrecher auch, vor Richtern verantworten.</p>
<p>Der Erste, der dort landete, war ein Mann namens Thomas Lubanga, er stammt aus dem Kongo. Ihm wird vorgeworfen, in dem afrikanischen Land Kinder entführt und als Soldaten versklavt zu haben. Das Verfahren gegen ihn ist, wie das gegen alle Angeklagten vor dem Internationalen Strafgerichtshof, kompliziert und dauert lang. Es müssen Zeugen gefunden werden, die mutig genug sind, gegen die Beschuldigten auszusagen. Diese Zeugen müssen aber auch glaubwürdig sein. Und es müssen genug Aussagen zusammenkommen, um die Vorwürfe zu untermauern. Deshalb können die Verfahren viele Jahre dauern.</p>
<p>Aber die allererste Frage ist natürlich: Wie schnappt man Staatsverbrecher überhaupt? Das Gericht in Den Haag hat nämlich keine Polizisten, die es in den Kongo schicken könnte oder nach Libyen, um Muammar al-Gadhafi festzunehmen. Und Gadhafis eigene Polizisten – na, die halten zu ihm und tun ihm nichts.</p>
<p>Weil das Haager Gericht nicht einfach Fangkommandos irgendwohin schicken kann, sind Staatsverbrecher in aller Regel sicher, solange sie an der Macht sind. Wenn die aber ins Wanken gerät und zum Beispiel das Volk aufsteht und für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft, dann muss der alte Herrscher Angst haben, verhaftet zu werden.</p>
<p>Gadhafis Thron etwa wackelt mittlerweile sehr. Die zornige Bevölkerung dringt immer näher zu seinem Palast vor. Sollte es ihr gelingen, Gadhafi festzunehmen, könnte ihm schon bald in Den Haag der Prozess gemacht werden.</p>
<p>Ein Ausweg für den brutalen Herrscher wäre die Flucht. Es gibt nämlich Länder, die den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen und keine Verbrecher dorthin ausliefern. Sollte Gadhafi es schaffen, in ein solches Land zu fliehen, dann könnte er dort ungestört den Rest seines Lebens verbringen. In Südafrika zum Beispiel wäre das möglich, oder in Angola oder in Simbabwe.</p>
<p>Denn leider ist es mit Staatsverbrechern nicht anders als mit Rasern, Prüglern oder Dieben: Manchmal entkommen sie doch dem Gesetz – und somit auch einer gerechten Strafe.</p>

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		<title>»Mehr Zeit für Kinder!«</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 13:04:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion KinderZEIT</dc:creator>
		<category>KinderZEIT</category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Babypause]]></category>
		<category><![CDATA[Familienministerin]]></category>
		<category><![CDATA[Kristina Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Schröder]]></category>

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		<description><![CDATA[Kristina Schröder ist die erste Bundesministerin in Deutschland, die während ihrer Amtszeit ein Baby bekommen wird. Wir haben sie über ihre eigene Jugend ausgefragt. Von Malte Arkona Mitte Juli soll Kristina Schröders Kind zur Welt kommen, deshalb macht die 33-Jährige derzeit eine Arbeitspause. Vorher haben wir sie zum KinderZEIT- Interview in Berlin getroffen. KinderZEIT: Wie [...]]]></description>
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<div id="attachment_9782" class="wp-caption aligncenter" style="width: 550px"><img src="http://blog.zeit.de/kinderzeit/files/2011/06/schroeder-540x373.jpg" alt="" title="Cabinet Meeting With New Vice Chancellor Roesler" width="540" height="373" class="size-large wp-image-9782" /><p class="wp-caption-text">Macht jetzt erst einmal Babypause: Familienministerin Kristina Schröder/ © Sean Gallup</p></div>
<p><strong>Kristina Schröder ist die erste Bundesministerin in Deutschland, die während ihrer Amtszeit ein Baby bekommen wird. Wir haben sie über ihre eigene Jugend ausgefragt.</strong></p>
<p><em>Von Malte Arkona</em></p>
<p>Mitte Juli soll Kristina Schröders Kind zur Welt kommen, deshalb macht die 33-Jährige derzeit eine Arbeitspause. Vorher haben wir sie zum KinderZEIT- Interview in Berlin getroffen.<span id="more-9781"></span></p>
<p>KinderZEIT: Wie erklären Sie Kindern, was Sie beruflich machen? </p>
<p>Kristina Schröder: Ich sage, dass ich die Ministerin sowohl für Familien als auch für Kinder und Jugendliche bin. Meine Aufgabe ist es zum Beispiel, dabei zu helfen, dass es genügend gut ausgestattete Kita-Plätze gibt. Und ich bin dafür verantwortlich, dass Eltern Beruf und Familie gut unter einen Hut bekommen und Zeit für ihre Kinder haben – und das nicht nur am Wochenende&#8230; </p>
<p>KinderZEIT: Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Kindheit in Wiesbaden zurückdenken? </p>
<p>Kristina Schröder: Mir fällt als Erstes mein großer Bruder ein, der elf Jahre älter ist als ich und mich oft ganz schön geärgert hat. Zum Beispiel auf dem Rückweg vom Kindergarten. Er fuhr mit dem Skateboard weit voraus, und ich lief heulend hinterher. Wenn ich zu laut weinte, hat er kurz angehalten und gewartet, bis ich ihn fast eingeholt hatte – und dann ist er mit Schwung weitergerollt! Mit so einem großen Bruder ist man einiges gewohnt, da machen einem Streitereien im Kindergarten oder in der Schule nicht mehr so viel aus. </p>
<p>KinderZEIT: Hat Sie das für Ihren Beruf als Politikerin abgehärtet? </p>
<p>Kristina Schröder: Das behauptet zumindest mein Bruder. Er meint, ohne ihn wäre ich nie in die Politik gegangen! Das stimmt natürlich nicht, aber so eine ständige Auseinandersetzung prägt schon. </p>
<p>KinderZEIT: Stimmt es eigentlich, dass Ihre Mutter schimpft, wenn Sie in den Nachrichten sieht, dass Sie zu dünn angezogen sind? </p>
<p>Kristina Schröder: (lacht). Das ist mal passiert, ja. Aber wenn Mütter ihre Töchter im Fernsehen sehen, achten sie eben auf andere Dinge als der »normale« Zuschauer. Da hab ich auch schon mal Sätze gehört wie: »Ich habe das Gefühl, du schläfst zu wenig.« </p>
<p>KinderZEIT: Sie werden bald selbst Mutter sein. Beeinflusst das Ihre politischen Entscheidungen? </p>
<p>Kristina Schröder: Bestimmt mache ich täglich wichtige praktische Erfahrungen: Zum Beispiel, was es heißt, genug Zeit für meine Familie und genug Zeit für mein Amt als Ministerin zu haben. Andererseits wehre ich mich immer gegen die Vorstellung, man müsste alles selbst erlebt haben, um darüber zu urteilen. Ich bin ja zum Beispiel auch Seniorenministerin und war noch nie alt. Trotzdem kann ich mich gut in die Wünsche und Bedürfnisse Älterer hineinversetzen. Schließlich habe ich ja auch Großeltern. </p>
<p>KinderZEIT: Möchten Sie etwas so machen wie Ihre eigene Mutter? </p>
<p>Kristina Schröder: Ehrlich gesagt, sehr viel. Meine Eltern hatten immer ein sehr großes Vertrauen in meinen Bruder und mich und haben uns deshalb selten Vorschriften gemacht. Während meine Freundinnen oft die Ansage hatten: »Du bist um 18 Uhr zu Hause!«, durfte ich das selbst entscheiden. Es war ja klar, dass ich nicht um Mitternacht nach Hause komme. Aber ob nun 18 oder 19 Uhr, das war meine Sache. Da waren meine Eltern ganz offen und entspannt. Ich weiß noch, dass das bei meiner besten Freundin ganz anders war. Die wurde wesentlich strenger erzogen. </p>
<p>KinderZEIT: Und wann war bei Ihnen abends das Licht aus? </p>
<p>Kristina Schröder: Auch das war nicht streng geregelt. Es blieb an, bis ich müde war. Ich durfte also auch noch mal eine halbe Stunde lesen, bis mir die Augen von selbst zufielen. </p>
<p>KinderZEIT: Was wollten Sie denn damals werden, mit zehn Jahren? </p>
<p>Kristina Schröder: Hmm, da hatte ich noch keine klare Vorstellung. Ich glaube, ich wollte mal Fernsehmoderatorin werden. </p>
<p>KinderZEIT: Welche Sendungen haben Sie gern gesehen? </p>
<p>Kristina Schröder: Highlight war immer Wetten, dass&#8230;?, moderiert von Frank Elstner. Und dann kam Thomas Gottschalk. Wobei ich da zuerst kritisch war, denn Kinder sind ja konservativ. Doch ich bin dann ganz schnell ein Riesenfan von ihm geworden. </p>
<p>KinderZEIT: Wie viel Fernsehen war Ihnen erlaubt als Kind? </p>
<p>Kristina Schröder: Auch da gab es keine feste Vorgabe, aber meine Eltern haben natürlich darauf geachtet, dass ich nicht zu viel geguckt habe. Die Sesamstraße, Die Sendung mit der Maus und Löwenzahn waren in Ordnung. Später habe ich dann fast jeden Tag logo geguckt, die ZDF-Kindernachrichten fand ich großartig! Und wenn ich dann heimlich doch mal Aktenzeichen XY eingeschaltet habe, habe ich das schwer bereut. Ganz ehrlich: Das finde ich heute noch zum Teil gruselig. </p>
<p>KinderZEIT: Und woher kam Ihre Begeisterung ausgerechnet für Politik? </p>
<p>Kristina Schröder: Das war die deutsche Wiedervereinigung, vor allem der Fall der Berliner Mauer 1989. Ich weiß noch, wie ich aus der Schule kam und sah, dass meine Mutter ganz ergriffen vorm Fernsehapparat saß. Davon hab ich mich sofort anstecken lassen und mich danebengesetzt. Mit zwölf ist man ja auch schon in der Lage, solche politischen Vorgänge ungefähr zu kapieren. Ich fand das unheimlich faszinierend, habe angefangen, die Tagesschau zu gucken und Zeitungen zu lesen. </p>
<p>KinderZEIT: Würden Sie sagen, Ministerin ist ein Traumberuf? </p>
<p>Kristina Schröder: Ministerin zu sein ist eine Riesenchance, wenn man so ein politischer Mensch ist wie ich. Da kann man endlich mal vieles von dem, was man für richtig hält, umsetzen. Wer kann schon von sich behaupten, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben? Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser der KinderZEIT Hobbys haben und es wahrscheinlich auch gut fänden, wenn sie diese später zu ihrem Beruf machen könnten – zum Beispiel Fußballerin werden oder Schauspieler werden. Ich habe diese Chance bekommen. </p>
<p>KinderZEIT: Welche Eigenschaften hatten Sie denn als Kind schon, die Ihnen heute nützlich sind? </p>
<p>Kristina Schröder: Ich war immer schon ziemlich fleißig und in der Lage, an etwas dranzubleiben. Schon als Kind konnte ich mich in etwas verbeißen, wenn ich etwas vorhatte, und das bis zum Ende verfolgen. Egal, was andere sagen. Diese Eigenschaft nützt mir natürlich auch heute als Ministerin. </p>
<p><strong>Ein kleiner redaktioneller Nachtrag:</strong> Das Baby von Kristina Schröder wurde am 02. Juli geboren, es ist ein Mädchen und heißt Lotte Marie.</p>

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