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Wenn Autoren zu Verlegern werden

 

Weitgehend unbemerkt hat sich in den letzten Jahren auf dem Buchmarkt der USA eine kleine Revolution ereignet: Es werden inzwischen mehr als doppelt so viele Bücher jenseits der traditionellen Verlage veröffentlicht als noch vor drei Jahren.

Zahlen zu dieser Entwicklung in den Jahren 2002 bis 2009 (prognostiziert) liefert der US-amerikanische Bibliografie-Informationsdienst Bowker, in der folgenden Grafik übersichtlich aufbereitet. Bowker unterscheidet dabei zwischen traditionellem und nicht-traditionellem Publishing, wobei letzteres vor allem Print-on-Demand-Angebote sind, also die Titel erst nach der Bestellung ausgedruckt werden. (Für eine statische Ansicht wählt man oben rechts den Button “Säulendiagramm” und drückt dann den Play-Button):

Ähnliche Zahlen gibt es für Deutschland nicht, weil der Börsenverein des deutschen Buchhandels solche Statistiken nicht erhebt. Anzunehmen ist, dass sich der Markt hierulande ähnlich entwickelt, nur leicht zeitversetzt.

Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Internetplattformen diese Dienste für Autoren anbieten. Der Großteil bietet Print-on-Demand, zunehmend gehören aber auch E-Books dazu. Und vor allem im E-Book-Bereich sind die Autorenprovisionen mindestens doppelt so hoch wie im Print-Bereich.

In den USA hat vor allem Amazon das Geschäft mit den E-Books aufgemischt – mit einer Autorentantieme von 70 Prozent. Sie gilt allerdings bislang nur für US-Autoren, die ihr Buch bei Amazon zu einem Höchstpreis von maximal 9,99 Dollar anbieten. Dieses 9,99-Dollar-Diktat von Amazon bestimmt den amerikanischen E-Book-Markt maßgeblich – und führt anders als in Deutschland, wo Verlage sich etwa bei Libreka noch in mühsamen Preisfindungsprozessen befinden, zu erstaunlichen Abverkäufen: Amazon verkauft inzwischen fast doppelt so viele E-Books wie Printwerke gebundene Bücher.

Für die deutschen Verlage ist die Buchpreisbindung noch eine Art Rettungsanker – verhindert sie doch, dass ein Anbieter sich einen Günstigst-Preis ausbedingen kann. Ebenfalls profitieren sie davon, dass Amazon, Apple sowie etliche E-Book-Reader ihre Kataloge noch nicht für einen automatischen Datentransfer seitens der Self-Publishing-Plattformen geöffnet haben.

Dieser momentane Stillstand ist allerdings nur eine Art Schonfrist: Immer mehr Autoren machen sich angesichts der lukrativen Tantiemen im E-Book-Markt auf die Suche nach Selbstvermarktungs-Möglichkeiten. Den Verlagen droht also Ungemach von beiden Seiten, sowohl von den Autoren als auch von den Händlern.

Chancen und Vorteile haben die Verlage, was das Marketing betrifft. Das gilt bei der drohenden Titelschwemme nur umso mehr. Autoren wird es kaum genügen, eine Website zum Buch oder einen Twitter-Account zu führen. Verlage könnten Autoren hier mit Rundum-Paketen unterstützen – von der kollaborativen Manuskripterstellung, über ein professionelle Publishing über Mediengrenzen hinweg bis hin zu neuen, innovativen Vermarktungsmodellen.

16 Kommentare


  1. Das verstehe ich nicht, Christiane Schulzki-Haddouti. Es gibt POD in Deutschland, wenn auch nur wenige Verläge (eher Druckhäuser) wirklich interessante Angebote für selbstverlegende Autoren anbieten. Ich habe bereits vor fünf Jahren ein kleines Buch in dieser Form selbst erstellt und herausgebracht, es lässt sich auch bei amazon leicht finden. Die Betreuung seitens des POD-Anbieters kann man beliebig wählen und sie ist aus meiner kleinen Erfahrung ziemlich gut. Was hat das alles mit Preisbindung zu tun? Dass amazon und andere Buchhandlungen mein Büchlein nicht zu einem beliebigen Preis anbieten können, liegt einfach am Prozess der Herstellung. Es gibt keine Restposten. Der Preis ergab sich aus meiner Kalkulation und den Kosten des POD-Anbieters. Sie müssten, um die Preisbindung relevant einzuführen, schon annehmen, dass amazon von meinem Buch plötzlich einmal 10000 auf Lager bestellt. Aber das ist doch Teil des alten, überholten Modells!

  2.   Christiane Schulzki-Haddouti

    Die Bemerkung bezog sich nicht auf POD, sondern auf E-Books.

  3.   peter kolic

    xxx

  4.   Lodda

    Ist schon ein bisschen bedenklich, wenn selbst Journalisten nicht mehr den Unterschied zwischen “als” und “wie” kennen.


  5. eine kleine, einfache Rechnung: Galileo Press veröffentlicht ein Buch über Open LDAP, das ich geschrieben habe. Ladenpreis 39,90 – Autorenhonorar 2,48 €.
    Meinen Essayband über deutsche Innenpolitik habe ich selbst verlegt – Ladenpreis 10.00 €, mein Anteil 7,00 €.
    BOD – das kann ich jedem nur empfehlen.

  6.   mo_ro

    Es stimmt nicht, dass Amazon-USA inzwischen mehr eBooks als Printwerke verkauft – es verkauft mehr eBooks als HARDCOVER-Ausgaben. Das ist ein gewaltiger Unterschied; der Hauptbuchmarkt sind immer noch Taschenbücher!


  7. Sie haben Recht, das war zu lax formuliert. Ich habe den Begriff durch “gebundene Bücher” ersetzt.


  8. Dann habe ich irgend wie den Zusammenhang beim Lesen wohl verloren. Es mag aber auch daran liegen, dass ich über eBooks herzlich wenig informiert bin – das sind irgend wie keine Bücher für mich und das Lesen eine Qual.

    Ich sollte einmal nachschauen, was sich dort tut – vor allem rechtlich. Denn meine bisherige Annahme war, dass es sich hierbei um rein digitale Dokumente handelt. Wieso also Buchpreisbindung?

    Mal sehen, ob ich einen guten Überblicktext dazu finde. Denn je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Fragen stellen sich mir. Hat jemand einen Tipp?

  9.   3imsinn

    Das ist leider immer noch nicht richtig. TB sind durchaus auch gebunden, nur eben geleimt. Ich würde schon “Hardcover” verwenden. Dann stimmt das so und ist ja immerhin auch nicht wenig…

  10.   Christiane Schulzki-Haddouti

    Gibt es da keinen deutschen Begriff?