Wir schließen

Seit September 2009 haben hier Markus Beckedahl, Kai Biermann, Christiane Schulzki-Haddouti und Tina Klopp über die sich wandelnde Welt gebloggt. Über kleine Beobachtungen und große Geschichten, die zeigten, wie schwer sich mancher mit der digitalen Welt tut und wie leicht sich manches doch verändert.

Wir wollten mit diesem Blog die Phase des Übergangs begleiten. Und haben bald bemerkt, dass der gleiche Gedanke auch unsere Arbeit im Digitalressort von ZEIT ONLINE leitet.

Noch dazu ist der Kulturkampf, den das Blog im Namen trägt, an vielen Stellen schon gar keiner mehr, da sich das Internet als Idee längst durchgesetzt hat. Wir haben uns daher entschlossen, das Projekt zu beenden und unsere Kraft auf andere Themen zu konzentrieren – beispielsweise Open Data.

Herzlichen Dank für die Treue und vor allem für die vielen anregenden Kommentare und Diskussionsbeiträge. Es hat Spaß gemacht!

Zum Abschied ein letztes Posting von Christiane Schulzki-Haddouti:

 

Alte Sachen neu erzählt

Iconoscope: Star Wars als Piktogramm
Iconoscope: Star Wars als Piktogramm

Star Wars scheint das Material zu sein, an dem neue Darstellungskonzepte am liebsten getestet werden. Noch vor dem Herrn der Ringe. Hier ist wieder einer: Der Versuch, die komplexen Handlungsstränge der Saga allein mit Piktogrammen zu vermitteln.

All jenen, die das Original kennen, wird das ein Schmunzeln entlocken. Für die, die es nicht kennen (ja, die soll es geben), sind die Bilderfolgen aber wahrscheinlich eher sinnloses Gestempel. Dabei ist der Ansatz so untauglich nicht. Auch eine Mobiltelefon-App versucht, nur mit Piktogrammen zu arbeiten: als universaler Übersetzer, der unabhängig von Sprache funktioniert.

via.

 

Handbuch des (Netz)-Soldaten

Soldaten brauchen klare Regeln, noch dazu in verwirrenden Situationen und komplexen Umgebungen. Das hat die amerikanische Armee beherzigt und ihr „U.S. Social Media Handbook“ überarbeitet. Version 2011 liefert ausführliche Warnungen und Hinweise für die Netz-Krieger und beginnt mit dem schönen Satz:

„Heutzutage braucht es mehr als eine Pressemitteilung, um erfolgreich zu kommunizieren.“ Wahre Worte.

Genau wie der Hinweis, sich kurz zu überlegen, was man postet. Natürlich im Army-Style: „Wenn Sie es nicht vor Ihrer Einheit sagen würden, sollten Sie es auch nicht im Internet sagen.“

Vor allem aber geht es der Armee offensichtlich darum, dass ihre Soldaten nicht den Abschusscode der Atomraketen oder ähnlich sensible Dinge verraten.

via.

 

Null bis neunzig Tage

Beim Streit um Vorratsdatenspeicherung und Quick Freeze bemängeln die Ermittler derzeit immer, die Internetanbieter würden viel zu kurz IP-Adressen ihrer Kunden speichern. Aber wie lange speichern sie eigentlich?

Die Antwort gibt es hier:

D-Takt = 7 Tage
T-Mobile D 1 = 30 Tage
Vodaphone überhaupt nicht
E-Plus = 90 Tage
Telefonica Deutschland = 21 Tage
Arcor überhaupt nicht
Hanse Net überhaupt nicht
M-Net = 3 Tage
Freenet überhaupt nicht
AOL = 5 Tage
1 & 1 = 60 Tage
Net Cologne = 4 Tage
Versatel Deutschland = 3 Tage

via AK Vorrat, wo es das Ganze noch ausführlicher gibt

 

Cablegame – Botschaftsdepeschen durchsuchen als Spiel

Cablegame - Verschlagwortung von Botschaftsdepeschen

Wie bekommt man Menschen dazu, langweilige und mühsame Dinge zu tun? Durch Wecken des Spieltriebs. In der Wissenschaft gibt es das schon, serious games heißt es, wenn Freiwillige Proteine falten oder Datenbestände durchforsten. Eine Abart davon, das social tagging, nutzt nun auch Wikileaks.

Denn das Projekt hat zwar 251.000 Botschaftsdokumente bekommen und einige davon bereits im Netz veröffentlicht. Doch wer sie durchsuchen will, bleibt schnell im Wirrwarr der vielen kryptischen Bezeichnungen hängen. Eine inhaltliche Suche ist derzeit kaum möglich (zwar gibt es externe, von Wikileaks selbst aber wird keine angeboten), lediglich der Ort der Veröffentlichung oder die militärischen Abkürzungen können zum Durchforsten benutzt werden.

Um einen Themenkatalog der „Cables“ zu erstellen, versucht es Wikileaks nun mit einem solchen Spiel, dem Cablegame. Wer mitmacht, liest sich eines der Schriftstücke durch und markiert in ihm möglicherweise interessante Begriffe, Ortsbezeichnungen oder Namen.

Anschließend können diese in eine von fünf vorgegebenen Schlagwortkategorien gespeichert werden und zwar: Name, Organisation, Ort, Vorkommnis oder Thema. Haben andere Leser die gewählte Kategorie für den gleichen Begriff schon einmal benutzt, gibt es Punkte.

Die Idee: Ein Name wie Brown wird dank dieses Systems sicher als Name zugeordnet, da viele verschiedene Nutzer ihn als solchen speichern. Ein Computer könnte das nicht, da er nie wüsste, ob in dem gegebenen Zusammenhang nicht doch die Farbe gemeint ist.

Damit sorgt das Cablegame nicht nur für eine inhaltliche Verschlagwortung. Es macht auch Darstellungen wie Tagclouds – Schlagwortwolken – möglich und zieht so eine ganz neue Ebene ein, um sich die Botschaftsdepeschen zu erschließen.

Update:
LeakySearch nachgetragen, mit Dank an @Karpfenpeter

 

Auge um Auge

Auseinandersetzung im Parlament Taiwans

Es gibt Demokratien, da erfolgt politische Auseinandersetzung nicht nur mit Worten. Dank des Netzes wird das auf den ersten Blick lustige, auf den zweiten aber vor allem albern wirkende Gehabe ordentlich gesammelt, archiviert und jedermann zugänglich. Und entfaltet so hoffentlich abschreckende Wirkung. Zum Beispiel dank Tagcloud, macht die doch auf den ersten Blick deutlich, wo es unzivilisierter zugeht: derzeit führt die Ukraine, auf dem zweiten Platz folgt Taiwan, den dritten teilen sich Russland und Indien.

via.

 

Die Welt, durch Facebooks Augen

Verbindungen von Facebook-Mitgliedern weltweit

Ein Praktikant bei Facebook hat eine Karte gebaut, auf der die Verbindungen der Millionen Mitglieder des Netzwerks untereinander visualisiert sind. Das ist schön. Aber es ist auch interessant.

Der Osten der USA beispielsweise ist viel stärker vernetzt als der Westen – obwohl dort doch der Technologiegürtel liegt; Europa ist ein einziges Lichtermeer, Russland dagegen noch überhaupt nicht erschlossen. Und selbstverständlich zeigt sich auf der digitale Graben zwischen arm und reich: in Afrika existieren nur einige wenige Netzwerkinseln.

 

Street-View-blurmany

Zwei Links zum Start von Google Street View in Deutschland:

Thomas Knüwer über den Ort Oberstaufen, den bis eben noch kaum einer kannte: „Denn während in diesem Sommer Kommunalpolitiker in der ganzen Republik über Google Streetview tobten, benahmen sich die Entscheider in Oberstaufen weniger alarmistisch. Sie erkannten eine Chance: Wenn Menschen sich ein Bild vom Ort machen können, reisen sie vielleicht her.“

Und Jeff Jarvis über den gleichen kleinen Ort und das deutsche“Verpixelungsrecht“: „Now you can drive to Oberstaufen and stand across the street — between the Edele bookstore and Dr. Fassnacht’s building — and look at the building all you want because you would be exercising your right to be in public. But not online, not in the land of Deutschnet, you can’t. Germany has now diminished the public. It has stolen from the public.“

Na, wenigstens hat das hysterische Bilderlöschen Deutschland bei Twitter einen eigenen Hashtag eingebracht: blurmany