Ein Sieg und viele Fragen
Die Taliban greifen Hotels in Kabul an; die Nato erobert die Taliban-Hochburg Marjah, die afghanische Armee hisst zum Zeichen des Sieges die Nationalflagge über der Stadt; der Bundestag beschließt die Verlängerung des Afghanistan-Mandats und gleichzeitig die Aufstockung des Truppenkontingents. Das sind drei Nachrichten an einem Tag. Ihre Botschaft ist dieselbe: Der Krieg intensiviert sich in Afghanistan.
Das war zu erwarten, doch in welche Richtung schlägt das Pendel aus?
Ist Marjah wirklich ein Sieg? Und wenn ja, wird er von Dauer sein? Werden mehr deutsche Soldaten helfen, den Krieg zu entscheiden, oder sinkt Deutschland noch tiefer in den afghanischen Sumpf? Sind die Angriffe der Taliban auf Hotels in Kabul Verzweiflungstaten, oder sind sie ein Zeichen der Stärke?
Eindeutige Antworten können wir nicht geben. Sicher ist nur eines: Die Zeit spielt in die Hände der Taliban. Sie müssen nicht siegen, sie müssen nur weiterkämpfen, ein Jahr noch, zwei, vielleicht auch drei. Sie werden schon allein deshalb weiterkämpfen, weil sie im Unterschied zu den Soldaten der Nato keine Heimat haben, in diese sie zurückkehren könnten. Ob es nun gelingt, Teile der Taliban auf dem Verhandlungswege zu gewinnen, ist mehr als fraglich. Doch auch hier ist der Faktor Zeit entscheidend. Warum sollen sie heute über etwas verhandeln, was sie in ein paar Jahren zu einem viel günstigeren Preis bekommen können? Warum sollen sie sich heute einlassen auf einen Kompromiss mit der Regierung in Kabul, wenn sie sie morgen schon stürzen könnten?
Die Taliban haben Zeit, die Nato hat keine. Denn ihr geht die Luft aus. Der beschlossene Rückzug der Holländer 2010 ist nur das dramatischtes Beispiel dafür. Schlecht ist das nicht. Man sollte die “Schwäche” der Nato nämlich als den Anfang vom Ende der Nato als globale Interventionsmacht interpretieren.
Das transatlantische Verteidigungsbündnis, ursprünglich als antisowjetisches Bollwerk konzipiert, hat sich nach dem Ende des Kalten Krieges zum weltweit aktiven militärischen Arm des Westens umdefiniert. Der Kosovo Krieg 1999 war der erste Testfall, Afghanistan ist der größte und wichtigste. Wenn also die Nato in Afghanistan zerbricht, dann ist es diese eine Nato als globale Interventionsmacht – nicht das Verteidigungsverbündnis.
P.S.: Das Foto soll die Eroberung Marjahs zeigen. Bei der Betrachtung fragt man sich: Was? Das ist Marjah? Ein Feld, eine Lehmmauer, ein paar Hütten? Wo ist eigentlich das Zentrum? Gibt es dieses Zentrum? Wo sind die Regierungsgebäude? Wo soll die Regierung residieren, die Nato-Befehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, mit sich bringen will: “In the box, ready to roll in!” – wie er sagte. Hat Marjah wirklich 80.000 Einwohner? Hat die Nato 15.000 Soldaten in Marsch gesetzt, um eine Fahne über diesem Feld zu hissen?

Zitat:
“Es wäre erhellender, wenn der Artikel die den Einsätzen zugrunde liegenden Planspiele recherchieren und analysieren würde…”
Dem kann man nur zustimmen, ich vermute allerdings zu Gunsten von Herrn Ladurner, das diese schwierig zugänglich sind.
Ein schneller Blick in Google Earth zeigt aber die Struktur der Stadt: http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&q=Marjeh,+Helmand,+Afghanistan&sll=51.151786,10.415039&sspn=19.231322,26.367188&ie=UTF8&cd=1&geocode=FUvs4AEdM07SAw&split=0&hq=&hnear=Marjeh,+Helmand,+Afghanistan&ll=31.579705,64.323578&spn=0.814263,1.347198&t=h&z=10
Insofern: ja da gibt es einen Stadtkern, aber im wesentlichen ist es eine große Ansammlung von Bauernhöfen
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Afghanistan ist nicht Ihre Welt, oder? Das ist nun schon wenigstens Ihre dritte “Fragestunde”, die uns tapfer hier als “Ladurner’s Einblicke” verkauft wird. Machen Sie sich halt mal sachkundig. Ihre Kollegen von der BBC schauen sich das ganze auch aus der Nähe an. Von denen hört man dann aber auch die richtigen Fragen und sogar Antworten.
Wie wär’s?
P.S. Flagge hissen regiert den Dativ, also “über diesem[!] Feld[...]”
MfG
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[...] Besse macht es – wie immer – Ulrich Ladurner in der Zeit. [...]
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Ladurner stellt die richtigen Fragen. Etwas, was der Großteil der deutschsprachigen Medien nicht will oder kann: http://bendler-blog.de/2010/02/15/medienoffensive-und-journalisten-als-ego-shooter/
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Als Anlass für den Krieg wurde 9/11 genommen.
Nun waren alle Attentäter aber Araber, insbesondere Saudis.
Da man die Täter aber nicht zur Rechenschaft ziehen konnte, weil sie sich selbst gerichtet haben, stellt sich die Frage, ob der ehemalige von der CIA unterstützte Osama bin Laden der wirkliche Grund dieses Feldzuges ist.
Antwort: Nein.
Afghanistan ist einfach ein strategisch wichtiges Ziel, zumal große Erdgasvorkommen vermutet werden und durch NATO Präsenz auch gleichzeitig Pakistan und vor allem Iran in die Mangel genommen wird.
Es geht niemals um Menschen-, sondern immer um Schürfrechte und strategische GEischtspunkte.
Mal daran gedacht, wie sich Europa verhalten würde, wenn sie von islamischen Armeen besetzt worden wären und hier wüten würden ?
Die NATO bombt und tötet im Irak, in Afghanistan und Pakistan.
Schon Henry Kissinger sagte:” Das Erdöl ist zu wichtig, als das man es den Arabern überlassen könnte”
Das ist die wahre Antwort.
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Afghanistan ist der grösste Truppenübungsplatz der Nato im Partisanen-
kampf unter realen Bedingungen,man hat schliesslich noch grösseres vor,vielleicht der Iran?In einem Partisanenkrieg siegt keine normale
Armee wie die Nato,war bei Tito so und erst recht in Afghanistan!Aus
der Geschichte lernt man nicht,also wird auch die Nato den Kampf dort
verlieren,weil das Volk sie als Besatzer wahr nimmt,auch mit der neuen
Strategie,der Rest ist Propaganda,denn viele Militärs befürworten den
Krieg,bekommen sie doch dort alle Waffen ,die sie verlangen.Wer acht
Jahre gegen eine HighTech-Truppe stand hält wie die Nato mit einfachs-
ten Waffen,der glaubt an seinen Sieg,er hat nur den Vorteil der Ge-
ländekenntnisse.Gerade US-Marines werden nie zugeben,eine Schlacht ver-
loren zu haben,der Gegner zieht sich zurück und kann überall zuschlagen
weil es eben Partisanen sind,er wird sich nie dem direkten Kampf stellen,da verliert er,es ist eine Zermürbungstaktik und in den Bergen
zu Pakistan kann man sich verstecken,wo die Nato nicht hin geht,auch
dort können sie immer wieder der Nato ausweichen wie 2001/02.Wieso
findet man Osama Bin Laden nicht?Entweder gestorben oder er lebt ver-
steckt in den Bergen.
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Hier ist doch die Frage entscheidend: Wer hat den längeren Atem ?
Und da muß man LANDAUER recht geben: Sicherlich nicht die NATO-Gesellen ! Den Anfang machen die Niederlande, dann Kanada, danach Großbrittanien und irgendwann werden auch die augenblicklichen JA-Sager in Parlament und Regierung Deutschland´s hinweggefegt. “Verteidigung Deutschland´s am Hindukusch” eine kriminelle Aussage.
Also die Chancen für die TALIBAN sind garnicht so schlecht.
Zudem lieber die TALIBAN als dieses menschenverachtende Chaos wie im IRAK !
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Wenn die NATO in Afghanistan “untergeht”, ist das in meinen Augen kein Grund zur Freude. Und die Taliban sind auch kein Knabenchor. Vielmehr ist es tragisch, sich, wie bei diesem Engagement der Fall, in eine Lage hineinzumanövrieren, aus der man bei realistischer Betrachtung eigentlich nicht als Sieger herauskommen kann. Und wenn man das trotzdem tut, obwohl man es vorher wissen kann. Das ist eigentlich eher zum Verzweifeln. Und so könnte am Ende mit der Allianz, aus einer Art blindem Übermut, möglicherweise tatsächlich etwas zerstört werden, das als “Firewall”, der ursprünglichen Idee entsprechend, noch einmal bitter vermisst werden mag.
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