Die Spendendebatte ist irreführend
Wenn “wir” nicht helfen, dann helfen die Taliban. Das ist ein Argument, das man in diesen Tagen und Wochen, da große Teile Pakistans in den Fluten versinken, immer wieder hört. Es soll die Menschen im Westen dazu motivieren, Geld an die notleidenden Pakistaner zu spenden.
Diese Logik hebelt das Grundprinzip humanitärer Hilfe aus: Neutralität. Man hilft Menschen in Not, egal welchen Überzeugungen sie anhängen mögen. Oder sollen wir etwa nicht spenden, weil die Ertrinkenden islamistischem Gedankengut anhängen?
Der Wettlauf mit den Taliban, der mutwillig in den westlichen Medien
ausgerufen wird, ist irreführend und gefährlich. Irreführend ist der
Gedanke, weil er jede Differenzierung a priori ausschließt. Jede islamische Organisation wird schnell zum Taliban deklariert.
Es besteht kein Zweifel darüber, dass sich unter den helfenden Händen zahlreiche befinden, die an anderen Tagen gerne Bomben schmeißen. Da darf nichts verharmlost werden.
Doch wieviele sind es? Wer ist es? Vor allem aber: Man gewinnt den Eindruck als gäbe es in Pakistan nur die Taliban, die helfen. Unter der
Wettkampfbrille der Medien verschwinden alle andere Organisationen, die es durchaus gibt, ja selbst die pakistanische Armee taucht kaum mehr auf. Dabei ist sie eine der wichtigsten Helfer in der Not.
Die Taliban selbst freuen sich über den in den Medien hinausposaunten Wettkampf — selten haben sie so viel Aufmerksamkeit bekommen, selten erschienen sie wie ein ebenbürtiger Gegner. Ihre Bedeutung wird so unverhältnismäßig gesteigert. Zudem sind viele Pakistaner sehr religiös und bei nicht wenigen haben die USA einen sehr schlechten Ruf. Doch deswegen müssen diese Pakistaner im Umkehrschluss nicht gleich mit islamistischem Extremismus sympathisieren oder, mehr noch, selbst Extremisten sein.
Schließlich verrät das Argument von dem “wir oder sie”, dass die Pakistaner wie Stimmvieh betrachtet werden. Es wird morgen blind dem nachlaufen, der ihn heute buchstäblich über Wasser hält. Der Pakistaner als selbstständig denkendes, rationales Subjekt taucht nicht auf. Dabei haben die Pakistaner immer wieder bewiesen, dass sie sehr wohl wissen, was sie von Extremisten zu erwarten haben.
Islamistische, extremistische Parteien sind in der gesamten Geschichte Pakistans bei Wahlen nie weiter als über insgesamt zwölf Prozent der Stimmen gekommen. 2004 haben sie in der Region Pakhtunwha – die heute von den Fluten schwer getroffen ist – in einer Koalition aus islamistischen Parteien zwar die Wahlen gewonnen. Doch vier Jahre später wurden sie abgewählt. Die Wähler hatten sie für ihre Unfähigkeit bestraft.

Danke, das wurde aber auch mal Zeit!
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Danke
Die Erinnerung an die Würde und die Größe der Menschen in Pakistan war sicher notwendig. Die Hilflosigkeit von Menschen ist für die jetzt sich drängenden Zaungäste oft ein Anlass, sie unwürdig zu behandeln.
In Pakistan bezahlen jetzt wieder Menschen für Sünder, die es sich in sicherer Entfernung mit dem Ertrag ihrer Frivolität gut gehen lassen können.
Wir bewegen uns immer weiter in eine Zeit, wo kein Flaeck dieser Erde vor einer Bedrohung mehr sicher sein kann.
Die Liste der von Menschen gemachten Gefahren hat hier Auswahl genug.
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Sehr guter Kommentar, vielen Dank Herr Ladurner.
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Meine These ist, dass diejenigen, die in Pakistan große und effiziente Hilfe leisten, mehr für Afghanistan und gegen Extremisten und Fundamentalisten der gesamten Region ausrichten als diejenigen, die die meisten Taliban gezielt töten.
Wenn dem so sein sollte, dann wäre es eine Schande, dies nicht deutlich zu kommunizieren. So könnten wir in einem Atemzug sogar unseren eigenen Extremisten und Fundamentalisten (ich meine hier nicht die religiösen) entgegenwirken.
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Mrs. Clinton spricht die Motiation des Westesn schnell zu helfen aus anderer Motivationslage an: Die Pakistanische Armee, die mit 150.000 Mann im Nordwesten Offensiven gegen die Taliban führt, soll nicht unnötig von dieser Aufgabe abgezogen werden, um das Desaster der Monsumüberschwemmungen mit zu beseitigen.
Die paki. Armee soll vor allem weiter gegen die Taliban kämpfen, damit die USA und die NATO in Afghanistan nicht versacken.
Deshalb muss Pakistan durch den Westen schnell geholfen bekommen, damit das Volk begreift, wer ihr eigentlicher Gönner ist: Allah oder USA !!
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Ich sag nur eins die Welt schaut nur zu:
http://www.aggromigrant.com/2010/08/20/flut-in-pakistan-und-die-welt-schaut-zu/
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Lassen Sie sich nicht so aus der Ruhe bringen, auch wenn Sie in vielen Punkten Recht haben.
Die gefürchtete Dynamik, dass das breite pakistanische Volk mit den Taliban sympathisieren wird, falls keine internationale Hilfe eintrifft, ist leider nun mal nicht gänzlich unbegründet, da dieses Phänomen schon zu oft in der Geschichte der Menschheit um sich griff.
Und was den zweiten Absatz angeht: Volle Neutralität gibt es ja eh nicht, wie es auch keine vollkommene Fairness und keinen Weihnachtsmann gibt. Das Leben ist hart. Und wenn wir uns darauf einigen, dass es also nur eine Annäherung an Neutralität gibt, dann erfüllt die breite Masse derjenigen, die spenden, diese doch bereits. Denn das grundlegende Argument der Debatte in den Medien, die sie kritisieren, war ja nicht, dass die Pakistani muslimisch sind, sondern dass die Taliban radikal-islamistisch sind. Die Diskussion so wie die Spendenbereitschaft an sich war ja nie abhängig von den Glaubensrichtungen der Pakistani und ist es auch jetzt noch nicht, sondern von der Glaubensrichtung der extremistischen Taliban, die aber durch die große Not des Volkes dessen Sympathien gewinnen könnten.
Wir sind so neutral wie wir sein können – entspannen Sie sich.
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Es ist wie es immer ist, der Mensch lässt sich mit Ängsten am besten beeinflussen, nicht mit Moralreden oder Gewissensfragen und die Medien verstehen das allzu oft einzusetzen.
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