Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Pakistans Anti-Präsident

Von 24. August 2010 um 17:51 Uhr

Es ist leicht, über Pakistans Präsidenten Asif Ali Zardari herzuziehen.
Und es ist auch richtig, ihn zu kritisieren. Zardari ist nämlich ein
unglaublich schlechter Präsident, ja, er ist sogar ein Mann, der sich für
sein eigenes Land nicht interessiert. Während Millionen vor den Fluten
flüchteten, tourte er durch Europa, so, als sei gar nichts geschehen. Jetzt
sagt er bei einer Pressekonferenz in Islamabad: “Ich glaube nicht, dass sich
Pakistan jemals vollständig erholt, aber wir werden vorankommen.”

Selbst wenn er Recht haben sollte, als Präsident darf er das nicht sagen, denn
so nimmt er den Menschen in ihrer Not auch noch das letzte: die Hoffnung.

Man könnte also weiter über Zardari schimpfen. Irgendwann aber wird man
damit durch sein und nichts ist danach erklärt. Das ist schade. Denn
Zardari eignet sich sehr wohl, um Pakistan zu verstehen. Die politische
Tragödie dieses Landes spiegelt sich nämlich in seiner Person wider.

Zardari ist im Jahr 2008 nur deshalb Präsident geworden, weil seine Frau -
Benazir Bhutto – ein paar Monate vor den Wahlen einem Attentat zum Opfer
fiel. Ein politischer Mord stand also am Anfang seiner Karriere. Niemand
erwartete von Zardari, dass er ein guter Präsident werden würde, doch gab es
keinen anderen Kandidaten, der die Lücke nach Bhuttos Tod hätte füllen
können.

Die Pakistaner wählten Bhuttos Partei, die Pakistans Peoples Party (PPP), im
Winter 2008 mit großer Mehrheit. Dieser Wahl waren monatelange
Massenproteste auf der Straße und ein jahrelanger politischer Kampf gegen
das Regime des Generals Pervez Musharraf vorausgegangen. Zardari wurde auf
einen Tsunami der Demokratie ins Amt gespült, doch er wusste damit wenig
anzufangen.

Wie auch? Er ist ein Mann, der sich sein Leben lang damit beschäftigte,
Reichtümer anzuhäufen – häufig wohl auf illegalem Weg. Recht? Gesetz?
Verantwortung? Pflicht? Das ist nicht Zardaris Sache. Sie war es nie. Er war
immer schon der Anti-Staat. Als es dem pakistanische Volk nach vielen
Entbehrungen endlich gelungen war, den Staat von den Generälen wieder zu
erobern, bekamen sie ausgerechnet einen Mann wie diesen zum Präsidenten. Das
ist wahrlich tragisch.

Kategorien: Pakistan, Politik
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich mus ehrlicherweise sagen dass ich den Pervez Musharraf überhaupt nicht so negativ sehe wie der Autor des Artikels.Der ist doch nur weggeputscht worden weil er den Amerikanern nicht hart genug gegen die Taliban vorgegangen war.Und typisch für die amerikanische Außenpoltik ist,dass an die Stelle eines nicht so schlimmen Diktators gleich ein echter Verbrecher gesetzt wird.Der ZArdari gehört wie damals die Bhutto in den Knast und nicht ins Präsidentenamt.

    Das ist so als würde man in Afghanistan Karzai entmachten und Osama Bin Laden als neuen Staatschef ernennen.Aber die Amis stehen hier in einer langen Tradition sich außenpolitisch ihre eigenen Frankenstein-Monstren zu schaffen.

    • 24. August 2010 um 18:33 Uhr
    • laudatio
  2. 2.

    Zardari wurde nicht ins Amt gespült – er hat sich bewusst für dieses Amt entschieden. Sie blenden den innerparteilichen Machtkampf komplett aus, den er für sich entscheiden konnte.
    Es ist eine Tatsache für sich, dass er mit dem Amt nichts anfangen will…das Politische hat ihn auch schon nicht interessiert als er sich seinen Titel Mr. 10% als Minister in der Regierung seiner Frau erworben hat! Ihn interessiert mehr der Graubereich….lesen Sie mal Tariq Ali.

    • 24. August 2010 um 21:46 Uhr
    • homer
  3. 3.

    Dieser Mann ist nicht einmal ein Schatten seiner Frau. Er kann wirklich nichts.

  4. 4.

    kein kommentar.

  5. 5.

    Der Rhein ist bei Wesel etwa tausend Meter breit. Der Indus zwischen tausend und zweitausend Meter.

    Der Indus ist um das vierzigfache angestiegen, das heißt, er ist jetzt – im Durchschnitt – vierzig bis 80 Km breit. Man stelle sich vor, der Rhein stiege um das vierzigfache: Essen, Mülheim, Duisburg, Moers, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort stünden am Nierderrhein unter Wasser, aber erst recht auch Düsseldorf, Köln, Koblenz, Worms, Straßburg, Kehl – und zahllose Orte im zumeist engen Rheintal.

    Und unser Präsident, der doch weitaus weniger Macht hat als der pakistanische, zöge trotz dieser Katastrophe gemütlich irgendwo in Europa von Residenz zu Residenz.

    Ich glaube, selbst unser gemütliches Volk hätte einen solchen Präsidenten zum Teufel gejagt.

    Mich wundert eigentlich nur, warum das pakistanische Volk einen Schmarotzer wie den so genannten Präsidenten Asif Ali Zardari nicht längst zum Teufel gejagt hat.

    Ich kann es mir nur dadurch erklären, dass man in Pakistan fürchtet, statt seiner einen Mann der Al Qaida zu bekommen. Aber gibt es denn nichts dazwischen?

    • 25. August 2010 um 00:22 Uhr
    • gceschmidt
  6. 6.

    Es war wohl 1989, als ich in Pakistan war, gerade war Präsident ( und General ) Zia ul Haq mit dem Flugzeug abgestürzt ( worden? ) – er hatte ein paar Jahre davor Zulfikar Ali Bhutto ( gewählter Präsident und Vater von Benazir Bhutto ) ins Gefängnis und an den Galgen gebracht – als Parlamentswahlen mit Benazir Bhutto als Kandidatin stattfanden. Es gab Schießereien im Wahl”kampf”, es gab Tote und Verletzte und ich war im Grunde überzeugt, dass das Militär die Wahlen mit dem Argument “Chaos” kassieren würde, aber es wurde gewählt und Benazir Bhutto wurde Präsidentin – in einem muslimischen Land und Jahrzehnte, bevor Deutschland eine Kanzlerin wählte! Aber schon damals galt der Ehemann von Benazir Bhutto, Asif Ali Zardari, als korrupt. Später kamen andere zivile Präsidenten, es ging bergab mit Pakistan, bis sich dann Pervez Musharraf an die Macht putschte. Ich habe noch nie verstanden, mit welcher Gewalt wir andere Menschen an unserem westlichen Wesen genesen lassen wollen.

  7. 7.

    Unerklärliches Phänomen

    Es ist für mich unerklärlich, wieso die pakistanische Elite – im Vergleich zu Indien – ständig – seit der Grundung des Staates – in Korruption, Intrige und Feindschaft gegenüber den Nachbarstaaten steckt. Immerhin sind beiden Staaten gleichzeitig entstanden und teilen gemeinsame ethnische und kulturelle Werte. Der einzige Unterschied ist die Religion, die man nicht als Ursache nennen kann, denn auch in Indien leben Muslime, die sich nicht so verhalten wie die pakistanische Armee und Elite. Vielleicht kann mir Herr Ladurner einen Erklärung geben?

    • 25. August 2010 um 10:32 Uhr
    • Kite
  8. 8.

    Eines haben Sie Herr Ladurner vergessen zu erwähnen. Er ist auch pro-westlich gegen die Interessen seines Volkes. Damit verwandeln sich alle seine Schlechtheiten zu Tugenden schlechthin; in den Augen der westlichen Machtelite versteht sich.

    • 25. August 2010 um 10:44 Uhr
    • palistine66
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)