Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Der Iran und die Frage nach der politischen Vernunft

Von 9. Mai 2012 um 16:27 Uhr

Um einen Krieg vorzubereiten, muss man den Gegner dämonisieren. Genau das geschieht derzeit mit dem Iran. “Der Irre aus Teheran”, “Achse des Bösen”, “Terrorregime” – das sind nur ein paar jener Begriffe, mit denen seit geraumer Zeit aus dem Westen Richtung Iran gegiftet wird. Der Grundtenor: Das iranische Regime ist unberechenbar, ja, es ist geradezu verrückt.

Wahr ist das Gegenteil: Das iranische Regime verhält sich rational und es ist berechenbar.

Das Ziel iranischer Außen- und auch der Innenpolitik kann man in einem Satz umschreiben: Das Regime will an der Macht bleiben, und es will seinen Einfluss in der Region möglichst ausweiten. Das kann man aus guten Gründen problematisch finden, man kann auch versuchen, diese iranische Politik zu konterkarieren – doch man kann nicht sagen,  das sei irrationale Politik. Sie ist auch nicht illegitim. Denn der Iran verhält sich wie jeder andere Staat auch. Er versucht Einfluss zu gewinnen in der eigenen Nachbarschaft und immer dort, wo es ihm sonst noch möglich erscheint. Er versucht Anerkennung auf der internationalen Bühne zu bekommen.

Das Problem dabei sind die Mittel, die Teheran wählt. Zu diesen Mitteln gehörte auch eine Atombombe – sofern sich die iranische Regierung dazu entschieden hat, eine zu bauen, was wir bis heute nicht wirklich wissen.

Aber selbst eine iranische Bombe hat die Funktion, dem Ziel iranischer Politik zu dienen: Machterhalt und Einflussgewinn. Eine Atombombe dient dem Zweck, sich unangreifbar zu machen, nicht andere anzugreifen. Ihr Wert – sofern man von Wert sprechen kann – liegt in der Abschreckung, nicht im Erstschlag.

Allen Atomwaffenstaaten wird unterstellt, dass sie die ultimative Waffe nur besitzen, um abzuschrecken, nicht um einen Krieg anzufangen. Ob USA, Frankreich, Indien, Pakistan oder Israel – sie alle haben diese Waffe, um sich zu verteidigen. Das ist wohl auch die richtige Annahme.

Nur für einen atomwaffenbestückten Iran sollte diese Annahme nicht gelten? Warum? Wie ist das möglich? Warum sollte ausgerechnet der Iran aus der Logik der atomaren Abschreckung ausbrechen? Die Antwort: Weil es ein verrücktes Regime ist.

So schließt sich der Kreis. So bereitet man einen Krieg vor.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Um einen Krieg vorzubereiten, muss man den Gegner d [...]

  2. 2.

    Endlich mal auf den Punkt! Super Artikel!

    • 9. Mai 2012 um 17:17 Uhr
    • Despo
  3. 3.

    Ja das kann man nur bestätigen, wenn man gegen ein anderes Land schlecht Wetter macht und sein eigenes Volk hintergeht dann bereiten wir uns lieber mal auf einen Krieg vor. Ich bin sehr traurig darüber, dass unsere iranischen Freunde bald einen gewaltigen Wums erleben werden. Flüchten geht auch nicht, die Länder um Iran sind ja auch schon auf der Flucht. Israel braucht einen Putsch, bitte steht auf und unternehmt endlich etwas. Diese Welt verträgt keinen 3.Weltkrieg…

    • 9. Mai 2012 um 18:23 Uhr
    • Frank Burger
  4. 4.

    Wow ! Westliche Medien versuchen auch mal aus einer anderen Sichtweise zu berichten, nun bin ich doch positiv überrascht.
    Ein guter Artikel, nur müsste erwähnt werden,dass es keine objektiven Beweise gibt,dass der Iran an einer Atombombe arbeitet, er aber doch die vollen Sanktionen abbekommt…Israel hingegen bestreitet nicht einmal den Besitz von Atomwaffen und wird nicht daran gehindert.

    • 9. Mai 2012 um 19:20 Uhr
    • JoseHendrix18
  5. 5.

    >Nur für einen atomwaffenbestückten Iran sollte diese Annahme nicht >gelten?

    Nur so ne Idee, aber es mag mit der sehr rational wirkenden Leugnung des Holcaust durch den Führer des Iran zusammenhängen.
    Es könnte aber in der durchaus sehr vertrauenerweckenden Absprache des Existenzrechts Israels zusammen mit der freundschaftlichen Drohung seiner Zerstörung zusammenhängen.

    Wo haben Sie gelebt die letzten Jahre? Unterm Stein?

    • 9. Mai 2012 um 19:24 Uhr
    • Rob
  6. 6.

    Der Artikel geht in die richtige Richtung aber trifft es immer noch nicht auf den Punkt. Der Druck der auf den Iran ausgeübt wird hat mit der Atombombe nämlich reichlich wenig zu tun.
    Der Iran gibt keine Atombombe bauen zu wollen und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln. Das misstrauen mit dem dem Iran begegnet wird ist nicht rational zu begründen. Zumindest nicht aus der Sicht eines Durchschnittsbürgers. Andere haben da durchaus ihre Gründe. Es gibt gewisse Interessengruppen, die sich in letzter Zeit äusserst auffällig verhalten haben. Komischerweise sind genau sie es, die von einem Krieg gegen den Iran profitieren würden, sollte er gewonnen werden.
    Mein Standpunkt ist, obwohl der Autor sich für den Iran ausspricht, tut er ihm unrecht, indem er das Atombomben Argument aufgreift. Das steht seitens des Iran nicht zur Debatte.

  7. 7.

    Na wunderbar,
    Endlich mal ein Artikel bezueglich der Iran Problematik, den ich ganz unterstuetzen kann…und das slebt in der ZEIT, welche ja eher der anderen Seite (Netanjahu und co) das Wort erteilt.

    Eine Atombombe in den Haenden des Iran beunruhigt mich zwar auch…aber nicth mehr als in den Haenden Israels… dahaer waere eine Waffengleichheit vielleicht fuer Beide Staaten dei beste Abschreckung…
    Dies einseitig nur Israel zu erlauben ist unfair…aber genau so unfair verhaelt sich der Westen seit Jahren…

    Allerdings wuensche ich mir von allen Seiten eine “NichtERSTeinsatz-Garantie”: Indien, Pakistan, Israel haben die auch nicht unterschrieben…hat das die USA eigentlich!?

  8. 8.

    Hui, ein sachlicher nüchterner Kommentar zur Anti-Iran-Propaganda in der ZEIT.

    Ungewöhnlich.

    • 9. Mai 2012 um 19:27 Uhr
    • Patze
  9. Kommentar zum Thema

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