Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Die libysche Gefahr

Von 13. September 2012 um 12:51 Uhr

Barack Obama schickt zwei Zerstörer der US-Navy vor die libysche Küste. 50 Marinesoldaten sind bereits in Bengasi. Welchen Auftrag Schiffe wie Soldaten erfüllen sollen, ist nicht klar. Obama will jedenfalls Stärke demonstrieren, nachdem der amerikanische Botschafter in Bengasi bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist. Nach Auffassung der US–Behörden steht Al-Kaida hinter dem Attentat.

Die Attentäter können sich jedenfalls über Obamas Reaktion freuen. Sie wollen die Eskalation. Den übermächtigen Gegner an empfindlichen Stellen treffen und ihn dann zum unverhältnismäßigen Gegenschlag zu provozieren. Das war das strategische Kalkül hinter den Anschlägen von 9/11. “Wir müssen nur irgendwo die Flagge Al-Kaidas hissen und die Amerikaner werden ihre Soldaten schicken” — das sind die Worte Osama bin Ladens. In Afghanistan ging Osama bin Ladens Kalkül auf. Er lockte die Weltmacht in den afghanischen Treibsand, aus dem sie sich erst Jahre später mit Mühe und Not zu befreien sucht.

Libyen ist nicht Afghanistan, gewiss. Nach dem Sturz des Autokraten Muammar al-Gaddafi hat Libyen erfolgreiche Parlamentswahlen abgehalten. Das ist eine sehr gute Nachricht. Das Land besitzt große natürliche Ressourcen. Es hat eine entwickelte Ölindustrie. Das alles sind sehr wesentliche Unterschiede zu Afghanistan.

Aber es gibt Parallelen zu Afghanistan. Die libysche Regierung hat Mühe, sich durchzusetzen. Die Institutionen des Staates sind noch schwach. Es wimmelt von Waffen und Kriegern. Das sind potenziell gute Bedingungen für Al-Kaida. Diese Organisation sucht ein solches Umfeld.

Al-Kaida ist nicht stark genug, um sich im libyschen Staat an zentralen Stellen einzunisten. Das gelang Al-Kaida in Afghanistan. Aber wenn sie es schafft, dass jemand von außen mit dem Hammer auf diesen Staat einschlägt, dann ist die Lage ganz neu zu bewerten. Obama muss sich zurückhalten. Er muss mit den libyschen Behörden zusammenarbeiten, so schwach sie auch sein mögen.

Obama wird Libyen nicht mit Raketen beschießen. Die Gefahr ist eine andere. Was zum Beispiel würde geschehen, wenn die 50 Marinesoldaten an Land in einen Kampf verwickelt werden? Was, wenn ein paar von ihnen dabei ums Leben kommen?

Ein solches Szenario hat es schon einmal gegeben. 1992 in Somalia. Damals haben US-Marines Jagd auf den somalischen Warlord Mohammed Aidee gemacht, mitten in Mogadischu. 18 Marines sind dabei getötet worden. Einige Leichen dieser Soldaten sind unter den Augen der Welt und dem Johlen der Menge durch die Straßen von Mogadischu geschleift worden. Der damalige US-Präsident Bill Clinton beendete umgehend die Intervention in Somalia, die man unter der UN-Flagge begonnen hatte, um dem vom Bürgerkrieg und Hunger geplagten Land zu helfen.

Den überstürzten Rückzug aus Somalia hat ein Mann aufmerksam registriert: Osama bin Laden. Somalia hat er seinen Anhängern immer wieder als Beispiel vorgestellt. Die Weltmacht rennt davon, wenn man sie trifft; oder sie schlägt mit einem übergroßen Hammer zu.

Osama bin Laden mag zwar tot sein – aber sein Erbe ist gefährlich lebendig.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Im Gegensatz zum ärmsten Land Afrikas, Somalia 1992, ist Libyen aber das reichste Land Afrikasm mit dem saubersten Erdöl überhaupt.
    Die USA werden Libyen deshalb nicht aufgeben, wenn sie Navy Seals dort verlieren würden, im Gegenteil.
    Der Kampf ums Öl wird jetzt natürlich teurer, wenn das US-Militär hinein geht.
    Aber die Amis kassieren gerade nur die erneuten Explosionen ihres eigenen Dynamits, dass sie selbs nach Bengasi vor 1,5 Jahren mit Botschafter Stevensen als Initiator der Bengasiconnection mit dem US-Militär und Mrs.Clinton/Obamas Arabellion-freundlichen Politik Nah-Ost.
    Á la Reagan Unterstützung der Taliban/AlQaida und Afghanistan 1981-88 und 2001!
    In Syrien wird es genauso werden mit der Unterstützung der sunnitisch/Islaimstischen Opposition gegen das assad-Regime.

    Warum will diese Weltmacht USA immer nur per Gewalt die Verhältnisse in der Welt lösen??
    Die Retourkutschen kommen!
    - Jetzt sind z.B. die VRChinesen mit den Russen neuerdings verbündet, aber nicht mit den USA, warum wohl?? -

  2. 2.

    Der Artikel wurde offenbar direkt aus den Pressemitteilungen der US-Regierung abgeschrieben…

    Inzwischen ist es nach Terrorakten offenbar nicht mal mehr nötig eine Weile so zu tun als forsche man nach den Tätern. Wenn es irgendwie nach politischem oder religiösem Terror aussieht, wars natürlich Al’Quaida.

    Den PR-Sprech der öffentlichen Stellen kritisch hinterfragen? Schlecht für die Karriere. So siehts doch aus.

  3. 3.

    Libyen unter Gaddafi hat Obama bomben lassen, jetzt muss er vorsichtig sein, nicht die zu bomben, die auch er damit dort zum Vorschein gebracht hat.
    Schlechte Situation so mit Blick auf die Wahl.

  4. 4.

    @Abbe Faria

    Die vom Autor angeführten Argumente sind durchaus nachvollziehbar und entsprechen auch in gewisser Weise dem bisherigen “Arbeits-Schema” von Al’Quaida.

    Was man nicht selbst destabilisieren kann, das lässt man eben von außen destabilisieren. Das die USA sich immer wieder in die Rolle des “Hammerschwingers” drängen lassen mag auch an ihrem Selbstverständnis als “Weltpolizei” liegen.

    • 13. September 2012 um 14:23 Uhr
    • deDude
  5. 5.

    Die Ursachenkette hat noch ein weiteres Glied, das vor den erwähnten stand:
    Die Urheber des offensiven Films sind Terry Jones, bekannt für seine öffentlich inszenierten Koranverbrennungen und andere bekannte Rechte in den USA – Ihre gezielte Provokation an 9/11 ist aufgegangen: Ein aufgehetzter Mob (ob mit oder ohne terroristischen Hintergrund) nimmt es als (vorhersehbaren) Anlass einen unbeteiligten und unschuldigen Diplomaten und weitere Menschen zu ermorden.
    Nebeneffekte: Obama muss mal wieder militärische Stärke beweisen, verliert eventuell Boden im Wahlkampf und die amerikanische wie die weltweite Rechte triumphiert in ihrer Islamophobie.
    Herzlichen Glückwunsch: Klasse Zusammenarbeit von amerikanischen Rechten und arabischen Fanatikern.
    Der amerikanische Botschafter und die übrigen Opfer mögen in Frieden ruhen.

    • 13. September 2012 um 14:23 Uhr
    • Dokommentar
  6. 6.

    “………….. hat Libyen erfolgreiche Parlamentswahlen……”

    waren die wirklich erfolgreich?

    vielleicht erfolgreich für die nato!

  7. 7.

    Sagte man uns nicht noch vor Kurzem Al Qaida sei so gut wie ausgelöscht. Ich glaube nicht, dass es eine Al Qaida oder eine andere Organisation war. Sieht nach einer Überreaktion wie bei den Mohammedkarikaturen aus.

    • 13. September 2012 um 14:32 Uhr
    • siggis
  8. 8.

    Tut mir Leid, aber die Argumente des Autors (so man sie denn sein eigen nenn kann) beruhen allesamt auf der äußerst vagen Annahme das Al-Quaida (ein sinnvollerer Name des Al-Schreckgespenst) irgendwas damit zu tun hat.

    Diese vage Annahme ist durch nichts bewiesen oder auch nur erhärtet, ausser durch entsprechende Verlautbarungen durch Presseorgane der verschiedenen Ministerien etc.

    Meine Kritik bezieht sich hauptsächlich noch nicht mal auf die Auswertung einer vagen These, sondern auf die unkritische Übernahme dieser. Nicht mal ein “mutmaßlich” wird heutzutage mehr benutzt.

    Journalismus wurde mal als vierte Säule der Demokratie hochstilisiert. Inzwischen ist sie die vierte Säule, allerdings des Staates. Regierung und Beamte, Ordnungsmacht, Rechtsprechung und Propaganga.

    Gute Nacht!

  9. Kommentar zum Thema

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