Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Pakistan und Indien brauchen sich

Von 17. September 2012 um 14:39 Uhr

Pakistan und die USA haben nach den Attentaten vom 11. September ein Zweckbündnis geschlossen. Seitdem sind in diesem Krieg gegen den Terror wahrscheinlich 35.000 Pakistaner ums Leben gekommen. Dieser entsetzliche Preis ist einer der Gründe, warum das Bündnis mit den USA eine Ende finden wird. Man kann dieses Ende sogar datieren. 2014 wird die Nato ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen. Pakistan wird dann für den Westen keine so große Rolle mehr spielen.

Die Pakistaner wissen dies, und sie bereiten sich rechtzeitig darauf vor. Sie wissen, dass sie für die USA nie mehr waren als ein Instrument im Krieg gegen den Terror. Sind die westlichen Soldaten einmal aus Afghanistan weg, dann hat Pakistan seine Schuldigkeit getan. Wohin aber wird sich das Land dann wenden?

Pakistan könnte zum Beispiel versuchen, sich ohne Bündnisse zu behaupten. Von seiner Größe her, wäre das durchaus möglich. Immerhin hat das Land 190 Millionen Einwohner und es verfügt über reiche Ressourcen wie die Gasvorkommen in der Provinz Baluchistan. Doch das Problem ist, dass dieser Staat nicht in der Lage ist, seinen Bürgern Sicherheit, Nahrung und eine Perspektive zu geben.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Zwischen 40 und 55 Millionen Pakistaner haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser; 40 der insgesamt 70 Millionen Kinder im Schulalter gehen nicht zur Schule; 60 Prozent der Bevölkerung leidet unter Mangelernährung; 630 Kinder täglich sterben an verseuchtem Wasser. Diese Zahlen allein werfen bereits die Frage nach der Zukunftsfähigkeit Pakistans auf. Hinzu kommen der hausgemachte Terror, fanatischer Islamismus und schwere Spannungen zwischen den einzelnen Regionen.

Ein Zerfall Pakistans scheint also durchaus möglich zu sein. Das wäre eine Katastrophe für alle, denn Pakistan ist ein Atomstaat.

Darum ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Staat nach 2014 in irgendeiner Form in ein System integriert wird, das stabilisierend wirkt. Das Antiterrorbündnis hat als stabilisierende Klammer nicht funktioniert, das ist offensichtlich. Es hat die Fliehkräfte Pakistans nur noch verstärkt. Doch neben den USA bieten sich zwei weitere Mächte an, mit denen Pakistan Bündnisse eingehen könnte: China und Indien.

Mit China verbindet Pakistan schon seit den fünfziger Jahren ein Freundschaftsvertrag. Die Wirtschaftsbeziehungen sind eng und sie werden permanent ausgebaut. Doch Chinas Interesse an Pakistan bleibt bisher auf der Basis der Ökonomie beschränkt. Das alleine reicht nicht, um den Staat auf Dauer zu stabilisieren. Denn es braucht eine Möglichkeit, neben der Wirtschaft vor allem die politischen Institutionen zu stärken. Dafür ist China nicht der richtige Partner. Pakistans Gesellschaft ist zu lebendig, zu widerspenstig und ja, zu demokratisch. Das autoritäre Modell kennen die Pakistaner zur Genüge. Sie haben es immer wieder abgeworfen.

Der natürliche Partner für Pakistan wäre Indien. Diese riesige Land hat alles, was Pakistan zu Stabilisierung braucht: Wirtschaftswachstum, rechtsstaatliche Strukturen, eine starke Demokratie. Das Beste wäre, Pakistan in den Orbit des indischen Aufstiegs einzubinden. Das wäre eine Perspektive.

Doch leider trennt beide eine historische Feindschaft. Sie haben vier Kriege gegeneinander geführt. Die Pakistaner müssten jedoch verstehen, dass sie nur mit Indien aufsteigen können. Und die Inder müssten verstehen, dass sie mit einem Nachbarn, der immerzu vor dem Zerfall steht, nicht zur Weltmacht werden können. Pakistan ist ein Bleigewicht an den Füßen Indiens. Ein zerfallendes Pakistans wäre es noch viel mehr. Die Regierungen beider Länder scheinen diese wechselseitige Abhängigkeit langsam zu begreifen. Sie haben unlängst für indische und pakistanische Geschäftsleute die Visabestimmungen stark gelockert. Das ist schon ein erster Schritt, klein aber ermutigend.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    35 000 tote dammit hat man diesen Menschen die Demokratie ein Stück näher bringen können. -ironie aus

    • 17. September 2012 um 19:46 Uhr
    • nfb
  2. 2.

    Für mich enthält der Artikel – mit Verlaub – reichlich leere Luft.

    “Diese riesige Land hat alles, was Pakistan zu Stabilisierung braucht: Wirtschaftswachstum, rechtsstaatliche Strukturen, eine starke Demokratie.”

    Wirtschaftswachstum schön und gut, aber die letzten beiden Punkte sind absolut falsch – das Land ächzt unter allgegenwärtiger Korruption, es wird vom Nehru-Clan politisch dominiert und ist alles andere als eine lupenreine Demokratie. Von regelmäßiger religiöser Gewalt will ich gar nicht erst anfangen …

    “Die Pakistaner müssten jedoch verstehen, dass sie nur mit Indien aufsteigen können.”

    Also wenn man sich da mal nicht täuscht. Hier wird eine unmittelbare Verbindung konstruiert und eine unbedingte Notwendigkeit konstruiert, die absolut übertrieben ist.

  3. 3.

    Das ist doch wohl die Entscheidung Pakistans oder!?
    Allerdings, wenn sie schon spekulieren, dann sollte ein drittes Land in diese Spekulation wohl nicht fehlen!
    Ich gebe Ihnen einen Tipp, dieses Land liegt auch am Golf von Oman!

    • 17. September 2012 um 20:47 Uhr
    • A.Led.
  4. 4.

    “Das ist schon ein erster Schritt, klein aber ermutigend.”

    Schön, dass Sie mal was Positives zu berichten haben.

  5. 5.

    Pakistan mit Indien?????? Da gibt es einen offenen Grenzkonflikt, Kaschmir, der einer der Hauptgründe dafür ist, dass beide Staaten heute Atomstaaten sind.
    Ausserdem ist Indien bereits auf bestem Wege, mit den USA ein Bündnis gegen China einzugehen, wenn es nicht bereits schon soweit ist. Aus den USA hat man in der letzten Zeit ständig verdächtig laute Lobeshymnen auf Indien gehört. Ein Bündnis mit der Supermacht würde den Indern Rückenwind gegen Erzfeind Pakistan geben, also ein Bündnis zwischen beiden würde noch unwahrscheinlicher, weil man dies von Seiten der Inder gar nicht bräuchte.
    Die Pakistanis wissen audsserdem, dass die Zeit ihres Bündnisses mit den USA abgelaufen ist, und man wahrscheinlich wie die besagte heisse Kartoffel enden wird. Man versucht durch die Erpressung mit der Durchfahrt aus Afghanistan noch den grösstmöglichen Gewinn zu erlangen, macht sich aber offensichtlich keine grosse Mühe mehr, einen auf gut Freund mit den Amis zu machen.
    Ich sehe die Zukunft Pakistans deshalb nicht sehr rosig. Es wird zum arabischen Frühling kommen und einer Erosion der Macht. Die USA werden dann im richtigen Augenblick mit Indien eingreifen, aber nicht als Bündnispartner. Es sei denn, China kommt noch zuvor und schafft es, säkulare pakistanische Machtzirkel für sich zu gewinnen und den Frühling zu verhindern. Etwa wie Russland in Syrien.

  6. 6.

    An der indisch-pakistanischen Grenze, zwischen Amritsar und Lahore, findet alltäglich eine bizarre Inszenierung statt: Inder und Pakistaner vergewissern sich ihrer Feindschaft. Ich habe mir das mal angesehen und darüber geschrieben:

    http://drachenfliegen.blogger.de/stories/1896912/

    • 17. September 2012 um 23:04 Uhr
    • Jan
  7. 7.

    Sie vergessen eines, werter Groskunde.

    Die Pakistaner sind Inder und waren es immer.

    Ein Herr Jinnah wollte ja die Teilung in Indien und Pakistan.
    Bis auf die “Grenzvölker” zu Afghanistan, sind die Paskistaner ja auch nichts anderes als Inder.

    Ich hatte mal einen Mitbewohner in einer WG, Inder, der hätte aber mit Pervez Musharraf verwandt sein können, gut der ist ja in Neu Dehli geboren.

    Bei einer Reihe von “Test Matches” könnte man ja mal einwenig vertrauensbildene Maßnahmen betreiben.

  8. 8.

    Die noch schwellende Feindschaft zwischen den beiden Ländern ist irrational. Bollywood-Filme werden so gedreht, dass sie den gemeinsamen Wortschatz von Urdu und Hindi verwenden unnd in beiden Ländern gezeigt werden können. In den Lehnwörtern und der verwendeten Schrift unterscheiden sich die im Prinzip gleichen Sprachen. Pakistan ist das zweitgrößte islamische Land der Erde, aber wenigen bewusst, Indien das drittgrößte. 130 Mio. Inder sind Moslems, gegenüber 190 Mio. Pakistanis.

  9. Kommentar zum Thema

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