Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Teherans Schwachpunkt sind die Menschenrechte

Von 23. November 2012 um 11:24 Uhr

Wie kann man das iranische Regime im Atomstreit zum Einlenken bewegen? Die Antwort darauf lautete bisher: durch Druck, immer mehr und stärkeren Druck. Nur, bisher hat der Iran nicht eingelenkt.

Die Frage nach dem Nachgeben, ist natürlich eine Frage nach dem Schwachpunkt dieses hartleibigen Regimes. Wo ist es empfindlich? Wo tut es ihm weh?

Die Antwortet lautet: Dort, wo den Mullahs und ihren Schergen die Zustimmung der Bevölkerung verloren geht.

Die vom Westen verfolgte Sanktionspolitik geht davon aus, dass die ökonomische Zermürbung Irans irgendwann zu Protesten führen wird, die entweder eine Änderung der Teheraner Politik nach sich ziehen wird, oder gar zu dessen Sturz führt. Doch das ist unwahrscheinlich. Denn der iranische Durchschnittsbürger müsste verstehen, dass seine sich verschlechternde Lage mit der Politik seiner Regierung zu tun hat. Oder anders gesagt: “Der Westen macht mir das Leben schwer, um mich von diesem Regime zu befreien!”

Welcher Iraner wird das wohl glauben? Kaum einer. Denn es ist ja nicht so, dass der Ruf des Westens unter den Iranern — auch den Gegnern des Regimes – der beste ist. Dazu haben sich westliche Staaten allzu sehr in innere Angelegenheiten des Landes eingemischt. Der durch die CIA und Großbritannien provozierte Sturz des populären, demokratisch gewählten Mohammed Mossadegh im 1953 ist nur das spektakulärste Beispiel unter vielen.

Weil es diese unselige Vergangenheit gibt, fällt es dem Regime leicht, die westliche Sanktionspolitik als Fortsetzung einer kolonial-imperialistischen Politik zu denunzieren. Auch propagandistisch sind Wirtschaftssanktionen eine stumpfe Waffe.

Es gibt einen ganz anderen Punkt, an dem das Regime die Zustimmung der Bevölkerung verloren hat: die Menschenrechte. Die Iraner erleben Tag für Tag, dass sie als Bürger keine Rechte haben. Jederzeit kann jedermann von der Straße weg verhaftet und ins Gefängnis geworfen werden. Was ihnen dort droht, sind Folter und Tod. So ist es jüngst dem iranischen Blogger Sattar Beheshti ergangen. Seine Leiche wurden von den Behörden ohne Angaben über die Todesursache der Familie übergeben. So ergeht es auch der iranischen  Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh, die in einen Hungerstreik getreten ist, damit ihre Kinder sie besuchen können. Die Natur des iranischen Regimes kennen die Iraner bestens.

Wer also über Menschenrechte spricht, wer das öffentlich tut, mit Nachdruck und immer wieder, der wird bei den Iranern auf offene Ohren stoßen. Denn die Quälerei des Regimes ist ihr tägliches Brot.

Aber es redet fast niemand mehr über Menschenrechte. Regierungen tun es schon lange nicht mehr, auch die Medien halten sich immer mehr zurück. Alles ist dominiert von der Nuklearfrage. Dem iranischen Regime ist das ganz Recht. Denn es weiß: Das ist nicht unser Schwachpunkt.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 49.

    Herr Ladurner,
    Sie kennen die Situation im Iran sehr gut und ich stimme Ihnen zu.
    Jede politische Aktion des Regimes im Iran hat zumindest 2 Botschaften.
    Eine ist immer an das iranische Volk gerichtet, die zweite Botschaft an das Ausland.

    • 25. November 2012 um 20:13 Uhr
    • Karl Bachmann
  2. 50.

    genau so ist das! noch bis heute gibts in Riad mindest, ens zwei Hinrichtungen in der Woche, und zwar in der Oeffentlichkeit. Haende od er Arme und Koepfe werden abgehackt wie vor 1500 jahren! und so einer regierung verkauft man Waffen nur weil einer hat den anderen bedroht und der andere fuehlt sich nicht sicher.fuer mich stecken alle diese regierungen im westen und osten oder nahosten, zusammen unter einer decke.es geht nur ums Geschaeft.

    • 26. November 2012 um 10:15 Uhr
    • mohsen
  3. 51.

    liebe Herr Ladurner und die Redaktion, mich interessiert wirklich worum es Ihnen geht? was darf ich hier sagen um nicht zensiert zu werden? was darf ich Ihrer Meinung nach hier sagen? fuer mich ist der arme man der soetwas wie” Atombombe auf Teheran und fertig” schreibt ist nicht zu verantwortung zu ziehen..aber Sie, die sowas veroeffentlichen, wuerde ich gerne was fragen!was bezwecken Sie? Was darf ich denn sagen das nicht zensiert werden kann? ich kenne das alles von meinem Land. da darf man auch frei denken und reden..aber sind Sie dadurch vielleicht anders oder besser!? ist das Ihre beruehmte Redefreiheit? ich denke nicht

    • 26. November 2012 um 11:49 Uhr
    • mohsen
  4. 52.

    Nach dem Sturz 53 war das westliche Bild für die Iraner wohl wirklich nicht das Beste. Allerdings, und das übersieht der Autor hier und/oder erwähnt es nicht, dass es zwischenzeitlich wohl eine neue Generation von Iranern gibt, die Ahmadinedshad und das ganze möchtegernreligiöse Regime verabscheuen!

    Menschenrechte? Über den Atomkram wird gesprochen wegen Geld und Krieg (wobei Krieg = Geld).

    Warum hat er Autor nicht geschrieben, wie es den Iranern derzeit geht? Dass die Preise fast minütlich geändert werden, dass es schon gar keine Preisschilder mehr gibt, weil die Händler sonst alle paar Minuten die Schilder austauschen müssen? Warum berichtet der Autor nicht darüber, dass die Anfänge einer “Revolution” (grüne Revolution) vor einigen Jahren DA waren? NEDA? Vergessen? Wie hat sich der Autor mit dem Iran, seinen Menschen und seiner Politik befasst? Fünf Minuten auf Wikipedia???

    Kernaussage des Artikels ist wohl nur: “Geld ist wichtiger, weil es wirkt”. Dazu hätte es keinen Artikel gebraucht.

  5. 53.

    @ #48

    Weswegen homosexuelle Palästinenser lieber in Tel Aviv leben, als in Gaza abgemurkst zu werden.

    • 29. November 2012 um 14:10 Uhr
    • Serious Black
  6. 54.

    Da ich zur Zeit im Internet Kontakt habe mit einem jungen Iraner, der in Tabriz lebt, konnte ich mir einige Informationen zum täglichen Leben der iranischen Bevölkerung geben lassen.

    Ich bin nicht der Ansicht, dass man den Iran einfach sich selbst überlassen sollte. Ein Land, in dem junge Männer und Frauen verhaftet werden und ins Gefängnis kommen, weil sie sich auf der Straße miteinander unterhalten, produziert weitere sexuell frustrierte und aggressive Generationen an Nachkommen. Menschenrechte sind was sie sind, nämlich Rechte für einen jeden Menschen. Diese sollte man verteidigen und dies ist auch die einzige Mission, auf die sich die christlich sozialisierte westliche Welt machen sollte.

    Alleine die Tatsache, dass der Mann unter Lebensgefahr für sich und seine Familie im Internet mit mir und anderen Menschen kommuniziert und natürlich auch auf seinen Staat schimpft, zeigt doch, dass den Menschen geholfen werden muss. Diese können sich nicht selber helfen, außer sie nehmen in Kauf, selbst getötet zu werden und die Familie einer Sippenhaft auszusetzen. Wer dies hier ernsthaft verlangt, hatte noch niemals wirklich Angst um sein Leben und das seiner Familie.

    Das außenpolitisch immer noch der Fokus auf der Atompolitik liegt, ist sicher zu großen Teilen Resultat davon, dass es Menschenrechtsverletzungen auch in anderen Ländern gibt und selbst der Westen davor nicht gefeit ist. Dies ist aber unangenehm, und deswegen lenkt man lieber ab.

    • 2. Dezember 2012 um 11:33 Uhr
    • fancy82
  7. 55.

    [...] Über sie haben wir viel berichtet, die Presse auch, die deutsche Presse leider wie immer weniger (Die Zeit stellt fest, dass Teherans Schwachpunkt die Menschenrechte sind, aber das war es auch schon!) [...]

  8. 56.

    [...] Über sie haben wir viel berichtet, die Presse auch, die deutsche Presse leider wie immer weniger (Die Zeit stellt fest, dass Teherans Schwachpunkt die Menschenrechte sind, aber das war es auch schon!) [...]

  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)